Forschungsprojekte

Drittmittelprojekte

Soziale Eingebundenheit und die Nutzung sozialer Ressourcen in der Studieneingangsphase

In diesem Projekt wird die Rolle sozialer Variablen für den Studienerfolg in der Studieneingangsphase betrachtet. Dabei sollen Wirkweisen der sozialen Eingebundenheit sowohl in emotional-motivationaler Hinsicht als auch wissensbezogen identifiziert werden, um ein vollständigeres Modell zur Vorhersage von Studienerfolg zu erhalten und Unterstützungsmaßnahmen ableiten zu können. In einer ersten Studie wird untersucht, inwieweit soziale Variablen sich vermittelt über die emotional-motivationale und die wissensbezogene Nutzung sozialer Ressourcen auf den Studienerfolg in den Fächern Chemie und Bauingenieurwesen auswirken. Neben der sozialen Eingebundenheit werden dabei auch sozio-emotionale bzw. sozio-motivationale Personenvariablen wie das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit und sozio-kognitive Variablen wie das Wissen über die soziale Gruppe (Group Awareness) betrachtet. In einer zweiten Studie wird die soziale Eingebundenheit bezogen auf konkrete Mitstudierende im Studiengang Chemie netzwerkanalytisch betrachtet und ermöglicht so die Identifikation konkreter Zusammenhänge zwischen dem individuellen Netzwerk und Personenvariablen insbesondere mit Blick auf die Ko-Evolution emotional-motivationaler Variablen. Der Zusammenhang zwischen sozialer Eingebundenheit und Group Awareness wird hier in Bezug auf konkrete Mitstudierende betrachtet. In einer dritten Studie wird experimentell untersucht, ob die in eine Lernplattform eingebettete Unterstützung der Group Awareness im Studiengang Chemie die wissensbezogene Nutzung sozialer Ressourcen fördert, indem sie die Identifikation geeigneter Ansprechpartner für akademische Schwierigkeiten erleichtert. Eine solche Unterstützung könnte insbesondere einem Group Awareness-Defizit in der Studieneingangsphase entgegenwirken, das durch einen Mangel an sozialer Eingebundenheit (Interaktionserfahrung) zustande kommt. In allen drei Studien werden auch mögliche Geschlechterunterschiede berücksichtigt. Damit werden im Projekt einerseits Zusammenhänge und Wirkmechanismen bedeutsamer sozialer Variablen mit dem Studienerfolg untersucht, die bestehende Forschungserkenntnisse und das Rahmenmodell der Forschergruppe ALSTER wesentlich ergänzen; andererseits werden Grundlagen dafür geschaffen, Schwierigkeiten durch den Mangel an sozialer Eingebundenheit in der Studieneingangsphase praktisch zu begegnen und damit potenziell den Studienerfolg zu erhöhen.

Digital gestützte Kompetenzentwicklung im Unternehmenskontext

  • Gefördert von Evonik Industries AG
  • Gemeinsame Antragstellung mit Prof. Dr. Heinz Ulrich Hoppe
  • Förderzeitraum: 01/2018 - 12/2020
  • Mitarbeiter(innen): Melanie Erkens, M.Sc.; Carolin Hensel; Lars Tennstädt, B.Sc.; Kirsten Wullenkord

Kompetenzentwicklung im Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass Auszubildende nicht nur theoretische Fachkenntnisse erlangen, sondern auch beruflich handlungsfähig sind. Solch eine Entwicklung kann durch Lernsysteme verbessert werden, die die Selbstorganisation von Lernprozessen und die Kommunikation mit Lernpartnern ermöglichen. Im Zuge der Digitalisierung eröffnen sich dabei viele technische Möglichkeiten, die auf die individuelle Gestaltung des Wissensaufbaus und einen gegenseitigen Erfahrungsaustausch abzielen. Damit steigt in Wissenschaft und Wirtschaft jedoch auch der Bedarf, solche Unterstützungsmöglichkeiten nicht nur mediendidaktisch zu gestalten, sondern auch das Verhalten ihrer Nutzer zu analysieren. 

