2026-03-06 | Workshopteilnahme

Besuch des 10. Workshops der Arbeitsgemeinschaft „Language and Work“

Die „Language and Work Group” ist ein interdisziplinäres Forschungsnetzwerk, welches kritische Forschung an der Schnittstelle zwischen Sprache(n), Arbeit und der Reproduktion von Prekarität und sozialer Ungleichheit betreibt. Ihre Mitglieder sind Wissenschaftler:innen, deren Arbeit das Feld maßgeblich geprägt und mitentwickelt haben. Am 6. und 7. März 2026 fand an der Haute école pédagogique du canton du Vaud (kurz HEP Vaud) in Lausanne der zehnte Workshop der Gruppe und ein anschließendes Arbeitstreffen statt, an dem ich gemeinsam mit dem Betreuer meiner Doktorarbeit, Prof. Dr. Tobias Schroedler, teilgenommen habe. Den Workshop schätze ich rückblickend als einer der zentralen Ereignisse meiner Promotionsphase ein, der mein Denken und meine Arbeit an und außerhalb der Dissertation stark geprägt hat.

Thematisch wurde der Workshop diesmal unter der Überschrift „Language as/at Work in Education“ durchgeführt. Zentrale Fragen waren unter anderem, wie neoliberale Marktlogiken Spracharbeit und Sprache als Arbeit in verschiedenen Kontexten beeinflussen, wie sprachbildende und sprachlernende Akteur:innen solche Veränderungen navigieren und welche Bedingungen zum Erhalt oder zur Disruption von hegemonialen Sprachregimen im Kontext von Bildung führen. Deutlich wurde im Workshop und den Diskussionen dabei immer, dass Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung in diversen Bildungskontexten vor dem Hintergrund verhandelt wird, Fachkräfte produzieren zu wollen. Sprachpraktiken im Alltag von Arbeit und Bildung sind in größere Diskurse über Arbeits- und Fluchtmigration, (Sprachen)politik und dem ‚ultimativen‘ Ziel der Arbeitsbefähigung eingebettet. Aus methodischer Sicht bot der Workshop eine große Bandbreite an Einblicken mit einem Fokus auf ethnografischen Herangehensweisen.

Für die Arbeit im DFG-Projekt „Mehrsprachige Teilhabe am Arbeitsmarkt: Wert und Nutzen von Herkunftssprachen in der Erwerbstätigkeit“ und meine darin verortete Dissertation ergeben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte. Das Mosaik aus den vorgestellten Forschungsprojekten bilden einen Standpunkt, von dem aus kritische Erforschung von mehrsprachigen Praktiken am Arbeitsplatz gedacht werden kann. Insbesondere haben mich seitdem – wie im gesamten Projekt auch – ambivalente Perspektiven auf den Begriff des Nutzens beschäftigt. Es handelt es sich hierbei einen klassischen ‚Once you see it, you cannot unsee it‘-Fall: Einmal vor Augen geführt, wie stark unsere akademischen und politischen Debatten über Mehrsprachigkeit in Debatten um ihre Nützlichkeit eingebettet sind, ist es unmöglich durch die Welt gehen, ohne diese Diskurse wahrzunehmen.

Im Anschluss an die Präsentationen fand am zweiten Tag noch eine Reading Discussion von Bourdieu und Passerons klassischem Text ‚Reproduction in Education, Society and Culture‘ (1990 [1970]) statt. Uns wurde im Folgenden ermöglicht, der Language and Work Group beizutreten und somit zukünftig an Aktivitäten wie Workshops, Reading Groups und Writing Retreats teilzunehmen. Die Zeit seitdem war äußerst fruchtbar und ich nehme es als Privileg wahr, Aktivitäten der Gruppe nutzen zu können und dort Unterstützung zu erhalten. Denn auch das bedeutet schließlich Vernetzung in einer frühen Karrierephase: Den Rücken gestärkt zu bekommen in prekären Wissenschaftssystemen, in dem die Karrierewege wohlüberlegt mit den eigenen Forschungsinteressen zusammengedacht werden müssen. Das InZentIM hat mit seiner finanziellen Förderung dazu beigetragen, dass ich diesen Weg einschlagen kann und dafür bin ich sehr dankbar!

Kategorien:

 Workshopteilnahme