Liebe Studierende der Psychologie!

 

Auf dieser Seite möchten wir Sie darüber informieren, in welchen Themengebieten Sie im Studienjahr 2021/ 2022 in unserer Abteilung eine Abschlussarbeit (Bachelor- oder Masterarbeit) anfertigen können und in welcher Form Sie sich bei Interesse bitte an uns wenden. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Formale und inhaltliche Informationen zu Abschlussarbeiten bei uns in der Abteilung finden Sie hier: Leitfaden

 

Themengebiet 1: Reappraisal Inventiveness

Die Fähigkeit (Trait) in kritischen Situationen, eine Vielzahl unterschiedlicher Neubewertungen (reappraisal inventiveness) vornehmen zu können wird als notwendige Voraussetzung für erfolgreiche Emotionsregulation angesehen (Weber et al., 2013). Weber et al. (2013) konnten zeigen, dass diese Fähigkeit mit divergentem Denken korreliert. Im Rahmen des Integrativen Motivational-Volitionalen Modells suizidalen Verhaltens (IMV-Modell, O’Connor, 2011) wird davon ausgegangen, dass das Erleben von Entrapment, d.h. dem wahrgenommenen Gefangensein in einer inneren oder äußeren Situation zu Suizidgedanken führen kann. Reappraisal inventiveness könnte in diesem Zusammenhang einen moderierenden Effekt haben und negativ mit Entrapment, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken zusammenhängen.

In diesem Themenbereich sind zwei Abschlussarbeiten möglich.

Referenzen:

O'Connor, R. (2011). Towards an integrated motivational-volitional model of suicide behavior. In R. O'Connor, S. Platt, & J. Gordon (Eds.), International Handbook of Suicide Prevention: Research, Policy and Practice (pp. 181-198). Oxford: Jon Wiley & Sons, Ltd.

Weber, H., Loureiro de Assuncao, V., Martin, C., Westmayer, H., Geisler, F. C. (2013). Reappraisal Inventiveness: the ability to create different reappraisals of critical situations. Cognition and Emotion, 28, 345-360.

 

Themengebiet 2: Emotionsregulation und Suizidgedanken

Defizite in habituellen Emotionsregulationsstrategien sind mit psychischer Belastung und psychischen Störungen assoziiert. Empirische Studien zeigen zudem, dass auch ein Zusammenhang mit Suizidgedanken besteht (Forkmann et al., 2014). So gehen z.B. geringes „cognitive reappraisal“ und vermehrtes „emotional suppression“ mit erhöhten Suizidgedanken einher. Aufbauend auf diesen Vorbefunden sind verschiedene Fragestellungen denkbar, z.B. auch unter Berücksichtigung assoziierter Konstrukte wie Gedankenunterdrückung oder Rumination

In diesem Themengebiet ist eine Abschlussarbeit möglich.

Referenzen:

Forkmann, T., Scherer, A. Böcker, M., Pawelzik, M., Gauggel, S., Glaesmer, H. (2014). The relation of cognitive reappraisal and expressive suppression with suicidal ideation, suicidal desire, and suicidal intent. Suicide and Life-threatening Behavior, 44(5), 524-536.

Gross, J. J. (1998). Antecedent- and response-focused emotion regulation: Divergent consequences for experience, expression, and physiology. Journal of Personality and Social Psychology, 74, 224–237. doi:10.1037//0022-3514.74.1.224

 

Themengebiet 3: Untersuchung moderierender und mediierender Einflussfaktoren
im integrativen motivational-volitionalen Modell suizidalen Verhaltens

Das integrative motivational-volitionale Modell suizidalen Verhaltens von Rory O’Connor ist eines der einflussreichsten aktuellen Modelle zur Erklärung suizidalen Erlebens und Verhaltens. Die Bedeutung der Kernvariablen „Defeat“ und „Entrapment“ für die Entwicklung suizidaler Gedanken kann als belegt angesehen werden. Es gibt allerdings eine Reihe von Annahmen mediierender und moderierender Einflussvariablen (z.B. Resilienz, Rumination, Differenzierung internales vs. externales Entrapment) die als nicht ausreichend belegt angesehen werden müssen. Hier sind Analysen mit vorhandenen Daten möglich.

In diesem Themengebiet sind bis zu vier Abschlussarbeiten möglich.

Referenzen:

Höller, I., Rath, D., Teismann, T., Glaesmer, H., Lucht, L., Paashaus, L., Schönfelder, A., Juckel, G., & Forkmann, T. (2021). Defeat, entrapment, and suicidal ideation: Twelve‐month trajectories. Suicide and Life‐Threatening Behavior. https://doi.org/10.1111/sltb.12777

Rath, D., Teismann, T., Hoeller, I., Glaesmer, H., Paashaus, L., Schönfelder, A., ... & Forkmann, T. (2021). Predicting suicidal ideation in a longitudinal high‐risk sample: Multilevel analyses and 12‐month trajectories. Journal of Clinical Psychology.

