Epiphanien - Gegenwartsdiagnostik, Transzendenzbewältigung und literarische technique

Menschliche Erfahrungswelten sind begrenzt; manche ihrer Grenzen können persönlich überschritten werden (z.B. durch Abwarten oder Positionswechsel), anderes muss behelfsweise erschlossen werden (Absichten des Gegenübers), wieder anderes wird religiöser, wissenschaftlicher, philosophischer oder sonst lehrhaft-theoretischer oder bloß intuitiver Einschätzung unterworfen. All diese Erkundungen lassen sich als Transzendenzbewältigungen ansprechen, die in unterschiedlichem Maße persönliche Gewandtheit, soziale Verstetigung, kulturelle Institutierung erfordern und erfahren.

Epiphanien im spezifisch modernen Sinne bewältigen Transzendenz in Form von plötzlichen Aufschlüssen oder besonders eindrücklichen Wahrnehmungen, die entweder

  • meist subjektiv-existenzielle Bedeutungen von Weltausschnitten,
  • (noch) unbestimmte Bedeutungshaftigkeit,
  • von üblichen Bedeutungen abgelöste dinglich-sinnliche Intensität oder
  • das „Jetzt“-Erlebnis selber betreffen.

Diese Aspekte können z.T. kombiniert auftreten. Die Epiphanie ist abzuheben von der Vision des Kommenden oder Vergangenen, aber auch von der sachdienlichen Eingebung z.B. genialer Detektive („Abduktion“, Geistesblitz).

Weiteres in Alexandra Pontzen/Pierre Mattern: Epiphanie. In: Michael Gamper, Helmut Hühn, Steffen Richter (Hrsg.): Formen der Zeit. Ein Wörterbuch der ästhetischen Eigenzeiten, Hannover (Wehrhahn Verlag) 2020 (im Druck).

Vorträge und Publikationen

Vorträge

Alexandra Pontzen: Gedehntes Leid. Die peinigende Epiphanie in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (auf der Tagung „The longing for time in contemporary film, literature and art”, Universität Konstanz in Kooperation mit der Universität Warwick/GB, 15.-17. Mai 2014)

Pierre Mattern: Zur epiphanischen Szene in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Hagener Forschungsdialog. Gastvortrag der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften. 25. Mai 2016.

 

Publikationen

Pierre Mattern: Der Hund und die Schnee-Eule. ‚Weltliche Wallfahrten‘ bei Cécile Wajsbrot und Hans-Ulrich Treichel, in: Weltliche Wallfahrten. Auf der Spur des Realen. Hg. von Stefan Börnchen und Georg Mein. München: Fink 2010, S. 235-248.

Alexandra Pontzen: Wilhelm Genazino: Poetik als romantische Psychopathographie des Alltagslebens. In: Poetologisch-poetische Interventionen: Gegenwartsliteratur schreiben. Hg. v. Alo Allkemper / Norbert Eke /Hartmut Steinecke. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2012. S. 219-234.

Alexandra Pontzen: Gedehntes Leid: Die peinigende Epiphanie in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In: Oxford German Studies: Eigenzeit and The Longing for Time in Contemporary Film, Literature and Art. (46.4) Nov/Dez 2017. Hg. von Anne Fuchs und Ines Detmers, S. 360-373.

Pierre Mattern: Transmission und Erzählen. Begründungen literarischen Erzählens bei Hans-Ulrich Treichel und Wilhelm Genazino, in: Die Transmission und das Unsagbare. Wie sprechen die Eltern über das, was sie nicht sagen können? Hg. von Cristina C. Burckas. Zürich: Vissivo 2018, S. 123-142.

Pierre Mattern/Alexandra Pontzen: Epiphanie. In: Michael Gamper, Helmut Hühn, Steffen Richter (Hrsg.): Formen der Zeit. Ein Wörterbuch der ästhetischen Eigenzeiten, Hannover (Wehrhahn Verlag) 2020 (im Druck).

Forschungstätigkeit

Bisherige Veranstaltungen im Rahmen des Forschungsprojekt

Workshop „Jetzt. Jetzt? Jetzt!“. Multiple Gegenwärtigkeit im Wandel der Gesellschaft, 19., 20.10.2017, Universität Duisburg-Essen (Programm) (organisiert von Alexandra Pontzen, Dennis Borghardt und Florian Lehmann)

Ringvorlesung Presentness. Konzepte von Gegenwärtigkeit in Künsten, Medien und Wissenschaft, Sommersemester 2018, Universität Duisburg-Essen (Programm) (organisiert von Alexandra Pontzen und Dennis Borghardt)

 

Vorträge im Rahmen des Forschungsprojekts

Pierre Mattern (Offenburg)/Alexandra Pontzen (Duisburg-Essen): Die literarische Epiphanie in der deutschsprachigen Prosa seit 1990: Beschreibungen und Analyse-Möglichkeiten, 24.09.2019, 26. Deutscher Germanistentag, Saarbrücken