Personen im Historischen Institut: Dr. Nils Bennemann

Forschungsinteressen

Gesellschafts- und Rechtsgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhunder

Geschichte sozialer Bewegung und Protestgeschichte

Geschichte internationaler Organisationen im 19. Jahrhundert

Wissens- und Wissenschaftsgeschichte, insbesondere Kartographiegeschichte und  Geschichte von Wasserwegen

Akademischer Werdegang

Seit 2019: Habilitationsprojekt: „‚Mit aller Härte‘ – Eine Gesellschaftsgeschichte des Rechtsstaats nach 1945 in Deutschland“.

1/2013 – 2021: Bearbeiter des Projektes „Gerhard Mercator: Edition und Übersetzung seines Briefwechsels“.

1/2013 – 5/2019: Promotion zum Dr. phil. an der Universität Duisburg-Essen, Titel des Dissertationsprojektes: „Das Wissensregime am Rhein: Rheinwissen in der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, 1817–1880“, ausgezeichnet mit dem Wissenschaftspreis der Sparkasse Essen für Geisteswissenschaften und Bildungswissenschaften, Gutachter*innen der Arbeit: Prof. Dr. Ute Schneider (Essen), Prof. Dr. Johannes Paulmann (Mainz), Gesamtprädikat: summa cum laude.

10/2008 – 12/2012: Studium der Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen, Abschluss: Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen, Abschlussnote: 1,1.

Mitgliedschaften und Funktionen

Seit 2021: Mitglied des Fakultätsrats der Geisteswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen

Seit 2020: Mitglied im Netzwerk „KNOW-IN: Knowledge Infrastructures: Circulation, Transfer and Translation of Knowledge across Borders“, Universität Regensburg.

2015 – 2017: Mitglied des Vorstandes des „Historischen Doktorandenkolleg Ruhr“.

seit 2014: Mitglied im Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands.

seit 10/2013: Assoziiertes Mitglied im DFG-Graduiertenkolleg 1919 „Vorsorge, Voraussicht, Vorhersage: Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln“.

Forschungsprojekte

Habilitationsprojekt

‚Mit aller Härte‘ – Eine Gesellschaftsgeschichte des Rechtsstaats in Deutschland nach 1945

Der ‚Rechtsstaat‘, die ‚Rechtsstaatlichkeit‘ sind immer wieder prominente Begriffe in den gesellschaftlichen Diskursen im Deutschland der Nachkriegszeit: Sei es durch politische Forderungen nach mehr Härte des Rechtsstaates oder die Sorge um die Bedrohung desselben in Anbetracht (politischer) Kriminalität oder Terrorismus, sei es durch die Forderungen von Bürgerbewegungen nach mehr Rechtsstaatlichkeit oder dem Rechtsstaat ganz allgemein. Welche Bedeutung Vorstellungen von ‚Rechtsstaat‘ in der deutschen Nachkriegsgesellschaft zukam und welche juristischen, politischen und sozialen Wirkungen dieser in konkreten Situationen entfaltete, soll nicht allein ideen- und begriffsgeschichtlich untersucht werden, sondern in gesamtgesellschaftlicher Perspektive. Die Untersuchung soll dabei entlang von drei gesellschaftlichen Dimensionen und den jeweiligen Wechselwirkungen erfolgen: der Justiz, der Politik sowie der Zivilgesellschaft im weitesten Sinne.

Projektbearbeiter

Gerhard Mercator: Edition und Übersetzung seines Briefwechsels

Weit mehr als 200 Briefe schrieb und erhielt der Kartograph Gerhard Mercator im Laufe seines langen Gelehrtenlebens vor 500 Jahren und leistete damit einen wichtigen Beitrag auf dem Weg in die heutige Wissensgesellschaft.

Finanzierung: Stiftung Mercator

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Dissertation

Rheinwissen. Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt als Wissensregime, 1817–1880

‚Wissen‘ ist die zentrale Ressource internationaler Organisationen zur Machtausübung. Der Untersuchung, wie diese Organisationen ihre Machtressource erlangen, nimmt sich die vorliegende Studie erstmalig aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive an. Als Fallbeispiel dient hierbei die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, die als erste internationale Organisation der Welt als Erprobungsfeld für Praktiken im Umgang mit Wissen in internationalen Organisationen verstanden wird. Diese Wissensgeschichte des Rheins leistet damit einen Beitrag zum Verständnis des 19. Jahrhunderts als Zeitalter des Internationalismus und untersucht konkrete Praktiken der Internationalisierung, die über den Untersuchungsgegenstand hinausweisen.

Im Zentrum steht die Frage, welche Verfahrensweisen im Umgang mit Wissen über den Rhein und dessen Schiffbarkeit – Rheinwissen – entwickelt wurden. Konkreter geht es darum, wie Rheinwissen zwischen den Mitgliedsstaaten Frankreich, Baden, Bayern, Hessen, Nassau, Preußen und den Niederlanden gesammelt, getauscht und produziert wurde und welche Wechselverhältnisse zwischen Wissensbeständen und Methoden der Wissensproduktion in den Mitgliedsstaaten und auf der internationalen Ebene bestanden.

Der Arbeit liegt die zentrale These zugrunde, dass sich in den Jahren von der Gründung der Zentralkommission bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein Wissensregime herausbildete, durch das spezifisch für den Rhein festgelegt wurde, was als valides Rheinwissen gelten sollte. Das wissenssoziologische Konzept des Wissensregimes von Peter Wehling und Stefan Böschen dient erstmals als methodischer Zugriff im Rahmen einer größeren geschichtswissenschaftlichen Studie. Dieser neue Ansatz ermöglicht das zentrale Ergebnis der Studie herauszuarbeiten: Wissen wurde in internationalen Organisationen nicht ausschließlich entlang wissenschaftlicher oder technischer Erkenntnisse bewertet und gewonnen, sondern ebenso waren politische, ökonomische und pragmatische Formen der Wissensproduktion konstitutiv. Rheinwissen erscheint damit als Produkt von vielschichtigen Aushandlungsprozessen.

Ausführliche Beschreibung.

Die Arbeit wurde von Prof. Dr. Ute Schneider betreut und begutachtet, Zweitgutachter war Prof. Dr. Johannes Paulmann (Mainz). Die Arbeit wurde mit dem Wissenschaftspreis der Sparkasse Essen für Geisteswissenschaften und Bildungswissenschaften 2020 in Höhe von 5000 € ausgezeichnet, der Druck von der Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften in Höhe von 2800 € gefördert.