Institutspreis des Instituts für Politikwissenschaft

Institutspreise für die besten Master- und Bachelorarbeiten: Preise für studentische Exzellenz

Das Institut für Politikwissenschaft verleiht einmal im Jahr den Preis für die beste Masterarbeit sowie den Preis für die beste Bachelorarbeit um studentische Exzellenz in den Studiengängen des Instituts sichtbar zu machen.

Die Auswahl der Preisträger und Preisträgerinnen erfolgt durch das gewählte Preiskomitee des Instituts auf der Grundlage von Vorschlägen. Vorschlagsberechtigt sind die Betreuerinnen und Betreuer der jeweiligen Abschlussarbeit.

Die vorgeschlagenen Arbeiten müssen zwischen dem 1. Juni des Vorjahres und dem 31. Mai des jeweils laufenden Jahres in einem der Studiengänge des Instituts für Politikwissenschaft abgeschlossen worden sein. Sie müssen sich durch herausragende wissenschaftliche Qualität auszeichnen.

Mit der Auszeichnung als beste Masterarbeit ist eine Veröffentlichung in der Schriftenreihe des Instituts für Politikwissenschaft verbunden. Die Veröffentlichung wird durch die finanzielle Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Instituts für Politikwissenschaft e.V.ermöglicht.

Das Preiskomitee

Die Mitglieder des Preiskomitees werden durch den Vorstand des Instituts für Politikwissenschaft für einen Zeitraum von zwei Jahren gewählt. Das Komitee umfasst vier Mitglieder aus der Gruppe der Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen sowie zwei Mitglieder des wissenschaftlichen Mittelbaus.

Würdigungen 2019

Beste Bachelorarbeit

Jakob Kemper, Dem ‚Deutschen‘ Volke? Ein Feldexperiment mit Mit-gliedern des Deutschen Bundestags zur Untersuchung der Zugänglichkeit politischer Eliten für Bürger mit Migrationshintergrund, Betreuer: Prof. Goerres, Dr. Mayer

Die Arbeit von Jakob Kemper leistet Großes mit kleinen Ressourcen. Jakob Kemper führt eine Art Bundestag-TÜV durch, indem er alle Abgeordneten-Büros des Bundestags mit der gleichen fiktiven Anfrage anschreibt. Er will testen, welches Büro reagiert, wer wie schnell reagiert und wie inhaltlich reagiert wird. Die Anfrage ist innerhalb von 10 Minuten sachlich korrekt zu beantworten. Es gibt also eine eindeutige, richtige Antwort. Jakob Kemper lässt aber bei manchen Büros die fiktive Person einen deutschstämmigen Namen haben, den es häufig gibt, und manchmal einen türkeistämmigen Namen, den es häufig gibt. Nun zeigt sich, dass im Schnitt die fiktive Person mit dem türkeistämmigen Namen schlechter behandelt wird als die mit dem deutschstämmigen Namen. Dies darf natürlich nicht sein. Die Anfrage ist inhaltlich immer dieselbe und sollte durch die Abgeordnetenbüros immer gleich und richtig als Teil ihrer normalen Dienstleistung gegenüber den Bürger*innen behandelt werden.

Da Herr Kemper die Arbeit als wissenschaftliches Experiment aufgebaut hat, kann er wissenschaftlich solide die kausale Bedeutung des Namens herausarbeiten. Mit nur wenigen hundert Euro Einsatz des Instituts für Porto und sehr viel Bearbeitungszeit seitens des Autors hat Jakob Kemper so eine wissenschaftliche Studie geschaffen, die bereits mehrere tausend Male heruntergeladen wurde (LINK), die breit in den Medien besprochen wurde (LINK zu WAZ-Artikel) und die Reaktionen seitens der betroffenen Bundestagsfraktionen in Form zu Nachfragen am Institut führte.

Die Arbeit verdeutlicht exemplarisch, dass schon BA-Studierende mit dem bei uns erlernten Handwerk politisch und wissenschaftlich relevante Studien schaffen können und von uns darin unterstützt werden.
 

