Chronik der Gesamthochschulgründungen in Duisburg & Essen

Collage verschiedener Bilder aus der Geschichte der Gesamthochschulen

Einleitung

Ebenso wie die 2003 durch Fusion errichtete Universität Duisburg-Essen sind auch die 1972 erfolgten Gründungen ihrer beiden Vorgängereinrichtungen – der Gesamthochschulen Duisburg und Essen – im Zusammenhang der damaligen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu sehen.

 Mehr zu den Hintergründen erfährt man hier:

 Bildungspolitische Aufbruchstimmung in NRW

Seit den 1960er Jahren beschäftigte sich die Politik in Nordrhein-Westfalen intensiv mit der Frage nach dem Ausbau der Universitäten und einer planvollen Hochschul- und Wissenschaftspolitik. Ausgelöst wurde dieser Prozess durch mehrere Faktoren:

  • die Schockreaktion in der westlichen Welt auf den Start des ersten künstlichen Satelliten – gestartet durch die Sowjetunion in der Hochphase des Kalten Kriegs am 4. Oktober 1957 (Sputnikschock),
  • die Erkenntnis, dass die seit Jahren kontinuierlich steigende Zahl von Studierenden in Deutschland keine Ausnahme, sondern die Regel bilden würde,
  • den Niedergang des Steinkohlebergbaus Ende der 1950er Jahre im Ruhrgebiet (Kohlekrise).

Bis 1970 führte dies zur Gründung von vier neuen Universitäten allein in unserem Bundesland. Dabei profitierte mit der Errichtung der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Dortmund sowie mit der Umwandlung der regional angesiedelten Pädagogischen Akademien in die Pädagogische Hochschule Ruhr und der Folkwangschule in Essen in die Hochschule für Musik, Theater und Tanz insbesondere das Ruhrgebiet. Die Region zeigte sich somit bereits recht gut aufgestellt angesichts der von dem Philosophen und Pädagogen Georg Picht 1964 ausgelösten berühmt-berüchtigten Diskussion um die „deutsche Bildungskatastrophe“: Sie drückte die Sorge aus, dass die Bundesrepublik im internationalen Bildungsvergleich überaus schlecht abschneiden würde.

Literatur zum Thema:

Georg Picht: Die deutsche Bildungskatastrophe. Analyse und Dokumentation. Olten 1964. In der UB finden

 Gründung der Fachhochschulen 1971

Der hochschul- und wissenschaftspolitische Konjunkturtrend sollte sich weiter fortsetzen. Maßgeblich getragen wurde dieser durch den Modernisierungskurs der regierenden sozialliberalen Koalition aus SPD und FDP seit 1966, die auf weiter steigende Studierendenzahlen und lauter werdende Forderungen der Studierenden nach besseren Studienbedingungen und Qualifikationen reagieren musste. Die Neuerungen betrafen hierbei zunächst den Bereich der angewandten Wissenschaften, der insbesondere Kurzstudiengänge anbieten sollte:

1971 wurde die stark ausdifferenzierte Fachschullandschaft in Nordrhein-Westfalen, bestehend aus den praxisorientierten Ingenieurschulen, höheren Fachschulen und Werkkunstschulen, in insgesamt 15 neuerrichtete Fachhochschulen (FH) überführt. Vor allem sollten die FH das nicht mehr zeitgemäße Ingenieurstudium in Praxis und Theorie reformieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Absolvent:innen auf dem (inter-)nationalen Arbeitsmarkt verbessern.

Allein fünf dieser neuen Einrichtungen waren im Ruhrgebiet verortet.

Literatur zum Thema:

Werner Mayer: Bildungspotential für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Die Entstehung des Hochschultyps "Fachhochschule" in Nordrhein-Westfalen 1965-1971. Düsseldorf 1997. In der UB finden

 Die Gesamthochschule als neuer Hochschultyp

Mit dem „Nordrhein-Westfalen-Programm 1975“ legte die Landesregierung im März 1970 die weiteren Entwicklungslinien fest. Demnach sollten acht sogenannte Gesamthochschulen über das ganze Bundesland verteilt entstehen, die – wie der Name schon andeutet – ein umfassendes Lehrangebot realisieren würden. Kern der Einrichtungen sollten jeweils eine „alte“ Universität bzw. Technische Hochschule sein sowie eine neue Universität mit erziehungswissenschaftlichem Schwerpunkt.

