Beefcake: Männlichkeitsentwürfe, Geschäftsmodelle und Rezeption von „physique magazines“

Abstract


Als „physique“ oder „beefcake magazines“ wird eine Reihe von amerikanischen Zeitschriften bezeichnet, die von 1951 (dem Erscheinungsjahr der ersten Ausgabe von Bob Mizers Physique Pictorial) bis 1967 (dem Jahr, in dem Fotografien von vollständig nackten Männern für „nicht obszön“ befunden wurden) als Schaufenster bzw. Vertriebsvehikel für die Produkte von „physique studios“ dienten – Foto-, Film- und Zeichenstudios, die sich auf Bilder von oft nur mit einem Stringtanga bekleideten, athletisch gebauten jungen Männern spezialisiert hatten. Diese Funktion hatten seit den 1930er und bis in die späten 1940er Jahre Anzeigen in „physical culture“ bzw. Bodybuilding-Zeitschriften inne, mit denen „beefcake magazines“ über Inhalte wie Illustrationen und Artikeln zu Krafttraining und Ernährung auch weiterhin verbunden blieben.

Über ihre Zielgruppe, die in den Zeitschriften selbst anfangs bestenfalls impliziert, später aber immer direkter als homosexuelle Männer identifiziert wurde, sowie ihre sozialen und politischen Funktionen bzw. Effekte (Identitäts- und Gemeinschaftsbildung, Eintreten für die Rechte von Homosexuellen) waren „beefcake magazines“ dagegen vor allem mit der ebenfalls in den 1950er Jahren aufkommenden amerikanischen „homophilen“ Presse verbunden, die jedoch im Gegensatz zu ihren europäischen Gegenstücken wie etwa Der Kreis (Zürich, 1943-1967) bewusst auf den Abdruck freizügiger Illustrationen verzichtete.


„Physique“-Zeitschriften trugen so lange vor den Stonewall-Unruhen maßgeblich zur Herausbildung einer männlichen homosexuellen Identität in den USA bei und stellten gleichzeitig ein Multimillionen-Dollar-Geschäft dar. Von der Forschung zur Geschichte der amerikanischen homosexuellen Presse in den USA wurden „beefcake magazines“ jedoch lange Zeit zugunsten der „homophilen“ Titel vernachlässigt; erst Mitte der 1990er Jahre erschienen erste Studien zur allgemeinen Entwicklung und zur Verbindung von Homosexualität und „race“ im Bildmaterial der Zeitschriften.

Der interdisziplinäre, als Kooperation des Forschungsnetzwerks Transnational Periodical Cultures (JGU Mainz) und EKfG-Mitglied Prof. Dr. Florian Freitag organisierte digitale Workshop am 20.01.2021, 16:00 s. t. -18:00 Uhr, möchte in drei englischsprachigen Vorträgen vor allem das Geschäftsmodell, die klassizistischen Anleihen und die Rezeption von „physique“-Zeitschriften in Literatur, Film und Photographie in den Blick nehmen: Zu den Vortragenden zählen Filippo Carlà-Uhink (U Potsdam), EKfG-Mitglied Florian Freitag (UDE) und David K. Johnson (U of South Florida), Autor von Buying Gay: How Physique Entrepreneurs Sparked a Movement (2019). Anschließende Fragen zu den Vorträgen können auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch gestellt werden.

Anmeldung zur digitalen Veranstaltung

Anmeldung unter marisa.maehlck@stud.uni-due.de.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an Herrn Prof. Dr. Florian Freitag.