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Fallbasiertes Lehren und Lernen

Im Handlungsfeld SkillsLabs | Neue Lernräume

Im Arbeitsfeld CaseLab

Fallbasiertes Lehren und Lernen ist ein Teilprojekt des Gesamtvorhabens Professionalisierung für Vielfalt (ProViel) an der Universität Duisburg-Essen, das seit Anfang 2016 im Rahmen der von Bund und Ländern gemeinsam beschlossenen “Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird. Die Leitung des Teilprojekts erfolgt durch Prof. Dr. Marten Clausen und wird von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Susanna Jahn unterstützt.

Ziel des Teilprojekts ist die Erstellung einer ganzheitlich-orientierten Sammlung schulbezogener Fallbeispiele mit dazugehörigen Arbeitsformen als exemplarische Zugänge zu den Inhalten. Diese stellen einen elementaren Beitrag zum Inhalt einer online-basierten Lernplattform dar, die nach einem Registrierungsantrag für an der Lehrerbildung beteiligte Personen zugänglich sein wird. Um die Materialbasis zu erstellen, werden in der Zusammenarbeit mit einzelnen Schulen in NRW unter anderem Unterrichtsplanungen, Unterrichtsvideos, Interviews und Fragebögen erfasst. Die Weiterentwicklung der Lernplattform erfolgt unter der Prämisse einer ständigen Optimierung, was durch eine Analyse des Nutzungsverhaltens realisiert werden soll. Angestrebt ist die Integration der Plattform als fester Bestandteil der Lehrerbildung.

Die Zusammenstellung authentischen Anschauungsmaterials soll Studierende der Lehramtsausbildung aller Ausbildungsphasen in ihrer Professionsentwicklung zu kompetenten pädagogischen Fachkräften unterstützen. Zu diesem Zweck sollen frei von Handlungsdruck situierte Lerngelegenheiten geschaffen werden. Das Projekt visiert insbesondere an, zur Sensibilisierung für bestimmte schulrelevante Themen wie den Umgang mit Heterogenität beizutragen. Im Rahmen der universitären Lehrerausbildung am Standort Duisburg-Essen wird somit das Professionswissen gestärkt, das zum Erkennen individueller Potenziale der Schülerinnen und Schüler und zur Förderung im Sinne der gesellschaftlich vereinbarten Kompetenzziele genutzt werden soll. Die Theorie-Praxis-Auseinandersetzung kann darüber hinaus ebenso bereits berufstätige Lehrkräfte zur Reflexion des eigenen Denken und Handelns motivieren. Schlussendlich beabsichtigt das Projekt, das Potenzial des Erfahrungsschatzes aktiver Lehrkräfte auszuschöpfen und diesen den am Lehrerausbildungsprozess beteiligten Personen zugänglich zu machen.

Es werden derzeit weitere „Beispielschulen“ gesucht, um den Schulalltag in der Lehrerausbildung anschaulich zu machen.

Um sich anzumelden, klicken Sie bitte hier:

Was haben Schulen davon?

- Sie helfen aktiv dabei, Studierende auf die zukünftige Unterrichtspraxis vorzubereiten.
- Sie teilen Ihren Erfahrungsschatz mit zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern.
- Sie schaffen Lerngelegenheiten, die Studierende für den Ausbau ihrer professionellen Kompetenzen nutzen können.
- Sie tragen mit Ihrer Teilnahme zur Stärkung eines positiven Bilds des Lehrerberufs bei.
- Ihre Schule kann die eigenen Daten selbstverständlich einsehen und für Reflexionszwecke sowie Schulentwicklungsprozesse nutzen.

 

In diesem Projekt haben wir ebenfalls eine Masterarbeit zu vergeben. Sie gelangen hier zur Ausschreibung.

