Promotionsvorhaben

Dominik GreifenbergKrise und kollektive Identität. Stadtgemeinden am Niederrhein und in Westfalen als Akteure bei Belagerungen im Spätmittelalter (Arbeitstitel)

Das Forschungsvorhaben befasst sich mit spätmittelalterlichen Stadtgemeinden und ihrem Umgang mit Belagerungen als Krisensituationen. Seit dem Hochmittelalter konnte sich im Zuge der sogenannten Kommunalisierung die Stadtgemeinde (lateinisch communitas) vielerorts als politischer Akteur etablieren. Die sich formierende Bürgerschaft beanspruchte zunehmend politische, rechtliche und soziale Kompetenzen, etablierte eigene Verfassungsstrukturen und verdrängte so sukzessive die eigentlichen adeligen oder geistlichen Stadtherren teilweise oder gänzlich aus ihrer Funktion. So konnte sich ein für die Zeit radikal-neuartiges Verfassungssystem entwickeln, das mit innovativen Lösungsansätzen in Politik, Recht und Verwaltung aufwarten konnte. Damit ging die Herausbildung einer spezifischen Kultur und Identität einher, die ganz erheblich von dem Bewusstsein geprägt war, als Kollektiv selbstbestimmt und erfolgreich die Geschicke der eigenen Stadt zu lenken und das Angebot von Sicherheit(en), welches die Stadtherren bis dato exklusiv gewährleisten konnten, nun vollständig selbst schultern zu können. Im späten Mittelalter – die Forschung hat vor allem das 15. Jahrhundert als ‚Zeit der Krisen‘ charakterisiert – wurde das System der communitas in vielfacher Hinsicht auf den Prüfstand gestellt. Militärisch etwa gerieten die unabhängigen Stadtgemeinden immer wieder ins Visier adeliger Akteure. Krisensituationen wie Belagerungen erforderten die Umsetzung vorher (bewusst wie unbewusst) durchdachter und entwickelter Reaktionsmuster unter Einsatz spezifischer Kulturtechniken. Dabei stellten militärische Konflikte im Spätmittelalter aufgrund technischer Innovationen (vor allem der Etablierung von Feuerwaffen) und militärischer Reformen (Fürsten stellen erste stehende Heere auf) fundamental neue Herausforderungen an das Kollektiv der Stadtgemeinde.

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Die Untersuchung soll anhand einzelner Belagerungsszenarien von Städten am Niederrhein und in Westfalen im 14. und 15. Jahrhundert den Umgang einzelner Kollektive mit der existentiellen Krisensituation der Belagerung ergründen. Dabei steht weniger die pragmatische Seite des Krisenmanagements im Vordergrund, sondern vielmehr die deutlich weniger erforschte psychosoziale Dimension. Im Zentrum steht die Frage, welche Bedeutung und Funktion kollektivem Bewusstsein, kollektivem Handeln, kollektiver Identität und Solidarität bei der Bewältigung der Belagerungssituation einerseits beigemessen wurden und andererseits tatsächlich zugefallen sind. Ferner soll aufgezeigt werden, inwiefern die Überwindung der Krisensituationen und deren Reflexion die Identität der Stadtgemeinden geprägt haben.

 

Die Promotion betreut Prof. Dr. Ralf-Peter Fuchs

Benedikt NeuwöhnerBriten am Rhein - die alliierte Besetzung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg

Die geschichtswissenschaftliche Erforschung von militärischen Besatzungen hat in den vergangenen Jahren einen Paradigmenwechsel erfahren. In älteren Studien wurden Besatzungen oftmals als Arena der "hohen Politik" verstanden, in der Konflikte zwischen Großmächten ausgetragen wurden. In jüngeren Publikationen rückt dagegen das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Besatzern und Besetzten in den Fokus des Interesses. In diesem Zusammenhang öffnet sich die Forschung für neue Untersuchungsfelder, darunter u. a. Herrschaftsstrategien und -praktiken der Besatzer vor Ort, alltägliche Beziehungen zwischen Besatzern und Besetzten sowie kulturelle Auswirkungen von Okkupationen.

