Teilprojekt in ProViel

Projektleiter: Prof. Dr. Marten Clausen

Projektmitarbeiterin: Mag.a Susanna Jahn

Laufzeit: 2016 - 2022

Link zur Zwischenbilanz ProViel

Nähere Informationen zum Gesamtvorhaben des ProViel-Projekts
Foto von der Christlichen Gesamtschule Bleibergquelle - Unterricht Frau Hoffmann
Foto von der Christlichen Gesamtschule Bleibergquelle - Unterricht Frau Hoffmann

 

Fallbasiertes Lehren und Lernen bietet Personen in der Lehreraus-, Lehrerweiter- und Lehrerfortbildung Möglichkeiten, erworbenes (theoretisches) Wissen mit aktuellen sowie authentischen Praxissituationen zu verknüpfen und trägt zum Ausbau professioneller Kompetenzen und professionellem Handeln bei.

„Der Weg vom Wissen (und Behalten) zum Können (der Kompetenz) und weiter bis zum Tun (der wirklichen Veränderung) ist weit und schwierig“ (Helmke, 2015).

Erhebung des multimedialen Schulmaterials

Im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung von Bund und Ländern hat sich das Vorhaben „Professionalisierung für Vielfalt“ (ProViel) der Universität Duisburg-Essen das Ziel gesetzt, die Lehramtsausbildung mit Blick auf die komplexen Herausforderungen der Schulpraxis weiterzuentwickeln.

Um einen aktuellen Einblick in die Schulpraxis zu ermöglichen, wurden im Projekt zuerst ganzheitliche schulbezogene Materialien an zehn regionalen Schulen der Bezirksregierung Düsseldorf (NRW) gewonnen. Insgesamt öffneten 24 Lehrkräfte ihre Klassenzimmer, zeigten 28 Unterrichtseinheiten (Einzel-, Doppelstunden und jahrgangsübergreifenden Unterricht) in 14 unterschiedlichen Fächern über 11 Jahrgangsstufen verteilt.

Der mehrperspektivisch gefilmte Unterricht stellt traditionelle wie reformpädagogische Lehrkonzepte dar (z. B. Plenumsunterricht, Offene Unterrichtsformen, Lernbüroansatz, inklusiver und jahrgangsübergreifender Unterricht, Waldorfpädagogik). Um der Heterogenität ihrer Schüler*innenschaft gerecht zu werden, greifen die Lehrkräfte auf ein umfangreiches Repertoire an Unterrichtsmethoden zurück, die im Ausmaß der Fremd- und Selbststeuerung des Unterrichts stark variieren. Anhand der exemplarisch dargestellten Schulen werden zudem Einsatzformen digitaler Lehrmedien, Modelle des team-teachings und der Einbindung von Sonderpädagogen*innen und Integrationshelfer*innen im Unterricht veranschaulicht. Neben der Videografie authentischer Unterrichtsstunden wird das Schulmaterial durch berufs-biografische und themenzentrierte Interviews mit den aufgezeichneten Lehrkräften und ihren Schulleitungen ergänzt, die sich und ihren beruflichen Werdegang vorstellen, rückblickend ihren aufgezeichneten Unterricht reflektieren und über schulische Aufgaben, Freuden und Herausforderungen erzählen. Die Selbstreflexion der Lehrkräfte wird durch die Fremdwahrnehmung der aufgezeichneten Schüler*innen komplementiert, die Klassenporträts zum besagten Unterricht ausfüllten. Schlussendlich wurden zahlreiche weitere Informationen zum Leitbild und zur Ausstattung der Schule sowie zum Handeln der Schulakteure gewonnen (statistisches Schulporträt, Unterrichtsentwürfe, biografische Fragebögen, Fragebogen zum evidenzbasierten Handeln (EVIS)). Die entstandenen 10 Schulporträts geben einen Eindruck, wie vielfältig Schule in der Region gelebt wird.