Beste Masterarbeit

Jannis Saalfeld, On the causes of militant Islamism in sub-Saharan Africa: A comparative case study of Zanzibar and coastal Kenya, Betreuer: Prof. Hart-mann, Dr. Hippler 

Die MA-Arbeit befasst sich mit dem theoretisch wie empirisch relevanten Problem der Ursachen von islamistischer Gewalt in Sub-Sahara Afrika. In deutlicher Abgrenzung sowohl von kulturalistischen Argumenten wie auch von Analysen, die das Phänomen international erklären, plädiert Herr Saalfeld für eine Forschungsperspektive, die die Ursachen dieser Gewalt in lokalspezifischen institutionellen Kontexten verortet. Mit der stärkeren Varianz dieser lokalen Kontexte lässt sich, so das Hauptargument der Arbeit, auch die stärkere Varianz in den Ausprägungen von gewaltförmigen Islamismus zwischen (sowie im Prinzip auch innerhalb einzelner) Staaten verstehen.  Im Mittelpunkt der Arbeit steht daher die Analyse von zwei Fällen, Sansibar und der islamisch geprägten Ostküstenregion Kenias, die sich in vielerlei Hinsicht stark ähneln (vorkoloniale und koloniale Vergangenheit; Marginalisierung als Minderheit in christlich geprägten Staaten), die aber in den letzten zwei Dekaden eine unterschiedliche Dynamik im Hinblick auf Gewalteskalation durch islamistische Gruppen aufweisen. Im Rückgriff auf den historischen Institutionalismus liegt die Haupterklärung für die Varianz im Outcome letztlich in unterschiedlichen Prozessen postkolonialer Staatsbildung, die im Kontext der politischen Liberalisierung seit den 1990er Jahren unterschiedliche Gelegenheitsstrukturen für die Entwicklung eines subnationalen Parteiensystems boten, das mehr oder weniger Raum für gewaltbereite islamistische Akteure ließ. Methodisch fußt die Arbeit auf einer gründlichen Literaturauswertung sowie einem Feldaufenthalt in Kenia, in dessen Rahmen auch eine Reihe von Experteninterviews geführt wurden.

Die Arbeit geht über die üblicherweise an eine MA-Arbeit zu stellenden Ansprüche weit hinaus. Herr Saalfeld leistet einen eigenständigen und innovativen Beitrag zu bestehenden Debatten, der ein breiteres Publikum verdient hat. Seine These, dass islamistische Gewalt durch historisch begünstigten sub-nationalen Mehrparteienwettbewerb ‚eingehegt‘ werden kann, wird in der Arbeit überzeugend dargelegt. Die Arbeit besticht nicht nur durch die große Belesenheit (in ganz unterschiedlichen Debatten) und empirische Detailkenntnis des Verfassers, sondern auch durch den durchweg hohen Reflektionsgrad in methodischen und theoretischen Fragen.

Beste wissenschaftliche Nachwuchsarbeit

Frank Gardinger (Habilitant am Institut) und Elena Simon, Kalkulierte Ambivalenz, mobilisierte Ängste und volksnahe Inszenierung: Rechtspopulistische Erzählstrategien in Wahlkampagnen und Regierungspraxis, in: Zeitschrift für Politikwissenschaft (2019) 29:23–52

Die Kommission für die Verleihung des Institutspreises hat sich entschlossen, den Preis für die beste Publikation des wissenschaftlichen Nachwuchses an der UDE in diesem Jahr an Elena Simon und Frank Gadinger zu verleihen. Gadinger und Simon beleuchten in ihrem Beitrag die diskursiven Strategien (rechts-)populistischer Parteien - ein hochaktuelles Thema, welches trotz seiner gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Relevanz immer noch untererforscht ist. Die Studie von Gadinger und Simon setzt sich ausführlich und differenziert mit dem Stand der Forschung auseinander, ist theoretisch wie empirisch fundiert und liefert den Ausgangspunkt für eine breiter angelegte Theoretisierung der Logik (rechts-)populistischer politischer Kommunikation.

