Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) im Hochmoorbeet, Foto: André Kreft, 2026

Kleines Moor, großer SchatzUnser Hochmoorbeet

Hochmoore sind der Land-Biotoptyp, der auf die Fläche bezogen, die größte Menge an Kohlenstoff speichern kann. Die weltweit rund 50.000 Kmumfassenden Hochmoorlandschaften speichern 600 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Damit besitzen Sie eine überragende Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel: degenerierte Hochmoore, z.B. durch Nutzung trockengelegte Hochmoore, tragen über die Freisetzung von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4) zu Erderwärmung bei, während renaturierte Hochmoore Senken für CO2 sind.

Biotoptypen und Kohlenstoffspeicherung

Biotoptyp

Fläche weltweit

in Mio. KM2

Kohlenstoffspeicherung

in Mrd. Tonnen

Hochmoore 5 600
Grasland 37,5 588
Wälder 33,3 372
Wüsten 30,0 191

Gleichzeitig sind Hochmoore besondere Lebensräume, die durch niedrige pH-Werte (saures Milieu) und die damit verbundene Nährstoffarmut geprägt sind und sich durch eine spezialisierte Pflanzen- und Tierwelt auszeichnen. In Deutschland gibt es nur noch sehr wenige naturbelassene Hochmoore: Gute Gründe für uns, diesen Lebensraum in einem Hochmoorbeet nachzubauen und am Lehrpfad zu präsentieren.

Wie enstehen Moore? Von Niedermooren und Hochmooren

feucht, sauer, nährstoffarm, baumfrei Ein ganz besonderer Lebensraum

Um den besonderen Charakter des Lebensraums Hochmoor zu verstehen, müssen wir einen Blick auf deren prägende Gruppe von Pflanzen werfen, die Torfmoose der Gattung Sphagnum. Wie alle Moose besitzen auch Torfmoose, im Gegensatz zu den Gefäßpflanzen, keine Wurzeln. Sie können also keine Nährstoffe erreichen, die in unterliegenden Schichten vorhanden sind, sondern sind auf die Versorgung ausschließlich durch Niederschläge, Flugstaub und Tierkot angewiesen. Dies ist in der Konkurrenz um Licht und Nährstoffe gegenüber höher entwickelten Pflanzen oft ein Nachteil, da diese andere Nährstoffquellen erschließen können und ein größeres und schnelleres Wachstum erzielen können. Moose besiedeln daher oft als Pioniere Standorte, die für Gefäßpflanzen (noch) keine ausreichenden Bedinugnen bieten: z.B. Felsoberflächen und Baumrinden.

Die Torfmoose haben im Laufe ihrer Evolution noch eine zweite Strategie entwickelt: sie können die für sie lebensnotwendigen, im Wasser gelösten Mineralstoffe durch einen Austausch erlangen. Dieser Prozess wird Kationenaustausch genannt, da hier positive geladene Kationen (z. B. Kalium/K+-, Natrium/Na+-, Kalzium/Ca2+- und Magnesium/Mg2+) gegen Protonen (H+) getauscht werden. Das "Austauschorgan" sitzt in den Zellwänden der Torfmoose (Polygalacturonsäure, die über ihre Carboxylgruppen in der Lage ist, Metall-Ionen gegen Protonen auszutauschen) und funktioniert so effektiv, dass über diesen Ionen-Austausch-Prozess das Wasser zunehmend angesäuert wird: Die Konzentration an H+Ionen steigt an und damit sinkt der pH-Wert. Auf diese Weise schaffen sich die Torfmoose ein für sie geeignetes saures Milieu und schaffen einige der besonderen Lebensbedingungen eines Hochmoors:

  • Saures, närhstoffarmes Milieu (pH-Werte zwischen )
  • Baumfreiheit: intakte Hochmoore sind im inneren Bereich i.d.R. baumfrei
  • Extremes Mikroklima: Da es keine abmildernde Baumschicht gibt, sind Hochmoore durch starke Sonneneinstrahlung (Erwärmung) am Tag und eine starke Ausstrahlung (Abkühlung) in der Nacht geprägt.

Die Nährstoffarmut des Lebensraums Hochmoor führt zu weiteren faszinierenden Anpassungen. Einige Pflanzenarten beziehen einen Teil ihrer Nährstoffe aus Tieren, die sich durch spezielle Organe fangen und anschließend zersetzen, um an die im Tierkörper gespeicherten Mineralien zu gelangen. Spektakuläre Beispiele sind die nordamerikanische Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula). In mitteleuropäischen Hochmooren ist das Gemeine Fettkraut, Pinguicula vulgaris heimisch.


Blühendes Fettkraut (Pinguicula vulgaris) mit gefangenen Fliegen, Foto: André Kreft, 2026

Unser Hochmoorbeet 15 Quadratmeter Hochmoor, ganz ohne Torf

Live aus dem HochmoorHochmoorbeet-Livestream