Sumpf-Blutauge (Comarum palustre) im Hochmoorbeet, Foto: André Kreft, 2026

Kleines Moor, großer SchatzUnser Hochmoorbeet

Hochmoore sind der Land-Biotoptyp, der auf die Fläche bezogen, die größte Menge an Kohlenstoff speichern kann. Die weltweit rund 50.000 Kmumfassenden Hochmoorlandschaften speichern 600 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Damit besitzen Sie eine überragende Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel: degenerierte Hochmoore, z.B. durch Nutzung trockengelegte Hochmoore, tragen über die Freisetzung von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan (CH4) zu Erderwärmung bei, während renaturierte Hochmoore Senken für CO2 sind.

Biotoptypen und Kohlenstoffspeicherung

Biotoptyp

Fläche weltweit

in Mio. KM2

Kohlenstoffspeicherung

in Mrd. Tonnen

Hochmoore 5 600
Grasland 37,5 588
Wälder 33,3 372
Wüsten 30,0 191

Gleichzeitig sind Hochmoore besondere Lebensräume, die durch niedrige pH-Werte (saures Milieu) und die damit verbundene Nährstoffarmut geprägt sind und sich durch eine spezialisierte Pflanzen- und Tierwelt auszeichnen. In Deutschland gibt es nur noch sehr wenige naturbelassene Hochmoore: Gute Gründe für uns, diesen Lebensraum in einem Hochmoorbeet nachzubauen und am Lehrpfad zu präsentieren.

Blick ins Hochmoorbeet im Mai 2026, Foto: André Kreft

Wie enstehen Moore? Von Niedermooren und Hochmooren

Niedermoore sind bodenfeuchte bis nasse Lebensräume, die im Gegensatz zu Hochmooren nährstoffreicher und basenreicher sind, da sie eine Verbindung zum Grundwasser und/oder Oberflächenwasser, also zu Still-  oder Fließgewässern besitzen. Je nach Entstehung lassen sich Verlandungs-, Überflutungs-, Durchströmungs-, Hang-, Versumpfungs- und Quellmoore unterscheiden. Ihr Erscheinungbild ist ebenfalls sehr vielseitig und reicht von seggen- und rörichtdominierten Sumpflandschaften bis hin zu Bruchwäldern.

Da auch Niedermoore, ähnlich wie Stillgewässer Sedimentfallen darstellen, reichert sich Biomasse aus abgestorbenen Pflanzenteilen, Ausscheidungen von Tieren und Tierkadavern an, die im feuchten Untergrund akkumulieren. Bei den ständig ablaufenden Abbauprozessen wird in tieferen Schichten der atmospärische Sauerstoff rasch aufgebraucht. Unter den daraus folgenden anaeroben Bedingungen findet kein vollständiger Abbau der Biomasse mehr statt, sondern es wird unter dem Druck der überliegenden Schichten allmählich Torf gebildet.

Wenn der Wasserüberschuss durch ausreichende Niederschläge stabil ist, kann sich aus einem Niedermoor allmählich ein Hochmoor entwickeln: Das Moor wächst allmählich über die zunehmende Torfbildung aus dem Einfluss von Grund- oder Oberflächenwasser heraus. Damit wird die Nährstoffversorgung für viele Pflanzen schwieriger und Moose, insbesondere Torfmoose, können dominant werden. Bei einem durschschnittlichen Wachstum der Torfschicht von rund 1mm pro Jahr ist die Hochmmorbildung ein Prozess, der mehrere hundert bis einige tausend Jahre benötigt. Die Zwischenstadien werden als Übergangsmoore bezeichnet.

In früheren Zeiten wurden Hochmoore vielfach trockengelegt, um den getrockneten Torf als Brennmaterial zu verwenden. Heute wird Torf in erster Linie bei der Herstellung von Blumenerde verwendet, um deren Fähigkeit zu Wasserspeicherung zu verbessern. Zum Schutz der Hochmoore sollte daher nur torffreie Blumenerde verwendet werden.