Das von Evonik geförderte Projekt adressiert diesen Bedarf durch die Entwicklung und Erprobung von modernen Konzepten der digital gestützten Kompetenzentwicklung im Unternehmenskontext. In einem Teilprojekt sichert der Lehrstuhl für „Psychologische Forschungsmethoden – Medienbasierte Wissenskonstruktion“ dabei die Qualität ablaufender Lernprozesse, indem bewährte mediendidaktische Gestaltungsprinzipien für dynamische Lernmaterialen und soziale Szenarien auf die Berufsausbildung übertragen, an diesen Kontext angepasst und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit überprüft werden. Anhand von Interviews und experimentellen Feldstudien werden die einzubettenden Maßnahmen hierzu am Beispiel der chemie-orientierten Berufsausbildung bewertet und evaluiert. Über die Erlangung grundlegender Kenntnisse hinaus dienen die Studienergebnisse zudem der Entwicklung eines Prototyps, der während des Projektverlaufs sukzessive in die Anwendung überführt wird.

Nutzerzentrierte Soziale Medien

Die Emergenz sozialer Medien repräsentiert einen bedeutenden Schritt in der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien, mit beträchtlichen Auswirkungen auf Individuen, Wirtschaft und Gesellschaft. Soziale Medien stellen komplexe soziotechnische Systeme mit sehr großen Nutzergruppen dar, sowohl in öffentlichen als auch in organisatorischen Kontexten. Sie sind durch Eigenschaften wie nutzergenerierte Inhalte, soziale Interaktion und Awareness sowie emergente Funktionalität gekennzeichnet. Während soziale Medien weit verbreitet sind und ihre Nutzung stetig zunimmt, gibt es nur wenige Forschungsergebnisse bezüglich der Analyse und des Verständnisses der Charakteristika und Determinanten des Benutzerverhaltens in solchen Systemen. Dies gilt für das Verhalten auf der individuellen wie auch der kollektiven Ebene sowie in Bezug auf das benutzerorientierte Software-Design sozialer Medien, insbesondere mit dem Ziel, die Nutzer dabei zu unterstützen, sich die Systeme für ihre Zwecke anzueignen, sie zu kontrollieren und an ihre Bedürfnisse anzupassen.

Es gibt einen zunehmenden Bedarf in Wissenschaft und Wirtschaft für wissenschaftlich ausgebildete Experten, die sowohl die nutzerorientierten als auch die technischen Aspekte sozialer Medien beherrschen.

Das bewilligte Graduiertenkolleg adressiert diesen Bedarf, indem es eine herausragende interdisziplinäre Forschungs- und Qualifikationsumgebung bereitstellt, in einer Universitätsabteilung, in der sowohl Informatik- als auch Psychologie-Professuren vertreten sind. Es handelt sich um ein Forschungs- und Qualifikationsprogramm, das sich primär an Studierende mit Vorbildung in Informatik und/oder Psychologie richtet; ihnen sollen Wissen und Methoden aus beiden Bereichen vermittelt werden, die notwendig sind, um qualitativ hochwertige Forschung und Entwicklung im Bereich sozialer Medien zu betreiben. Das Programm umfasst modulare Qualifikationskomponenten in Kombination mit interdisziplinären Arbeitsgruppen sowie die Betreuung und das Mentoring durch interne und externe Wissenschaftler aus beiden Wissenschaftsdisziplinen. Das Graduiertenkolleg wird zusätzlich unterstützt durch interne Ressourcen und assoziierte Wissenschaftler. Ferner profitiert es von dem starken Engagement unserer Universität in den Bereichen Internationalisierung und Diversitäts-Management.

Weitere Informationen zum bewilligten Graduiertenkolleg finden Sie hier.

