Dr. Liane Schüller Projekt: Literatur und Überwachung

Mediale Signaturen von Überwachung und Selbstkontrolle, 24.–26.09.2020, Universität Łódź, Dr. Liane Schüller (liane.schueller@uni-due.de), Prof. Dr. Werner Jung (werner.jung@uni-due.de), Germanistisches Institut der Universität Duisburg-Essen und Torsten Erdbrügger, (torsten.erdbruegger@uni.lodz.pl), Instytut Filologii Germańskiej, Uniwersytet Łódzki





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Das Thema Überwachung ist aus dem aktuellen gesellschaftlichen Diskurs kaum mehr wegzudenken. An öffentlichen Plätzen, an Arbeitsstätten, bei Bankgeschäften und in Supermärkten, in Eingangsbereichen von Bahnhöfen, Flughäfen und Shopping-Malls, aber zunehmend auch im privaten Bereich – Überwachungsformen sind omnipräsent. Dabei sind die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, Sicherheit und Kontrolle inzwischen fließend. Aktuellstes Beispiel: Gesichtserkennung in Smartphones!

Ausgehend von analogen Bedingungen telematischer Überwachungsformen bis hin zu immer ausgefeilteren Möglichkeiten permanenter Rundumüberwachung differenzieren sich in Zeiten der Digitalisierung existierende Überwachungsformen weiter aus und werfen immer komplexere Fragen nach Datenschutz, Cybermobbing, Internetmissbrauch und informeller Selbstbestimmung auf.

The age of privacy is over, hat der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bereits vor geraumer Zeit lapidar festgestellt. Wie Recht er hatte, zeigen nicht nur Gesichtserkennung und Fingerprint, sondern vor allem die allerorts praktizierte umfassende freiwillige Preisgabe persönlicher Daten. Aber was wird eigentlich aus den gigantischen digitalen Datenvolumen, wenn Informationen sich vernetzen und jeder alles über jeden weiß? Und was geschieht, wenn wir demnächst via Smartphone Antworten auf Fragen erhalten, die so noch gar nicht gestellt wurden?

Eine Vielzahl literarischer Texte, aber auch Filme und Theaterproduktionen der vergangenen Jahre reflektiert unsere zunehmend überwacht-überwachende, stetig gläserner werdende Gesellschaft mit ihrer scheinbaren Wohlfühlzone sozialer Netzwerke.

Versteht man Literatur als „Gedächtnis der Menschheit“ (Georg Lukács), ist ein Blick sowohl auf aktuelle literarische und mediale Produktionen geboten, als auch auf einschlägige dystopische Texte, deren apokalyptische Visionen inzwischen teilweise von der Realität noch weit übertroffen wurden.

Wie wurde und wird in Zeiten von Überwachung erzählt? – Diesen und auch grundsätzlichen Fragen philosophischer, soziologischer oder sozialpsychologischer Provenienz soll auf unserer Tagung nachgegangen werden, wobei Beiträge zu ‚kanonischen‘ Texten (von Orwells „1984“ bis zu Dave Eggers‘ „The Circle“) ebenso erwünscht sind wie solche zur Kriminal-, Phantasy- oder Kinder- und Jugendliteratur, aber auch zu den Medien Rundfunk-Film-Fernsehen.

Die Essener Tagung am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) am 5.-6.7.2018 hat sich zum Ziel gesetzt, in diesem Kontext Literatur als Selbstbeobachtungsprogramm der Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Sie möchte vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung von Überwachung(ssystemen) das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten.

 

Tagungsbericht von Kira Ehlis