Aktuelle Ausschreibungen zu Abschlussarbeiten

Zur Zeit können wir vor allem Abschlussarbeiten von Studierenden betreuen, die unsere Forschungs- bzw. Anwendungsvertiefungen gewählt haben (Bachelor: Lehren und Lernen; Master: Lernen in Gruppen oder Lernen mit Medien). Im Folgenden finden Sie aktuelle Ausschreibungen zu verschiedenen Bachelor- und Masterarbeiten.

Abschlussarbeit im Themenkomplex "Implizite und explizite Strukturierung beim kollaborativen Lernen"

Ansprechpartnerin für Arbeiten in diesem Kontext ist Lydia Harbarth.

Beim Arbeiten in Gruppen stehen Lernende häufig verschiedenen Anforderungen gegenüber, die kollaboratives Lernen erschweren können, beispielsweise müssen sie eine gemeinsame Wissensbasis erstellen, ein Modell über das Wissen ihres Partner aufbauen sowie ihre Kommunikation und Interaktion koordinieren (Bodemer, Gaiser, & Hesse, 2011). Dabei wird die Frage, ob und wie kollaboratives Lernen durch Computer unterstützt werden soll und wie hoch das Ausmaß der Unterstützung sein soll, kontrovers diskutiert (Dillenbourg 2002; Kirschner et al. 2006).

Zur Unterstützung Lernender können beispielsweise eher starke oder weniger starke Strukturierungsmaßnahmen herangezogen werden. Group Awareness Tools (GA Tools) fördern durch Visualisierung lernpartnerbezogener Informationen die Wahrnehmung bestimmter Merkmale einzelner Gruppenmitglieder oder der gesamten Gruppe (z.B. kognitive Merkmale wie Wissen, Meinungen oder Annahmen) und unterstützen somit Lernende auf eher implizite Weise darin, ihre Lernprozesse selbst zu regulieren (Bodemer, Janssen, & Schnaubert, 2018). Forschung zeigt, dass Lernende die in GA Tools visualisierten Informationen jedoch nicht immer in lernförderlicher Weise nutzen (z.B. Bodemer, 2011). Möglicherweise wissen Lernende nicht, wie sie die GA Informationen für die Strukturierung eigener Lernprozesse nutzen können. Eine Idee ist es daher, Lernen stärker anzuleiten und explizitere Maßnahmen in GA Tools zu integrieren (z.B. Dehler, Bodemer, Buder, & Hesse, 2009; Hadwin, Bakhtiar, & Miller, 2008; Heimbuch & Bodemer, 2018). Im Vergleich zu eher weniger stark strukturierenden GA Tools kann Unterstützung auch expliziter und stärker strukturiert erfolgen, indem Handlungen und Aktivitäten explizit instruiert werden. Zu diesen expliziteren Unterstützungsmaßnahmen zählen beispielsweise Kollaborationsskripte (z.B. Kollar, Wecker, & Fischer, 2018) oder Prompts (z.B. Bannert 2009, Bannert & Reimann, 2012), die Lernende innerhalb der Lernsituation zu bestimmten Aktivitäten anleiten (z.B. Fragen zu stellen oder Erklärungen zu liefern).

Bisher ist es weitestgehend unklar, wie beide Maßnahmen in lernförderlicher Weise kombiniert werden können. Im Rahmen dieser Abschlussarbeit soll der Einfluss der Kombination impliziter und expliziter Unterstützungsmaßnahmen auf Lernergebnisse (z.B. Lernleistung) sowie Lernprozesse (z.B. Grounding, Partnermodellierung) untersucht werden. Weitere Analysen können zudem den Einfluss der Unterstützungsmaßnahmen auf die subjektive Wahrnehmung (z.B. Nutzung oder wahrgenommene Nützlichkeit der Maßnahmen) sowie motivationale Aspekte (z.B. wahrgenommene Autonomie oder Kompetenzerleben) betreffen.

Digitalisierung im Unternehmen – qualitative Analyse von Technologieakzeptanz

Ansprechparterin für Arbeiten in diesem Kontext ist Melanie Erkens.

Wenn Unternehmensprozesse digitalisiert werden, ist Tech­nologieakzeptanz ein wichtiger Schlüssel für das Gelingen der Digitalisierung. Technologieakzeptanz beschreibt die positive Haltung der Mitarbeiter(inne)n gegenüber Innovationen und ist eine grundlegende Voraussetzung für die reibungslose Nutzung neuer Technologien. Hierbei kann eine ganze Reihe von Einflussfaktoren relevant sein, die darüber entscheiden, ob und wie gut Nutzer(innen) die jeweilige Technologie annehmen. Um diesen Faktoren genauer auf den Grund zu gehen und damit Problemen bei der Nutzung und Einführung neuer Technologien vorbeugen zu können, sollen in dieser Masterarbeit Ansätze zur qualitativen Analyse von Technologieakzeptanz entwickelt und entsprechende Implikationen abgeleitet werden.

