Personen im Historischen Institut: Nina Szidat

GeiWi/Hist. Inst.
Anschrift
Universitätsstr. 12
45141 Essen
Raum
R12 S05 H08
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Funktionen

  • Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in, Geschichte

Wissenschaftlicher Werdegang

  • 2009-2016: Lehramtsstudium für Gymnasium und Gesamtschule der Fächern Geschichte und Englisch an der Universität Duisburg-Essen
  • 2011-2017: Studentische Hilfskraft im Universitätsarchiv Duisburg-Essen
  • Dezember 2016: Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen mit der Abschlussarbeit: Von der Reeducation- zu einer Europapolitik. Die Städtepartnerschaft Essen - Sunderland
  • seit 2017: Promotionsstudium an der Universität Duisburg-Essen
  • März-September 2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Duisburg-Essen

Forschungsprojekt

Doing Europe – ost- und westdeutsche Städtepartnerschaften mit Großbritannien als Beitrag zivilgesellschaftlicher Europäisierung“

Obwohl die europäische Integration eigentlich als Erfolgsprojekt der Nachkriegszeit gilt, haben die letzten Jahre doch – mitunter dramatisch – deutliche Differenzen zwischen dem Europa der politischen Eliten und dem der Durchschnittsbürger vor Augen geführt: 2005 sprachen sich sowohl Franzosen als auch Niederländer – Bürger zweier Staaten also, die von Beginn an am Projekt Europa beteiligt waren – in Volksabstimmungen gegen eine gemeinsame EU-Verfassung aus; 2016 stimmte die Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union; aufgrund der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden wurde 2017 gar zum „Schicksalsjahr für die EU“ deklariert.[1]

Aufgrund dieser Entwicklungen scheint es ratsam, Europäisierung als einen auch von unten, also aus der breiten Masse der Bevölkerung, kommenden Prozess stärker in den Blick zu nehmen. Mit geschätzt über 20 000 vertraglich besiegelten Verbindungen[2] ist die Städtepartnerschaftsbewegung als eines der Massenphänomene der europäischen Nachkriegszeit besonders geeignet für diesen Zugriff. Ursprünglich als Mittel der Aussöhnung zutiefst verfeindeter Kriegsgegner konzipiert, vereinten die kommunalen Partnerschaften eine Vielzahl verschiedener Kooperationen und Austausche zwischen Vereinen, Jugendgruppen, Schulen, aber auch der städtischen Verwaltung in sich.

Städtepartnerschaften bildeten ein Handlungsfeld kommunaler Außenpolitik, das Kommunen in der Nachkriegszeit zunehmend für sich in Anspruch nahmen. Die Praktiken auf internationaler und kommunaler Ebene konnten so im Idealfall der offiziellen Politik und Diplomatie den Weg bereiten. In diesem Kontext stellen Dreieckspartnerschaften eine besonders interessante Konstellation dar. Für die deutsche Nachkriegsgeschichte bedeutet dies, dass sich sowohl eine west- wie auch eine ostdeutsche Kommune dieselbe Partnerstadt teilten. So wurden Möglichkeiten geschaffen, den internationalen Partner als Mittler einzusetzen. Inwiefern kommunale Handlungsspielräume dafür genutzt wurden, ist Thema des geplanten Promotionsprojektes. Für die Untersuchung wurde ein praxeologischer Zugang gewählt, der es erlaubt, die Handlungen der an den Partnerschaften beteiligten Akteursgruppen als zivilgesellschaftlichen Anteil der Europäisierung zu untersuchen: Reisen und der Kontakt mit anderen Sprachen führten zu Austauschen und Verflechtungen der europäischen Bevölkerung und leisteten so einen entscheidenden Beitrag zum gelebten Europa.

Diese Fragenkomplexe sollen anhand der zwei Dreieckspartnerschaften Coventry – Kiel – Dresden und Birmingham – Frankfurt – Leipzig, sowie der Städtepartnerschaft Manchester - Chemnitz untersucht werden. Letztere ist ein besonders interessanter Fall, da Manchester nie eine Städtepartnerschaft in die ‚alte‘ Bundesrepublik einging, sondern bewusst den Kontakt ‚hinter den eisernen Vorhang‘ suchte.

Europäisierung ist dabei nicht als zielgerichteter, erfolgreicher Prozess zu verstehen. In Anlehnung an Patels und von Hirschhausens Programmatik geht es vielmehr auch darum, Konjunkturen und Dynamiken der Verflechtung sowie parallel verlaufende Prozesse der Fragmentierung und Isolierung gleichermaßen in den Blick zu nehmen.[3]

 

[1] Karin Bensch: Ausblick auf 2017. Ein Schicksalsjahr für die EU. URL: https://www.tagesschau.de/ausland/eu-blick-voraus-101.html [zuletzt aufgerufen: 27.06.2017].

[2] Vgl. http://www.twinning.org/en/page/numbers-by-country.

[3] Vgl. Ulrike von Hirschhausen / Kiran Klaus Patel: Europeanization in History. An Introduction, in: Martin Conway / Kiran Klaus Patel (Hrsg.): Europeanization in the Twentieth Century. Historical Approaches, New York 2010, S. 1-18.

Veröffentlichungen

  • Die Inszenierung des Vertragsschlusses im Kontext von Städtepartnerschaften, in: Jan-Hendryk De Boer (Hg.): Praxisformen. Zur kulturellen Logik von Zukunftshandeln (Kontingenzgeschichten 6), Frankfurt a. M. / New York: Campus 2019, S. 472-479.
  • Tagungsbericht: Wahrnehmungen im Widerstreit. Umstrittene Organisationen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, 17.11.2017 – 18.11.2017 Bochum, in: H-Soz-Kult, 23.01.2018 [Zusammen mit Marie-Christin Schönstädt].