Unterstützung kooperativen multimedialen Lernens: Wirkmechanismen der Darstellung wissensbezogener Informationen über Lernpartner

  • Gefördert von der DFG (BO 2511/5-1)
  • Förderzeitraum: 11/2011 - 04/2015
  • Mitarbeiter(innen): Dipl.-Psych. Alexander Scholvien; Katharina Beeck, B.Sc.; Jeannine Heisters, B.Sc.; Maike Kappelhoff, M.Sc; Martin Neuwirth, B.Sc.

Das kooperative Besprechen und Bearbeiten multimedialer Lernmaterialien birgt vielfältiges Potenzial, ist aber auch mit unterschiedlichen kognitiven Anforderungen verbunden, die an die Lernpartner gestellt werden. Diese Anforderungen beziehen sich sowohl auf das Material als auch auf die Kooperationssituation. So müssen Lernende Texte, Formeln und Bilder mental integrieren, Manipula­tionen planen und interpretieren, Lern- und Kommunikationsinhalt verknüpfen, eine gemeinsame Wissensbasis mit den Lernpartnern herstellen und den Kooperationsablauf strukturieren. Um Lernende bei der Bewältigung dieser vielfältigen Anforderungen zu unterstützen, wurden Maßnahmen zur Förderung individueller multimedialer Lernprozesse mit sog. Group Awareness Tools verknüpft, die wissensbezogene Informationen über Lernpartner darstellen. Sowohl für kooperatives Lernen mit multiplen externen Repräsentationen als auch für kooperatives Lernen mit dynamisch-interaktiven Visualisierungen liegen vielversprechende Ergebnisse für diese kombinierten Unterstützungs­maßnahmen vor. Es fehlen jedoch bislang empirische Erkenntnisse zu den Group Awareness-Komponenten, die den gefundenen Effekten zugrunde liegen. Im Projekt sollen daher die potenziellen Wirkmechanismen identifiziert, systematisch voneinander getrennt und experimentell hinsichtlich ihres Einflusses auf Kommunikations- und Lernprozesse überprüft werden.

Blended Library

  • Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK-BW)
  • Gemeinsame Antragstellung mit Prof. Dr. Dr. Friedrich W. Hesse und Dr. Uwe Oestermeier (Institut für Wissensmedien, Tübingen)
  • Förderzeitraum: 10/2011 - 09/2014
  • Mitarbeiter: Michael Schubert, M.Sc.; Maike Kappelhoff, M.Sc.; Christian Peters, M.Sc.

In diesem Projekt werden gemeinsam mit der Universität Konstanz und der Universitätsbibliothek Tübingen Konzeptionen für die Unterstützung von Recherche- Kooperations-, und Lernprozessen innerhalb einer physischen "Bibliothek der Zukunft" entwickelt. In dieser sollen interaktive Endgeräte und innovative Visualisierungen dazu eingesetzt werden, physische und elektronische Angebote sowie Präsenz- und virtuelle Nutzungen zu integrieren und damit Medienbrüche weitgehend aufzulösen. Die Konzeptionen werden zunächst im Sinne von Best-Practice Beispielen in sog. "Living  Labs" in den Universitätsbibliotheken Konstanz und Tübingen implementiert. Das psychologische Teilprojekt beteiligt sich an den inhaltlichen Konzeptionen und begleitet die technologischen Entwicklungen. Schwerpunkte des Teilprojekts liegen zum einen in der Analyse von Nutzerbedürfnissen hinsichtlich bestehender Angebote und hinsichtlich neuer Entwicklungen, zum anderen in der Konzeption und experimentellen Überprüfung kooperations- und lernförderlicher Unterstützungsmaßnahmen, die mithilfe interaktiver Technologien (z.B. auf einem Multitouchtisch) in diesem Zukunftsszenario angeboten werden können.

