Abstract

Sowohl das biologische Geschlecht als auch soziokulturelle Geschlechterrollen (Gender) stellen wichtige Variablen in der biomedizinischen Forschung und der klinischen Medizin dar. Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Inzidenz von Erkrankungen und dem Erkrankungsalter, sondern auch im Hinblick auf Erkrankungsverläufe und dem Ansprechen auf unterschiedliche Therapien. Die Geschlechterunterschieden zugrundeliegenden Ursachen und deren pathophysiologische Relevanz sowie die konsequente Anpassung der Präventions- und Therapiemaßnahmen rücken zunehmend in den Fokus aktueller Forschungsaktivitäten. Die Brisanz dieses Themas in der Medizin zeigt sich auch dadurch, dass inzwischen die Vergabe von Fördermitteln durch die DFG von der Integration von Geschlechter- und Diversity-Aspekten in Grundlagen-orientierte und translationale Forschungsprojekte abhängig gemacht wird. Trotzdem ist der Weg bis zur ausreichenden Berücksichtigung von Geschlechteraspekten in der biomedizinischen Forschung und der klinischen Medizin noch weit. Abgesehen von Forschungsaktivitäten wird dies nur durch die konsequente Integration des Querschnittsfachs „Geschlechtsspezifische Medizin“ in die grundständige Lehre des Medizinstudiums, der Medizin-nahen Studiengänge und Ausbildungen sowie der Fortbildungsmaßnahmen, erreicht werden.

Aktuelle Themenfelder

  • Genetik und Pathophysiologie von Geschlechterunterschieden bei der Krebsentstehung (Geschlecht und Tumorprävention)
  • Entwicklung geschlechtergerechter Therapieoptionen bei Tumoren der Schilddrüse im Tiermodell
  • Psychobiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der zentralnervösen Verarbeitung viszeraler Schmerzen
  • Effekte von systemischen Entzündungsprozessen auf Schmerz und Stimmung unter Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden
  • Geschlechterunterschiede in der Stressbelastung und Krankheitsverarbeitung bei MelanompatientInnen
  • Molekulargenetik von Adipositas und Essstörungen unter Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Aspekten
  • Effekte des Geschlechts auf Lern- und Gedächtnisprozesse bei der Furchtkonditionierung
  • Geschlechtersensible Medizin  

Ausgewählte Projekte von Mitgliedern

  • DFG Teilprojekt TP A10 “From Pavlov to pain: extinction learning in visceral pain.” im SFB 1280 Extinction Learning. Projektleitung: Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch (2017-2021)
     
  • DFG Teilprojekt TP A12 “The impact of inflammation on the extinction of pain-related fear in humans.” im SFB 1280 Extinction Learning. (Projektleitung: Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch mit Prof. Dr. rer. nat. Harald Engler; 2017-2021) 
     
  • DFG-Projekt „Einfluss kognitiver Defizite auf das System der absteigenden Schmerzhemmung, (KODAS)“. Projektleitung: Prof. Dr. Markus Burgmer; Kooperationspartnerin: Prof.in Dr. Dr. Bettina Pfleiderer (Zeitraum: 01.06.2014 incl. kostenneutral verlängerung bis 30.09.2017)
     
  • BMBF Forschungsprojekt - Entwicklung einer offenen Austauschplattform „GenderMed Wiki“ 01FP1506. Projektleitung: Prof.in Dr. Dr. Bettina Pfleiderer (Zeitraum: 01.01.2016 – 31.12.2016, kostenneutral verlängert bis 31.01.2017)
     
  • DFG EL 236/9-2 Teilprojekt 7 “Neural mechanisms of learning and extinction in visceral pain” in 2. Förderperiode der FOR 1581 ‘Extinction Learning: Neural Mechanisms, Behavioral Manifestations, and Clinical Implications’. (Projektleitung: Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch mit Prof. Dr. Sven Benson; 2014-2016)
     
  • DFG EL 236/8-2  Teilprojekt 5 “Placebo modulation of visceral pain processing: Effects of emotional context on placebo and nocebo responses in healthy volunteers” in 2. Förderperiode der FOR 1328 ‘Expectation and conditioning as basic processes of the placebo and nocebo response’. (Projektleitung: Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch mit Prof. Dr. Sven Benson; 2014-2016)
     
