Institutspreis des Instituts für Politikwissenschaft

Institutspreise für die besten Master- und Bachelorarbeiten: Preise für studentische Exzellenz

Das Institut für Politikwissenschaft verleiht einmal im Jahr den Preis für die beste Masterarbeit sowie den Preis für die beste Bachelorarbeit um studentische Exzellenz in den Studiengängen des Instituts sichtbar zu machen.

Die Auswahl der Preisträger und Preisträgerinnen erfolgt durch das gewählte Preiskomitee des Instituts auf der Grundlage von Vorschlägen. Vorschlagsberechtigt sind die Betreuerinnen und Betreuer der jeweiligen Abschlussarbeit.

Die vorgeschlagenen Arbeiten müssen zwischen dem 1. Juni des Vorjahres und dem 31. Mai des jeweils laufenden Jahres in einem der Studiengänge des Instituts für Politikwissenschaft abgeschlossen worden sein. Sie müssen sich durch herausragende wissenschaftliche Qualität auszeichnen.

Mit der Auszeichnung als beste Masterarbeit ist eine Veröffentlichung in der Schriftenreihe des Instituts für Politikwissenschaft verbunden. Die Veröffentlichung wird durch die finanzielle Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Instituts für Politikwissenschaft e.V.ermöglicht.

Das Preiskomitee

Die Mitglieder des Preiskomitees werden durch den Vorstand des Instituts für Politikwissenschaft für einen Zeitraum von zwei Jahren gewählt. Das Komitee umfasst vier Mitglieder aus der Gruppe der Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen sowie zwei Mitglieder des wissenschaftlichen Mittelbaus.

Mitglieder des Preiskomitees sind: Prof. Dr. Renate Martinsen, Prof. Dr. Christof Hartmann, Prof. Dr. Michael Kaeding, Prof. Dr. Nikolai Dose, Dr. Kristina Weissenbach und Daniela Strüngmann.

Würdigungen 2018

Beste Masterarbeit

Larissa Rohr (MA Politikmanagement): Stachel im Fleisch der Mutterpartei. Strategien der Nachwuchsorganisation Grüne Jugend zur Einflussnahme auf die Mutterpartei Bündnis 90/Die Grünen (Betreuer: Dr. Niko Switek, Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte)

Larissa Rohr beschäftigt sich in ihrer exzellenten Master-Arbeit mit dem Verhältnis der grünen Jugendorganisation zu ihrer ‘Mutterpartei’ Bündnis 90/Die Grünen. Dieser Themenkomplex berührt nicht nur grundsätzliche Fragen der Parteien- und Organisationsforschung, wie Fragen der politischen Beteiligung von Jugendlichen, sondern ist vor dem Hintergrund der Geschichte der Grünen als Geschichte der Organisationsreformen und ihrem selbsterklärten Anspruch auf Unangepasstheit und Alternativität von besonderem Interesse. Die Autorin stützt sich für ihre Arbeit auf eine beeindruckende Fülle von Archivmaterial der Jugendorganisation, das erstmals wissenschaftlich ausgewertet wird. Darüber hinaus konnte sie vertiefend Interviews mit 15 zentralen Protagonisten führen. Beides ermöglicht ihr über eine lange Zeitspanne einen großartigen und detaillierten Einblick in das Innenleben der Grünen Jugend und deren strategischen Versuche der Einflussnahme, welche Larissa Rohr in Anknüpfung an den Forschungsstand rekonstruiert, ordnet und typologisiert. So zeichnet sie etwa sehr überzeugend nach, wie man sich über verschiedene Satzungsreformen Posten in Gremien der Mutterpartei sicherte und wie intensive und koordinierte Kampagnen konzipiert wurden, um bestimmte Themen nach vorne zu bringen und Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen.


Beste Masterarbeit

Stephan Trappe (MA Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik): Electoral violence and electoral reform in Lesotho. An assessment of the causal relationship between electoral systems and electoral violence and the prospects of addressing electoral violence through electoral system reform (Betreuer: Prof. Dr. Christof Hartmann, Dr. Daniel Lambach PD)

In vielen jungen Demokratien wie auch Autokratien kommt es im Kontext von Wahlen zu Gewaltausbruch, so dass Wahlen als urdemokratischer Mechanismus der Besetzung der wichtigsten Herrschaftspositionen in Frage gestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist eine inzwischen rege akademische Debatte über das Wesen und die Ursachen elektoraler Gewalt entstanden, zu der Herr Trappes Abschlussarbeit einen lesenswerten und innovativen Beitrag leistet, 