Nähere Informationen zum Gesamtvorhaben des ProViel-Projekts unter: https://www.uni-due.de/proviel/

Nähere Informationen zum Teilprojekt Fallbasiertes Lehren und Lernen auf der offiziellen ProViel-Homepage unter: https://www.uni-due.de/proviel/skillslabs/fallbasiertes_lehren_und_lernen.php

Service Learning: Lernen durch Engagement im Praxissemester

Für die durch Studierende und Lehrerausbildende an Schulen eingeschätzte hohe Wirksamkeit von Praxisphasen, fehlten lange Zeit empirische Nachweise. Aktuellere Studien zeigen, dass sich die Wirkungen und Wahrnehmungen zwischen Studierenden vor, während und nach den Praxisphasen unterscheiden (z.B. Hascher 2006). Dies gilt es auch für das Praxissemester zu überprüfen, insbesondere mit Blick auf die professionelle und allgemeine Kompetenzentwicklung sowie Wahrnehmung und Einstellung der Studierenden.

Die Lehr-Lernform Service Learning (in Deutschland auch als „Lernen durch Engagement“ benannt) verbindet als demokratiepädagogischer Ansatz in spezifischer Weise die Kompetenzvermittlung mit gesellschaftlichem Engagement (Backhaus-Maul/Roth 2013) und erzielt hinsichtlich verschiedener Kompetenzen Wirkungen, die sich grob drei Bereichen zuordnen lassen (Billig 2000, Seifert 2011):

  1. Akademisches Lernen: Studierende, die Service Learning betrieben, zeigten deutlich bessere Leistungen, als jene, die dies nicht taten (Davila/Mora 2007; Furco 2007; Furco 2002; Klute 2002; Klute/Billig 2002; Melchior/Bailis 2001; Billig/Meyer 2002; Billig 2000; Eyler/Giles 1999; Melchior 1999),
  2. Soziale und persönliche Kompetenzen: Die Teilnahme an Service Learning Projekten verbessert soziale Kompetenzen und steigert das Selbstwirksamkeitsgefühl (Billig 2000; Martin et al. 2006; Meyer/Billig 2003; Morgan/Streb 2001; Scales et al. 2000; Yates/Youniss 1996).
  3. Zivilgesellschaftliche Einstellungen und Bürgerschaftliches Engagement: Service Learning schafft eine höhere Sensibilität für Probleme in der Gemeinde  und steigert die Identifikation mit der eigenen Gemeinschaft und demokratischen Werten sowie das generelle Interesse an politischen Teilhabemöglichkeiten (Billig 2002; Meyer 2006; Meyer 2003; Yamauchi et al. 2006).

Diese Befunde stützen sich auf die Kompetenzentwicklung derjenigen, die selbst den Service durchführen, den Service-Gebern. Kaum untersucht wurde hingegen die Wirksamkeit für diejenigen, die Service Learning Projekte anleiten, den Service-Geber-Anleitern. Zudem wurden hauptsächlich die Wirkungen auf Schülerinnen und Schüler untersucht. Es gilt zu prüfen, wie es sich bei Lehramtsstudierenden verhält. Dies soll im vorliegenden Forschungsvorhaben überprüft werden.

Fragestellung

Die übergeordnete Fragestellung ist, inwiefern sich die professionsbezogenen und allgemeinen Kompetenzen sowie die Berufsmotive von Studierenden über das Praxissemester unter divergierenden Vorbereitungs- und Durchführungsvorgaben beim Einsatz von Service Learning unterscheiden. Zwei Gruppen von Studierenden werden in ihrem Praxissemester Service Learning in unterschiedlichen pädagogischen Rollen umsetzen: als (1) Service-Geber oder als (2) Service-Geber-Anleiter. Diese werden wiederum mit (3) Studierenden kontrastiert, die in ihrem Praxissemester kein Service Learning anbieten.

Methode

Den Rahmen der Untersuchung bildet das in NRW in die Lehramtsausbildung aufgenommene Praxissemester. Dieses wird an der Universität Duisburg-Essen erstmals im WiSe 2014/2015 anhand einer vorbereitenden Veranstaltung, der Forschungswerkstatt Bildungswissenschaften, eingeführt und im SoSe 2015 realisiert.

Zur Untersuchung der Wirksamkeit ist ein quasi-experimentelles Design mit drei, jeweils um rund sechs Monate auseinanderliegenden Messzeitpunkten (Pretest, Posttest und Follow-Up, jeweils als Onlinebefragung) vorgesehen. Dabei bildet die Art der Maßnahme die quasiexperimentelle unabhängige Variable ((1) Studierende als Service-Geber vs. (2) als Service-Geber-Anleiter). Als Kontrollgruppe dienen Lehramtsstudierende aus anderen Veranstaltungen.

