Laufende Dissertationsprojekte

Victoria Bläser

Literatur in Rundfunk und Fernsehen

Literatursendungen im Fernsehen und vor allem auch im Rundfunk, also Sendungen, die sich in sekundärer Form mit Literatur beschäftigen, haben eine sehr lange Tradition und sind fast so alt wie beide Medien selbst. Erstaunlich ist jedoch, dass heutzutage eigentlich kaum noch jemand solche Sendungen bewusst verfolgt oder überhaupt Literatursendungen kennt. Spiegel dessen sind die geringen Einschaltquoten. Nichtsdestotrotz werden aktuell zahlreiche Literatursendungen in Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlt. Die bisherige Forschung ist jedoch eher spärlich. Diese Lücke soll mit dem geplanten Dissertationsvorhaben geschlossen werden. Ziel ist zunächst eine aktuelle Bestandsaufnahme von Literatursendungen in Rundfunk und Fernsehen. Davon ausgehend soll dann auf Basis einer medientheoretischen Reflexion eine Typologie der Präsentationsformen von Literatur in Rundfunk und Fernsehen entwickelt werden: Was vom Buch wird wie radio- bzw. fernsehgerecht präsentiert (visualisiert und / oder vertont)? Wie bestimmt das jeweilige Medium die Formen und Inhalte? In wieweit wird in den Beiträgen die Spezifik mal des Fernsehens, mal des Hörfunks besonders deutlich?

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Geplanter Output

Dissertation

Valeska Klug

Mediale Diskurse und der Wandel der Subjektivitäten freier künstlerischer Arbeit zwischen 1980 und heute

Beantragen frei produzierende darstellende Künstler_innen Fördergelder, müssen sie meist begründen, was an ihrem Projekt besonders innovativ, nachhaltig, partizipativ, experimentell oder modellhaft ist. Dass es bestimmte „Zauberwörter des Diskurses“ der Fördersysteme (Jens Roselt auf nachtkritik.de) gibt, ist bekannt. Ebenso, dass sie auf kulturpolitische Entscheidungen und Förderstrategien zurückzuführen sind. Ob bzw. wie diese das (Selbst-)Verständnis von Künstler_innen und ihrer Arbeit verändern, ist dagegen bislang kaum untersucht worden.

Das theaterwissenschaftlich ausgerichtete Dissertationsvorhaben befasst sich mit dem Wandel medialer Diskursivierungen des Künstler_innensubjekts seit der Etablierung von Förderstrukturen für die sogenannte Freie Theaterszene in den 1980er Jahren. Leitend für die Analyse sind Fragen nach Ausmaß, Art und Entwicklung des Einflusses kultur- und förderpolitischer Diskurse auf das (Selbst-)Verständnis von Künstler_innen und ihre Arbeit: (Wie) wirken sich Fördersysteme zu welcher Zeit auf Form, Inhalt und Verständnis künstlerischer Arbeiten aus? (Wie) verändert sich dies mit der Zeit und vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung des Bereichs der kulturellen Bildung? Welche „Zauberwörter“ verschwinden, welche halten sich, welche tauchen auf und welche Begriffe hätten − würden sie zum Zauberwort − das Potenzial, Fördersysteme umzugestalten?

In der Auseinandersetzung mit diesen Fragen werden einerseits Verschiebungen des Selbst- und Arbeitsverständnisses freier Theatermacher_innen diskursanalytisch untersucht und andererseits rekonstruiert, in welchem Verhältnis diese zu kulturpolitischen Impulsen und Förderstrategien stehen. Gewonnene Erkenntnisse können schließlich auch Hinweise für die praktische Auseinandersetzung mit der Gestaltung von Förderstrukturen für freies Theater geben.

