Totholzbeete
totes Holz, so lebendigUnsere Totholzhochbeete
Aus Sicht der meisten anderen Lebewesen sind Bäume ausgesprochen langlebig. Die durchnittliche Lebenserwartung von Frauen und Männern in Deutschland liegt aktuell bei 83,5 bzw. 78,9 Jahren. Das ist beispielsweise für Rotbuchen (Fagus sylvatica) kein eindrucksvolles Alter, wenn man bedenkt, das die ältesten in Deutschland nachgewiesenen Exemplare stattliche 300-350 Jahre alt sind. Eine Kandidatin für den ältesten Baum Deutschlands ist eine Eibe (Taxus baccata), die nahe dem Bergdorf Steibis im Allgäu seit über 1000 Jahren wächst.
Schon während ihres meist langen Lebens sind Bäume ein vielfältiger Lebensraum: Rinde, Wurzelraum, Äste und Krone werden von zahlreichen Pflanzen, Pilzen und Tierarten bewohnt, beispielsweise von Vögeln, die in Baumhöhlen brüten, Höhlenbrüter wie Spechte oder Meisen.
Aber sogar nach dem Absterben eines Baumes, ist das Totholz ein wichtiger Lebensraum, z.B. für holznistende Insekten, zu denen viele Widbienen, aber auch viele Käferarten gehören. Durch Windbruch, Blitzschlag, Feuer, Überschwemmungen, Schädlingsbefall und Trockenheit können Bäume auch vor ihrer natürlichen Altersgrenze geschädigt werden und in Teilen oder vollständig absterben. Totholzbesiedelnde Arten sind auf solche Ereignisse angewiesen und für einen größeren, intakten Wald ist dies Teil des natürlichen Verjüngungsprozesses.
Im Siedlungsbereich werden tote Bäume oft gefällt, weil sie eine Gefährdung darstellen. Wenn möglich sollte danach aber zumindest ein Teil des Totholzes an Ort und Stelle verbleiben. im Idealfall sollte auf das Fällen der abgestorbenen Bäume verzichtet werden, so dass der aufrechte Stamm als Lebensraum für viele Jahre erhalten wird. Aber auch das Holz umgestürzter Bäume und deren Wurzelteller, die für einige Zeit eine Erdwand schaffen, bevor Wind und Regen sowie die Zersetzung der Wurzeln diese temporären Lebensraum wieder verschwinden lassen, sind für für viele Arten ein wichtiger Lebensraum.
schattig, kühl und viel Laubstreu Totholzhochbeet Wald
Für das Totholzhochbeet "Wald" haben wir einen schattigen Platz gewählt und große Totholzstücke von Eiche (Quercus spec.) und Rotbuche (Fagus sylvatica) sowie Aststücke anderer Baumarten eingearbeitet. Alle Hölzer wurden in eine dicke Schicht Rindenmulch, der bei Baumschnittarbeiten am Campus angefallen ist, eingebettet. Zusätzlich wurde das Hochbeet mit Erde aus dem Essener Stadtwald geimpft. Zuletzt haben wir einige typische Frühblüher der heimischen Wälder gepflanzt: Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Scharbockskraut (Ficaria verna) Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) und Goldnessel (Lamium galeobdolon).
Jetzt ist es Zeit abzuwarten und zu beobachten: Welche Tiere werden diese Totholzhochbeet besiedeln und wird es dabei Unterschiede zum benachbarten Sandarium geben?
sandig, sonnig, trocken Totholzhochbeet als Sandarium
Ähnlich wie die Erdwände an Wurzeltellern umgestürzter Bäume, sind auch sandige, weitgehend vegetationslose Flächen temporäre Lebsenräume. Natürlicherweise entstehen sie durch die Dynamik eines Fließgewässers, das bei Hochwasser über die Ufer tritt und in der Bach- oder Flußaue Sand und anders Material ablagert. Diese Bereiche werden allmählich von Pflanzen besiedelt, so dass (wieder) eine mehr oder weniger geschlossene Vegetationsdecke entsteht. Für die Arten, die auf solch trocken-warmen Standorte angewiesen sind, entstehen durch Hochwassereignisse vorübergehenden Biotope, in einer für die Art, kalkulierbaren Häufigkeit. Voraussetzung dafür ist, dass die Fließgewässer durch bauliche Maßnahmen nicht an dieser "Gestaltungsarbeit" gehindert werden. Einen solchen Lebensraum haben wir in unserem Sandarium-Totholzhochbeet nachgebaut: Totholz von Hänge-Birke (Betula pendula) und Eiche (Quercus spec.) wurden in ein Bett aus ungewaschenen Sand eingebracht. Nun sind wir neugierig, ob sandnistende Arten den Weg in unser Hochbeet finden.
Gleich nebenan, stellen wir im steingefassten Hochbeet einen weiteren Aspekt von Fluß- und Bachauen nach: temporäre Kleingewässer, die durch Hochwasser entstehen und für einige Wochen bis wenige Jahre bestehen, bis sie wieder ausgetrocknet sind und wieder zu einem Land-Lebensraum werden.
vielerorts am Wegesrand Totholzhaufen und Käferkeller
Totholz spielt bei uns am Lehrpfad an vielen Stellen eine Rolle. Oft besitzt es eine Mehrfachfunktion als strukturierendes, abstützendes oder gestaltendes Element, aber immer auch als Lebesnraum: als Wildbienenhotel in einem angebohrten Berg-Ahorn-Stamm (Acer pseudo-Platanus), als Totholzhaufen an den Wegrändern, als "Käferkeller" oder als markante Strukturen im Hochmoorbeet.