Die Studierenden der Experimentalgruppe (angestrebtes N=120) werden zunächst allgemein und später in getrennten Forschungswerkstätten speziell auf ihre Rollen als Service-Geber-Anleiter bzw. Service-Geber im Praxissemester vorbereitet. Durch Rollenzuweisung per Losverfahren, soll eine gewisse Randomisierung erreicht werden.

Eine qualitative Follow-Up-Untersuchung mit semistrukturierten themenzentrierten Leitfadeninterviews von vier Akteursgruppen (Studierende, anleitende Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Schulleitung) soll vertiefende Erkenntnisse bringen. Im Sinne einer kontrastierenden Fallstudie sollen anhand einer Gegenüberstellung von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Service Learning-Maßnahmen (ausgehend von der Kompetenzentwicklung) Hinweise auf Gelingensbedingungen von Service Learning im Praxissemester erfasst werden.

Projektteam

  • Prof. Dr. Marten Clausen
  • Prof. Dr. Hermann Josef Abs
  • Christina Schöne (geb. Funke)
  • Daniela Langolf

Kooperationspartner

Karsten Altenschmidt für UNIAKTIV, Koordinations- und Entwicklungsstelle des Service Learning-Lehrangebots der Universität Duisburg-Essen (UDE)

Finanzierung

Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (2014 bis 2017)

Pressebericht über eines der studentischen Service-Learning-Projekte aus dem Praxissemester

Die Service Learning Vorhaben, die von den Studierenden im Praxissemester umgesetzt werden sind sehr vielfältig. Ein Projekt, das sozialwissenschaftliche Unterrichtsinhalte mit gemeinwohlorientiertem Engagement verbindet, wird folgend anhand eines Artikels in der Lokalpresse exemplarisch näher vorgestellt. Das Service-Learning Projekt „Flüchtlinge in Deutschland – miteinander statt neben-/gegeneinander“ wurde von Sabrina Schulz angeleitet und mit Schülerinnen und Schülern des 13. Jahrgangs einer Gesamtschule durchgeführt. Es verbindet sozialwissenschaftliche Unterrichtsinhalte mit gemeinwohlorientiertem Engagement. Die Teilnehmenden näherten sich dem gesellschaftlich brisanten und aktuellen Thema mit großem Interesse und Engagement und konnten durch die konzipierte Ausstellung zum Thema einen informativen Beitrag für die Schulgemeinschaft leisten. Zudem wurde einen Spieleabend in einer Flüchtlingsunterkunft vorbereitet, der  auf eine spielerische Vermittlung der deutschen Sprache und das Zusammentreffen von Asylsuchenden und Deutschen abzielte. Auch dadurch konnten wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. Flüchtlingsprojekt Borbeck Kurier


Veröffentlichungen und Präsentationen

Clausen, M./ Funke, C./ Langolf, D./ Abs, H.J. (angenommen): Service-Learning im Praxissemester des Lehramtsstudiums. Vortrag auf der 80. Tagung der Arbeitsgruppe für Empirische Pädagogische Forschung (AEPF) in Göttingen.

Funke, C./ Clausen, M./ Abs, H.J. (2015):  Lernen durch Engagement im Praxissemester – Eine quasiexperimentelle Wirksamkeitsstudie. Posterpräsentation zum Tag der Lehre in Essen.

Funke, C./ Langolf, D./ Clausen, M./ Abs, H.J. (2015):  Lernen durch Engagement im Praxissemester – Eine quasiexperimentelle Wirksamkeitsstudie. Posterpräsentation zur 3. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung in Bochum.

Langolf, D./ Funke, C./ Clausen, M./ Abs, H.J. (2014): Lernen durch Engagement im Praxissemester. Vortrag auf der Tagung Engagement in der Lehre anlässlich der Auszeichnung von UNIAKTIV als „Ort des Fortschritts“ durch NRW ‐ Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in Essen.

