Aktuelle Forschungsprojekte

PRIMEX-S Die Untersuchung impliziter und expliziter Prozesse des suizidalen Entwicklungsverlaufs

 

Zeitraum: 2020 - 2023

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Brüdern)

Kooperationspartner: Dr. Juliane Brüdern (Leipzig, PI), Prof. Dr. Heide Glaesmer (Leipzig), Dr. Lena Spangenberg (Leipzig), Dr. Maria Stein (Bern)

Beschreibung:

Obwohl in den letzten zwei Jahrzehnten vermehrt Anstrengungen unternommen wurden, die Ursachen suizidaler Handlungen zu erforschen, ist das Wissen und Verständnis darüber immer noch stark begrenzt, was gleichzeitig negative Auswirkungen auf die valide Vorhersage von Suizidversuchen und die Anwendung effektiver Suizidpräventionsstrategien hat. Suizidgedanken und Suizidversuche wurden vor allem als Symptome einer psychischen Erkrankung betrachtet. Die intensive Erforschung klinischer Risikofaktoren (z.B. Depressivität, Hoffnungslosigkeit) und Behandlung einer psychischen Erkrankung führten jedoch zu keiner signifikanten Reduktion suizidalen Verhaltens. Aus diesem Grund wird aktuell versucht​ Modelle zu entwickeln und zu validieren, die stärker auf psychologische Prozesse fokussieren.

Ziel des Projekts ist die Untersuchung impliziter und expliziter Prozesse der menschlichen Informationsverarbeitung und Verhaltenssteuerung bei suizidalen Patienten. Das krankheitsübergreifende Konzept der Zwei-Prozess-Theorien dient als theoretische Grundlage, welches davon ausgeht, dass unser psychisches Funktionieren sowohl durch implizite als auch explizite Prozesse gesteuert wird. Mithilfe von Zwei-Prozess-Theorien können verschiedene Phänomene von Suizidalität (z.B. geplante vs. impulsive Suizidversuche) theoretisch eingeordnet werden, was in aktuellen Suizidtheorien bisher vernachlässigt wurde.

In diesem Projekt werden Patienten mit ausschließlich Suizidgedanken und Patienten mit suizidalem Verhalten hinsichtlich folgender Prozesse untersucht:

  • implizite Einstellungen zum Thema Tod mit dem Suizid-IAT
  • Prozesse der Aufmerksamkeitssteuerung mit dem Suizid-Stroop-Test
  • Verhaltensimpulskontrolle mit der Go/No-go (GNG)-Task

Die Ergebnisse zu den suizidalen Patienten werden mit denen gesunder Kontrollprobanden verglichen, um wichtige implizite und explizite Marker von Suizidalität identifizieren zu können. Aktuelle Studien zeigten, dass eine starke implizite Assoziation mit dem Tod und ein suizidspezifischer Aufmerksamkeitsbias mit Suizidgedanken sowie einem sehr hohen Suizidversuchsrisiko zusammenhingen.

Mit dem Projekt können wir bisherige Studien zur Erforschung suizidalen Verhaltens um eine innovative Perspektive ergänzen und dazu beitragen, wichtige theoretische und empirische Lücken über die Entstehung suizidalen Verhaltens zu schließen. Darüber hinaus können mit den Erkenntnissen der Studie die Messung von Suizidalität verbessert und Behandlungskonzepte weiterentwickelt werden, beispielsweise im Rahmen eines Selbstregulationstrainings zur Reduktion von suizidalen Verhaltensimpulsen.​

Projektbeteiligte: Dr. Dajana Rath, Prof. Dr. Thomas Forkmann

APOS: Akute Risikofaktoren für poststationäres suizidales Verhalten

Zeitraum: 2021 – 2024

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) FO 784/8-1

Projektleitung: Prof. Dr. Thomas Forkmann (PI), Prof. Dr. Heide Glaesmer (Leipzig, PI), Dr. Lena Spangenberg (Leipzig, PI)

