Israel 2017

„Palast des Ahab“ in Samaria

„Haus des Petrus“ in Kapharnaum

Exkursion nach Israel und Palästina: 19.-29. September 2017 „Zu Gast bei Ahab und Petrus“

Das Institut für Katholische Theologie der Universität Duisburg-Essen bot vom 19. bis 29. September 2017 eine Exkursion nach Israel und Palästina an.

Die Leitung hatte Frau Dr. Kathrin Gies (Altes Testament, OSTR’in i.H., Institut für Katholische Theologie, Duisburg-Essen). Die Fahrt fand statt in Kooperation mit Frau Marie-Christin Bünzel (Neues Testament, WMA, Institut für Katholische Theologie, Paderborn) und Herrn Pastor Klaus Giepmann (Pfarrei St. Franziskus, Bochum-Süd).

Für alle Teilnehmer fand ein verpflichtendes Blockseminar vom 7.-9. Juli 2017 statt. Jede/r Teilnehmer/in übernahm einen Beitrag am Blockseminar, eine schriftliche Ausarbeitung und hält ein Referat vor Ort.


Inhaltlich setzte die Studienfahrt drei Schwerpunkte:

  • Einen Hauptaspekt bilden erstens die biblische Archäologie und biblische Ortstraditionen. Beispielhaft dafür stehen Samaria, als biblische Residenzstadt Ahabs (vgl.1 Kön 16,29), und Kapharnaum mit dem Haus des Petrus (vgl. Mk 1,29; Lk 4,38; Mt 8,14).
  • Zweitens stehen christliche Pilgertraditionen und Ortstraditionen von Judentum und Islam im Vordergrund. In diesem Zusammenhang wird die Frage nach der Bedeutung von Verankerungen in Raum und Zeit für religiöse Symbolsysteme gestellt.
  • Drittens bilden die jüngere Geschichte des Staates Israel und Begegnungen mit Juden und arabischen Christen und die Teilnahme an jüdischer Liturgie einen Schwerpunkt. Geplant sind ein Besuch in Yad VaShem, Begegnungen mit Daoud Nasser, Tent of Nations, und Hana Bendkowsky, Jerusalem Centre for Jewish-Christian Relations. Ferner besteht die Möglichkeit der Teilnahme an Maariv an Erew Rosh Ha Shanah im Hebrew Union College und der Teilnahme an einer Kabbalat Shabbat in der Gemeinde Kol HaNeshama.

Bericht nach der Exkursion

Die Studienreise nach Israel begann für uns sehr früh am Morgen des 19. Septembers. Gemeinsam fuhren wir von Essen aus mit dem Bus zum Frankfurter Flughafen, wo wir auf weitere Mitreisende aus Paderborn und Dortmund trafen. Nach einer mehr oder weniger langwierigen Flugreise kamen wir abends in unserem Hotel in Betlehem an. Hier verbrachten wir fünf Nächte und zogen danach weiter in ein Hotel in Nazareth.

Neben Betlehem und Nazareth standen unter anderem auch Jerusalem, Galiläa, Judäa, der See Genezareth und Tel Aviv auf dem Programm. Die zahlreichen Orte, die wir in den 10 Tagen unserer Reise besuchten, sprechen bereits für die vielseitige Gestaltung der Reiseplanung.

Wir befanden uns auf der einen Seite auf den Spuren des Christentums, indem wir bedeutende Stätten besichtigten, wie beispielsweise die Grabeskirche, die Geburtskirche oder die Via Dolorosa. Biblische Bilder und Erzählungen wurden hier durch eine örtliche Verknüpfung für uns noch plastischer.

Neben dem, was wir über die eigene Religion lernten, beschäftigten wir uns aber auch mit dem Islam und dem Judentum. Gerade Jerusalem, aber auch Israel insgesamt als das Heilige Land, präsentiert in seiner religiösen und kulturellen Diversität einen Ort der Begegnung, jedoch auch der Abgrenzung der verschiedenen Religionen. Aus diesem Grund war es für uns spannend, auch etwas über andere Glaubensgemeinschaften zu erfahren.