Torfmoos (Sphagnum spec.), Foto: André Kreft, 2026

feucht, sauer, nährstoffarm, baumfrei Ein ganz besonderer Lebensraum

Um den besonderen Charakter des Lebensraums Hochmoor zu verstehen, müssen wir einen Blick auf deren prägende Gruppe von Pflanzen werfen, die Torfmoose der Gattung Sphagnum. Wie alle Moose besitzen auch Torfmoose, im Gegensatz zu den Gefäßpflanzen, keine Wurzeln. Sie können also keine Nährstoffe erreichen, die in unterliegenden Schichten vorhanden sind, sondern sind auf die Versorgung ausschließlich durch Niederschläge, Flugstaub und Tierkot angewiesen. Dies ist in der Konkurrenz um Licht und Nährstoffe gegenüber höher entwickelten Pflanzen oft ein Nachteil, da diese andere Nährstoffquellen erschließen können und ein größeres und schnelleres Wachstum erzielen können. Moose besiedeln daher oft als Pioniere Standorte, die für Gefäßpflanzen (noch) keine ausreichenden Bedingungen bieten: z.B. Felsoberflächen und Baumrinden.

Die Torfmoose haben im Laufe ihrer Evolution noch eine zweite Strategie entwickelt: Sie können bis zum 30fachen ihrer Trockenmasse an Wasser speichern und die für sie lebensnotwendigen, im Wasser gelösten Mineralstoffe durch einen Austauschvorgang erlangen. Dieser Prozess wird Kationenaustausch genannt, da hier positive geladene Kationen (z. B. Kalium/K+-, Natrium/Na+-, Kalzium/Ca2+- und Magnesium/Mg2+) gegen Protonen (H+) getauscht werden. Das "Austauschorgan" sitzt in den Zellwänden der Torfmoose (Polygalacturonsäure, die über ihre Carboxylgruppen in der Lage ist, Metall-Ionen gegen Protonen auszutauschen) und funktioniert so effektiv, dass über diesen Ionen-Austausch-Prozess das Wasser zunehmend angesäuert wird: Die Konzentration an H+Ionen steigt an und damit sinkt der pH-Wert. Auf diese Weise schaffen sich die Torfmoose ein für sie geeignetes saures Milieu und schaffen einige der besonderen Lebensbedingungen eines Hochmoors:

  • Saures, nährstoffarmes Milieu (pH-Werte zwischen 3 und 4,8)
  • Baumfreiheit: intakte Hochmoore sind im inneren Bereich i.d.R. baumfrei
  • Extremes Mikroklima: Da es keine abmildernde Baumschicht gibt, sind Hochmoore durch starke Sonneneinstrahlung (Erwärmung) am Tag und starke Ausstrahlung (Abkühlung) in der Nacht geprägt.

Ein weitere Anpassung der Torfmoose ist das Ausbleichen bei Austrockung: In den oberen Moosschichten kann es bei anhaltender Trockenheit zu einem Ausbleichen der Moostriebe kommen, die dann eine weißliche Farbe annehmen, was die Reflektion der Sonnenstrahlen verstärkt und die unteren Schichten schützt. Nach Wiedervernässung nehmen die Triebe schnell wieder ihre grünliche oder rötliche Färbung an. Daher werden die Torfmoose auch als Bleichmoose bezeichnet. 

Die Nährstoffarmut des Lebensraums Hochmoor führt zu weiteren faszinierenden Anpassungen. Einige Pflanzenarten beziehen einen Teil ihrer Nährstoffe aus Tieren, die sie durch spezielle Organe fangen und anschließend zersetzen, um an die im Tierkörper gespeicherten Mineralien zu gelangen. Spektakuläre Beispiele ist die nordamerikanische Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula). In mitteleuropäischen Hochmooren ist das Gemeine Fettkraut (Pinguicula grandiflora) heimisch.


Blühendes Fettkraut (Pinguicula grandiflora) mit gefangenen Fliegen, Foto: André Kreft, 2026

Das Becken für das Hochmoorbeet entsteht, Foto: André Kreft, Sommer 2025

Unser Hochmoorbeet 15 Quadratmeter Hochmoor, ganz ohne Torf

Als Ort für unser Hochmoorbeet haben wir den steilen, südlichen Hangfuß am Hörsaalzentrum S05 gewählt, da es der einzig weitgehende baumfreie Bereich auf dem Lehrpfadsgelände ist. Die Abstützung des Hanges im untersten Abschnitt wurde durch L-Steine aus Recycling-Kunststoff realisiert, die auch zum Bau des Moorbeet-Beckens verwendet wurden. Die Abdichtung zum Untergrund wurde durch eine Kautschuk-Teichfolie hergestellt, die wir später durch eine Holzverkleidung verdeckt haben. Die gesamte Holzkonstruktion, einschließlich der integrierten Sitzbänke sowie die Dachkonstruktion für die Abdeckung mit einem Laubschutznetz wurde aus Altholz gebaut, welches von Baustellen an der UDE oder von Paletten aus der Warenanlieferung der Universität stammen.

