DigiWortSchatz – Entwicklung und Pilotierung einer digitalen Umsetzung des strategieorientierten Förderkonzepts Wortschatzsammler
DigiWortSchatz – Entwicklung und Pilotierung einer digitalen Umsetzung des strategieorientierten Förderkonzepts Wortschatzsammler
Laufzeit 

Projektleitung 
Projektkoordination
02/2025 -02/2029 Profin. Drin. Tanja Ulrich Lena Koch (abgeordnete Lehrkraft)
Hintergrund
Kinder mit eingeschränktem Wortschatz sind in vielen schulischen Bereichen benachteiligt, insbesondere im (schrift)sprachlichen Ausdruck, beim Textverstehen und in der sozialen Interaktion und Teilhabe (Dale et al., 2023; Glück, 2003; Kärbla et al., 2021). Bereits in frühen Entwicklungsphasen zeigen sich sprachliche Disparitäten, die unter anderem mit dem Migrationshintergrund und dem sozioökonomischen Status von Kindern zusammenhängen (Stanat et al., 2022; Stubbe et al., 2023). In der Grundschule stellt das hohe Pensum an neuen Fachbegriffen sowie die Anforderungen an die Bildungssprache viele Schüler*innen vor Herausforderungen. Der Erwerb von unterrichtlichem Fachwortschatz ist ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg und die gesellschaftliche Teilhabe (Glück & Spreer, 2015; Ludewig et al., 2022).
Lehrkräfte sind also gefordert, den heterogenen Voraussetzungen der Schüler*innen durch differenzierte Lernangebote Rechnung zu tragen. Bisherige Ansätze im Unterricht sind oft lehrkraftzentriert und bieten Lernenden mit Erwerbsschwierigkeiten kaum individuell wirksame Wortlernstrategien (Laßmann & Ulrich, 2020). Das sprachheilpädagogische Förderkonzept Wortschatzsammler hat sich als eine der effektivsten Methoden zur strategieorientierten Wortschatzförderung erwiesen. Es leitet Kinder dazu an, sich Wörter eigenaktiv durch den Einsatz von Strategien zu erschließen (Motsch et al., 2022). Dieses evidenzbasierte Konzept ist bereits erfolgreich auf den inklusiven Unterricht übertragen worden und zeigt positive Effekte für eine heterogene Schülerschaft, einschließlich Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen und mehrsprachig aufwachsenden Kindern (Laßmann & Ulrich, 2020).
Gleichzeitig erfordert die fortschreitende Digitalisierung von Lehrpersonen, Unterricht stetig weiterzuentwickeln (KMK, 2021; Eickelmann, 2018). Digitale Medien eröffnen in diesem Zusammenhang neue Möglichkeiten, Lerninhalte systematisch, adaptiv und motivierend zu gestalten sowie Lernstände zu erfassen. Sie bieten eine sinnvolle Ergänzung zur Sprachförderung, tragen zur Reduktion der Arbeitsbelastung von Fachkräften bei und verbessern die Zugänglichkeit von Wortschatzförderung (Saeedi et al., 2022).
Ziele
Das übergeordnete Ziel des Forschungsprojekts ist die digitale Entwicklung und Pilotierung einer Umsetzung des evidenzbasierten, strategieorientierten Förderkonzepts Wortschatzsammler (Motsch et al., 2022). Darüber hinaus lassen sich Zielsetzungen auf folgenden Ebenen formulieren:

Forschungsfragen:
- Welche Merkmale digitaler Interventionen zur Wortschatzförderung für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen im Primarbereich lassen sich auf Grundlage der internationalen Forschung identifizieren, und welche Erkenntnisse liegen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit vor?
- Welche Hinweise auf die Wirksamkeit der digital gestützten strategieorientierter Wortschatzförderung für den Erwerb fach- und bildungssprachlichen Vokabulars ergeben sich aus der Pilotierung im inklusiven Unterricht der Primarstufe?
- Welche Chancen und Herausforderungen zeigen sich bei der Implementation der digital gestützten strategieorientierten Wortschatzförderung im inklusiven Grundschulunterricht aus Sicht von Lehrkräften und Schüler*innen?
