Personen im Historischen Institut: Dominik Greifenberg

Geisteswissenschaften/Historisches Institut
Anschrift
Universitätsstr. 12
45117 Essen
Raum
R12 R05 B28
Sprechzeiten
s. Sprechstundenliste auf der Webseite des Historischen Instituts

Funktionen

  • Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in, Historisches Institut

Die folgenden Publikationen sind in der Online-Universitätsbibliographie der Universität Duisburg-Essen verzeichnet. Weitere Informationen finden Sie gegebenenfalls auch auf den persönlichen Webseiten der Person.

    Artikel in Zeitschriften

  • Greifenberg, Dominik
    Melanchthon und Bucer : Frühe Reformationsbemühungen am Niederrhein
    In: Niederrhein-Magazin: Programmzeitschrift der Niederrhein-Akademie (2017) Nr. 23, S. 3 - 10
    ISSN: 1867-9064
  • Greifenberg, Dominik
    Herrscher, Hof und Humanismus. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Zeit : ein Tagungsbericht
    In: Niederrhein-Magazin: Programmzeitschrift der Niederrhein-Akademie (2016) Nr. 22, S. 27 - 29
    ISSN: 1867-9064
  • Greifenberg, Dominik
    Sicherheitsversprechen - Wilhelm der V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Sicherheitspolitik
    In: Niederrhein-Magazin: Programmzeitschrift der Niederrhein-Akademie (2016) Nr. 21, S. 3 - 11
    ISSN: 1867-9064
  • Greifenberg, Dominik
    Die Stadtmauer als Objekt korporativer Identifikation? : Zur symbolischen und soziokulturellen Bedeutung der Stadtmauer für die Kölner Kommune im Hoch- und Spätmittelalter
    In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das alte Erzbistum Köln Jg. 218 (2015) S. 45 - 94
    ISSN: 0341-289X
  • Greifenberg, Dominik
    Die mittelalterliche Stadtbefestigung als Forschungsgegenstand der Infrastruktur-Geschichte
    In: Niederrhein-Magazin: Programmzeitschrift der Niederrhein-Akademie Jg. 9 (2015) Nr. 20, S. 22 - 33
    ISSN: 1867-9064
  • Greifenberg, Dominik
    Überlegungen zu Sinn und Nutzen einer Infrastruktur-Geschichte des Mittelalters
    In: Niederrhein-Magazin (2015) Nr. 19, S. 13 - 23
    ISSN: 1867-9064
  • Rezensionen

  • Greifenberg, Dominik
    Uthoff, Hans Rudolf: Als der Pott wieder kochte
    In: Niederrhein-Magazin Jg. 2015 (2015) Nr. 20, S. 83 - 84
    ISSN: 1867-9064

Forschungsschwerpunkte

  • europäische Stadtgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
  • kulturwissenschaftliche Forschungsansätze (vor allem zu Aspekten wie Kollektiv, Identität, Architektur und Sicherheit)
  • mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte der Ruhr- und Rhein-Maas-Region
  • Medien- und Kommunikationsgeschichte; insbesondere auch Formen symbolischer Kommunikation
  • Rechtsgeschichte

Wissenschaftlicher Werdegang

Seit Oktober 2014
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für die Landesgeschichte der Rhein-Maas-Region an der Universität Duisburg-Essen

Von Oktober 2010 bis September 2013
Studium der Mittelalter- und Renaissancestudien (Kernfach Geschichtswissenschaft) an der Ruhr-Universität Bochum

Titel der Masterarbeit: Die Stadtmauer als Objekt korporativer Identifikation? Zur symbolischen und soziokulturellen Bedeutung der Stadtmauer für die Kommune im Hoch- und Spätmittelalter. Eine beispielhafte Untersuchung für Köln.

Von April 2006 bis September 2010
Bachelorstudium der Geschichtswissenschaft und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum

Mitgliedschaften

Historischer Verein für den Niederrhein
Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung e.V.
InKuR

Dissertationsprojekt

Belagerung und Sicherheitsdispositiv - Städte als Akteure in asymmetrischen Konflikten an der Schwelle vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit

Die Promotion betreut Prof. Dr. Fuchs.

Im Fokus des Forschungsvorhabens steht die vergleichende Auseinandersetzung mit Belagerungen als Situationen verdichteter Unsicherheit(en) an der Schwelle zur Frühen Neuzeit. Die Auseinandersetzung mit zwei Aspekten soll dabei besonders in den Fokus gerückt werden. Zunächst soll konkret anhand der Belagerungen von Soest 1447, Neuss 1474/75 und Münster 1534, untersucht werden, wie (vergleichsweise) autonome Stadtgemeinden in derartigen Krisensituationen agierten.[1] Ein praxeologischer Ansatz erlaubt es, das Handeln der städtischen Akteure, respektive des kommunalen Akteurskollektivs aus der Innensicht nachzuzeichnen. Auf diese Weise lassen sich im Idealfall nicht nur die Handlungen selbst, sondern auch die angegebenen Motive für die je spezifischen Verhaltensweisen weitestgehend ungefiltert eruieren. So soll gleichermaßen Einblick in das akute Sicherheitsempfinden der Bürgerschaft genommen und der daran anknüpfende, innerstädtische Sicherheitsdiskurs sichtbar gemacht werden. Ferner dürfte es auf diesem Wege möglich sein, das komplette Spektrum pragmatischer Maßnahmen und Kulturtechniken der Kontingenzbewältigung abzubilden. Die gewählten Belagerungsszenarien spiegeln dabei alle die Tendenz der Zeit wieder, dass Fürsten gegenüber Städten seit dem ausgehenden Mittelalter in der Kriegsführung personell, finanziell und dementsprechend auch technisch-strategisch zunehmend überlegen waren. Allen drei Konfliktsituationen war damit von Beginn an das Moment der Asymmetrie eingegeben, welches das krisenhafte Moment und die daraus resultierende Ungewissheit und Unsicherheit für die Städte potenzierte. Es wird daher insbesondere auch von Interesse sein, ob und inwiefern die städtischen Akteure selbst diese Asymmetrie wahrgenommen haben und welche Konsequenzen sie daraus für ihr Handeln gezogen haben.