Betreuung

Prof. Dr. Rolf Parr / Prof. Dr. Sven Lindholm / Prof. Dr. Alexandra Pontzen

Zeitraum

3 Jahre

Förderinstitution

Hans-Böckler-Stiftung

Geplanter Output

Dissertation

Charlotte Misselwitz

Narrative Spiegelung muslimischer Stereotype in Deutschen und Israelischen Medien. Über die Interaktion von Internetprojekten mit Mainstream Medien

Anhand einer Diskurs-/Psychoanalyse wertet die Arbeit die Rezeption von Internetprojekten in Mainstream Medien in Israel und Deutschland aus, die sich um Debatten über das muslimsich-arabische Bild drehen. Dabei wird nach der Wirkung narrativer Strategien des »Media Art Activism« anhand sogenannter emotionaler Argumentation gefragt. Gleichzeitig soll über die interaktive Rezeption nach wechselseitigen Beeinflussungen zwischen israelischen und deutschen Narrativen gefragt werden. Ziel der Arbeit ist es, mediale Stereotype als Zeichen einzuordnen, wie wenig über die Bezeichneten, die »muslimischen Anderen« aussagt, umso mehr jedoch über die Bezeichnenden.

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Geplanter Output

Dissertation

Kristina Petzold

Arbeiten Blogger? Eine diskursanalytische Untersuchung zu Selbst- und Fremdbeschreibungen digitaler Autorschaft

Was Menschen unter ‚Arbeit‘ verstehen, unterliegt historischen beziehungsweise fortschrittsbedingten Veränderungen. Während in der frühen Agrarkultur dem Begriff ‚Arbeit‘ die Vorstellung einer Kooperation zwischen Mensch und Natur inhärent war, wurde mit der industriellen Revolution die Vorstellung von Industriearbeit als kapitalistischer Produktionsform maßgebend. Heute stehen wir mit der Digitalisierung vor einer neuen technologischen Revolution, die dazu führt, dass das aktuell vorherrschende Paradigma der Erwerbsarbeit wiederum im Wandel begriffen ist. Ein bedeutender Faktor ist dabei die zunehmende Auflösung der Grenzen zwischen konsumierenden und produzierenden Praktiken durch die digitalen Partizipationsmöglichkeiten. Die Bezeichnungen ‚Prosument‘ und ‚User Generated Content‘ stehen exemplarisch für eine ganze Reihe an Beschreibungsmodellen für diese Mischformen.

Mit ihrer Etablierung wird die Frage zunehmend drängender, in welchen Fällen im ‚Web 2.0‘ wirklich Arbeit geleistet wird, wer diese für sich reklamiert und wer sie als solche anerkennt. Die Dissertation will auf diese Frage am Beispiel des Weblogs eine erste Antwort geben. Ziel der Arbeit ist es, am Beispiel von literarischen Review-Blogs die Frage zu klären, ob Bloggen als Arbeit und Blogger als Arbeiter angesehen werden und ob sie sich selbst medial als solche darstellen. Diese Fragestellung soll mit Hilfe einer Diskursanalyse beantwortet werden. Das Erschließen der Diskursregeln, nach denen Zusammenhänge zwischen Bloggen und Arbeiten von unterschiedlichen Akteuren konstruiert oder dekonstruiert werden, kann helfen, verschiedene Motivlagen der Diskursteilnehmer sichtbar zu machen. Die Ergebnisse können dazu dienen, eine Neubewertung der Rollen auf dem digitalen Arbeitsmarkt anzuregen und zu begründen.

Betreuung

Prof. Dr. Rolf Parr/Dr. Thomas Ernst

Zeitraum

3 Jahre

Geplanter Output

Dissertation

Daniel Schnaithman

Der Punk ist tot! Lang lebe der Punk! Eine diskursanalytische Untersuchung der Berichterstattung über Punk in deutschen Print- und AV-Medien

Punk ist: Dosenbier, Irokesen-Frisur und gefärbte Haare, kaputte Jeans und Lederjacke, musikalisches Genre und Jugendkultur, Mainstream und Underground, Politik und unpolitisch, Ideologie und gegen Dogmen, Aktion und Reaktion, und noch sehr viel mehr.

Punk entwickelte sich in den 1970er Jahren als jugend- und subkulturelle Bewegung in Abgrenzung zu hegemonialen Strukturen und autoritären Machtgefügen. Aber gerade weil er sich von Beginn an als Counterculture gegen das Establishment stellte, war es nur ein Frage der Zeit, bis er vom traditionellen Kulturbetrieb nicht nur wahrgenommen und rezipiert, sondern auch vereinnahmt wurde. Dabei kommt der mediale Darstellung und Aufbereitung des Punks in Print- und AV-Medien eine besonders wichtige Rolle zu. Der Punk selbst reagierte auf solche mal direkteren, mal indirekteren Versuche, ihn in die Mainstreamkultur zu integrieren, damit, sich selbst immer wieder neu und anders zu präsentieren, um so den Anspruch einer Counterculture-Bewegung aufrechterhalten zu können und seine Radikalität zu bewahren.

