Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Natalie Stranghöner

Kriterien zur Bewertung von Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten

nach einer Publikation von Prof. Klaus F. Lorenzen, Hochschule für angewandte Wissenschaft Hamburg 〈Lorenzen (2002)〉 und dem Werk Wissenschaftliches Arbeiten von Professor Dr. Axel Bänsch 〈Bänsch (2003)〉

Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten bieten dem Studierenden die Möglichkeit, sich mit einer vorgegebenen fachlichen Fragestellung intensiv auseinanderzusetzen. Die Beantwortung der Fragestellung erfolgt im Rahmen einer schriftlichen Arbeit, die nach bestimmten Kriterien bewertet wird.
In der Regel sind die Abschlussarbeiten für die Studierenden die ersten umfassenden schriftlichen Arbeiten, die zu erstellen sind. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass kein großer Erfahrungsschatz in der Erstellung solcher Arbeiten vorliegt.
Aus diesem Grund stellen wir Ihnen als Hilfestellung für die Bearbeitung der Abschlussarbeiten unser Bewertungsschema in Form eines Fragenkatalogs vor. Nicht jede Frage passt zu jeder Arbeit. Dennoch bietet der Fragenkatalog Ihnen die Möglichkeit, Ihre eigene Arbeit kritisch zu hinterfragen. Denn das Ziel kann nur sein, eine erfolgreiche Abschlussarbeit zu schreiben.


Grundlegende Anforderungen an die Wissenschaftlichkeit von Abschlussarbeiten

•    Nachweis von im Studium erworbenen Fachkenntnissen
•    Fähigkeit zum systematischen und methodisch korrekten Bearbeiten eines begrenzten Themas
•    Nachweis der Selbständigkeit bei der Lösung einer vorgegebenen Aufgabe
•    Fähigkeit zur Problematisierung und (Selbst-)Kritik
•    Qualität der Ergebnisse - Neuartigkeit, Güte, Zuverlässigkeit
•    Fähigkeit zur logischen und prägnanten Argumentation
•    Formal korrekte Präsentation der Ergebnisse


Übersicht der Kriterien

Prinzipiell setzt sich die Gesamtnote für die schriftliche Abschlussarbeit aus der inhaltlichen und formalen Bewertung zusammen.

Die inhaltliche Bewertung
•    Aufgabenstellung
•    Thematische Eingrenzung
•    Literatur- und Materialbearbeitung
•    Methodik
•    Gliederung
•    Lösungsweg
•    Selbstständigkeit der Bearbeitung
•    Qualität der Ergebnisse


Die formale Bewertung
•    Gliederung
•    Verzeichnisse
•    Zitierweise
•    Gestaltung und Inhalt
•    Sprache
•    Abgabe der Arbeit

 
Die inhaltliche Bewertung

Aufgabenstellung
•    Ist die Aufgabenstellung verstanden worden?
•    Sind alle wesentlichen Aspekte erfasst worden? Ist der fachlich übergeordnete Zusammenhang klar?
•    Welche Bedeutung hat das Thema für den Metall- und Leichtbau?

Thematische Eingrenzung
•    Hat der Autor thematische Abgrenzungen vorgenommen?
•    Werden wichtige Aspekte ausgelassen oder nur teilweise behandelt?
•    Ist eine eventuelle Reduktion auf bestimmte Hauptaspekte gut begründet?

Literatur- und Materialbearbeitung
•    Wird qualitativ angemessene Literatur herangezogen?
•    In welchem Umfang wird die Literatur im Text verwendet?
•    Ist die Literatur korrekt  ausgewertet?
•    Werden allgemein anerkannte Regeln der Technik  berücksichtigt?

Methodik
•    Welche Fachkenntnisse zeigt der Verfasser bei der Bildung eines Lösungsansatzes?
•    Wird die Wahl einer Methode zur Lösung der Aufgabe hinreichend begründet?
•    Wie wurde das Thema abgehandelt?
•    empirisch/ theoretisch
•    referierend/ vergleichend/ auswertend
•    eigene Untersuchungen/ Erhebungen
•    experimentell
•    Werden eventuell durchgeführte Computerberechnungen durch Näherungsberechnungen oder Plausibilitätsuntersuchungen kontrolliert?

