Die Innovationsprojekte im digitalen Raum von Demokratie leben! Als zentraler Sozialisations-, Informations- und Beteiligungsort für Jugendliche ist der digitale Raum auch ein strategisch bedeutsames Feld der Demokratieförderung und Extremismusprävention. Aus diesem Grund fördert das Bundesprogramm Demokratie leben! in seiner dritten Förderperiode eine zunehmende Anzahl von Innovationsprojekten, die sich auf den digitalen Raum konzentrieren. Diese Innovationsprojekte adressieren zwei Themenfelder: digitale Teilhabe und Kompetenzen auf der einen Seite und Arbeit gegen Hass im Netz und Desinformation auf der anderen Seite. Die Projekte sind dabei jeweils einem dieser Themenfelder zugeordnet.
1. Themenfeld: Digitale Teilhabe und Kompetenzen
Politisches Engagement verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum, der insbesondere für junge Menschen eine zentrale Rolle in der politischen Sozialisation spielt. Gleichzeitig fehlen vielen Nutzerinnen und Nutzern die Kompetenzen, um sich dort konstruktiv einzubringen. Die Kommunikationskultur in digitalen Räumen erschwert einen offenen, demokratischen Austausch häufig zusätzlich. So begünstigen anonyme Kommunikationsformen und algorithmische Verstärkungsmechanismen polarisierte Diskussionen und können einen offenen Austausch verhindern. Neben diesen Herausforderungen birgt das Internet auch ein großes Potenzial – etwa, um über Formate, wie digital streetwork und gaming neue Zielgruppen für die Demokratieförderung zu erreichen, oder um über technische Anwendungen wie Beteiligungs-Apps die Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.
Insgesamt sollen die Innovationsprojekte im Themenfeld Digitale Teilhabe und Kompetenzen dazu beitragen, den digitalen Raum als inklusiven Raum zu gestalten, in dem demokratische Werte gelebt werden. Ziel ist es, junge Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, die Chancen der digitalen Teilhabe aktiv zu nutzen und sich demokratisch zu engagieren.
2. Themenfeld: Arbeit gegen Hass im Netz und Desinformation
Die zunehmende Verbreitung von Hass und Desinformation im Netz erschwert demokratischen Austausch, verunsichert viele Menschen, und verstärkt gesellschaftliche Polarisierung und Radikalisierung. Zudem fördern digitale Angriffe auch Ausprägungen physischer Gewalt. Betroffene Gruppen ziehen sich aus dem digitalen Raum zurück. Um diesen Entwicklungen wirksam zu begegnen, benötigt die Gesellschaft innovative Formen der Unterstützung und Intervention. Insbesondere junge Menschen sind kontinuierlich mit diesen Tendenzen konfrontiert – als Betroffene, Beobachtende, aber auch (teilweise unabsichtlich) Verbreitende – und müssen eine Wahl treffen, wie sie sich verhalten.
Die Innovationsprojekte im Themenfeld Arbeit gegen Hass im Netz und Desinformation versuchen, die Nutzer*innen im Umgang mit diesen Herausforderungen zu stärken. Dazu gehört die Entwicklung von Methoden der digitalen Zivilcourage, Moderation und Sensibilisierung, um Hass zu erkennen und ihm entgegenzuwirken. Zudem werden Betroffene im Umgang mit Hass unterstützt und Beobachtende befähigt, aktiv Hilfe zu leisten oder zu organisieren. Die Projekte gehen auf spezifische Herausforderungen, wie beispielsweise online verbreitete Misogynie oder KI-basierte Desinformation, ein und schaffen Angebote zur Förderung demokratischer Medienkompetenz. Dadurch soll auch das Vertrauen in seriöse Informationen gestärkt oder wiederherstellt werden.
Zum Kontext: Evaluation im Bundesprogramm Demokratie leben!
Demokratie leben! ist ein bundesweites Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), das zivilgesellschaftliche Initiativen stärkt, um demokratische Teilhabe zu fördern, Vielfalt zu gestalten und Extremismus vorzubeugen. Das Bundesprogramm wird dabei in seinen unterschiedlichen Programmbereichen durch Teilevalutionen begleitet, die in einem Evaluationsverbund koordiniert werden. Die Evaluation hat das Ziel, die Umsetzung der gesetzlich festgelegten Ziele des Programms zu überprüfen und zu unterstützen. Gleichzeitig fördert sie auch die kontinuierliche Weiterentwicklung des Bundesprogramms. Damit Demokratie leben! als lernendes Programm flexibel auf neue Herausforderungen reagieren kann, ist es zentral, in diesem Prozess auch sich verändernde Sozialisationskontexte und technische Fortschritte zu berücksichtigen. Die Evaluation umfasst daher nicht nur eine Bewertung der Wirksamkeit der aktuellen Maßnahmen, sondern auch eine formative Begleitung zu deren gezielter Weiterentwicklung. Insgesamt evaluieren acht Teams die verschiedenen Programmbereiche und Handlungsfelder von Demokratie leben!.
Teilevaluation der Innovationsprojekte im digitalen Raum:
Die Rolle der UDE Im Rahmen der Gesamtevaluation des Bundesprogramms Demokratie leben! von 2025 bis 2028 ist die UDE für die Evaluation der Innovationsprojekte im digitalen Raum verantwortlich. Dabei handelt es sich um 15 Projekte diverser Träger. Als wissenschaftliche Begleitung untersucht und berät die UDE die geförderten Innovationsprojekte in den beiden Themenfeldern Digitale Teilhabe und Kompetenzen sowie Arbeit gegen Hass im Netz und Desinformation im Hinblick auf die Erreichung der im Programm vereinbarten Ziele. Mit einem Teil der Projekte werden umfassende, wirkungsorientierte Einzelevaluationen durchgeführt.
Relevanz für die Integrations- & Migrationsforschung:
- Da gesellschaftliche Ungleichgewichte, Vorurteile und Diskriminierung sich auch im digitalen Raum widerspiegeln, gehören Menschen mit Migrationsgeschichten zu den Gruppen, die in besonderem Maße von Hass im Netz betroffen sind.
- Das geht u.a. mit einer erhöhten Gefahr des Rückzugs aus bestimmten Bereichen des digitalen Raums einher, der Projekte, auch wenn sie sich gegen Hass im Netz allgemeiner einsetzen, entgegen wirken können.
- Das Thema Migration ist häufig von Desinformation betroffen. Das kann nicht nur Debatten über und die Wahrnehmung von Migration beeinflussen (z.B. durch Verbreitung von Vorurteilen oder falschen Zahlen), sondern auch Einstellungen zu und das Verhalten gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichten.
- Außerdem sind die Ziele der untersuchten Projekte u.a. die Förderung von Medienkompetenz, demokratischer Teilhabe und Vertrauen in demokratische Institutionen relevant für Integration(sforschung).
|
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Frauen, Senioren, Familie und Jugend (BMBFSFJ)
Laufzeit: 01/2025 – 12/2028
Projektleitung:
Prof. Dr. Hermann Josef Abs (Institut für Schulentwicklung, UDE)
Mitarbeitende:
Eva Anderson-Park, Dr. Marcus Kindlinger (Institut für Schulentwicklung, UDE),
Dr. Myrte van Veldhuizen, Lisa Walter (Institut für Erziehungswissenschaft, UDE)
Projektwebseite
|