Das diskursanalytisch angelegte Dissertationsprojekt will dem interaktiven Wechselspiel zwischen medialer Berichterstattung über Punk und seinen Neupositionierungen in medienkulturwissenschaftlicher Perspektive nachgehen und zeigen, wie (verschieden) Punk in den drei letzten Jahrzehnten diskursiviert wurde. Wie wurde in den Medien von Beginn des Punk an über dieses subkulturelle Phänomen berichtet? Wie hat sich die Berichterstattung im Laufe der Jahre gewandelt? Wie reagierte der Punk darauf? Und schließlich: Welche diskursiven Ordnungen mit welchen Machteffekten im Foucault’schen Sinne lassen sich dabei beobachten? Es geht also mit dem hier skizzierten Dissertationsvorhaben nicht um eine Geschichte des Punk im eigentlichen Sinne, sondern um eine Geschichte seiner höchst verschiedenen Diskursivierungen und deren (sub-)kultureller, gesellschaftlicher und medialer Folgen.

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Abgeschlossene Dissertationen

Andrea Schöning

Elfriede Jelineks Theatertexte – Mythentransformationen als diskursiver Entgrenzungsprozess

Dieses Dissertationsvorhaben greift eine der wichtigsten, von der literaturwissenschaftlichen Forschung noch unberücksichtigten Grundstrukturen der Jelinek’schen Theatertexte auf, nämlich die Anbindung strukturaler Modelle der Vermittlung von Gegensätzen (vgl. Lévi-Strauss 1988) an jene wechselnden Figurenkonfigurationen, durch die auch immer Geschlechterkonstrukte in gesellschaftskritischer Absicht sichtbar gemacht werden. Während sich die Forschungsbeiträge bisher darauf beschränkt haben, die ideologiekritischen Aspekte der Mythenadaption zu analysieren, wird diese Untersuchung aufzeigen, dass sich die Komplexität der Jelinek’schen Texturen erst durch die Einführung eines hier zu entwickelnden, struktural-kritischen Mythosbegriffs, der weit über das eher (ideologie-)kritische Mythenkonzept Roland Barthes’ hinausreicht (vgl. Barthes 1964), erklären lässt. Es gilt daher zu belegen, dass Elfriede Jelinek, die stets in ihren das eigene Schreiben reflektierenden Äußerungen mit dem gesellschaftskritischen Mythenkonzept Roland Barthes’ argumentiert, de facto in ihren Theatertexten ein struktural-kritisches Mythenkonzept umsetzt, das neben einer analytisch-synchronen auch jeweils eine kritisch-diachrone Ebene berücksichtigt, sodass in ihren Dramen stets eine Syn-Diachronität von Subjektpositionen generiert wird, die das genealogische Potential von Alltagsmythen in kritischer Weise herausstellt. Zu diesem Zweck wird eine neue, struktural-kritische Mythendefinition eingeführt, die es erlaubt, Jelineks Theatertexte als literarische Konstrukte zwischen strukturalen Mythenmodellen und Gesellschaftskritik zu lesen. Diese innovative Doppelausrichtung ermöglicht es ferner, das gehäufte Auftreten und die poetologische Funktion zentraler Signifikantenpaare wie Kunst/Natur, Objekt/Subjekt, Agens/Patiens, Heimat/Fremde und Männlichkeit/Weiblichkeit in den Theaterstücken der Autorin angemessen zu beschreiben und deren Zuordnung zu semantischen Paradigmenklassen zu leisten.

