DFG-Forschungsprojekt: Literaturpreise im deutschsprachigen Raum seit 1990: Funktionen und Wirkungen

Anschrift

Mailkontakt zum Projekt

projekt.literaturpreise@uni-due.de

 

Prof. Dr. Alexandra Pontzen
Fakultät für Geisteswissenschaften
Institut für Germanistik
Abteilung Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik
Weststadttürme
Berliner Platz 6-8
45127 Essen
Raum C 04.13

Tel.: 0049-(0)201-183-5333
E-Mail: alexandra.pontzen@uni-due.de

RingvorlesungAusgezeichnet! Zur Geschichte, Theorie und Praxis von Literaturpreisen

Literaturpreise sind ein Instrument der Valorisierung und Evaluierung von Literatur, sie erstreben die Konsekration von AutorInnen und Werken, haben Einfluß auf die Dynamik des literarischen Feldes und bieten LeserInnen Orientierungshilfen. Nicht zuletzt verhelfen sie AutorINNen zu Aufmerksamkeit, Anerkennung und Preisgeldern. Erklärt das die hohe und stetig zunehmende Zahl von in Deutschland verliehenen Literaturpreisen?

Die Vorlesung gibt in ihrem ersten Teil einen Überblick über die Geschichte der Auszeichnung von Autoren und Werken seit der Antike; stellt im zweiten Teil Theorien und Modelle der (deutschen) Preislandschaft vor und präsentiert im dritten Teil Einblicke in die Praxis von Literaturpreisverleihungen: am Beispiel deutscher Krimi-Preise, aus der Erfahrung des Literaturkritikers und vielfachen Jurors (u.a. beim Bachmann-Preis) Hubert Winkels und mit einem komparatistischen Blick nach Frankreich, Nordamerika, die Niederlande und Osteuropa und die dortige Preislandschaft.

 

Zeit und Ort: Mittwochs, 14 bis 16 Uhr; S05T Hörsaalzentrum - S05 T00 B32

 

Programm:

16.10.2019

Alexandra Pontzen (UDE)

Zur Bedeutung von Literaturpreisen und zur Aktualität der Preisforschung

 

23.10.2019

Dennis Borghardt (UDE)

Literarische Prämierungen in der Antike

 

30.10.2019

Martin Schubert (UDE)

Der Dichter und sein Henker. Literaturwettstreit und Literaturpreise bis zum Spätmittelalter

 

06.11.2019

Jörg Wesche (UDE)

Über die Anfänge der Literaturpreiskultur in der neueren deutschen Dichtung

 

13.11.2019

Hannes Krauss (UDE)

Sozialistischer Wettbewerb? Literaturpreise in der DDR

 

20.11.2019

Hubert Winkels (Deutschlandfunk)

Listen, Rankings, Preisvergaben. Vom Nutzen und Nachteil der Auszeichnungsformen für die schöne Literatur

 

27.11.2019

Alexandra Pontzen/Sarah Maaß/Dennis Borghardt (UDE)

Die deutsche Literaturpreislandschaft: Funktionen und Wirkungen

 

04.12.2019

Jens Dirksen (WAZ)/Reinhard Jahn (Autor, Bochumer Krimi-Archiv)/Walter Wehner (Autor)

Bestechend gut. Literaturpreise für Krimischreiber

 

11.12.2019

Stephanie Bung (UDE)

Paris im Herbst. Zur französischen Institution der prix littéraires d’automne

 

18.12.2019

Jens Gurr (UDE)

Philip Roth, die US-amerikanische Literaturszene und ihre Preise: Das Beispiel der „Newark Trilogy“

 

15.01.2020

Rolf Füllmann (Universität zu Köln)

Dichterpreis und Nation Building in Ostmitteleuropa: Die literarische Landschaft des Baltikums und Rainis (1865-1929)

 

22.01.2020

Heinz Eickmans (UDE)

Niederländische und flämische Literaturpreise - und wie deutsche Verlage damit werben