Link: Educational Research and Schooling

EviS: Evidenzbasiertes Handeln im schulischen Mehrebenensystem – Bedingungen, Prozesse und Wirkungen

Evis: BMBF, Verbundprojekt mit der Universität Mainz, 2010-2013, Ansprechpartner in Essen: Denise Demski; Marten Clausen, Isabell van Ackeren

Link: BMBF, Verbundprojekt

Strategien der Qualitätsentwicklung von Schulen in schwieriger Lage

Die Situation von Schulen ‚in schwieriger Lage‘, also solchen Schulen, die etwa durch die Lage in einem sozialen Brennpunkt besonders belastet sind, ist nicht nur international, sondern auch national zunehmend von Interesse. Im Fokus stehen hierbei oftmals so genannte improving schools in challenging circumstances. Dies sind Schulen, denen es gelingt, trotz ungünstiger Rahmenbedingungen Strategien zu entwickeln, mithilfe derer sie die Prozess- und Ergebnisqualität ihrer Arbeit befördern. Auf welche Weise dies gelingen kann, wird in diesem Forschungsprojekt untersucht.

Fragestellung

Die übergeordnete Fragestellung ist, welche Strategien der Qualitätsentwicklung von diesen Schulen konkret genutzt werden bzw. wie solche erfolgreichen Entwicklungsprozesse - auch im Kontext aktueller Bildungsreformen - beschrieben werden können.

Methode

Dem Projekt liegt ein Fallstudienansatz zugrunde, mithilfe dessen es ermöglicht werden soll, Strategien der Bewältigung schwieriger Rahmen-bedingungen auf der Ebene schulischer und unterrichtlicher Prozesse herauszuarbeiten. Hierbei wird ein fallkontrastierender Zugang gewählt, der es ermöglichen soll, Prozesse und Wirkungen in ihrer Komplexität zu erfassen und dicht und nachvollziehbar zu beschreiben. Um den Einbezug möglichst vieler Perspektiven zu realisieren, wird hierbei multimethodisch vorgegangen. Als Grundlage dafür dient eine Untersuchung der Schulentwicklungsstrategien acht ausgewählter Fallschulen.

Die Gruppe der Fallschulen besteht dabei aus vier Schulen mit - gemessen an den Rahmenbedingungen - überraschend guten Lern- und Leistungsergebnissen sowie vier Schulen mit ‚erwartungsgemäß‘ schwachen Ergebnissen. Durch diese Auswahl wird ein Vergleich zwischen Schulen ermöglicht, die unter ähnlich ungünstigen Rahmenbedingungen, jedoch mit unterschiedlichem Erfolg im Hinblick auf Ergebnisse und Wirkungen arbeiten.

Projektteam

  • Prof. Dr. Marten Clausen
  • Prof. Dr. Isabell van Ackeren
  • Christina Funke
  • Kathrin Racherbäumer

Veröffentlichungen

Funke, C./ Clausen, M. (eingereicht): Unterrichtliche Praxis mit segregierten Schülerschaften. Erscheint in: Fölker,L/ Hertel,T./ Pfaff,N.(Hrsg.):Brennpunkt (-) Schule – Analysen, Probleme und Perspektiven zur schulischen Arbeit in segregierten Quartieren. Opladen,Berlin,Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Racherbäumer, K./Funke, C./Ackeren, I. van/Clausen, M. (2013): Steuerung und Umstrukturierung von Schulen in herausfordernden Lagen. In: Die Deutsche Schule 13, Beiheft 12. Münster: Waxmann, S. 226-254.

Racherbäumer,  K./ Funke, C./ van Ackeren, I./ Clausen, M. (2013): Schuleffektivitätsforschung und die Frage nach guten Schulen in schwierigen Kontexten. In: R. Becker, A. Schulze (Hrsg.): Bildungskontexte. Strukturelle Voraussetzungen und Ursachen ungleicher Bildungschancen. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 239-267.

Racherbäumer, K./ Funke, C./ van Ackeren, I. (2013): Forschungsfeld „Schulen in schwieriger Lage“. Erste Befunde eines Projekts in der Metropole Ruhr. SchulVerwaltung NRW (24) 1, S. 24-26

Ackeren, I. van (2008): Schulentwicklung in benachteiligten Regionen. Eine exemplarische Bestandsaufnahme von Forschungsbefunden und Steuerungsstrategien. In: Lohfeld, W./Hamburger, F. (Hrsg.): Gute Schulen in schlechter Gesellschaft. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, S.47-58.

Link: weitere Projektinformationen