Transnationale Migration Deutschland – Polen

Transnationale Migration Deutschland – Polen

Im Zuge der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit ist die Nettozuwanderung von Polen nach Deutschland stark gestiegen; sie erreichte 2013 ihr bisheriges Maximum. Damit geht nicht nur die Herausbildung eines europäischen Arbeitsmarktes einher, sondern, insbesondere im Zuge temporärer Arbeitsmigration, auch die Entstehung transnationaler Familienarrangements. Angenommen wird, dass jedeR vierte Heranwachsende zwischen 9 und 18 Jahren in den letzten drei Jahren erlebt hat, dass mindestens ein Elternteil einer Arbeit im Ausland nachging. Die Häufigkeit solcher Lösungen kontrastiert mit ihrer starken Ablehnung im öffentlichen Raum: einem skandalisierenden und dramatisierenden Diskurs über verletzte Elternpflichten und legitime Kindererwartungen. Insbesondere mit der Feminisierung der Migration – angekurbelt durch den hohen Bedarf an Betreuungskräften in Deutschland – ist die trans-nationale Familie unter Verdacht geraten; Kinder solcher Familien werden gar als „Eurowaisen“ diffamiert. Unterstellt wird damit, dass die Europäisierung bzw. Fokussierung auf den Euro Kinder zu „Waisen“ macht.

Das Phänomen ist nicht nur sozial höchst relevant, sondern auch kindheitstheoretisch interessant, eben weil transnationale Familien durch ihr grenzüberschreitendes Agieren selbstverständliche Vorstellungen von Familie und das „normative Muster guter Kindheit“ infrage stellen. Wie Sozialisation im transnationalen Raum verläuft und wie mit der Abweichung von der normativen Vorstellung guter Kindheit bzw. guter Mutterschaft umgegangen wird, dem geht die Arbeitsgruppe nach.

Eine Erasmus-Kooperation besteht, die es erlaubt, das Thema an der Universität Wroclaw mit Studierenden vor Ort zu bearbeiten.