Kollaborative Elaboration multimedialer Informationsangebote im Museum

  • Gefördert vom BMBF im Rahmen des SAW-Verbundprojekts „Intuitive und personalisierte Besu­cherinformation im Museum mit interaktiven Displays: Kontextualisiert – Multimedial – Kollaborativ (EyeVisit)“
  • Gemeinsame Antragstellung mit Prof. Dr. Katharina Scheiter (Institut für Wissensmedien, Tübingen)
  • Förderzeitraum: 05/2011 - 04/2014
  • Kooperationspartner: Prof. Dr. Peter Gerjets und Prof. Dr. Stephan Schwan (Institut für Wissensmedien), Dr. Jörg Edelmann (Fachbereich Informatik, Universität Tübingen), Dr. Sven Nommensen (Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig)
  • Mitarbeiterin: Laure Phillipon, M.A.

Dieses Projekt geht der Frage nach, wie Museumsbesucher auf der Basis neuer Technologien dabei unterstützt werden können, Ausstellungsstücke motiviert, selbstreguliert und verständnisförderlich zu betrachten und zu diskutieren. Dazu sollen im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig mobile Endgeräte eingesetzt werden, mit denen die Besucher "Fundstücke" aus der Ausstellung in elektronischer Form sammeln und auf einem Multitouch-Tisch betrachten bzw. interaktiv verändern können. Das Projekt untersucht dabei insbesondere, wie implizite und explizite Hinweise auf konzeptuelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede der gesammelten Ausstellungsobjekte kooperative Elaborationsprozesse anregen können. Bereits vorliegende Erkenntnisse werden im Projektverlauf auf der Basis von experimentellen Studien und Interaktionsanalysen in Labor und Feld so erweitert, dass konkrete Empfehlungen für die kollaborations- und elaborationsförderliche Einbettung interaktiver Technologien in historische Ausstellungen formuliert werden können.

Soziale Navigation beim Lernen in sozialen Netzwerken

  • Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK-BW) und vom BMBF im Rahmen des WissenschaftsCampus Tübingen (Cluster: Eine Infrastruktur zur Analyse sozialer Netzwerke)
  • Gemeinsame Antragstellung mit Dr. Jürgen Buder (Institut für Wissensmedien, Tübingen)
  • Förderzeitraum: 01/2010 - 12/2012
  • Mitarbeiter(innen): Anja Rudat, M.A., Dr. Christina Schwind, Tim Höfling, Susanne Stoll
  • Kooperationspartner: Prof. Dr. Torsten Grust, George Giogidze, M.Sc. (Fachbereich Informatik, Universität Tübingen)

In diesem Projekt wird das Ziel verfolgt, Prinzipien sozialer Navigation in Online-Diskussionsforen zu realisieren. Diskussionen in großen Online-Foren können sehr umfangreich sein, so dass es einzelnen Personen kaum möglich ist, ganze Diskussionsstränge zu lesen. Ein Lösungsansatz stellen Prinzipien sozialer Navigation dar, bei denen das Navigationsverhalten von Einzelnen durch aggregierte Spuren einer ganzen Gruppe beeinflusst wird. Konkret bedeutet dies, dass die Navigation in Foren erleichtert werden kann, wenn Funktionen bereit stehen, die eine Bewertung von Beiträgen in Form von Ratings ermöglichen. Filtermechanismen und Visualisierungen geben dann Lesern und Autoren Orientierung darüber, welche Beiträge einer Diskussion z.B. besonders qualitativ hochwertig oder kontrovers sind. Schwerpunkte des Projekts sind (1) die Analyse von Kommunikations- und Interaktionsdaten aus realen Online-Foren mithilfe einer deklarativen, datenbankgestützten Anfragesprache zur Exploration großer Datenmengen (Kooperation mit Prof. Dr. Torsten Grust; Informatik, Universität Tübingen), (2) die experimentelle Untersuchung des Einflusses sozialer Navigationswerkzeuge auf Rezeptions- und Partizipationsprozesse in Online-Foren und (3) die Implementation von sozialen Navigationstools in bestehende Online-Foren.