Diese Pläne gab der neue Minister für Wissenschaft und Forschung, Johannes Rau, allerdings schon im Dezember wieder auf – angesichts des Konfliktpotentials, das sich aus der Ressourcenverteilung zwischen alten und neuen Universitäten ergeben würde. Stattdessen beschloss die Landesregierung im April 1971, fünf „integrierte Gesamthochschulen“ zu errichten, und zwar in Abkehr von dem zuvor angedachten Prinzip einer „Metropolisierung“ an den folgenden Standorten ohne „alte“ Universitäten:

  • Duisburg
  • Essen
  • Paderborn
  • Siegen
  • Wuppertal.

Unter dem Motto: gleiche Bildungschancen für alle, sollte die neue Hochschulform den Studierenden Perspektiven eröffnen durch

  • Studienreform (Neuordnung des Studien- und Prüfungswesens),
  • ein erweitertes Studienplatzangebot (Verdoppelung der Studienplätze bis 1980 auf 219.000),
  • Verortung der Hochschulen an Standorten, die bislang über keine oder wenige Hochschuleinrichtungen verfügten („Regionalisierung“).

Organisatorisch bedeutete das eine Zusammenfassung von bestehenden Hochschuleinrichtungen an einem Standort unter einem Dach (Universitäten, Pädagogische Hochschulen, Fachhochschulen); inhaltlich die Bündelung der an wissenschaftlichen und Fachhochschulen realisierten Aufgaben in Forschung, Lehre und Studium. Gleichzeitig sahen diese Zielvorgaben einen massiven Ausbau des tertiären Bildungssektors in geographisch und sozial benachteiligten ländlich oder industriell geprägten Regionen vor.

 Die Studienreform als Kern

Eng mit dem Ziel der Chancengleichheit in der Bildung für alle war die sogenannte Studienreform verbunden. Dem neuen Hochschultyp der Gesamthochschule sollte der Auftrag mitgegeben werden, abgestufte und aufeinander bezogene Studiengänge einzurichten. Dies stellte den Kern der Studienreform dar.

Mit der Ausrichtung der Studiengänge sollte erreicht werden, dass Studierende im tertiären Bildungsbereich

  • stärker auf konkrete Tätigkeitsfelder hin ausgebildet werden, z.B. bei der bislang eher theoretisch geprägten Gymnasiallehrer:innenausbildung,
  • wissenschaftliche Arbeitsmethoden vermittelt bekommen (und nicht nur Wissensstoff), um eigenständig Lösungswege zu erarbeiten (forschendes Lernen)
  • zwischen (Fach-)Hochschulstudiengängen wechseln und Studieneinheiten kombinieren und austauschen können,
  • in kürzerer Zeit ihren Abschluss erlangen.

Literatur zum Thema:

Gerhard Rimbach: Vom Reformmodell zur modernen Universität. 20 Jahre Gesamthochschulen in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 1992. In der UB finden

Hochschulpolitik in Nordrhein-Westfalen: Zur Gründung von fünf neuen Gesamthochschulen. Hg. v. Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Wuppertal 1972. In der UB finden

Die Ereignisse im zeitlichen AblaufDas Gründungsjahr 1972

Die Pläne der Landesregierung wurden am 1. August 1972 konkret:

Insgesamt wurden fünf Gesamthochschulen errichtet in Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal (die heutige Fernuniversität Hagen wurde ebenfalls als Gesamthochschule gegründet, allerdings erst 1974).

Diese Seite wird 2022 regelmäßig mit neuen Inhalten gefüllt. Tagesaktuell werden hier Beiträge zu den wichtigsten Stationen aus dem Gründungsjahr der beiden Gesamthochschulen Duisburg und Essen vor 50 Jahren freigeschaltet.