Besonders die jüdische Kultur und Religion stellte einen großen Teil unseres Programms dar. Ein besonderer Feiertag, das jüdische Neujahrsfest Rosh HaShana, stand während unserer Reise an. Wir besuchten einen jüdischen Gottesdienst in Jerusalem anlässlich dieses Feiertages und nahmen weiterhin teil an einer Kabbalat Shabbat. Die Offenheit und Freundlichkeit, mit der wir dort empfangen wurden, war großartig.

Sonnenuntergang mit Blick auf Jordanien

Auf dem Ölberg

Auch unser geschichtliches und archäologisches Wissen vergrößerte sich mit jeder Ausgrabungsstätte, die wir besuchten. Einige Höhepunkte waren hier sicherlich die Besichtigung von der Festung Masada, der Siedlung Qumran, den Höhlengängen von Bet Guvrin-Maresha und der eisenzeitlichen Stadt Betsaida. Ob unterirdisch oder überirdisch, Mosaik oder Malerei, Vier- oder Sechskammertor, Mikwe oder Mazzebe, jede Entdeckung ließ unser archäologisches Gespür weiter wachsen.

Die Vielseitigkeit des Landes zeigt sich nicht nur in den unterschiedlichen Kulturkreisen, sondern auch in der abwechslungsreichen Vegetation. So erlebten wir während unserer Reise einige Naturschönheiten, von der Steinwüste bis zur Oase. Dabei stießen wir des Öfteren auf einen Feigenbaum, eine Dattelpalme oder einen Johannesbrotbaum. Das Baden im Toten Meer und im See Genezareth waren ein Highlight während der Reise. Beeindruckend waren zudem auch die zahlreichen Aussichten, die sich uns während unsere Wanderung durch das Wadi Quelt oder vom Berg Tabor und Masada hinab boten. Ein weiterer wichtiger Faktor der Reise will genannt sein: das kulinarische Erleben Israels. Falafel, Hummus und Pitabrot wurden während dieser Reise zum Hauptnahrungsmittel, und auch weniger bekannte Dinge wie Zaatar oder Knafeh trafen den ein oder anderen Geschmack.

Politik war ebenfalls während unserer Reise ein Thema. Der Nahostkonflikt war an einigen Stellen hautnah erlebbar, und durch einige Begegnungen, die wir während der Reise machten, konnten wir in manchen Punkten ein fundierteres Wissen gewinnen. Besonders eindrucksvoll was das Treffen mit Hana Bendkowsky vom Jerusalem Center for Jewish-Christian Relations. Sie reflektierte während ihres Vortrags nicht nur soziologische und kulturelle Probleme des eigenen Landes, sondern verleitete uns auch in besonderer Weise zum Nachdenken über die eigene Gesellschaft und sorgte somit auch im Nachhinein für viel Diskussionsanregung.

In Betsaida

Auf Massada

Nicht nur das Erleben des Landes und der Menschen machten diese Reise zu einem einzigartigen Erlebnis, sondern auch die besondere Gruppendynamik. Die zehn Tage waren geprägt von schönen Gesprächen und sehr kurzweiligen Abenden. Wir versorgten uns gegenseitig mit Medikamenten, Schekeln, Kochrezepten und angelesenem Wissen. Die persönlichen Erzählungen waren jeden Tag aufs Neue eine Bereicherung. Wir beteten und sangen gemeinsam, feierten Gottesdienste und tanzten israelische Tänze zusammen. Neben dem hohen Bildungszuwachs wurden während der zehn Tage auch viele neue Bekanntschaften gemacht und Freundschaften geknüpft. Insofern lässt sich abschließend nur sagen, dass die Studienfahrt ein voller Erfolg war und in vielerlei Hinsicht den Horizont erweiterte.

(Text: Katharina Sternberg; Fotos: Natalie Kajzer)