Während sich der erste Komplex der Forschungsarbeit der systematischen Erfassung des städtischen Sicherheitsdispositivs[2], mit all seinen zugehörigen pragmatischen wie kulturtechnischen Instrumenten, Strukturen und Erscheinungen, annimmt, soll daran anschließend in einem zweiten Schwerpunkt der Arbeit das Krisenmanagement der Städte sowie die damit in Verbindung stehende Sicherheitspolitik und -philosophie en gros in den Blick genommen werden. Hierbei wird es darauf ankommen, kurz- und mittelfristige Verhaltensweisen sowie langfristig gedachte Strategien vergleichend zu betrachten. So könnte im direkten Vergleich mit fürstlichen Verhaltensweisen ersichtlich werden, ob und inwiefern die Sicherheitsphilosophie und -politik der Städte den zunehmenden Bedeutungsverlust des Systems der sich selbst regierenden Kommunen seit der Frühen Neuzeit mitverschuldet haben könnte. Damit sollen in gewissem Sinne auf der Metaebene auch die Fähigkeiten der Stadtgemeinden im strategischen Umgang mit einem spezifischen Problem bewertet werden, wobei das Vermögen zur Risikobewertung, die Diskursfähigkeit, das sich hieraus entwickelnde Innovationspotential, und die Befähigung zu lösungsorientiertem, vorausschauenden Planen und Handeln zentrale Parameter darstellen werden. In dieser Konstellation greift die vorliegende Arbeit jüngere Forschungsmethoden auf und soll Leerstellen der historischen Forschung schließen, Kausalitäten und Strukturen aufzeigen, sowohl hinsichtlich der konkret zu untersuchenden Belagerungen, als auch in Bezug auf die politische Selbstbestimmtheit von Stadtgemeinden und deren Verhältnis zu Fürsten um 1500.[3]

 

[1] Die drei Belagerungen sind keinesfalls zufällig gewählt. Die drei Kriegsschauplätze sind in einer Grenzregion gelegen, die aufgrund ihrer geostrategischen und geopolitischen Bedeutung in Mittelalter und Früher Neuzeit immer wieder auch in den Fokus benachbarter europäischer Großmächte geraten ist. Auch zeichnet sich die Region durch eine große Dichte an Herrschaftsgebieten und Städten aus. Komplex verzahnte Herrschaftsverhältnisse machten den rheinisch-westfälischen Raum des 15. und 16. Jahrhunderts so gesehen schlechthin zu einem Substrat für politische Konflikte. Dieses komplexe Geflecht von Akteuren, deren Handeln Grenzüberschreitend und Raumübergreifend stattfindet, macht die vorliegende Arbeit auch zum Teil einer modernen Landesgeschichte, die sich mittlerweile programmatisch eher als eine Regional- oder Raumgeschichte verstanden wissen will. Die Tatsache, dass die Arbeit versucht städtische Diskurse um Sicherheit und Sicherheitspraktiken vergleichend zu erschließen und zu bewerten, rückt das Vorhaben insbesondere auch in das Feld der Kultur-, Wissens- und Ideengeschichte.

[2] Nach Foucault ist das Dispositiv „[…] erstens ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes umfasst. […] Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann. Zweitens möchte ich mit dem Dispositiv gerade die Natur der Verbindung deutlich machen […] Kurz gesagt gibt es zwischen diesen Elementen, ob diskursiv oder nicht, ein Spiel von Positionswechseln und Funktionsveränderungen […] Drittens verstehe ich unter Dispositiv eine Art von […]Formation, deren Hauptfunktion zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt darin bestanden hat, auf einen Notstand (urgence) zu antworten. Das Dispositiv hat also eine vorwiegend strategische Funktion“ (Foucault, Michel: Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit, Berlin 1978, Neuaufl. 2000, S. 119 f.)

[3] Sicherheit als Basisanliegen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Gesellschaften ist insbesondere in den letzten Jahren Gegenstand historischer Forschung gewesen. Siehe hierzu etwa: Kampmann, Christoph/Niggemann, Ulrich: Einleitung. Sicherheit in der Frühen Neuzeit – Zur Einführung, in: dies. (Hrsg.): Sicherheit in der Frühen Neuzeit. Norm – Praxis – Repräsentation (Frühneuzeit-Impulse 2), Köln 2013, S. 12-29.