Es lohnt sich also, regelmäßig reinzuschauen!

Juni 1972

Angehörige der Pädagogischen Hochschule Ruhr Abteilung Essen stehen für die Wahlen des Gründungssenats der GH Essen Schlange (22.06.1972 Fotograf: Klaus Schlitzer)

Essen23. Juni – Die ersten Wahlen

In den Gründungssenat der Gesamthochschulen müssen für jede überzuleitende Einrichtung zwei Hochschullehrer:innen, ein/e Studierende/r und jeweils ein/e wissenschaftliche/r und ein/e nichtwissenschaftliche/r Mitarbeiter:in gewählt werden. So sieht es das Gesamthochschulerrichtungsgesetz vor.

Noch während der beiden Wahltage läuft das Buhlen um die Stimmen an Pädagogischer Hochschule und Fachhochschule Essen mit Plakaten und Flugblättern weiter.

Den gewählten Mitgliedern des Gründungssenats sitzt eine gleiche Anzahl an vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung ernannten Personen gegenüber. Einer Verwirklichung der in Studierendenprotesten oft geforderten paritätisch besetzten Gruppenuniversität wird an den Gesamthochschulen nicht nachgekommen.

L uftaufnahme des Essener Klinikgeländes (1980)

Essen21. Juni – Verunsicherung bei den Mediziner:innen

Die Gründung der Gesamthochschule (GH) Essen wird nicht überall herbeigesehnt. Besonders an den in Essen ansässigen Medizinischen Fakultäten der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ist die kommende Überleitung zur GH mit Ängsten vor einem Verlust von Status und Privilegien verbunden.

Neben den Professor:innen sind auch die Vertreter:innen der Studierenden verunsichert. Sie befürchteten, die verfasste Studierendenschaft der Medizinischen Fakultäten würden nach Ausscheiden aus der RUB ihren Status als Körperschaft des öffentlichen Rechtes verlieren. Um eine Klärung des Rechtsstatus während der Übergangszeit herbeizuführen, stellen die Studierenvertreter:innen am 21. Juni die Mitarbeit im Fakultätsrat ein.

Bild: Luftaufnahme des Essener Klinikgeländes (1980)
Durchschlag eines Berichts vom Rektor der FH Essen an den Minister für Wissenschaft und Forschung NRW vom 23.06.1972

Essen19. Juni – Kanzler von Gnaden des Ministeriums?

Von der Benennung Dieter Leuzes als Gründungskanzler zeigt sich der Senat der Fachhochschule Essen wenig begeistert. Bereits in seiner konstituierenden Sitzung hat der Senat einen anderen Kandidaten als Kanzler ausgesprochen, weshalb man nun am 19. Juni 1972 gegen das Verfahren zur Prüfung des Kandidaten Protest einlegt.

Bild: Durchschlag eines Berichts vom Rektor der FH Essen an den Minister für Wissenschaft und Forschung NRW vom 23.06.1972
Kanzler Dr. Dieter Leuze (ohne Datum)

Essen15. Juni – Der Gründungskanzler

Auch in Essen wird am 15. Juni 1972 ein Teil der Hochschulspitze besetzt. Mit Dr. Dieter Leuze wird aber zunächst nur der kommende Kanzler der Gesamthochschule Essen ernannt. Die Auswahl des Gründungsrektors läuft noch weiter.

Bild: Kanzler Dr. Dieter Leuze (ohne Datum)
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Senatssitzung der Gesamthochschule Duisburg, Baumann (rechts) und Schrey (zweiter von rechts) (Oktober 1975)

Duisburg15. Juni – Gründungsrektor und Gründungskanzler

Weniger als zwei Monate sind es noch, bis zur vorgesehenen Gründung der Gesamthochschulen am 1. August. Höchste Zeit also, die Spitzenämter der neuen Hochschulen zu vergeben.