Rogers, M. L., & Joiner, T. E. (2017). Rumination, suicidal ideation, and suicide attempts: A meta-analytic review. Review of General Psychology, 21(2), 132-142. http://dx.doi.org/10.1037/gpr0000101

Teismann, T., Forkmann, T., Michalak, J., & Brailovskaia, J. (2021). Repetitive Negative Thinking About Suicide: Associations With Lifetime Suicide Attempts. Clinical Psychology in Europe, 3(3), 1-14.

Teismann, T., & Forkmann, T. (2017). Rumination, entrapment and suicide ideation: a mediational model. Clinical psychology & psychotherapy, 24(1), 226-234.

Wetherall, K., Robb, K. A., & O'Connor, R. C. (2019). An examination of social comparison and suicide ideation through the lens of the integrated motivational–volitional model of suicidal behavior. Suicide and Life‐Threatening Behavior, 49(1), 167-182.

Wetherall, K., Cleare, S., Eschle, S., Ferguson, E., O'Connor, D. B., O'Carroll, R. E., & O'Connor, R. C. (2021). Predicting suicidal ideation in a nationally representative sample of young adults: a 12-month prospective study. Psychological medicine, 1-8.

 

Themengebiet 4: Einfluss von Gedankenunterdrückung auf Auftretenshäufigkeit und -intensität von Suizidgedanken

Studien konnten zeigen, dass der Versuch aversive Gedankeninhalte zu unterdrücken die Auftretenswahrscheinlichkeit dieser Gedanken erhöhen kann. Dies gilt auch für Suizidgedanken. In diesem Themengebiet können aufbauend auf diesen Befunden weitere Fragestellungen untersucht werden, z.B. hinsichtlich der Rolle von internalem Entrapment im Sinne des IMV-Modells in diesem Zusammenhang.

In diesem Themengebiet ist eine Abschlussarbeit möglich.

Referenzen:

Pettit, J. W., Temple, S. R., Norton, P. J., Yaroslavsky, I., Grover, K. E., Morgan, S. T., & Schatte, D. J. (2009). Thought suppression and suicidal ideation: preliminary evidence in support of a robust association. Depression and Anxiety, 26(8), 758-763.

Franz, P. J., Kleiman, E. M., & Nock, M. K. (2021). Reappraisal and suppression each moderate the association between stress and suicidal ideation: preliminary evidence from a daily diary study. Cognitive Therapy and Research, 1-8.

 

Themengebiet 5: Pilotierung des Effekts einer Kurzintervention zur Grübelreduktion auf das Erleben von Entrapment

Rumination ist eins von vielen Symptomen einer depressiven Erkrankung und kann u.a. mittels Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie behandelt werden. Da Rumination auch ein Risikofaktor für Suizidgedanken ist und mit Suizidversuchen assoziiert werden konnte, könnte die Reduktion von Rumination bei Patient:innen mit suizidalem Erleben und Verhalten suizidpräventive Wirkung haben. In diesem Themengebiet soll entsprechend eine zielgruppengerechte, ökonomische Interventionsidee zur Reduktion von Rumination erarbeitet und erprobt werden.

In diesem Themengebiet ist eine Masterarbeit möglich.

Referenzen:

Forkmann, T., Scherer, A., Pawelzik, M., Mainz, V., Drueke, B., Boecker, M., & Gauggel, S. (2014). Does cognitive behavior therapy alter emotion regulation in inpatients with a depressive disorder? Psychology research and behavior management, 7, 147.

Teismann, T., & Forkmann, T. (2017). Rumination, entrapment and suicide ideation: a mediational model. Clinical psychology & psychotherapy, 24(1), 226-234

 

Themengebiet 6: Climate Change Anxiety

Der Klimawandel kann zu klimatischen Ereignissen und Veränderungen führen (mehr Stürme, Hitze, Extremwetterereignisse), die direkten Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit (z.B. im Sinne traumatischer Ereignisse) haben. Der Klimawandel kann als aktuelle und zukünftige Bedrohung aber auch Gegenstand dysfunktionaler kognitiver Verarbeitungsprozesse (z.B. Rumination) sein und diesbezügliche Sorgen und Ängste auslösen. In diesem Themengebiet sind verschiedene Zielsetzungen möglich, z.B. die Erarbeitung einer deutschen Version eines Instrumentes zur Erfassung von Climate Change Anxiety, die Untersuchung psychologischer Korrelate von Climate Change Anxiety und etwaiger Entwicklungspfade sowie der intraindividuellen Stabilität.

In diesem Themengebiet sind zwei Masterarbeiten möglich.

Referenzen:

Clayton, S., Karazsia, B. T. (2020). Development and validation of a measure of climate change anxiety. Journal of Environmental Psychology, 69, 101434.

Stewart, A. E. (2021). Psychometric Properties of the Climate Change Worry Scale. International Journal of Environmental Research and Public Health, 18, 494.