Gadinger und Simon interessieren sich in diesem Kontext insbesondere für die „sprachliche Anpassungsfähigkeit (rechts-)populistischer Politik unter sich verändernden demokratischen Bedingungen“. Angesichts der hohen Resonanz, die rechtspopulistische Parteien seit einigen Jahren erzeugen, scheint eine Analyse des rhetorischen Instrumentariums dieser Akteure mithilfe der Narrativtechnik, wie es Gadinger und Simon in Ihrem Beitrag unternehmen, längst überfällig. Hierbei arbeiten die Autoren komparativ und rekurrieren auf Beispiele aus unterschiedlichen Ländern zwecks Unterfütterung ihrer Thesen, welches den theoriebildenden Anspruch ihres Beitrags unterstreicht. Gadinger und Simon demonstrieren anhand von drei Beispielen – dem Mythos des zu schützenden „Volkskörpers“, der Verschwörung der „Fake News“ sowie der Rebellion gegen den „Genderwahn“ – wie sich rechtspopulistische politische Kommunikation im Versuch, Affekte wie Angst und Verunsicherung zu erzeugen, bewusst der Logik der rationalen Argumentation widersetzt. Diese zentrale These hätte sicherlich noch durch die Hinzuziehung psychologischer Forschung zu den affektauslösenden Strategien politischer Rhetorik gestärkt werden können. Insgesamt aber war die Kommission davon überzeugt, dass Frank Gadinger und Elena Simon mit ihrem Aufsatz einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnisses eines weit verbreiteten gesellschaftspolitischen Phänomens und zur Erschließung eines aktuell noch untererforschten Feldes leisten.

 

 

Würdigungen 2018

Beste Masterarbeit

Larissa Rohr (MA Politikmanagement Stachel im Fleisch der Mutterpartei. Strategien der Nachwuchsorganisation Grüne Jugend zur Einflussnahme auf die Mutterpartei Bündnis 90/Die Grünen (Betreuer: Dr. Niko Switek, Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte)

Larissa Rohr beschäftigt sich in ihrer exzellenten Master-Arbeit mit dem Verhältnis der grünen Jugendorganisation zu ihrer ‘Mutterpartei’ Bündnis 90/Die Grünen. Dieser Themenkomplex berührt nicht nur grundsätzliche Fragen der Parteien- und Organisationsforschung, wie Fragen der politischen Beteiligung von Jugendlichen, sondern ist vor dem Hintergrund der Geschichte der Grünen als Geschichte der Organisationsreformen und ihrem selbsterklärten Anspruch auf Unangepasstheit und Alternativität von besonderem Interesse. Die Autorin stützt sich für ihre Arbeit auf eine beeindruckende Fülle von Archivmaterial der Jugendorganisation, das erstmals wissenschaftlich ausgewertet wird. Darüber hinaus konnte sie vertiefend Interviews mit 15 zentralen Protagonisten führen. Beides ermöglicht ihr über eine lange Zeitspanne einen großartigen und detaillierten Einblick in das Innenleben der Grünen Jugend und deren strategischen Versuche der Einflussnahme, welche Larissa Rohr in Anknüpfung an den Forschungsstand rekonstruiert, ordnet und typologisiert. So zeichnet sie etwa sehr überzeugend nach, wie man sich über verschiedene Satzungsreformen Posten in Gremien der Mutterpartei sicherte und wie intensive und koordinierte Kampagnen konzipiert wurden, um bestimmte Themen nach vorne zu bringen und Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen.


Beste Masterarbeit

Stephan Trappe (MA Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik Electoral violence and electoral reform in Lesotho. An assessment of the causal relationship between electoral systems and electoral violence and the prospects of addressing electoral violence through electoral system reform (Betreuer: Prof. Dr. Christof Hartmann, Dr. Daniel Lambach PD)

In vielen jungen Demokratien wie auch Autokratien kommt es im Kontext von Wahlen zu Gewaltausbruch, so dass Wahlen als urdemokratischer Mechanismus der Besetzung der wichtigsten Herrschaftspositionen in Frage gestellt werden. Vor diesem Hintergrund ist eine inzwischen rege akademische Debatte über das Wesen und die Ursachen elektoraler Gewalt entstanden, zu der Herr Trappes Abschlussarbeit einen lesenswerten und innovativen Beitrag leistet, 

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die ja auch politisch wichtige Frage, welche Faktoren elektorale Gewalt erklären, Herr Trappe interessiert sich dabei für einen Erklärungsfaktor, der in besonderer Weise politischen Reformen zugänglich ist, nämlich das Wahlsystem. Den Einfluss des Wahlsystems auf elektorale Gewalt, bzw. von Reformen des Wahlsystems untersucht er am Fallbeispiel des im südlichen Afrika gelegenen Staates Lesotho. Lesotho ist insofern ein idealer Fall für die Untersuchung des Zusammenhangs von Wahlsystem und elektoraler Gewalt, weil es seit der Redemokratisierung des Landes zwei Reformen des Wahlsystems gegeben hat, die insgesamt zu einem deutlichen Rückgang elektoraler Gewalt geführt haben. Die Betrachtung von sechs aufeinanderfolgenden Wahlen mit Varianz sowohl auf der Ebene des Wahlsystems als auch im Auftreten elektoraler Gewalt ermöglicht daher einen kontrollierten Vergleich unter ansonsten weitgehend konstanten Kontextbedingungen.