Genau das macht das Ministerium für Wissenschaft und Forschung NRW Mitte Juni und gibt u.a. die Besetzung der Duisburger Rektorenstelle mit Prof. Dr. Helmut Schrey bekannt. Dr. Rudolf Baumanns wird erster Kanzler der Gesamthochschule Duisburg werden.

Bild: Senatssitzung der Gesamthochschule Duisburg, Baumann (rechts) und Schrey (zweiter von rechts) (Oktober 1975)
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Stellungnahme der Hochschulberatergruppe der Stadt Essen

Essen12. Juni – Anleitung zur Hochschulgründung

Um bis zur Konstituierung des Gründungssenats eine fachkundige Beratung der Stadt Essen zu gewährleisten, wurde bereits im Frühjahr 1971 eine Hochschulberater:innengruppe ins Leben gerufen.

Am 12. Juni 1972 kann sie den an der Gründung der Gesamthochschule involvierten städtischen Gremien die „Stellungnahme der Hochschulberatergruppe der Stadt Essen“ an die Hand geben. In dem rund 52 Seiten umfassenden Heft finden sich u.a. Empfehlungen zum Ablauf der Gründungsphase, der interdisziplinären Vernetzung von Fachbereichen sowie ein theoretischer Ansatz zum Studium ohne Abitur für Personen, die das 25. Lebensjahr vollendet haben.

Mai 1972

„Blick in den Plenarsaal während der Abstimmung über das Gesamthochschulentwicklungsgesetz (GHEG)“ (Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen, Fotografin: Eva Tüsselmann)

Düsseldorf18. Mai – Die Gesamthochschule wird Gesetz

Während der dritten und letzten Lesung des Gesamthochschulentwicklungsgesetzes (GHEG) im Landtag geraten die Regierungskoalition aus SPD und FDP sowie die in der Opposition befindliche CDU noch einmal aneinander.

Besonders das Schicksal der Deutschen Sporthochschule in Köln, welche nach dem GHEG Teil der Gesamthochschule Köln werden sollte, will man in der CDU-Fraktion nicht akzeptieren.

Schlussendlich wird der Gesetzesentwurf gegen die Stimmen der CDU verabschiedet. Die Gründung von fünf neuen Gesamthochschulen in Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal ist damit offiziell auf den Weg gebracht.

Bild: „Blick in den Plenarsaal während der Abstimmung über das Gesamthochschulentwicklungsgesetz (GHEG)“ (Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen, Fotografin: Eva Tüsselmann)
Raum des – jetzt geeinten – AstAs der Gesamthochschule Duisburg im B-Trakt (Dezember 1974)

Duisburg16. Mai – Studierendenkooperation

Noch gibt es zwei Allgemeine Studierendenausschüsse in Duisburg. In Verhandlungen befinden sich aber bereits die AStAs der Fachhochschule Duisburg und der Duisburger Abteilung der Pädagogischen Hochschule Ruhr.

Am 16. März findet ein erstes gemeinsam organisiertes Konzert statt, auf der Bühne stehen die britische Bluesrockband Band „Steamhammer“ und die Gruppe „Golgatha“ aus Oberhausen.

Bild: Raum des – jetzt geeinten – AstAs der Gesamthochschule Duisburg im B-Trakt (Dezember 1974)
Bauschild der Gesamthochschule Duisburg und städtisches Straßenschild zur „Universität“ (15.06.1976)

Düsseldorf09. Mai – Gesamthochschule oder Universität?

Die sprachliche Unterscheidung zwischen „Universität“ und „Gesamthochschule“ sorgt bereits 1972 für Verwirrung. In einigen Städten will man die kommenden Gesamthochschulen auch namentlich zu Universitäten machen.

Die Landesregierung nimmt gegenüber solchen Vorhaben eine ablehnende Haltung ein. Besonders die Essener Gesamthochschulleitung wird sich davon aber noch unbeeindruckt zeigen.