Abschlussarbeiten im Themenkomplex „Relevanz von Source Credibility unterschiedlicher Informationsquellen in kognitiven Group Awareness Tools“

Ansprechpartnerin für alle Arbeiten in diesem Themenkomplex sind Laura Freund und Lenka Schnaubert.

Um Lernende systematisch bei der gemeinsamen Strukturierung von Lernprozessen zu unterstützen, können Group Awareness Tools als sinnvolle Hilfsmittel betrachtet werden (vgl. Bodemer, Janssen, & Schnaubert, 2018). Die Verarbeitung von Group Awareness Informationen findet hierbei in der Regel in drei verschiedenen Phasen statt: Erfassung, Transformation und Darstellung (Buder & Bodemer, 2008). Besonders in der Phase der Datenerfassung spielt es eine große Rolle, welche Art von Group Awareness Informationen erfasst und genutzt wird (Schnaubert, Harbarth, & Bodemer, in press). Da angenommen werden kann, dass die Informationsquelle einen Einfluss auf die Bewertung und Nutzung von Informationen hat, soll im Rahmen von Abschlussarbeiten untersucht werden, inwieweit Source Credibility (d.h. die Glaubwürdigkeit, die einer Quelle zugeschrieben wird) bei der Beurteilung von Group Awareness Informationen eine Rolle spielt und welche Rolle die entsprechende Art der Quelle hierbei einnimmt (Selbsteinschätzungen, Fremdeinschätzungen, Testergebnisse etc.). Weiterhin sollen potentielle Einflussfaktoren (z.B. Kompetenz oder Geschlecht der zu beurteilenden Person) einbezogen werden. Auch wenn Forschung im Bereich der Source Credibility sehr vielseitig ist, fehlen systematische Untersuchungen, die Source Credibility in den Kontext eines direkten Lernumfelds setzen (z.B. Ayeh, 2015; Clark & Evans, 2014; Copeland, Gunawan & Bies-Hernandez, 2011; Harmon & Coney, 1982; Sternthal, Dholakia & Leavitt, 1978; Wolf, Rieger & Knauff, 2012).

Im Rahmen der hier ausgeschriebenen Abschlussarbeiten soll in einer Online-Studie untersucht werden, ob und inwiefern das Kompetenzniveau einer zu beurteilenden Person (hoch vs. niedrig) Einfluss darauf ausübt, inwieweit Informationsquellen (Selbsteinschätzung, Fremdeinschätzung, Testergebnis) bei der Beurteilung eben dieser Kompetenz als glaubwürdig eingeschätzt und herangezogen werden. Die Arbeit ist als Bachelorarbeit ausgeschrieben, bei Interesse am Thema können verwandte Arbeiten auch als Masterarbeit bearbeitet werden.

Abschlussarbeiten im Themenkomplex „Group Awareness in Social Media und Eye-Tracking“

Ansprechpartnerin für alle Arbeiten in diesem Themenkomplex ist Lisa Ollesch.

Beim computerunterstützen kollaborativen Lernen konnten sich Group Awareness Tools (GA Tools) als hilfreich für Lernende in Bezug auf Lernprozesse und -ergebnisse erweisen (Bodemer, Janssen, & Schnaubert, 2018). Bisherige Forschungsarbeiten haben sich auf die Unterstützung durch kognitive GA-Informationen, wie z. B. die Darstellung von Wissen (Sangin, Molinari, Nüssli, & Dillenbourg, 2011), und behaviorale GA-Informationen, wie z. B. die Darstellung der Partizipationsmenge von Gruppenmitgliedern (Kimmerle & Cress, 2008), konzentriert. Emotionale GA-Informationen, wie z. B. die Darstellung der Freundlichkeit von Gruppenmitgliedern (Phielix, Prins, Kirschner, Erkens, & Jaspers, 2011), wurden bisher weniger stark betrachtet sowie verschiedene GA-Informationen oftmals separat untersucht. Um das Lernen in großen Social Media Learning Communities zu unterstützen, wird in diesem Projekt vermutet, dass die gemeinsame Darbietung verschiedener GA-Informationen mit Vorteilen für das kollaborative Lernen einhergeht. Dennoch ist die Untersuchung von GA-Interaktionseffekten unter Einbezug von Persönlichkeitseigenschaften bisher weitgehend unerforscht.