Beschreibung:

Nach Entlassung aus einer stationär-psychiatrischen Behandlung bei akuter Suizidalität ist das Risiko für Suizidversuche und vollendete Suizide drastisch erhöht. Dem stehen begrenzte empirische Befunde zu proximalen Risikofaktoren, d.h. Variablen, die suizidale Erlebens- und Verhaltensweisen kurzfristig vorhersagen, gegenüber, die Voraussetzung für die Entwicklung von klinischen Monitoring- und Interventionskonzepten sind. Die Interpersonale Theorie Suizidalen Verhaltens (ITSV, Joiner 2005), das Integrative Motivational-Volitionale Modell Suizidalen Verhaltens (IMV-Modell, O’Connor 2011) und das Narrative-Crisis Model of Suicide (NCM, Galynker 2017) postulieren Variablen, die als proximale Risikofaktoren in Betracht kommen. Trotz empirischer Evidenz für die Kernannahmen dieser Theorien fehlen bislang prospektive Studien, die unter Berücksichtigung der zeitlichen Dynamik und der Interaktion dieser Variablen die Prädiktion in Bezug auf Suizidgedanken und Suizidversuche mit einer hohen zeitlichen Auflösung in einer Hochrisikopopulation direkt nach Klinikentlassung untersuchen.

Das Projekt prüft erstmals die Prädiktion von Suizidgedanken und Suizidversuchen in einer Hochrisikopopulation in einem prospektiven und zeitlichen hoch aufgelösten Studiendesign durch Variablen der ITSV, des IMV-Modells und des NCM. Hierzu wird mittels Ecological Momentary Assessment (EMA) über 6 Monate untersucht, ob die zentralen Variablen dieser Modelle (sowie deren Intensität und Variabilität) poststationär Suizidgedanken in Echtzeit und suizidales Verhalten im 6-Monats-Follow-Up vorhersagen. Zusätzlich sollen individuelle Verlaufsmuster von Suizidgedanken typisiert (digital phenotyping) und im Hinblick auf die prädiktive Validität untersucht werden. Daneben wird analysiert, welche Rolle die Herzratenvariabilität und die Herzrate in Echtzeit für die Vorhersage von Suizidgedanken und -versuchen spielen. Wir erwarten durch die Ergebnisse die Vorhersage von Suizidgedanken und suizidaler Verhaltensweisen zu verbessern.

Hypo-RESOLVE (Hypoglycaemia – Redefining Solutions for better LiVEs: Kooperative Evaluation der Smartphone-App “Hypo-METRICS (Hypoglycaemia MEasurement, ThResholds and ImpaCtS)”

Zeitraum: 2020 –

Förderer: keiner

Kooperationspartner: Prof. Dr. Frans Pouwer (University of Southern Denmark), Uffe Søholm, MD (University of Southern Denmark), Dr. Melanie Broadley (University of Southern Denmark)

Beschreibung:
Hypoglykämie (Unterzuckerung) ist eine häufige und ernsthafte Komplikation der Insulintherapie bei Menschen mit Diabetes. Der Projektverbund Hypo-RESOLVE (Hypoglycaemia – Redefining Solutions for better LiVEs) vereint führende Wissenschaftler:innen, Expert:innen, Pharma- und Gerätehersteller sowie Patient:innenorganisationen und zielt darauf ab, das Verständnis von Hypoglykämie und ihrer Auswirkungen zu verbessern ((https://hypo-resolve.eu/project). Im Rahmen dieses Projekts wurde die Smartphone-App Hypo-METRICS (Hypoglycaemia MEasurement, ThResholds and ImpaCtS) entwickelt. Sie wird derzeit erstmals in einer großen europäischen klinischen Studie eingesetzt, um die alltäglichen Auswirkungen von Hypoglykämien bei Erwachsenen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes zu untersuchen. Die Abteilung für Klinische Psychologie arbeitet zusammen mit Projektpartner des Hypo-RESOLVE-Projektverbundes am Fachbereich Psychologie der University of Southern Denmark an der psychometrischen Überprüfung der mit Hypo-METRICS-App erhobenen Daten einschließlich der Durchführung von Multilevel-Faktorenanalysen zur Untersuchung der latenten Faktorenstruktur der App-Items.