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Die alliierte Rheinlandbesatzung nach dem Ersten Weltkrieg wird in der Geschichtswissenschaft gemeinhin als ein verlängerter Kriegszustand interpretiert. Dieses Narrativ stützt sich jedoch vor allem auf die Erforschung des Spannungsfelds zwischen französischer Besatzungspolitik und deutschen Abwehrreaktionen und beschränkt sich daher auf Konflikte, die in der französischen und belgischen Besatzungszone ausgetragen wurden. Aufgrund dieser einseitigen Perspektive wird sich das Dissertationsprojekt mit der Untersuchung der britischen Besatzungszone befassen. Hierbei steht weniger die „hohe Politik“, sondern vielmehr das Aushandeln von lokalen Konflikten im Vordergrund des Interesses. Welche Strategien und Praktiken wandten die britischen Besatzungsbehörden an, um ihre Herrschaft über einen von Krisen und Konflikten geprägten Raum zu stabilisieren, Kooperationsbereitschaft zu generieren und Widerstand zu minimieren? Inwiefern eigneten sich die Akteure der beherrschten Gesellschaft die von der Besatzungsmacht geschaffenen Anreize und Zwänge an? Den Impulsen der neueren Besatzungsforschung folgend wird nicht von einer festgefügten Dichotomie zwischen Fremdherrschern und beherrschter Gesellschaft ausgegangen, sondern von einem wechselseitigen Prozess, der eine Vielfalt von Handlungsoptionen für die beteiligten Akteure bereithielt. Ziel des Projektes ist, über die Erforschung der britischen Okkupation ein differenzierteres Bild der besetzten rheinischen Gebiete in der Weimarer Nachkriegszeit zu zeichnen und das Narrativ von der Rheinlandbesatzung als verlängertem Kriegszustand auf den Prüfstand zu stellen.

 

Einen Vortrag von Herrn Neuwöhner zu diesem Themenkomplex finden Sie hier.

Jan Phillip WoltersDer Einfluss der Kaiserswerther Diakonissenanstalt auf die Entwicklung der Kaiserswerther Generalkonferenzen von 1865 bis 1894 unter der Führung Julius Disselhoffs

Das Dissertationsvorhaben beschäftigt sich damit, wie die Kaiserswerther Diakonissenanstalt die Kaiserswerther Generalkonferenzen (KGK) der evangelischen diakonischen Mutterhäuser im Zeitraum von 1865 bis 1894 unter dem Vorsteher und Fliedner-Nachfolger Julius Disselhoff führte, beeinflusste und maßgeblich nach ihrem Willen prägte.

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Die Kaiserswerther Generalkonferenzen waren 1861 von Theodor Fliedner, dem Gründer der Kaiserswerther Diakonissenanstalt und Erneuerer des apostolischen Diakonissenamts, initiiert worden. Ziel war es offiziell, einen Austausch und Synergieeffekt der Diakonissenmutterhäuser untereinander zu fördern. Eine Vielzahl dieser teilnehmenden Mutterhäuser waren zwar nach dem „Fliedner’schen Vorbild“ konstituiert, waren aber keine Tochteranstalten der Kaiserswerther Diakonissenanstalt und dementsprechend autonom und autark. Im Laufe zweier Dekaden war zwischen den Mutterhäusern von 1840 bis 1861 ein informelles internationales Kommunikationsnetzwerk entstanden. Mittels der KGK sollte es dann ab 1861 zum Austausch von Erfahrungen und einer stärkeren Assimilation kommen, indem vor allem Prozesse und Standards der Mutterhäuser untereinander nach Kaiserswerther Vorbild harmonisiert wurden. Die Kaiserswerther Diakonissenanstalt legte von Beginn an großen Wert auf die Durchsetzung dieses Modells.

Nach dem Tod Fliedners 1864 übernahm sein Nachfolger Julius Disselhoff ab 1865 die Leitung und führte für die nächsten 29 Jahre die KGK bis 1894 gestaltend. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wuchs die Teilnehmerzahl der KGK unter Disselhoffs Führung stetig, so dass bis 1894 über 56 Mutterhäuser an den Konferenzen teilnahmen und als Konsequenz am Ende des 19.  Jahrhunderts mehrere zehntausend Diakonissen aus mehreren Ländern, so z.B. aus der Schweiz, Russland und den USA, organisiert wurden. Kaiserswerth stellte in Folge dessen ununterbrochen den Vorsitz und den Veranstaltungsort. Die KGK gehörte durch das Wirken Disselhoffs in ihrer Gesamtheit als Verband für die protestantisch-private und weibliche Wohlfahrt mit zu den größten Zusammenschlüssen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie entwickelte sich zudem zu einem relevanten politischen Interessenvertreter und Akteur gegen die sich etablierende Sozialdemokratie.

Mareike Roder-LievenXantener Kanonikertestamente des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Noch immer ist die Geschichte des Xantener Viktorstiftes in der Frühen Neuzeit „kaum behandelt und erforscht“. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund der bewegten Geschichte des Stiftes und der prominenten Stellung vieler seiner Mitglieder bedauerlich. Die überlieferten Testamente eröffnen vor diesem Hintergrund einen Zugang, der gleichsam personengeschichtlich wie mentalitätsgeschichtlich orientiert ist. So ist etwa nach der religiösen Orientierung der Kanoniker, ihren Beziehungen und ihren alltagkulturellen Werthaltungen zu fragen und so ein vielschichtiges Bild vom „inneren Leben“ im Viktorstift der Frühen Neuzeit zu gewinnen.

Ein Kurz-Expose finden Sie hier.