Gliederung
•    Ist die Gliederung inhaltlich verständlich, in Bezug auf das Thema logisch aufgebaut und aussagekräftig formuliert?
•    Ist ein Ziel zu erkennen? Liegt eine klare Linie vor?

Lösungsweg
•    Ist die Argumentation folgerichtig, nachvollziehbar, vollständig, objektiv und sachlich?
•    Kommen einzelne Sachverhalte zu kurz?
•    Entspricht die Ausarbeitung dem gestellten Thema?

Selbstständigkeit der Bearbeitung
•    Werden eigenständige Arbeitshypothesen entwickelt?
•    Werden eigenständige Bewertungen vorgenommen?
•    Auf welchem Niveau liegen die Eigenleistungen? Sind die Eigenüberlegungen belegt und erwiesen?
•    Werden schwierige Einzelfragen behandelt?
•    Ist zu erkennen, dass sich der Autor mit der Thematik ausreichend auseinandergesetzt hat?
•    Werden Probleme erkannt? Findet eine kritische Auseinandersetzung mit den Problemen statt?
•    Werden Widersprüche zur Literatur oder Fragwürdigkeiten in der Literatur herausgearbeitet und aufzulösen versucht?

Qualität der Ergebnisse
•    Sind die Ergebnisse klar formuliert?
•    Beantworten die Ergebnisse die Fragestellung ausreichend?
•    Handelt es sich um neue Erkenntnisse? Stellen sie einen sachlichen Fortschritt auf dem Gebiet der Aufgabenstellung dar?
•    Werden Argumentationen auf Grundlage von Belegen oder Beweisen entwickelt?
•    Sind die entwickelten Argumentationen lückenlos und in sich widerspruchsfrei?
•    Sind die Belege ausreichend recherchiert und die Beweise zuverlässig ermittelt?


Die formale Bewertung

Gliederung
•    Ist die Gliederung formal korrekt  ausgeführt?
•    Wird die Lesbarkeit/ Übersichtlichkeit durch eine gute Gliederung gefördert?

Verzeichnisse
•    Werden die erforderlichen Verzeichnisse  korrekt angelegt und an der jeweils richtigen Stelle der Arbeit platziert?
•    Werden alle im Text benutzten Quellen vollständig und korrekt im Literaturverzeichnis genannt?
•    Sind die Darstellungen (Abbildungen, Tabellen) korrekt durchnummeriert und beschriftet?

Zitierweise
•    Ist der wissenschaftliche Zitierstil korrekt ausgeführt?
•    Ist eindeutig das übernommene und eigene Gedankengut zu erkennen?

Gestaltung und Inhalt
•    Ist eine Titelseite vorhanden und formal sowie inhaltlich korrekt ausgeführt?
•    Ist eine eidesstattliche Erklärung unterschrieben an der korrekten Stelle der Arbeit angelegt?
•    Sind die Titelseite, die Textvorlaufseiten, alle Textseiten und die Textnachlaufseiten in richtiger Aufteilung (Rand, Zeilenabstände) gut lesbar (Größe, Konturierung) gestaltet und in richtiger Form nummeriert?
•    Sind die Abbildungen und Tabellen sinnvoll gewählt und platziert?

Sprache
•    Ist die Gedankenführung klar, inhaltlich aussagekräftig und logisch gegliedert?
•    Ist die Terminologie fachlich korrekt und der sprachliche Ausdruck einer wissenschaftlichen Arbeit entsprechend?
•    Zeigt die Arbeit Verstöße gegen die Regeln der Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung?

Abgabe der Arbeit
•    Ist die Arbeit in der festgesetzten Frist abgegeben worden?
•    Ist die Arbeit in erforderlicher Anzahl gemäß Studienordnung angemessen gedruckt (weißes Papier, DIN A4, gebunden oder geheftet, kartonierte Umschlagdeckel)?
•    Werden eventuelle formale Vorgaben (z.B. Seiten- oder Zeichenanzahl) eingehalten?


Quellenverzeichnis

Bänsch, Axel (2003), Wissenschaftliches Arbeiten – Seminar- und Diplomarbeiten, Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München, 2003

Lorenzen, Klaus F. (2002), Wissenschaftliche Anforderungen an Diplomarbeiten und Kriterien ihrer Beurteilung, http://www.bui.haw-hamburg.de/pers/klaus.lorenzen/ASP/wisskrit.pdf , 2002

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