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Forschungsprojekt

Rebecca Quick

Josef Suwelack (1888-1915): Flugpionier, Unternehmer, Kriegsteilnehmer. Annäherungen an einen westfälischen Flieger und seinen Mythos

Das Forschungsvorhaben widmet sich in einer Einzelfallanalyse der Biographie von Joseph Suwelack (1888-1915). Josef Suwelack, geboren und aufgewachsen in Billerbeck in Westfalen, war Flugpionier, ‚Unternehmer’ in der Flugzeugkonstruktion und -produktion in Berlin und Essen und fiel als Pilot eines deutschen Aufklärungsflugzeuges 1915 über der Westfront des Ersten Weltkrieges in Frankreich.

Um eine reflektierte und selbstreflexive Biographie Josef Suwelacks schreiben zu können, werden a) an seinem Beispiel die biographische Rezeption seiner Person und deren narrative Muster erarbeitet; b) diese empirisch gewonnenen Ergebnisse mit den normativen Ansprüchen moderner Biographie-Forschung in Verbindung gebracht und c) vor dem theoretischen Hintergrund der daraus entwickelten Kriterien, Kategorien und Methoden auf Basis der Quellen eine neue biographische Rekonstruktion verfasst.

Gerade das Genre der Biographik müsse sich, so Christian Klein, den Vorwurf, „eine andere Art der Kontingenzbekämpfung zu betreiben“, gefallen lassen, wurden und werden Biographien zum Teil immer noch so verfasst, dass sie aus einer Ex-Post Perspektive heraus ein Leben erzählen. Diese positivistische Genrespezifik lässt sich auch für große Teile der Überlieferung über Josef Suwelack konstatieren und findet sich auch in anderen Fliegerbiographien wieder. Überhaupt ist festzustellen, dass die Rezeptionsdokumente über den westfälischen Flieger einen hohen Grad an Individualisierung und Stilisierung aufweisen.

Eine erkenntnistheoretisch zentrale Rolle bei der Analyse und Wahrnehmung der Narrationen über Josef Suwelack spielt der Begriff des Mythos, der nicht als fiktive oder gar unwahre Erzählung verstanden wird, sondern, nach Herfried Münkler als ein „Instrument, um Widersprüche handhabbar zu machen, Komplexität zu reduzieren und Kontingenz wegzuerzählen“. Damit erfüllt der Mythos eine wichtige gesellschaftliche Funktion, nämlich leicht verständliche Sinnbildung über Zeiterfahrung. Über diese zentrale Denkfigur Jörn Rüsens ist eine Verknüpfung mit dem Bereich der Geschichts- und Erinnerungskultur möglich, indem nach den Funktionen, Kontinuitäten und Wandlungen des Suwelack-Mythos in unterschiedlichen Epochen gefragt wird.

Dem Leser einen alternativen Vorschlag zum Umgang mit Suwelacks Geschichte zu machen und für die Mechanismen seiner Flieger(helden)konstruktion zu sensibilisieren sind zentrale Anliegen der Arbeit. Ziel der Dekonstruktion ist es, die Mythen über Josef Suwelack ihre Verankerung in der Fliegertopik herauszuarbeiten und die dahinterstehende Erzählabsicht in einem diachronen Vergleich zu analysieren. In der Rekonstruktion wiederum sollen Kontingenzen – Diskontinuitäten, Brüche und weniger planbare beziehungsweise geplante Momente und Entscheidungen – sichtbar gemacht werden.