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Output

Dissertation

Andreas Homann

„Eis“ – Kollektivsymbol und Faszinationskomplex

Die Eissymbolik ist im heutigen synchronen System kollektiv verfügbarer Symbole fest verankert. Es handelt sich dabei um ein Kollektivsymbol im Sinne der theoretischen Bestimmung, wie sie Jürgen Link und seine Arbeitsgruppe (Rolf Parr, Ute Gerhard u.a.) unternommen haben. Ausgangsthese der Arbeit ist, dass es sich bei dem Symbolkomplex „Eis“ um einen solchen kollektivsymbolischen Komplex handelt, und dass es sich bei der Mehrzahl der in der Kunstliteratur zu findenden Belege um Eis-Bilder im wörtlichen Sinne handelt, um Tropen, die nach dem Modell der Korrelation von Pictura- und Subscriptioelementen strukturiert sind. Trotz breitester vorfindbarer Materialbasis ist das Kollektivsymbol Eis bisher jedoch noch nicht Gegenstand einer monographischen Untersuchung geworden. Diese Lücke zu schließen ist Ziel dieses Promotionsvorhabens.

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Output

Dissertation

Felicitas Bonk

Flexibler Normalismus im Comedy-Format. Ein Vergleich deutscher und amerikanischer Fernsehserien

In unserem Lebensalltag werden wir auf den unterschiedlichsten Gebieten ständig mit Fragen nach unserer Normalität konfrontiert. Man freut sich, in mancher Hinsicht normal zu sein oder muss erkennen, dass dieses oder jenes für nicht normal erachtet wird. Orientierung dafür geben insbesondere auch die audiovisuellen Medien, stellen sie ihren Zuschauern doch die für normalistische Selbstverortungen nötigen Orientierungsmarken bereit. Das ist insbesondere in denjenigen seriellen Formaten des Fernsehens der Fall, die mit Komik arbeiten, denn das Spiel mit Normalitäten und ihren Grenzen ist ein vielfach verwendetes Mittel, um einerseits Komik zu produzieren, andererseits aber auch Felder von Normalität und Anormalität durchzuspielen. Im Dissertationsprojekt werden, ausgehend von der Rolle des Fernsehens als Normalisierungsagentur, im deutschen Fernsehen ausgestrahlte Comedy-Serien analysiert. Dabei geht es darum, verschiedene Kategorien von Normalität und Anormalität zu rekonstruieren und ihre Entwicklung innerhalb der Serie aufzuzeigen. Weiter soll herausgearbeitet werden, welche Möglichkeiten der Realisierung das Format ‚Comedy‘ für die Konstruktion, Präsentation und Distribution von Normalitäten hat. Ziel ist es somit aufzuzeigen, auf welche Weise das Format der Comedy-Serie Komik und Normalismus zusammenführt.

Betreuer

Prof. Dr. Rolf Parr

Output

Dissertation

Florian Kreft

Studieren mit Medien(-kompetenz) – theoretische Grundlagen und evaluative Erhebung wichtiger Medienkompetenzaspekte bei Studierenden der Germanistik

Medienkompetenz hat mittlerweile auch im Studium Konjunktur. Vor allem Germanistikstudierende müssen sich fortwährend als kompetent im Umgang mit den verschiedenen Medien erweisen. Wer jedoch genauer hinschaut, der stellt schnell fest, dass wichtige Fragen hierzu unbeantwortet bleiben. So bedarf es etwa noch immer Daten zu Mediennutzung und Medienwissen der Studierenden sowie zu deren Haltung gegenüber einzelnen Medien, um Rückschlüsse darauf zu erhalten, ob sie überhaupt hinreichend kompetent im Umgang mit Medien sind. Diese Lücke will das Dissertationsprojekt schließen, indem eine umfangreiche Befragung von Studierenden vorgenommen wird. Die aus den Ergebnissen dieser Evaluation geschlussfolgerten Ergebnisse sollen in Empfehlungen für die Hochschulbildung münden.

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Output

Dissertation

Markus Engelns

Inszeniertes Erzählen. Eine Typologie der narrativen Realisierungen des Computerspiels

Computerspiele bilden komplexe Systeme aus simulativen, spieltheoretischen und narrativen Elementen, die teils verzahnt sind, teils aber auch in Widersprüchen zueinander stehen. Das Dissertationsprojekt hat es sich auf der Basis transmedialer narratologischer Ansätze zur Aufgabe gemacht, Computerspiele als mehrstufige Systeme zu betrachten, von denen jede Ebene spezifische Elemente realisiert. Die Studie analysiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen Realisierungen, um zum einen zu zeigen, wie sie miteinander interagieren und somit einen narrativen Eindruck im Rezipienten evozieren und um zum anderen eine für weitere Analysen verwendbare Typologie der narrativen Realisierungen von Computerspielen zu erstellen.