BA/MA Aufmerksamkeitslenkung in Online-Lernforen durch kognitive, behaviorale und emotionale GA-Informationen

Online-Lernforen können sehr umfangreich sein. Diese Abschlussarbeit soll im Rahmen einer Eye-Tracking-Studie daher untersuchen, inwiefern das Aufmerksamkeitsverhalten von Diskussionsbeiträgen durch verschiedene GA-Visualisierungen gelenkt und so optimiert werden kann. Herauszufinden ist vor allem, welche GA-Informationen zur Auswahl von leserelevanten Beiträgen genutzt werden, wenn diese kombiniert dargestellt werden (z. B. kognitive und emotionale GA-Informationen). Hier soll unter Einbezug verschiedener Persönlichkeitsunterschiede die subjektive Gewichtung von GA-Informationen auf visueller Ebene betrachtet werden und deren Einfluss auf Lernzuwachse sowie das Wohlbefinden in der jeweiligen Online-Lern-Community. Die Arbeit kann mit Anpassungen sowohl als BA oder MA bearbeitet werden.

Abschlussarbeit im Themenkomplex "Augmented Reality zur Unterstützung individuellen und kollaborativen Lernens"

Ansprechpartnerin für alle Arbeiten in diesem Themenkomplex ist Jule Krüger.

Augmented Reality (AR) bringt digitale Elemente in die echte Welt und bietet somit spannende Möglichkeiten digitale Informationen und die echte Welt miteinander zu verknüpfen. AR als Darstellungsform wird immer häufiger und in immer mehr Bereichen genutzt. Auch im Lehr-/Lernbereich wird AR eingesetzt und erforscht (z.B. (Akçayır & Akçayır, 2017; Phon, Ali, & Halim, 2014; Radu, 2014; Wu, Lee, Chang, & Liang, 2013). Der Forschungsbereich ist hierbei sehr divers und AR kann in vielen verschiedenen Settings eingesetzt werden. Um eine systematische Grundlage für den Einsatz von AR in unterschiedlichen Lernsettings bieten zu können, ist die AR-Forschung an diesem Lehrstuhl in 3 Bereiche, die drei AR-spezifische Eigenschaften aus Lernendenperspektive darstellen, gegliedert:

  • Kontextualität: dadurch, dass AR-Nutzende die dargestellten virtuellen Elemente (z.B. Objekte, Bilder, Text) immer gleichzeitig mit der realen Welt wahrnehmen, bieten sich neue Möglichkeiten der Verknüpfung von realem Kontext und virtuellem Element als wenn die virtuellen Elemente die reale Welt komplett verdecken (VR) oder eindeutig von ihr getrennt sind (Bildschirme)
  • Interaktivität: dadurch, dass Elemente in der AR die interaktiven Möglichkeiten von virtuellen Elementen (z.B. die Eingabe von neuen Daten um Simulationen zu verändern, direktes Feedback bei Veränderung von Variablen, Steuerung mit Eingabegeräten) mit den interaktiven Möglichkeiten von realen Elementen (z.B. „echtes“ Anfassen, gestenbasierte Interaktion) kombinieren, entstehen neue Möglichkeiten der Interaktion für AR-Nutzende
  • Räumlichkeit: dadurch, dass virtuelle Elemente in AR im Raum dargestellt und verankert werden, können Sie für AR-Nutzende ganz anders räumlich (dreidimensional) erscheinen als Elemente, die auf einem Bildschirm dargestellt werden

In jedem dieser drei Bereiche gibt es unterschiedliche Aspekte von AR, die zur Unterstützung von Lernen genutzt werden können und systematisch untersucht werden müssen. Hierbei können unterschiedliche Forschungsmethoden (u.a. auch Eye-Tracking) und Forschungssettings (z.B. individuell oder kollaborativ) zum Einsatz kommen und sowohl selbsterstellte als auch schon vorhandene AR-Anwendungen genutzt werden.

Hierbei können Sie auf Basis der 3 Eigenschaften gerne eigene Ideen für Ihre Abschlussarbeit einbringen oder auf einer der folgenden Themenbereiche aufbauen:

