Azubi-Tag beim C3

Azubi-Tag beim 39. Chaos-Communication Congress
von Nico Boelsen

Das Jahresende - für viele rücken in dieser Zeit besinnliche Feiern im Familienkreis in den Mittelpunkt.
Nicht so jedoch für sechs Auszubildende des ZIM. Während große Teile unserer Mitarbeitenden noch die üppigen Feiertagsmahlzeiten sacken ließen oder über Neujahrsvorsätze grübelten, folgten wir einem Ruf in das ferne Hamburg zu unserer ersten Dienstreise.
Dort öffnete nämlich am 29.12.2025 der Chaos Computer Club (CCC) seine Pforten zum “Azubi-Tag” des 39. Chaos Communication Congress (C3).
Der CCC ist bekannt als ein seit über 40 Jahren bestehender Verein, in dem sich zahlreiche Hacker//Cybersicherheits-Experten zusammengeschlossen haben. Er hat sich in Deutschland längst zu einer relevanten Institution rund um Fragen der Cybersecurity entwickelt. Trotz seines Namens geht es dem CCC dabei nicht um Chaos oder Zerstörung, sondern darum, Sicherheitslücken aufzuzeigen, Systeme zu schützen und die Gesellschaft für Themen der IT-Sicherheit zu sensibilisieren.
Rund 16.000 Teilnehmer:innen erwartete der CCC zu seiner 39. Jahreskonferenz mit dem Motto “Power Cycles”, auf deren Programm auch diesmal auf vier weitläufigen Etagen zahlreiche Vorträge und Workshops zu technischen und gesellschaftlichen Themen standen.
Nach anfänglichen Navigationsschwierigkeiten – das Gelände glich schon um 9 Uhr einem Kuriositätenkabinett für IT-Begeisterte – gab die Einführungsveranstaltung des Azubi-Tags den Startschuss für unseren Congress-Tag. Neben allgemeinen Informationen erhielten wir hier auch Geheimtipps, Empfehlungen für Veranstaltungen und Workshops sowie exklusive Sticker (wie im Bild oben zu sehen).
Sobald endlich selbst ins Geschehen eintauchen durften, merkten wir schnell, dass die Warnung vor der sogenannten Congress-FOMO - der Angst, etwas Spannendes zu verpassen - keineswegs übertrieben war. Sollten wir uns den Vortrag über 3D-Druck-Design anhören, den über Sicherheitslücken in der elektronischen Patientenakte - oder doch lieber etwas völlig anderes, etwa „Himmelsnavigation mit sehr wenig Mathematik“ oder Projekte mit einer 1 Bit CPU? Zwar lassen sich fast alle Vorträge später online nachschauen, doch die einzigartige Atmosphäre vor Ort kann kein Video einfangen.
Doch die Vorträge waren nur die Spitze des Eisbergs. Unweigerlich stolperte man beim Erkunden des Messegeländes über kleine Ausstellungen lokaler CCC-Vereine. Diese enthielten absolut alles, was man sich vorstellen kann: von der Vorführung von Ubuntu-Smartphones über per Telnet ansprechbare Winkekatzen bis hin zu Tetris-Varianten auf LED-Matrizen.
Die Themenwahl spiegelte wider, wie offen der Congress für alle gestaltet war - nicht nur für IT-Profis, sondern ausdrücklich auch für Jüngere, Lernende und Neugierige ohne Fachhintergrund.

Auch das Selbermachen kam während all dem ebenfalls nicht zu kurz: Eine schier endlose Menge an Workshops lud dazu ein, vom reinen Betrachten ins eigene Tun zu kommen. Neben naheliegenden Dingen wie Python- oder Linux-Kursen für Anfänger und unzähligen Varianten von Löt-Workshops warteten auch extravagantere Optionen auf uns. So ging es beim „Shitty Robot Workshop“ darum, Roboter aus Elektroschrott zu bauen, die anschließend bei großem Andrang auf der Bühne gegeneinander antraten. Die Zuschauer konnten hier nicht nur selbst den Sieger bestimmen, sondern gleich die Siegesbedingungen an sich.
Jeder kann beitragen – dieses Prinzip zog sich unverkennbar durch den gesamten Congress. Bei aller zur Schau gestellten Fachkompetenz war es leicht zu vergessen, dass jedes Projekt, jeder Workshop ohne das Herzblut der Ausstellenden und ihrem Wunsch, ihre Leidenschaft mit Gleichgesinnten zu teilen, gar nicht erst entstanden wäre.
Herzblut für das Event hatten auch die sogenannten „Engel“, denen man auf dem Congress überall begegnete - ehrenamtlichen Helfern, die für den Auf- und Abbau bereitstanden, Infopunkte besetzten, die technische Infrastruktur hüteten und so den Ablauf des Congresses sicherstellten.
Beim Schlendern durch die düsteren, neonbeleuchteten Hallen, vorbei an Tischen voller Technik, Referenzen zur digitalen Popkultur und Kabelgewirr, fühlte es sich an, als betrete man eine kleine Parallelwelt. Dazu passte, dass der Congress über ein eigenes Telefonnetz verfügte - inklusive der Möglichkeit, eigene DECT-Telefone einzubinden. Was wir in der Vorbereitung noch für ein reines Gimmick hielten, entpuppte sich vor Ort als so häufig wie praktisch: Für nahezu jeden Zweck gab es eine eigene Durchwahl - ob für Fragen zu Ständen, Wegbeschreibungen oder den direkten Kontakt zu Vortragenden.
Doch auch ohne Telefone war es ein Leichtes, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen oder mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Was auch immer unser Interesse weckte, fast jede:r war bereit, sein Wissen zu teilen oder gemeinsam zu fachsimpeln.
Das einzige Manko: Während sich der Congress insgesamt über vier Tage erstreckte, galten die Tickets für den Azubi-Tag lediglich für einen davon. Sobald also jede:r von uns so viele Eindrücke gesammelt hatte, wie an einem Tag in einen Azubi-Kopf passen, hieß es Abschied nehmen und die Veranstaltung in unserer Unterkunft im zentralen Hamburg Revue passieren lassen.
Und auch, wenn sich unsere Wege oft trennten - was unsere Erfahrungen einte war, dass der Congress unsere Begeisterung für IT spürbar neu erweckt hat. Denn ganz egal, welche Vorträge, Workshops oder Projekte man sich anschaute - alles dort zeigte, was mit und in der IT alles möglich ist.
Unser besonderer Dank gilt daher unseren Ausbildern, die uns überhaupt erst auf den Azubi-Tag beim C3 hingewiesen, bei der Planung geholfen und somit den Weg nach Hamburg freigemacht haben.