Um unseren Anspruch an Nachhaltigkeit weiterhin gerecht zu werden, sollte unser Hochmoorbeet im Spätsommer 2025 komplett ohne Torf gebaut werden. Als unterste Schicht wurde eine 10-20 cm dicke Schicht Rindenmulch aus Nadelbaumrinde verbaut, auf die wir dann, mit zahlreichen Bohrlöchern versehene Mörtelkübel aus Recyclingkunststoff mit der Öffnung nach unten platziert haben: Die Anordnung der Mörtelkübel ergab dann die spätere Verteilung von Moorbulten (hochgelegene, trockenere Bereiche) und Moorschlenken (tiefere, wassergefüllte Bereiche).


Hochmoorbeet mit Rindenmulchfüllung und Mörtelkübeln, Foto: André Kreft, 2025

Anschließend wurden zwei Schichten lebendes Torfmoos aufgebracht: zunächst eine Schicht mit Sphagnum in B-Sortierung und darüber eine zweite Schicht in A-Qualität. Danach wurde das Becken langsam mit Regenwasser aus unserer Zisterne gefüllt.


Einbau von Torfmoos, Foto: André Kreft
 

Rund zwei nach Wochen nach der Befüllung haben wir eine erste Bepflanzung mit heimischen Hochmoorpflanzen vorgenommen (Hier geht es zur Pflanzenliste Hochmoorbeet). Eine erste Messung in einer Moorschlenke am 24.09.25 ergab einen pH-Wert von 4,8 (Regenwasser in Zisterne: 8,2), der sich über die niederschlagsreiche Zeit bis zum 15.04.26 auf 6,1 erhöht hat.

 

Datum pH-Wert Hochmoorbeet
24.09.2025 4,9
15.04.2026 6,1
   
   

 

Was wächst in unserem Moor?Alphabetische Liste der Gefäßpflanzen und Moose

No. Artname, wiss. Artname, dt. Familie Bestand/Neu gepflanzt heimisch/wildform Bemerkung
1

Andromeda glaucophylla

Rosmarinheide Ericaceae   ja / ja  
2 Arnica montana Arnika Asteraceae   ja / ja  
3 Aster nemoralis Moor-Aster Asteraceae   nein, Heimat: Nordmarika  
4 Betula nana Zwerg-Birke, Polar-Birke Betulaceae   ja / ja  
5 Caltha palustris Sumpdotterblume Ranunculaceae   ja / ja  
6 Comarum palustre Sumpf-Blutauge Rosaceae   ja / ja  
7 Dionea muscipula Venus-Fliegenfalle Droseraceae   nein, Heimat: Nordamerika  
8 Erica tetralix Glocken-Heide Ericaceae   ja / ja  
9 Eriophorum vaginatum Scheidiges Wollgras Cyperaceae   ja / ja  
10 Menyanthes trifoliata Fieberklee Menyanthaceae   ja / ja  
11 Molinia caerulea Blaues Pfeifengras Poaceae   ja / ja  
12 Myrica gale Gagelstrauch Myricaceae   ja / ja  
13 Narthecium ossifragum Beinbrech, Moorlilie Nartheciaceae   ja / ja  
14 Pinguicula grandiflora Großblütiges Fettkraut Lentibulariaceae   ja / ja  
15 Rhynchospora alba Weißes Schnabelried Cyperaceae   ja / ja  
16 Salix repens Kriechende Weide Salicaceae   ja / ja  
17 Sarracenia purpurea Rote Schlauchpflanze Sarraceniaceae   nein, Heimat: Nordamerkika  
18 Sphagnum spec. Torfmoos Sphagnaceae      
19 Vaccinium myrtillus Wald-Heidelbeere/Blaubeere Ericaceae   ja / ja  
20 Vaccinium oxicoccus Gewöhnliche Moosbeere Ericaceae   ja / ja  
21 Vaccinium vitis-idaea Preiselbeere Ericaceae   ja / ja  
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