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Output

Dissertation

Alexander Preisinger

Neoliberale Ökonomie erzählen. Eine narratologisch-diskursanalytische Untersuchung der Kapitalismuskritik in der deutschsprachigen Literatur der 2000er-Jahre

Ausgehend von der These, wonach eine global gewordene Kapitalismuskritik wesentliche Deutungsmacht über ökonomische Zusammenhänge im Elementardiskurs erlangt hat, untersucht das Projekt die Rezeption kritischer Diskurse im Modus des Literarischen. Methodisch wird die strukturalistische Erzähltheorie Algirdas J. Greimas mit der Interdiskursanalyse verbunden, wodurch ein narratologisch-diskursanalytisches Analyseinstrumentarium entsteht. Damit lassen sich gegenwartsbezogene literarische als auch außerliterarische Texte als Ausdruck einer gemeinsamen Erzählung – dem sogenannten kapitalismuskritischen Narrativ – verstehen.

Leiter

Prof. Dr. Rolf Parr

Output

Dissertation

Laufende Habilitationsprojekte

Dr. Iuditha Balint

Kultur- und Mediengeschichte der Sekretärin

Ein kursorischer Blick auf die deutschsprachige Literatur, das Theater und später auch den Film und das Fernsehen verrät, dass dort seit den 1860er-Jahren eine marginalisierte Berufsgruppe die Arbeitsnarrative mitprägt. Ob in Hermann Brochs Drama Die Entsühnung, Vicki Baums Roman Menschen im Hotel, Siegfried Lenz’ Erzählung Der große Wildenberg, John von Düffels Roman Ego oder etwa in Film- und Serienformaten wie James Bond, Liebling Kreuzberg oder Mad Men – die Figur der Sekretärin und die Geräusche der Sekretariatsarbeit bestimmen die Narrative der Arbeit auf eine meist subtile, doch entscheidende Weise mit. Vor dem Hintergrund ihrer großen Präsenz ist es indessen geradezu paradox, dass die Sekretärin vorwiegend als Neben- oder Randfigur verstanden wird, und dass sie von der Literatur- und Medienwissenschaft ebenso sträflich vernachlässigt wurde. Zur Plausibilisierung der vermeintlichen Randständigkeit dieser inzwischen weiblich codierten Berufsgruppe – so die zu prüfende These – trägt  die Beharrlichkeit bei, mit der sich narrative Darstellungsmuster der Sekretärinnenfigur seit den 1920er-Jahren erhalten haben und die mit der prekären wirtschaftlichen Position und der sozialen Devaluation dieser Berufsgruppe in Zusammenhang stehen. Grundsätzlich aber fußt die Marginalisierung der Sekretärinnen bzw. der Figur der Sekretärin auf genderspezifischen arbeitsweltlichen ‚Benachteiligungsstrukturen‘ bzw. Geschlechterstereotypien. Das Habilitationsprojekt stellt die Repräsentantinnen dieser sonst marginalisierten Berufsgruppe in den Mittelpunkt einer Kultur- und Mediengeschichte der Arbeit, nimmt sie aus der Perspektive unterschiedlicher Medien und Genres in den Blick und zeigt die zentrale Rolle auf, die ihnen in Narrativen und Diskursen über Arbeit zukommt. Dabei gilt es, diachronen und synchronen Aspekten des Wandels der Sekretariatsarbeit nachzugehen und die Arbeit der Sekretärin als eine zu perspektivieren, die zwischen Informations-, Wissens-, Kommunikations-, Dienstleistungs- und Repräsentationsarbeit changiert, aber auch durch bislang selten berücksichtigte Aspekte modelliert wird, wie etwa durch ästhetische und emotionale Arbeit.