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die ja auch politisch wichtige Frage, welche Faktoren elektorale Gewalt erklären, Herr Trappe interessiert sich dabei für einen Erklärungsfaktor, der in besonderer Weise politischen Reformen zugänglich ist, nämlich das Wahlsystem. Den Einfluss des Wahlsystems auf elektorale Gewalt, bzw. von Reformen des Wahlsystems untersucht er am Fallbeispiel des im südlichen Afrika gelegenen Staates Lesotho. Lesotho ist insofern ein idealer Fall für die Untersuchung des Zusammenhangs von Wahlsystem und elektoraler Gewalt, weil es seit der Redemokratisierung des Landes zwei Reformen des Wahlsystems gegeben hat, die insgesamt zu einem deutlichen Rückgang elektoraler Gewalt geführt haben. Die Betrachtung von sechs aufeinanderfolgenden Wahlen mit Varianz sowohl auf der Ebene des Wahlsystems als auch im Auftreten elektoraler Gewalt ermöglicht daher einen kontrollierten Vergleich unter ansonsten weitgehend konstanten Kontextbedingungen.

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher theoretischer Überlegungen zu der möglichen Wirkung von unterschiedlichen Wahlsystemen auf Gewaltaustrag liefert die Arbeit eine Reihe interessanter Ergebnisse. Danach befördern primär die stark mehrheitsbildenden Effekte von relativer Mehrheitswahl, aber auch (in abgeschwächter Form) MMP Gewalt, und zwar im Unterschied zu anderen (afrikanischen) Staaten erst nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Erst die proportionalere Zusammensetzung des Parlaments seit 2015 führte zu einem starken Rückgang an elektoraler Gewalt. Dieser Rückgang zeigt recht eindrucksvoll, dass die Reform formaler Institutionen einen Einfluss auf den Gewaltaustrag hat. Zugleich hat die Reform nicht zu größerer politischer Stabilität in Lesotho geführt, und der Rekurs auf einen auch gewaltsamen Austrag von politischen Konflikten im politischen System ist dadurch keineswegs gebannt.        

Die Arbeit ist aus mehreren Gründen preiswürdig:

In ihrem theoretischen Anspruch reicht die Arbeit über die allgemeinen Anforderungen an eine MA-Arbeit deutlich hinaus. Herr Trappe verfügt über ein beeindruckendes Wissen und eine große Souveränität im Umgang mit den vielen Debatten sowohl zu elektoraler Gewalt als auch zu Lesotho. Die Arbeit entwickelt im Anschluss an die bisherige Literatur ein eigenes theoretisches Modell, das in einem zweiten Schritt eigenständig und systematisch angewandt wird. 

Die Kombination von theoretischer Reflektion und hervorragender Kenntnis empirischer Kontexte erlaubt es Herrn Trappe einen Forschungslücke zu schließen. Methodisch zeigt die Arbeit, wie sehr erst exzellente Kenntnis eines Falls einen kontrollierten Vergleich ermöglicht. Herr Trappe ist zugleich in der Lage, die Begrenzungen in seinem Vorgehen zu reflektieren. Die Argumentation erfolgt stets auf sehr hohem Niveau, ist konzise und plausibel.

In formaler Hinsicht kann die Arbeit voll und ganz überzeugen. Der Verfasser formuliert auch in englischer Sprache überaus souverän. Das Literaturverzeichnis ist beeindruckend in Qualität und Quantität 


Beste Bachelorarbeit

Erik Wenker (BA Politikwissenschaft): Migranten auf dem Stimmzettel: Eine Vignettenanalyse zur Untersuchung der Wirkung der ethnischen Herkunft von politischen Kandidaten in Verbindung mit weiteren Kandidateneigenschaften auf die Kandidatenevaluation der Wähler (Betreuer*innen: Dr Sabrina Mayer, Prof. Dr. Achim Goerres)

Erik Wenker hat sich in seiner Bachelorarbeit mit einem wichtigen Thema in der Wahl- und Migrationsforschung beschäftigt und analysiert, ob die ethnische Herkunft eines Kandidaten dazu führt, dass sie/er positiver bzw. negativer beurteilt wird, wenn andere Faktoren wie Geschlecht, ideologische Position oder politische Erfahrung konstant gehalten werden.
Er stellt fest, dass die Ergebnisse die Bedeutung der ethnischen Herkunft infrage stellen. Möglicherweise sind Policy-Positionen entscheidender als die Herkunft selbst, jedoch sind weitergehende Analysen zum Verständnis notwendig. Erik Wenker hat eine ausgezeichnete Bachelorarbeit vorlegt, die weit über das verlangte Niveau hinausgeht und sich dadurch auszeichnet, dass sie theoretisch hervorragend im Ansatz der sozialen Identität verortet ist, auf einer eigenständigen Online-Datenerhebung mit einem Vignettenexperiment basiert und die Auswertung der Datengrundlage mit fortgeschrittenen statistischen Methoden reflektiert und kritisch erfolgte.