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher theoretischer Überlegungen zu der möglichen Wirkung von unterschiedlichen Wahlsystemen auf Gewaltaustrag liefert die Arbeit eine Reihe interessanter Ergebnisse. Danach befördern primär die stark mehrheitsbildenden Effekte von relativer Mehrheitswahl, aber auch (in abgeschwächter Form) MMP Gewalt, und zwar im Unterschied zu anderen (afrikanischen) Staaten erst nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Erst die proportionalere Zusammensetzung des Parlaments seit 2015 führte zu einem starken Rückgang an elektoraler Gewalt. Dieser Rückgang zeigt recht eindrucksvoll, dass die Reform formaler Institutionen einen Einfluss auf den Gewaltaustrag hat. Zugleich hat die Reform nicht zu größerer politischer Stabilität in Lesotho geführt, und der Rekurs auf einen auch gewaltsamen Austrag von politischen Konflikten im politischen System ist dadurch keineswegs gebannt.        

Die Arbeit ist aus mehreren Gründen preiswürdig:

In ihrem theoretischen Anspruch reicht die Arbeit über die allgemeinen Anforderungen an eine MA-Arbeit deutlich hinaus. Herr Trappe verfügt über ein beeindruckendes Wissen und eine große Souveränität im Umgang mit den vielen Debatten sowohl zu elektoraler Gewalt als auch zu Lesotho. Die Arbeit entwickelt im Anschluss an die bisherige Literatur ein eigenes theoretisches Modell, das in einem zweiten Schritt eigenständig und systematisch angewandt wird. 

Die Kombination von theoretischer Reflektion und hervorragender Kenntnis empirischer Kontexte erlaubt es Herrn Trappe einen Forschungslücke zu schließen. Methodisch zeigt die Arbeit, wie sehr erst exzellente Kenntnis eines Falls einen kontrollierten Vergleich ermöglicht. Herr Trappe ist zugleich in der Lage, die Begrenzungen in seinem Vorgehen zu reflektieren. Die Argumentation erfolgt stets auf sehr hohem Niveau, ist konzise und plausibel.

In formaler Hinsicht kann die Arbeit voll und ganz überzeugen. Der Verfasser formuliert auch in englischer Sprache überaus souverän. Das Literaturverzeichnis ist beeindruckend in Qualität und Quantität 


Beste Bachelorarbeit

Erik Wenker (BA Politikwissenschaft): Migranten auf dem Stimmzettel: Eine Vignettenanalyse zur Untersuchung der Wirkung der ethnischen Herkunft von politischen Kandidaten in Verbindung mit weiteren Kandidateneigenschaften auf die Kandidatenevaluation der Wähler (Betreuer*innen: Dr Sabrina Mayer, Prof. Dr. Achim Goerres)

Erik Wenker hat sich in seiner Bachelorarbeit mit einem wichtigen Thema in der Wahl- und Migrationsforschung beschäftigt und analysiert, ob die ethnische Herkunft eines Kandidaten dazu führt, dass sie/er positiver bzw. negativer beurteilt wird, wenn andere Faktoren wie Geschlecht, ideologische Position oder politische Erfahrung konstant gehalten werden.
Er stellt fest, dass die Ergebnisse die Bedeutung der ethnischen Herkunft infrage stellen. Möglicherweise sind Policy-Positionen entscheidender als die Herkunft selbst, jedoch sind weitergehende Analysen zum Verständnis notwendig. Erik Wenker hat eine ausgezeichnete Bachelorarbeit vorgelegt, die weit über das verlangte Niveau hinausgeht und sich dadurch auszeichnet, dass sie theoretisch hervorragend im Ansatz der sozialen Identität verortet ist, auf einer eigenständigen Online-Datenerhebung mit einem Vignettenexperiment basiert und die Auswertung der Datengrundlage mit fortgeschrittenen statistischen Methoden reflektiert und kritisch erfolgte. Migranten auf dem Stimmzettel

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