Description:
Hypoglycaemia (low blood glucose) is a common and serious complication from insulin therapy among people with diabetes. Hypo-RESOLVE (Hypoglycaemia – Redefining Solutions for better liVEs) comprises leading academic experts, pharmaceutical and device manufacturers, and patient organisations, and aims at furthering our understanding of hypoglycaemia and its impact (https://hypo-resolve.eu/project). As part of this project, the Hypo-METRICS (Hypoglycaemia MEasurement, ThResholds and ImpaCtS) smartphone application has been developed and is currently being used for the first time in a large European clinical study, with the purpose of exploring the day-to-day impact of hypoglycaemia in adults with type 1 or type 2 diabetes. Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Institut für Psychologie is collaborating with Hypo-RESOLVE partners at the Department of Psychology, University of Southern Denmark, on the psychometric analysis of the Hypo-METRICS app, including conducting a multilevel factor analysis to explore the latent factor structure of the app items.

Projektbeteiligte: Dr. Dajana Rath, Prof. Dr. Thomas Forkmann

SYMNET: Netzwerke depressiver und suizidaler Symptome vor und nach
kognitiver Verhaltenstherapie – eine Ecological Momentary Assessment-Studie

Zeitraum: 2021 – 2022

Förderer: Programm des Rektorats der Universität Duisburg-Essen zur Förderung des exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchses

Projektleitung: Dr. Dajana Rath
Stellv. Leitung: Dr. Inken Höller

Beschreibung:
Achtundzwanzig Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter einer psychischen Störung (Jacobi et al., 2014, 2016), mehr als die Hälfte davon bekommt Unterstützung im Rahmen einer ambulanten Psychotherapie. Neuere Studien konnten zeigen, dass Symptome psychischer Erkrankungen einerseits zeitlichen Schwankungen unterliegen und andererseits in komplexen, transdiagnostischen und dynamischen Zusammenhängen stehen und als Symptomnetzwerke zu verstehen sind (Hallensleben et al., 2019; Rath et al., 2019). Eine hohe zeitliche Auflösung dieser Symptomnetzwerke erhält man über die Erhebung der Symptome mittels Smartphone – auch genannt ecological momentary assessments (EMA).

Bisher ist noch nicht untersucht, inwiefern sich solche zeitlich hoch aufgelösten Symptomnetzwerke im Rahmen erfolgreicher ambulanter Psychotherapie verändern und ob Parameter dieser Symptomnetzwerke vor Beginn einer Psychotherapie einen erfolgreichen Psychotherapieverlauf vorhersagen können.

Ziel dieses Projektes ist daher die Untersuchung EMA-Daten-basierter Netzwerke depressiver Symptome im zeitlichen Verlauf. Genauer soll analysiert werden, (1) wie sich Netzwerkparameter (z.B. Zentralität) vor vs. nach der Therapie unterscheiden und ob (2) der Therapieerfolg (remittierende vs. persistierende Symptome) durch diese Netzwerkparameter vor der Therapie vorhergesagt werden kann.

Solche Erkenntnisse sind nicht nur für das Verständnis von Verlauf und Beeinflussung depressiver Symptome wichtig, sondern haben auch potentielle praktische Implikationen für die psychotherapeutische Versorgung. Sollte sich zeigen, dass Netzwerkparameter vor der Therapie mit dem Therapieergebnis zusammenhängen, könnte z.B. perspektivisch untersucht werden, inwieweit die Berücksichtigung solcher individueller Symptomnetzwerke für einzelne Patient*innen im Rahmen der Therapieplanung den Erfolg von Psychotherapie begünstigt.

Projektbeteiligte: Emmy Wichelhaus, M.Sc.