Methode
Das Forschungsprojekt ist auf vier Jahre angelegt und umfasst drei übergeordnete Projektphasen.
- Systematische Aufbereitung des internationalen Forschungsstands (Phase 1)
- Entwicklung eines digitalen strategieorientierten Wortschatzförderkonzepts (Phase 2)
- Pilotierung des Förderkonzepts (Phase 3)
Literatur
Dale, P. S., Paul, A., Rosholm, M. & Bleses, D. (2023). Prediction from early childhood vocabulary to academic achievement at the end of compulsory schooling in Denmark. International Journal of Behavioral Development, 47(2), 123–134. https://doi.org/10.1177/01650254221116878
Eickelmann, B. (2018). Digitalisierung in der schulischen Bildung: Entwicklungen, Befunde und Perspektiven für die Schulentwicklung und die Bildungsforschung. In N. McElvany, F. Schwabe, W. Bos, & H.-G. Holtappels (Hrsg.), Digitalisierung in der schulischen Bildung: Chancen und Herausforderungen (S. 11–26). Waxmann.
Glück, C. W. (2003). Semantisch-lexikalische Störungen bei Kindern und Jugendlichen: Therapieformen und ihre Wirksamkeit. Sprache · Stimme · Gehör, 27(3), 125–134. https://doi.org/10.1055/s-2003-42534
Glück, C., & Spreer, M. (2015). Zur Bildungsrelevanz semantisch-lexikalischer Störungen. Sprache · Stimme · Gehör, 39(2), 81–85. https://doi.org/10.1055/s-0035-1549914
Kärbla, T., Uibu, K., & Männamaa, M. (2021). Teaching strategies to improve students’ vocabulary and text comprehension. European Journal of Psychology of Education, 36(3), 553–572. https:// doi. org/ 10.1007/ s10212- 020- 00489-y
Kultusministerkonferenz. (2021). Lehren und Lernen in der digitalen Welt: Die ergänzende Empfehlung zur Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. https://www.kmk.org
Laßmann, I., & Ulrich, T. (2020). „Wortschatzsammler“ im Unterricht: Entwicklung und Evaluation eines strategieorientierten, unterrichtsintegrierten Förderkonzepts. Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete, 89, 125–126. https://doi.org/10.2378/vhn2020.art15d
Ludewig, U., Hübner, N. & Schröder, S. (2022). Vocabulary, text coverage and the lexical threshold in elementary school reading comprehension assessment. Reading and Writing. https://doi.org/10.1007/s11145-022-10385-0
Motsch, H. J., Marks, D. K., & Ulrich, T. (2022). Wortschatzsammler: Evidenzbasierte Strategietherapie lexikalischer Störungen im Kindesalter (4. überarb. Aufl.). Ernst Reinhardt.
Saeedi, S., Bouraghi, H., Seifpanahi, M.-S., & Ghazisaeedi, M. (2022). Application of digital games for speech therapy in children: A systematic review of features and challenges. Journal of Healthcare Engineering, 2022, 4814945. https://doi.org/10.1155/2022/4814945
Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Sachse, K. A., Weirich, S., & Henschel, S. (2022). IQB-Bildungstrend 2021. In P. Stanat, S. Schipolowski, R. Schneider, K. A. Sachse, S. Weirich, & S. Henschel (Hrsg.), Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich (S. 259–284). Waxmann.
Stubbe, T. C., Schaufelberger, R., Krieg, M., Kleinkorres, R., & Schlitter, T. (2023). Schullaufbahnpräferenzen am Übergang in die Sekundarstufe und der Zusammenhang mit leistungsrelevanten und sozialen Merkmalen. In N. McElvany, R. Lorenz, A. Frey, F. Goldhammer, A. Schilcher, & T. Stubbe (Hrsg.), IGLU 2021: Lesekompetenz von Grundschulkindern im internationalen Vergleich und im Trend über 20 Jahre (S. 231–248). Waxmann.