Bild: Bauschild der Gesamthochschule Duisburg und städtisches Straßenschild für die „Universität“ (15.06.1976)

 

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April 1972

Studierende und Dozenten der PH verfolgen die Fernsehübertragung aus Bonn (27.04.1972, Rheinische Post)

Duisburg27. April – Eine Hochschule schaut fern

Am 27. April 1972 kennt man in Westdeutschland nur ein Thema: Das gegen Bundeskanzler Willy Brandt eingeleitete Misstrauensvotum.

Auch im Audimax der Abteilung Duisburg der Pädagogischen Hochschule Ruhr verfolgen Studierende und Dozent:innen live die Diskussion und Abstimmung im Bundestag, von der die Zukunft der Bundesregierung abhängt. Mittags steht schließlich fest, dass die von der CDU erhoffte Mehrheit gegen Brandts Ostpolitik nicht zustande gekommen ist.

Bild: Studierende und Dozenten der PH verfolgen die Fernsehübertragung aus Bonn (27.04.1972, Rheinische Post)
Luftaufnahme der Abteilung Duisburg der Pädagogischen Hochschule Ruhr mit der eingeplanten Baufläche (ca. 1970)

Duisburg24. April – Mit dem Auto zum Studium

Voller Zuversicht, dass der Bau der Gesamthochschule schnell vorangetrieben werden kann, beschließt der Rat der Stadt Duisburg am 24. April den Bebauungsplan für das Hochschulgrundstück.

Bis zum Jahre 1980 soll die erste Aufbauphase abgeschlossen sein und 10.000 Studierenden Raum bieten. Kosten für Maßnahmen wie die Erweiterung der Straßenbahn, Straßenbau und der Verlagerung von Sportanlagen schätzt die Kommune auf über 10 Million Deutsche Mark ein. Besonders pendelnden Studierenden wollte man mit ca. 4.300 Stellplätzen entgegenkommen, ganze 1.500 davon sollten in Parkhäusern untergebracht werden.

Bild: Luftaufnahme der Abteilung Duisburg der Pädagogischen Hochschule Ruhr mit der eingeplanten Baufläche (ca. 1970)
Stellenanzeige für Rektorenstellen an den neuen Gesamthochschulen

Düsseldorf22. April – Gründungsrektor:in gesucht

Noch vor Verabschiedung des Gesamthochschulentwicklungsgesetzes werden Stellen für Gründungsrektor:in, Gründungskanzler:in, Hochschullehrer:innen und wissenschaftliche Mitarbeiter:innen an den fünf neu einzurichtenden Gesamthochschulen ausgeschrieben.

Aus den Bewerber:innen wählt das Ministerium für Wissenschaft und Forschung die Gründungsrektor:innen aus. Berufen werden können diese allerdings erst mit dem Einvernehmen der überzuleitenden Einrichtungen – eine Klausel, die in Essen noch für Ärger sorgen wird.

März 1972

Sportanlagen des Club Raffelberg an der Lotharstraße (15.05.1973)

Duisburg14. März – Die Duisburger Hochschulplanung gerät ins Wanken

Die Gesamthochschule Duisburg soll entlang der Lotharstraße gebaut werden, darüber sind sich Land und Kommune einig. Damit dies gelingen kann, muss der alteingesessene Hockey- und Tennis-Club Raffelberg, dessen Sportstätten mitten auf dem zukünftigen Campus liegen, weichen.

Bisher ist das Konfliktpotential in der Standortplanung heruntergespielt worden. Das Angebot eines Ausweichgrundstücks an den Club soll eine für alle Betroffenen befriedigende Lösung herbeiführen. Am 14. März lehnt dessen Mitgliederversammlung den Alternativstandort allerdings einstimmig ab. Die Planung der Duisburger Gesamthochschule droht zu entgleisen.

Bild: Sportanlagen des Club Raffelberg an der Lotharstraße (15.05.1973)
Standort der Fachhochschule Essen an der Schützenbahn, heute Gebäude S-A und S-H der Universität Duisburg-Essen (ohne Datum)

Essen14. März – Die Konsolidierung der Essener Hochschullandschaft

Mit der konstituierenden Sitzung des Senats findet im März 1972 ein wichtiger Schritt zur Errichtung der im vorangegangenen Jahr gegründeten Fachhochschule Essen statt. Dabei soll es die Essener FH in wenigen Monaten bereits nicht mehr geben, sie ist als Gründungskern der kommenden Gesamthochschule vorgesehen.

