Deutsches Zentrum für Record-Linkage
Immer häufiger erfordert die Beantwortung einer Forschungsfragestellung die Zusammenführung von Daten aus verschiedenen Datenquellen. In den Sozialwissenschaften und der Medizin sind dies häufig Daten über dieselben Institutionen, Personen oder Unternehmen. Die Zusammenführung solcher Daten wird als „Record-Linkage“ bezeichnet. Anwendungsbeispiele sind die Zusammenführung von Befragungsdaten mit Daten der Sozialversicherung oder Daten aus der medizinischen Versorgung. Die deutschen Datenschutzbestimmungen setzen der Zusammenführung von Mikrodaten enge Grenzen. Aufgrund dieser Schwierigkeiten wird das Potential von Record-Linkage Anwendungen bislang nicht ausgeschöpft, da Forschungsgruppen die resultierenden Datenschutzprobleme häufig fälschlich für unüberwindbar halten.
Um die Zahl und die Qualität von Record-Linkage Anwendungen in den Fachwissenschaften dauerhaft zu steigern und so neue Datenquellen für die Forschung zu erschließen, wurde im August 2011 das „Deutsche Zentrum für Record-Linkage“ (German RLC) gegründet. Das Zentrum ist ein Kooperationsprojekt einer Arbeitsgruppe an der Universität Duisburg-Essen unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Schnell und dem Forschungsdatenzentrum (FDZ) der Bundesagentur für Arbeit im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter Leitung von Stefan Bender. Das Deutsche Zentrum für Record-Linkage wird als Infrastruktureinrichtung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
gefördert. Das Zentrum ist offen für Anwendungen aus allen Fachrichtungen.
Die Mitarbeiter des Zentrums beraten externe Anwender bei ihren Record-Linkage Herausforderungen und führen im Bedarfsfall Datenverknüpfungen als Auftragsarbeiten durch. Das Zentrum für Record-Linkage verknüpft momentan nachfolgende Datensätze:
• „Sparen und Altersvorsorge in Deutschland“ (SAVE) mit den integrierten Erwerbsbiographien des IAB (IEB)
• Patentdaten aus dem Register des deutschen Patentund Markenamtes (DPMA) mit der IEB
• Georeferenzierte Adressdaten Bund (GAB) des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (Geoinformationen © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie) mit der IEB
• Daten zur frühzeitigen Erkennung von Herzinfarkt und Herztod in der Bevölkerung des Ruhrgebietes mit der IEB
• Daten zur Schlaganfallbehandlung aus verschiedenen Therapiestufen in Hessen.
Das Zentrum bietet unter anderem folgende Leistungen an:
• Individuelle Beratung bei der Planung und Realisierung von Datenverknüpfungsprojekten,
• Ausführung von Datenverknüpfungen als Auftragsarbeiten,
• Kostenneutrale Bereitstellung geeigneter Software,
• Regelmäßige Workshops zu verschiedenen Record-Linkage Themen,
• Aufbau und Bereitstellung von Referenzdatenbanken,
• Clearing-Stelle für die Verknüpfung sensibler Datenbestände.



