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Das Institut für Turkistik

Das Institut für Turkistik ist in der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen am Campus Essen angesiedelt.

Mit seinen Teildisziplinen und Forschungsgebieten, die von der Mehrsprachigkeit und Diversität der Türkei sowie Deutschlands ausgehen, hat sich das Institut für Turkistik seit seiner Entstehung im WS 1995/96 zu einem einzigartigen Studiengang in ganz Deutschland entwickelt. Das Institut für Turkistik zeichnet sich durch die Forschungsgegenstände, Erkenntnisinteressen und Arbeitsmethoden seiner Teildisziplinen aus: Linguistik, Literatur-, Kultur-, Geschichtswissenschaft sowie Fachdidaktik. Die Turkistik stellt das bisher größte Institut für Türkeistudien außerhalb der Türkei dar.

Das Institut für Turkistik bildet sein Profil in Abgrenzung von, aber nicht im Gegensatz zu den turkologischen Studiengängen in Deutschland. Während die historisch-philologisch orientierten Turkologie-Studiengänge an deutschen Universitäten eher in den Orient- und Asienwissenschaften verankert und mit dem Studium anderer Turksprachen verknüpft sind, konzentriert sich die Lehre und Forschung am Institut für Turkistik auf die republikanische Türkei. An der UDE fördert das Studium der Literatur, Kultur und Geschichte der Türkei zunächst die sprachliche Kompetenz der Studierenden auf einem akademischen Niveau. In den klassischen Modulen zu Linguistik, Literatur- und Kulturwissenschaft sowie Fachdidaktik bietet das Institut für Turkistik außerdem die Möglichkeit der Vertiefung in Lehrveranstaltungen, die ethnische und religiöse Diversität, Mehrsprachigkeit und Transnationalität in den Vordergrund stellen. Mit der Einwerbung der Juniorprofessur für die Geschichte der Türkei im Jahre 2016 wurde die Lehre an der UDE in den Bereichen der Zeitgeschichte und außereuropäischen Geschichte gestärkt.

Studiengänge

Zur Auswahl stehen den Studierenden im Institut für Turkistik die beiden Lehramtsstudiengänge "Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen" (HRSGe) sowie "Gymnasien und Gesamtschulen" (GyGe), die im Wintersemester 2011/12 auf die Bachelor- und Masterstrukturen umgestellt wurden. Neben dem Lehramt kann Türkisch noch im Rahmen des Studiengangs "Kulturwirt" belegt werden, ebenfalls als Bachelor- und anschließendem optionalen Masterstudium. Nähere Informationen zu den Studiengängen stehen unter diesem link zur Verfügung.

Teildisziplinen

In der Teildisziplin Literatur- und Kulturwissenschaften wird die zeitgenössische türkischsprachige Literatur und Kultur in transnationalen und komparatistischen Zusammenhängen erforscht und unterrichtet. Durch die Vermittlung literaturwissenschaftlicher Grundlagen sowie übergreifender historischer und soziokultureller Fragestellungen wird die türkisch- sowie kurdischsprachige Literatur als ein zentraler Teil der Kulturlandschaft und -geschichte der Türkei behandelt.

In der Teildisziplin Linguistik des Türkischen werden einerseits allgemeines linguistisches Grundlagenwissen und linguistische Forschungsmethoden vermittelt, die den Studierenden ermöglichen, die Sprache als Zeichensystem aus unterschiedlichen Aspekten zu betrachten und zu analysieren. Andererseits richtet sich der Blick auf die moderne türkische Sprache. Linguistische Besonderheiten des Türkeitürkischen und des Deutschlandtürkischen werden analytisch und deskriptiv erforscht und unterrichtet. Einen weiteren Schwerpunkt bildet dabei die Mehrsprachlichkeit sowie Mehrschriftlichkeit deutsch-türkisch Mehrsprachiger in Deutschland.

Die Teildisziplin Geschichtswissenschaft trägt vor allem zu der Vermittlung der Geschichtskompetenz bei, die - unabhängig von ihrer jeweiligen fachlichen Orientierung - die Studierenden nicht nur zum reflektierten Umgang mit der Geschichte befähigt, sondern darüber hinaus auch zum Erwerb der Frage-, Methoden-, Sach- und Werturteilskompetenz anleitet.

Dem Lehramtsstudium für das Unterrichtsfach Türkisch für HRSGe und GyGe kommt am Institut für Turkistik eine zentrale Bedeutung zu. Die Fachdidaktik konstituiert sich aus ihren Arbeitsgebieten Sprachdidaktik, Literaturdidaktik sowie der Didaktik der Landes- und Kulturkunde. Das besondere Interesse der Fachdidaktik gilt der Auseinandersetzung mit unterrichtlichen Lehr- und Lernprozessen.

Prof. Dr. Kader Konuk

Im Gespräch Prof. Dr. Kader Konuk

Seit dem 1. April hat das Institut für Turkistik eine neue Direktorin: Frau Prof. Dr. Kader Konuk wurde auf die Professur für Türkische Literatur- und Kulturwissenschaft mit besonderem Fokus auf Migration und Akkulturation berufen und hat zugleich die Institutsleitung übernommen. Frau Prof. Konuk freut sich auf die neue Aufgabe, die sie aus den USA zurück ins Rheinland führt: „Die Essener Turkistik ist unter anderem deshalb so besonders, weil sie die moderne Türkei in den Blick nimmt. Das unterscheidet sie z.B. von den Turkologien.“ Die Multiethnizität der heutigen Türkei vor der historischen Folie des Osmanischen Reiches aufzuzeigen, wird ein wesentlicher Aspekt ihrer Arbeit an der UDE sein. „Ich möchte den Studierenden hier nahebringen, dass die Türkei kein ethnisch, religiös oder kulturell einheitliches Gebilde ist“, erklärt sie. Vor diesem Hintergrund ist auch der Schwerpunkt ihrer Professur zu sehen. „Es geht dabei weniger um die Akkulturationsprozesse türkeistämmiger Deutscher als vielmehr um die Minderheitenpolitik in der Türkei und die Konstruktion des ‚Türkischen‘ oder der Türkei als Nation.“ Ihren Ruf nach Essen sieht sie, die in der Komparatistik promovierte, als Zeichen für die kosmopolitische Neuausrichtung des Fachs: „Es ist mir wichtig, dass die Studierenden am Institut eine neue Perspektive auf das Land und seine kulturelle wie auch sprachliche Vielfalt bekommen und ihren Blick über national definierte Literaturen hinaus öffnen.“ 

mca/28.04.14