 

Themengebiet 7: Prädiktoren des Inanspruchnahmeverhaltens von Drogenkonsumräumen bei Frauen (Kooperation mit LVR Universitätsklinikum Essen)

Im Jahr 1994 eröffnete in Frankfurt / Main der erste Drogenkonsumraum Deutschlands. Seit dem Jahr 2000 gibt es eine bundesweite gesetzliche Regelung. Heute existieren bundesweit 26 Drogenkonsumräume für den Konsum harter Drogen unter sicheren und sterilen Bedingungen. Frauen nutzen Drogenkonsumräume deutlich seltener als Männer. Aufbauend auf einer früheren Bachelorarbeit (Schauries, 2020) mit N=16 Frauen (davon 2 Konsumraumnutzerinnen und 14 Konsumraumnichtnutzerinnen) sollen im Rahmen einer neuen empirischen Erhebung mögliche Prädiktoren des Inanspruchnahmeverhaltens weiter untersucht werden.

Referenzen:

Schauries, N. (2020). Frauen und Drogenkonsumräume: Warum sie das Hilfsangebot weniger nutzen als Männer. Unveröffentlichte Bachelorarbeit. Essen: Universität Duisburg-Essen.

Deutsche AIDS-Hilfe e.V., & Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik. (2011). Drogenkonsumräume in Deutschland: Eine Bestandsaufnahme des AK Konsumraum. Abgerufen von https://www.akzept.org/pdf/aktuel_pdf/DKR07web.pdf

 

Themengebiet 8: 2 Jahre Hochschulambulanz für psychische Gesundheit: Aufbereitung erster Daten zur ambulanten Routineversorgung

Im Juli 2019 wurde die Hochschulambulanz für Psychische Gesundheit (HPG) gegründet. Seither wurde das Behandlungsangebot sukzessive ausgeweitet. Die HPG bietet ambulante Psychotherapie (Verhaltenstherapie, einzeln und Gruppe) für Menschen mit psychischen Störungen aller Indikationsbereiche an. Nach 2 Jahren Betrieb sollen im Rahmen einer Qualifikationsarbeit erste Kennzahlen der HPG aufbereitet und beschrieben werden, z.B. Fallzahlen, Diagnosemix, Behandlungsdauer, Kennwerte aus der Routinediagnostik (Fragebogen- und Interviewdiagnostik). Auch darüberhinausgehende inhaltliche Fragestellungen können (wenn im gegebenen Rahmen umsetzbar) gerne besprochen werden.

In diesem Themengebiet ist eine Abschlussarbeit möglich.

 

Themengebiet 9: Entscheidungen treffen & Suizidalität

Impulsivität ist ein volitionaler Moderator für den Übergang von Suizidgedanken zu suizidalen Handlungen im IMV-Modell. Das Treffen schneller Entscheidungen wird mit einem Impulskontrolldefizit in Zusammenhang gebracht. Auch konnte gezeigt werden, dass mehr Proband:innen mit Suizidversuch ihren Entscheidungsstil als spontan beschrieben als Proband:innen, die ausschließlich Suizidgedanken berichteten. Im Rahmen einer Abschlussarbeit sollen aufbauend auf diesen Befunden bereits vorliegende Daten zur Iowa Gambling Task von Patient:innen der Hochschulambulanz für Psychische Gesundheit ausgewertet und u.a. mit Impulsivität und Suizidalität in Zusammenhang gebracht werden.

In diesem Themengebiet ist eine Abschlussarbeit möglich.

Referenzen:

Richard-Devantoy S, Berlim MT, Jollant F: A meta-analysis of neuropsychological markers of vulnerability to suicidal behavior in mood disorders. Psychol Med 2014; 44:1663–1673

Qiu, T., & Klonsky, E. D. (2021). Deciding to Die: the Relations of Decision-making Styles to Suicide Ideation and Attempts. International Journal of Cognitive Therapy, 14(2), 341-361

 

 

Wie ist der Ablauf und wie wird die Arbeit betreut?

Jede/r Studierende hat ihre/seine eigene Fragestellung und ist seiner/m Betreuer:in zugeordnet. In unserer Abteilung versuchen wir allerdings, wenn möglich, Themen so zu vergeben, dass sich kleine Teams bilden können. Dadurch wird es möglich, sich gegenseitig inhaltlich und praktisch zu ergänzen und zu unterstützen. Im jeweiligen Sommersemester findet zudem 14-tägig mittwochs um 10 Uhr das klinisch-psychologische Kolloquium statt, in dessen Rahmen Sie Ihr jeweiliges Projekt vorstellen und mit Ihren Kommilitonen/innen und den Mitarbeitenden der Abteilung diskutieren.

 

Wie geht es weiter?

Die Vergabe von Masterarbeiten erfolgt im Rahmen von Modul 9!

Wenn Sie sich für eine Bachelorarbeit in der Abteilung für Klinische Psychologie interessieren, senden Sie bitte eine E-Mail an Herrn Prof. Dr. Forkmann (thomas.forkmann@uni-due.de) mit Angaben zu Ihren Interessensbereichen und (wenn schon vorhanden) Ihren Überlegungen dazu, wann Sie die Arbeit schreiben möchten.

 

Wir freuen uns auf Ihren Nachricht!