  1. Kontextualität:
  • Welche Möglichkeiten der Einbindung von Lernmaterial in einen authentischen Kontext gibt es in AR im Vergleich zu einfachen mobilen Geräten (Tablet, Smartphone)? Wie hat die Nutzung dieser Möglichkeiten einen Einfluss auf Lernprozesse und Lernergebnisse?
  • Welchen Einfluss hat die Relevanz/Authentizität des Kontexts für virtuelles Lernmaterial in AR auf die Lernprozesse und -ergebnisse? Welche Rolle spielen unterschiedliche kognitive, motivationaler und/oder emotionaler Variablen dabei?
  • Welchen Einfluss hat der Einsatz von AR zur Darstellung von Group Awareness Informationen auf die Wahrnehmung, Verarbeitung und Nutzung dieser Informationen?
  1. Interaktivität:
  • Welchen Einfluss hat die Interaktion mit Markern, die virtuelle Objekte in AR in der echten Welt verankern, im Gegensatz zur Interaktion mit virtuellen Objekten auf einem Bildschirm (Touch-Eingabe) auf Lernprozesse und -ergebnisse?
  • Wie beeinflusst die gemeinsame Nutzung von AR die Interaktion zwischen Personen?
  1. Räumlichkeit:
  • Wie kann die dreidimensionale Darstellung von virtuellen Nachbildungen von echten dreidimensionalen Objekten zu einem besseren räumlichen Verständnis dieser Objekte führen?
  • Welche Eigenschaften dreidimensionaler Objekte sorgen dafür, dass ihre Darstellung in AR besonders gewinnbringend ist? Spielen z.B. Komplexität, Elementinteraktivität o.ä. eine Rolle?
  • Welche Rolle spielen räumliche Fähigkeiten für das Verständnis von dreidimensionalen AR Objekten?
  • Wie kann die Räumlichkeit von AR zur Unterstützung von kollaborativen Lernszenarien genutzt werden?

Erfahrung mit der Erstellung von virtuellen, dreidimensionalen Objekten und Augmented Reality können von Vorteil sein (zur eigenen Erstellung von Material), sind jedoch nicht erforderlich, da teilweise schon vorhandenes Material verwendet werden kann oder bei der Erstellung von neuem Material unterstützt werden kann.

Abschlussarbeit zur Integration von Wiki-Artikelinhalten mit inhaltlichen Kontroversen auf Wiki-Diskussionseiten

Ansprechpartner für diese Arbeit ist: Sven Heimbuch

Dazu geplant wäre zunächst ein Versuchsdesign mit zwei Gruppen. Die Kontrollgruppe sollte ein Standard-Wiki mit Artikel(n) und zugehörigen Talks erhalten. Die Experimentalgruppe soll ein Guidance/Awareness-Tool auf Artikelebene erhalten, dass auf relevante Inhalte entsprechender Talks verweist bzw. integriert. Die Umsetzung muss nicht als vollständig funktionstüchtiges Tool erfolgen, sondern kann auch mit Hilfe von Mockups umgesetzt werden. Mögliche interessierende abhängige Variablen könnten z.B. sein: Lernerfolg, Wiki-Metriken, die Qualität von Beiträgen etc. Die Untersuchung wäre sowohl als Labor– oder auch als quasi-Experiment mit „echten“ Wiki-Teilnehmern vorstellbar.

Abschlussarbeiten im Themenkomplex: "Replizierbarkeit von Unterstützungsmaßnahmen im Wiki-basierten Lernen"

Ansprechpartner für diese Arbeit ist: Sven Heimbuch

Es bestehen mehrere Möglichkeiten zur Replikation vergangeger Studien aus dem Themenkomplex zum Wiki-basierten Lernen. Auf Anfrage erhalten Sie weitere Details zu den möglichen Untersuchungen.

 

Die Themen finden nicht Ihr Interesse?

Wir freuen uns dennoch, sollten Sie Interesse an einer Abschlussarbeit an unserem Lehrstuhl haben. Selbstverständlich können Sie gerne auch eigene Themenwünsche, die mit unseren Forschungsschwerpunkten korrespondieren, einbringen. Sofern Sie auch noch keine konkrete Themenvorstellung haben sollten, helfen Ihnen vielleicht folgende Überlegungen bei der Konkretisierung Ihrer Ideen:

  1. Interessiert Sie einer unserer drei Forschungsschwerpunkte besonders? (Multimediales Lernen, Kognitive Group Awareness und soziale Navigation, Analysemethoden sozialer Interaktionsprozesse) 
  2. Gibt es bestimmte Lernorte, die Sie besonders interessieren? (z.B. Schule, Universität, Bibliothek, Museum, Internet) 
  3. Interessieren Sie sich eher für individuelle oder für soziale Lernprozesse? 
  4. Haben Sie bestimmte Interessen in Bezug auf die Umsetzung Ihrer Abschlussarbeit? (z.B. Programmieranteil, Durchführen eines Experiments, Einsatz einer bestimmten Analysemethode)

Gerne können Sie auch in diesem Fall mit unserem Sekretariat einen Termin für ein Informationsgespräch vereinbaren.