Aktuelles

  • Projektbeschreibung im Forschungsbericht der Universität Duisburg-Essen 2018 in der Sparte Geisteswissenschaften/Digital Humanities
  • Online-Artikel von Sarah Maaß im Projekt-Kontext: "Inklusion und (literarische) kulturelle Bildung am Beispiel von Literaturpreisen für Menschen mit (geistiger) Behinderung. In: Zeitschrift für Inklusion (3), Sept. 2019. (Link)
  • Aufsatz von Dennis Borghardt im Projekt-Kontext: "Valorisierungen und Heterarchisierungen im Feld der Kinder- und Jugendliteraturpreise". In: kjl&m, forschung.schule.bibliothek, Ausgabe 19.3, München: kopaed 2019, 73–77.
  • "1000 Mal geehrt" - Interview mit Prof. Alexandra Pontzen zu Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 26.06.2019 (Pressespiegel der Universität Duisburg-Essen)
  • "Alte Messe - Neuer Preis. Die achte Verleihung des Literaturpreises Seraph auf der Leipziger Buchmesse" - Preisporträt von Daniel Kost (MA-Studierender an der Universität Duisburg-Essen) auf literaturkritik.de (Ausgabe März 2019)
  • Am 09.01.2019 wurde das Projekt im Rahmen der Vortragsreihe "Die Kleine Form" von Prof. Alexandra Pontzen, Dennis Borghardt und Sarah Maaß vorgestellt. Eine Wiedergabe des Vortrags befindet sich hier.
  • "Der Deutsche Buchpreis und die deutschen Buchpreise" - Essay von Sarah Maaß und Dennis Borghardt auf literaturkritik.de(Ausgabe Oktober 2018). Eine Audio-Version des Essays findet sich beim Freien Deutschen Autorenverband Bayern.

25.-26.04.2019Workshop "Literaturpreise - Theorie, Ökonomie, Politik"

Im Rahmen des Projekts fand vom 25. bis 26.04.2019 ein Workshop mit dem Titel "Literaturpreise - Theorie, Ökonomie, Politik" statt. Neben verschiedenen Universitäten war auch der Literatur- und Verlagsbetrieb vertreten.

 

Ort:        Casino-Gästhehaus, Reckhammerweg 3, 45141 Essen

Zeit:       Donnerstag, 25.04.2019, 13-19 Uhr; Freitag, 26.04., 9-17 Uhr

 

 

Das Programm zum Workshop findet sich hier.

Die Abstracts zu den Vortragsthemen sind hier verfügbar.

Ein Workshop-Bericht ist hier abrufbar.

Impressionen vom Workshop sind hier einsehbar.

Projektbeschreibung

Das Projekt beabsichtigt eine umfassende Untersuchung des Phänomens Literaturpreise im deutschsprachigen Raum ab 1990 und fragt nach deren innerliterarischen, kulturpolitischen und literaturbetrieblichen Funktionen und Wirkungen. Innerliterarisch wird untersucht, ob Preise zur Diversifikation des literarischen Feldes und zur Heterarchisierung von Wertungsmustern beitragen. Kulturpolitisch wird vermutet, dass Preise Literatur im Kanon sozio-kultureller Werte (Verständigung, Friedenspolitik, Inklusion) valorisieren, wodurch umgekehrt Literatur zum Prestige regionaler Kulturpolitik beitragen kann. Literaturbetrieblich richten Preise die Aufmerksamkeit auf neue Marktsegmente. Die Funktionen verstärken einander und geben den Preisen Bedeutung bei der Ausweitung der gegenwärtig beobachteten Ästhetisierung der Gesellschaft (Reckwitz). Nach konventioneller Lesart sind Literaturpreise an der Festlegung der Hierarchie von Genres, Werken und AutorInnen im literarischen Feld (Bourdieu) beteiligt, so dass ihre Zunahme (zur Zeit gibt es ca. 800) als Inflation und Qualitätsverlust zu deuten wäre.