Aber auch die Fachhochschule Essen entstand nicht aus dem Nichts. Tatsächlich kann die Ingenieursausbildung in der Ruhrgebietsstadt auf eine Geschichte zurückblicken, die schon im frühen 20. Jahrhundert begann.

Bild: Standort der Fachhochschule Essen an der Schützenbahn, heute Gebäude S-A und S-H der Universität Duisburg-Essen (ohne Datum)
Bild: Bericht des Fachbereichsrates Design an der FH Essen vom 23.02.1972 an den Fachhochschulsenat mit der Bitte um Umbenennung 
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Februar 1972

Modell der Baustufen I und II (September 1972, Landespresse- und Informationsamt NRW)

Duisburg23. Februar – Hochschulbau mit Hindernissen

Als „Hochschulfestung“ bezeichnete Gründungsrektor Prof. Helmut Schrey einmal die ursprüngliche Bauplanung für die Gesamthochschule Duisburg. Am 23. Februar werden diese Pläne der Öffentlichkeit präsentiert.

Dass der geplante Gebäudekomplex nie realisiert werden sollte, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand der Anwesenden. Die Planer:innen von Kommune und Land hatten die Rechnung ohne einen auf dem Baugelände ansässigen Sportclub gemacht.

Bild: Modell der Baustufen I und II der Gesamthochschule Duisburg an Mülheimer und Lotharstraße (September 1972, Landespresse- und Informationsamt NRW)
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Plenarsitzung im Landtag am 23.02.1972. Am Rednerpult: Landtagsabgeordnete und spätere Wissenschaftsministerin Anke Brunn (SPD). (Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen, Fotografin: Eva Tüsselmann)

Düsseldorf23. Februar – Rau wirbt für sein Reformprogramm

„Die Ziele der Studienreform, oft zitiert und oft ausgerufen – Chancengleichheit, Durchlässigkeit, Förderung der beruflichen Mobilität, Flexibilität –, können nach unserer Überzeugung nur durch ein neues Studiengangsystem verwirklicht werden, das die Grenzen der herkömmlichen Hochschularten überwindet.“

So stellt Wissenschaftsminister Johannes Rau bei einer programmatischen Rede vor dem Nordrhein-Westfälischen Landtag sein ambitioniertes Reformprogramm vor.

Anlass hierfür war die erste Lesung des Gesamthochschulentwicklungsgesetzes (GHEG). Nach Jahren der Planung sollte die viel beschworene Integrierte Gesamthochschule bald an fünf Standorten in NRW – in Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal – Wirklichkeit werden.

Bild: Plenarsitzung im Landtag am 23.02.1972. Am Rednerpult: Landtagsabgeordnete und spätere Wissenschaftsministerin Anke Brunn (SPD). (Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen, Fotografin: Eva Tüsselmann)

Düsseldorf01. Februar – Gesamthochschulen: NRW reformiert das Studium

Während in Duisburg die „Universitätstage“ beginnen wird es mit der juristischen Verankerung der geplanten Gesamthochschulen ernst. Am selben Tag beschließt das Nordrhein-Westfälische Kabinett einen ersten Entwurf des Gesamthochschulentwicklungsgesetzes (GHEG) in den Landtag einzubringen.

Der neue Hochschultypus soll Fachhochschule und Universität unter einem Dach vereinen, und doch mehr als die Summe seiner Teile sein.

Bild: Gesamthochschulplanung der Landesregierung NRW
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Plakat zu den Duisburger Universitätstagen

Duisburg01. Februar – Alte und neue Universität

Anders als in Essen kann man in Duisburg auf die Tradition einer „alten Universität“ zurückblicken. Obwohl diese 1818 geschlossen wurde, werden bereits vor Gründung der Gesamthochschule Duisburg Parallelen zwischen alter und neuer Hochschule gesucht.