Betreuung

Prof. Dr. Rolf Parr

Zeitraum

3 Jahre

Förderinstitution

Hans-Böckler-Stiftung

Geplanter Output

Monographie

Dr. Britta Caspers

Bild-Text-Gefüge: Literarische Diskursivierung der eigenen fotografischen Arbeiten bei Jürgen Becker, Rolf Dieter Brinkmann, Peter Handke und Einar Schleef

Ab Mitte der 1960er Jahre sind zunehmend Versuche von Schriftstellern zu beobachten, das Medium der Fotografie zu einem integrativen Bestandteil ihrer literarischen Arbeit zu machen. Dabei dient das – zumeist nicht in einem fotografisch-professionellen Sinn ambitionierte – Fotografieren nicht allein dazu, die (unmittelbare) räumlich-soziale Umgebung mit der Kamera zu erkunden und in Momentaufnahmen festzuhalten. Vielmehr sind diese fotografischen Arbeiten – und in der je besonderen Art und Weise, wie die Bilder mit dem eigenen literarischen Werk und mit Text bzw. Sprache in Verbindung gesetzt werden – ebenso als Reflexion auf das eigene Tun (auf Wahrnehmungs- und Bewusstseinsprozesse, auf das eigene literarische Schreiben, aber auch auf physiologische Vorgänge wie die körperliche Bewegung oder das Sehen) aufzufassen. Dadurch – so scheint es zunächst und so gilt es zu hinterfragen – erweist sich die Fotografie als Mittel zur Bestimmung der Koordinaten des eigenen Standpunkts innerhalb gesellschaftlicher Räume mit der ihnen eingeschriebenen sozialen Kontrolle, der der Einzelne unterworfen ist (Brinkmann), innerhalb sich im Wandel befindender städtearchitektonischer Ordnungsstrukturen (Handke), innerhalb einer ländlichen wie urbanen Umgebung, die als sich verändernde (zerfallende) wie veränderbare gezeigt wird (Becker im Westen, Schleef im Osten Deutschlands).

Die literarische Diskursivierung der eigenen fotografischen Arbeiten hat also auch die Funktion der Vermittlung zwischen dem Autor-Subjekt und der von ihm erlebten gesellschaftlichen Verhältnisse: Die hier behandelten Autoren-Schriftsteller erzeugen und stellen sich vor Augen ein Bild gesellschaftlicher ‚Wirklichkeit‘, das zugleich zum Anstoß für die literarische Ausformung oder Transformation des Bildes wird. Die ‚Brechung‘ des Bildes, in dem sich der Blick des Fotografen dokumentiert, im und am Medium der Literatur – und umgekehrt – initiiert einen literarästhetischen Prozess eigener Art, insofern es sich bei den Werken der vorgestellten Autoren um die literarische Selbstdeutung und Selbstauslegung anhand der Reflexion auf den eigenen Blick handelt.

Dr. Thomas Ernst

Die Geschichte des geistigen Eigentums (18.-21. Jh.)

Es geht diesem literatur- und medienwissenschaftlichen Projekt um eine Aufarbeitung jener Diskurse, die das u.a. von Johann Gottlieb Fichte 1793 begründete Konstrukt des ‚geistigen Eigentums‘ in Frage stellen bzw. andere Schlüsse aus ihm ziehen, als sie sich bis heute im Urheberrecht verhärtet haben. In jedem Fall sollte sich zeigen lassen, so zumindest die Ausgangsthese des Projekts, dass die Debatten um das ‚geistige Eigentum’ schon seit der Durchsetzung dieses Konzepts um 1800 weitaus kontroverser waren, als in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen um das Urheberrecht in der digitalen Welt von vielen Akteuren suggeriert wird – gerade auch innerhalb des literarischen Diskurses, in dem ‚Originalität‘, ‚Schöpfung‘ und ‚Autorschaft‘ viel relativere und paradoxere Größen sind als im Rechtsdiskurs.

Leiter

Dr. Thomas Ernst

Zeitraum

2010 bis 2013

Geplanter Output

Monografie - Habilitation

Weblink

Dr. Thomas Küpper

Zur Reflexivität von Kitsch

Für Wissenschaft und Kritik galt lange Zeit als selbstverständlich, dass sogenannter Kitsch nicht reflexiv sein kann und sich dadurch von Kunst unterscheidet: Vermeintlich wendet er sich an ein Publikum, das nur ergriffen werden, aber nicht begreifen möchte. Zudem wurde er als Pseudokunst ohne jegliche Eigenständigkeit betrachtet; auch aus diesem Grund war undenkbar, dass Kitsch sich in angemessener Weise selbst darstellen könnte. Daher wurde bis heute, trotz der kulturwissenschaftlichen Öffnung der Fächer, die Reflexivität von Kitsch nicht näher untersucht. Das Habilitationsprojekt kommt dem entsprechenden Desiderat nach und eröffnet erstmals eine Perspektive darauf, wie Kitsch sich selbst beschreibt und im künstlerischen und literarischen Diskurs positioniert. Das Spektrum der Beispiele reicht von Walter Benjamins Traumkitsch bis hin zu Hedwig Courths-Mahlers Liebesromanen.