Das Projekt untersucht dagegen, inwiefern neue Preise randständige Bereiche als eigenständige Gegenstände literarischer Wertung anerkennen und die Nobilitierung neuer Genres und Werke die tradierte Hierarchie der Konsekration auflöst. Weiterhin interessiert die von Preisen gestiftete programmatische Verknüpfung von Literatur mit außerliterarischen Werten, die zur Wahrnehmung von Literatur im gesellschaftlichen Raum beiträgt. Trotz Studien zu markanten Preisen steht eine umfassende Untersuchung der Preislandschaft aus. Als deren Grundlage dient eine im Projekt auszubauende Datenbank, die bereits vorhandene Daten (z. B. bei www.kulturpreise.de) vervollständigt und aufbereitet. Fallstudien richten sich auf den Zusammenhang von Nobilitierung und Ökonomisierung in der regionalen Valorisierungspraxis, beim ‚Branding‘ neuer Genres sowie in der Lobbyarbeit von Verlagen.

 

The project intends a comprehensive analysis of the phenomenon of literary prizes in the German speaking cultural area since 1990 examining its functions for and effects on the literary field, cultural policies, and the publishing world. As far as the literary field is concerned, it is assumed that prizes contribute to its diversification. Cultural policies use prizes in support of socio-cultural values such as understanding, peace, or inclusion. As for publishers, prizes mean additional reputation for authors and media attention to new market segments. The functions reinforce each other and give prizes a central role in the currently observed aesthetic turn of society (Reckwitz). In a received view prizes contribute to determining the hierarchy of genres and authors (Bourdieu). Hence the increase of prizes (more than 800 in 2018) would signify an inflationary loss of quality.

The project, however, aims at exploring how new prizes acknowledge marginal areas as objects of autonomous literary judgment and contribute to ennoble new genres and works. Other prizes charge literature with socio-cultural values and support to perceive literature as part of the public sphere. Despite studies on distinctive prizes a full investigation of prizes and their impact is yet to be conducted. For quantitative research the project organizes a database that completes and corrects already existing data (e. g. www.kulturpreise.de). Case studies explore the branding of new genres, the connections between regional investments in prizes and economic incentives, the impact of prizes on the publishers' world as well as the publishers' attempts to influence the awarding of prizes by market strategies and lobbying.

MitarbeiterInnen im Projekt

Prof. Dr. Alexandra Pontzen (Projektleiterin)

Dennis Borghardt (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)

Sarah Maaß (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Anna Köbrich (Studentische Hilfskraft)

Nick Cichon (Studentische Hilfskraft)

Studentische Forschungsarbeiten im Kontext des Projekts

Abgeschlossen:

  • Sven Busch: „Das ästhetische Urteil im Spannungsfeld von Jury und Publikum. Eine Analyse der Vergabepraxis des Mülheimer Dramatikerpreises“ (HA im MA-Seminar)
  • Nick Cichon: „Trianguläre Konsekrationsprozesse. Gabe und Gegengabe am Beispiel des Thomas-Mann-Preises“ (BA-Arbeit)
  • Kyra Friebe: Engagierte Unterhaltungsliteratur? Juli Zehs Unterleuten (2016) (MA-Arbeit)
  • Birthe Kolb: „Self-Publishing-Preise, Social Reading und neue Strukturen auf dem Buchmarkt“ (HA im MA-Seminar)
  • Britta Walther: „Ausgezeichnete Kinder- und Jugendliteratur mit dem Schwerpunkt Flucht und Flüchtlinge“ (HA im MA-Seminar)

 

Im Entstehen:

  • Elisa Bednarz: „Frauen im literarischen Feld - Literaturpreise unter Gender-Gesichtspunkten“
  • Leon Huff: „Zwischen Indiekultur und Verlagsmarketing: Eine literarästhetische und literatursoziologische Analyse des Preises der Hotlist für unabhängige Verlage“
  • Anika Janasik: „Queere Charaktere in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – Angekommen in der Literaturpreis- und Rezensionslandschaft?“
  • Anna Köbrich: „Der E.T.A. Hoffmann-Preis. Zwischen Autor- und Stadtpreis“
  • Daniel Kost: „Legitimationsstrategien der Horror-, Fantasy- und Science Fiction-Preise“