Auch Prof. Helmut Schrey, Dekan einer Abteilung der Pädagogischen Hochschule in Duisburg, setzt sich in einem Vortrag anlässlich der am 1. Februar 1972 gestarteten „Duisburger Universitätstage“ mit der Beziehung zwischen der neuzeitlichen Universität und der kommenden Reformhochschule auseinander.

Bild: Plakat für die Duisburger Universitätstage 1972
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Januar 1972

Das heutige Gebäude BA am Campus Duisburg, ehemaliger Sitz der Fachhochschule (25.06.1973)

Duisburg26. Januar – Ingenieursausbildung mit Tradition

Am 26. Januar 1972 wird mit Dipl.-Ing. Günther Engelhardt ein neuer Rektor für die Fachhochschule Duisburg gewählt. Dass Engelhardt eine äußerst kurte Amtszeit bevorsteht, ist ihm bewusst: Die gerade erst gegründete FH Duisburg soll bereits im Laufe des Jahres in der neuen Gesamthochschule Duisburg aufgehen.

Bild: Das heutige Gebäude BA am Campus Duisburg, ehemaliger Sitz der Fachhochschule (25.06.1973)
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Reinhard Bulitz (1986, Stadtarchiv Duisburg)

Duisburg24. Januar – Keine Hindernisse mehr für die Gesamthochschule Duisburg?

Stellvertretend für die SPD-Fraktion der Stadt Duisburg stellt Ratsherr Reinhard Bulitz am 24. Januar den kommunalen Haushaltsplan seiner Fraktion vor. Die noch in der Konzeption befindliche „Universität Duisburg“ fand nur nebenbei Erwähnung. Berichtet wurde aber u.a. „dass der Geländeerschließung in diesem Jahr nichts mehr im Wege steht.“

Tatsächlich sollte sich die Erschließung des Baugrundstückes im Laufe des Jahres zu einem Problem entwickeln, an dem die Duisburger Hochschule fast scheitert.

Bild: Reinhard Bulitz (1986, Stadtarchiv Duisburg)
Karte des Stadtplanungsamt Essen mit in Betracht bezogenen Standorten für die Gesamthochschule Essen (1970)

EssenDie einzige Gesamthochschule mit Medizinstudium

In Essen hat man sich schon seit den 1960er Jahren um die Errichtung einer Universität bemüht. Die Stadt unterliegt aber im Standortwettbewerb zunächst gegenüber Bochum und Dortmund. Erst 1972 soll auch hier eine Gesamthochschule die Bildungslandschaft des Ruhrgebiets ergänzen.

Ein Alleinstellungsmerkmal der Essener Gesamthochschule ist die geplante Möglichkeit eines Medizinstudiums. Ermöglicht wird dies durch die Integration des Universitätsklinikums Essen der Universität Bochum. Ermöglicht wird dies durch die Integration des Universitätsklinikums Essen der Ruhr-Universität Bochum. Besonders die dortigen Professor:innen zeigen sich aber wenig begeistert von den Plänen der Landesregierung.

Bild: Plan des Standtplanungsamts Essen zur Standortfindung der Gesamthochschule Essen (1970)
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Von der Stadt Duisburg veröffentlichtes Werbematerial (1970)

DuisburgEine Hochschule für Duisburg?

Schon einmal – von 1655 bis 1818 – ist Duisburg Universitätsstadt gewesen. Anfang der 1970er Jahre bemühten sich Vertreter der Stadt an diese Zeit anzuknüpfen und wieder eine Volluniversität nach Duisburg zu holen.

Als das Jahr 1972 begann, waren diese Versuche bereits weitestgehend mit Erfolg gekrönt worden: Im Laufe des Jahres will die Landesregierung hier eine der fünf neuen Gesamthochschulen errichten.

Bild: Von der Stadt Duisburg veröffentlichtes Werbematerial (1970)
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