Teilnehmende Schulen und Lehrkräfte

LehrerInnen GIF

Zur praktischen Umsetzung der Erhebung an den Schulen

Um die Unterrichtsstunden vielseitig aufzuzeichnen, wurde ein professionelles Equipment eingesetzt. Die Hauptkamera, ein hochauflösender JVC Kamerarecorder, folgte der Lehrkraft durch den Raum. So wurde ein ganzheitlicher und detaillierter Blick auf die Lehrperson geschaffen. Gleichzeitig wurde der Ton der Lehrkraft mittels einer Funkstrecke aufgenommen, sodass die Aussagen der Lehrkraft in hoher Qualität aufgezeichnet werden konnten. Dies ist insbesondere für die spätere Transkription bedeutsam. Die Schüler*innenperspektive wurde von zwei Panasonic Kameras im hochauflösenden HD-Format erfasst. Eine weitere Panasonic Kamera zeichnete das Tafelbild auf, um mögliches Unterrichtsmaterial sowie Visualisierungen einzufangen. Zusätzlich kamen, je nach Klassengröße, Unterrichts- und Sozialform, ein bis vier H5-Zoom Audioaufnahmegeräte sowie ein Grenzflächenmikrofon zum Einsatz. So konnten selbst Gruppendiskussionen und Einzelgespräche gezielt aufgenommen werden. Die Aufnahmegeräte wurden möglichst unauffällig positioniert, um die Schüler*innen nicht abzulenken und die Authentizität der Stunde zu wahren. Nach der Erhebung wurde das gesammelte Material auf unterschiedliche Speichermedien geschützt übertragen. In der Postproduktion sind noch einige Schritte notwendig, bis das Material veröffentlicht werden kann.

Einsatz des mulitmedialen Schulmaterials

Erste Nutzungen des Materials konnten bereits in Seminaren der Bildungswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen – z. B. im Rahmen eines eigens zur Erprobung verschiedener Lehr-Lernformate entwickelten Seminars „Unterricht und Fallbasiertes Lehren und Lernen“ (Clausen/Jahn) - stattfinden. Hierbei bewerteten die Studierenden mit verschiedenen Verfahren der Unterrichtsbeurteilung und Unterrichtsreflexion (z. B. Qualitätsanalyse NRW und Unterrichtsbewertung Schulinspektion Hamburg) ausgewählte Materialausschnitte, kommentierten Unterricht theoriegeleitet mit dem Notabene-Tool (siehe Abbildung), führten gemeinsame Reflexionen zur Professionsentwicklung in Foren durch, diskutierten mit einer videografierten Lehrkraft kritische Unterrichtssituationen und erprobten Elemente der zu erwerbenden Handlungskompetenz mit videogestützter Supervision im Rahmen der Lehrmethode microteaching. Studierende bestätigen in ersten Evaluationen den hohen Praxisbezug sowie die Authentizität des Materials. Darüber hinaus wurden Interviews, Fragebogendaten, Unterrichtsplanungen und Unterrichtsausschnitte in verschiedenen Lehrveranstaltungen (u. a. Master Vorlesung Schulpädagogik, Master Modul PHW) der lehramtsbezogenen Studiengänge an der Universität Duisburg-Essen eingesetzt, um fall- und problembasiert praxisorientiertes Wissen sowie Kompetenzen in der Wahrnehmung von komplexen Unterrichtssituationen zu entwickeln.

Derzeit entwickelt das Projekt-Team weitere materialgestützte Lehr-Lernmodule, um das Ausbildungsprinzip fallbasiertes Lernen in den Bildungswissenschaften auszubauen.

Zur Bereitstellung des Schulmaterials

Die online-basierte Bereitstellung des multimedialen Schulmaterials wird schrittweise für definierte Nutzerkreise erarbeitet. Ziel ist es, das Material gemäß der datenschutzrechtlichen Bestimmungen für Personen, die in der Aus-, Fort-, und Weiterbildung von Lehrer*innen beschäftigt sind oder sich selbst in dieser befinden, sowie für wissenschaftliche Zwecke im Bereich der Lehrerbildung zur Verfügung zu stellen. Derzeit besteht eine gezielte Nutzung durch Studierende und Mitarbeiter*innen in der Lehrerbildung an der Universität Duisburg-Essen sowie durch die teilnehmenden Schulen selbst. Dozierende der UDE haben die Möglichkeit Interesse am Material über die E-Mail fallbasiertes_lernen@uni-due.de zu bekunden. Zur rechtmäßigen Handhabe des Materials müssen die Nutzenden einer Nutzungsvereinbarung zustimmen. Diese erfolgt im Moment noch schriftlich, soll aber in Zukunft online eingeholt werden.

Derzeit arbeitet das Projekt-Team gemeinsam mit der Universitätsbibliothek und dem Zentrum für Informations- und Mediendienste an einer Möglichkeit des erleichterten Zugriffs auf die Unterrichtsmaterialien durch ein online-basiertes System (Repository) zur Distribution. Hierzu wurde bereits ein Kategoriensystem erstellt, durch das den Nutzer*innen eine einfache Handhabung sowie eine gute Orientierung über das Material gewährleistet werden soll. Interessenten können sich über die Homepage hinsichtlich des aktuellen Stands informieren. Eine Einbettung des multimedialen Schulmaterials in ein standortübergreifendes Metaportal wird derzeit diskutiert.

Schulen stellen sich vor

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​​​​​​Es werden weiterhin „Beispielschulen“ gesucht, um den Schulalltag in der Lehrerausbildung anschaulich zu machen.

Anmeldeformular für interessierte Schulen
Broschüre für interessierte Schulen (PDF)