Betreuung

Prof. Dr. Rolf Parr

Zeitraum

2017–2019

Geplanter Output

Monographie

Dr. Eva Wiegmann

Ästhetische Innovation durch diachrone Interkulturalitätskonstellationen

Die gegenwärtige Interkulturalitätsforschung arbeitet überwiegend gegenwartszentriert und definiert interkulturelle Literatur häufig über Autorenbiographien sowie im Kontext von Migrationsbewegungen und Globalisierungsprozessen. Im Bereich der literarischen Imagination lassen sich allerdings ganz andere Formen von interkulturellen Konstellationen abbilden als erfahrungsweltliche Kulturbegegnungen, die primär synchron – also auf derselben zeitlichen Achse ablaufen. Literatur kann durch Kreation asynchroner Begegnungshorizonte in der zeitübergreifenden Imagination ein spezifisches intermediäres Feld erzeugen, in dem sich in der Interferenz kultureller Deutungsmuster nicht nur neue Wissensräume, sondern auch ästhetische Möglichkeitshorizonte öffnen.
Literarische Interkulturalitätskonstellationen dieser Art werden – so die hier vertretene These – bewusst hergestellt, um angesichts soziokultureller Wandlungsprozesse, die zu einer „Überlastung der alten ‚Sprachen‘ durch die neuen Ereignisse und Verhältnisse“ führen, einen produktiven Dialog der eigenen Gegenwart mit einer fremden Vergangenheit zu inszenieren. Im Kontext von Epochenschwellen dienen sie dazu, einen Ausweg aus der sog. „Krise der Beschreibbarkeit der Welt“ (Sloterdijk) und neue Möglichkeiten zu finden, die veränderte Wirklichkeit literarisch zur Sprache zu bringen. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass kultureller Diversität ein prinzipielles Innovations- und Entwicklungspotential zugrunde liegt, welches gezielt für kulturelle und ästhetische Neuerungen produktiv gemacht werden kann.
Dass Projekt fokussiert die Epochenschwellen um 1800 und um 1900 und untersucht, wie diachrone Interkulturalitätskonstellationen insbesondere in literarischen und literaturtheoretischen Texten der Romantik (Schlegel, Novalis, Eichendorff) und der literarischen Avantgarde (George, Einstein) einer Erweiterung der Weltwahrnehmungsmöglichkeiten und der symbolischen Ausdrucksformen dienen.

Betreuung

Prof. Dr. Rolf Parr

Geplanter Output

Monographie – Habilitation

Abgeschlossene Habilitationsprojekte

Dr. Corinna Schlicht

Identitätsnarrative in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur 1995 bis heute

Das Habilitationsprojekt beschäftigt sich mit Identitätsnarrativen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Analysiert werden solche Texte, die sich nicht nur thematisch, sondern auch auf der Gestaltungsebene mit der Entwicklung und Bildung des Ich, also mit Fragen der Ich-Identität beschäftigen. Ausgehend von einem historisch ausgerichteten Überblick, in dem wesentliche literarische Identitätskonzepte des 18. und 19. Jahrhunderts diskutiert werden, sollen Referenzpunkte (Erzählmodelle, Gestaltungsfragen) für Erzähltexte der Gegenwart entwickelt werden. Zu zeigen sein wird dabei, inwiefern literarische Texte seit 1995 auf traditionelle Narrative der Ich-Rettung (z.B. Entwicklungs- oder Bildungsroman) zurückgreifen und somit auch für nachmoderne Subjektivitäten stabile Ich-Identitäten behaupten oder den radikalen Identitätsverlust des vom Poststrukturalismus verabschiedeten Subjekts affirmieren (wobei alle Zwischenpositionen eingeschlossen sind.