  • DFG-Forschergruppe FOR 1328 "Erwartungen und Konditionierung als Basisprozesse der Placebo- und Nocebo-Reaktion: Von der Neurobiologie zur klinischen Anwendung, Teilprojekt 5 "Effekte des emotionalen Kontexts auf die Placebo-Analgesie und Nocebo-Hyperalgesie in einem  viszeralen Schmerzmodells" (Leitung Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch; Kooperationspartner PD Dr. Sven Benson) (Start Oktober 2010; Verlängerung Oktober 2013)
     
  • DFG-Forschergruppe 1581 "Extinction Learning: Behavioural, Neural and Clinical Mechanisms", Teilprojekt 7 "Neural Mechanisms of Learning  and Extinction in Visceral Pain" (Leitung Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch; Kooperationspartner PD Dr. Sven Benson, Prof. Jost Langhorst, Integrative Gastroenterologie, Kliniken Essen-Mitte) (Start Januar 2011; Verlängerung November 2013) >> weitere Infos
     
  • BMBF Verbund „Geschlechtersensible Forschung in Epidemiologie, Neurowissenschaften und Genetik Tumorforschung“ (Wissenschaftliche Koordination Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin der Universität Bremen (BIPS)), Teilprojekt „Geschlechtersensible Kon­zepte in der Genetik/Tumorforschung (Leitung PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn) (Start Jan. 2011) >> weitere Infos
     
  • BMBF Kooperationsprojekt „Geschlechtersensible Lehrmodule in der Medizin“ (Leitung Prof. Dr. Dr. Bettina Pfleiderer, Universität Münster); Kooperationspartnerin PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn) (Start April 2011) >> weitere Infos
     
  • BMAS Projekt Gesunde und attraktive Arbeit für Altenpflegerinnen (Leitung Dr. Ute Pascher-Kirsch, RISP) (Start Juli 2012)

Die Forschung in diesem Cluster wurde flankiert und unterstützt von intensiven Vernetzungs­aktivitäten der EKfG-Geschäftsstelle im Rahmen der Initiative des Kollegs zum Aufbau eines interdisziplinären Expert(inn)en-Netzwerks zur Geschlechterforschung im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen. (2011-2012)

Ausgewählte Schnittpunkte zu bestehenden Forschungsinteressen

von Mitgliedern und assoziierten Mitgliedern des EKfG

  • Benson, Sven, Prof. Dr. (Medizinische Psychologie & Verhaltensimmunbiologie): Effekte von systemischen Entzündungsprozessen auf Schmerz und Stimmung unter Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden
  • Elsenbruch, Sigrid, Prof. Dr. (Medizinische Psychologie & Verhaltensimmunbiologie) Interozeption und viszeraler Schmerz, Placebo- und Noceboeffekte, Stress, Angst und Furcht, Schmerzbezogene Lern- und Gedächtnisprozesse
  • Gradl-Dietsch, Gertraud, PD Dr. med, MME (Kinder- und Jugendpsychiatrie): geschlechtsspezifische Aspekte im Bereich der Lehr- und Ausbildungsforschung, Geschlechterunterschiede im Bereich beruflicher Entscheidungsfindungen
  • Hinney, Anke, Prof. Dr. (Molekulargenetik von Adipositas und Essstörungen): Einfluss genetischer Varianten auf das Körpergewicht, Epigenetik der Gewichtsregulation
  • Kindler-Röhrborn, Andrea, PD Dr. (Pathologie): Experimentelle Tumorforschung
  • Kölsch, Bernd, Dr. (Pathologie): Tumorgenese 
  • Labrenz, Franziska, Dr. rer. nat. (Medizinische Psychologie & Verhaltensimmunbiologie): Lernen und Verlernen bei viszeralen Schmerzen, Effekte von Angst und Stress bei abdominellen Schmerzen 
  • Kreddig*, Nina, Dr..: Angst und Furcht im Rückenschmerz
  • Pfleiderer*, Bettina, Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. (Neurowissenschaften): Geschlechtersensible Medizin; Lehre und Weiterentwicklung, Onlineplattform: GenderMed-Wiki; Zentrale Verarbeitung von Juckreiz, Schmerz, Angst; Geschlechtseffekte bei Hirnfunktionen; Häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder; sexuelle Belästigung; Globale Frauengesundheit
  • Schara, Ulrike, Prof. Dr. (Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie)
  • Schmid, Kurt Werner, Prof. Dr. (Pathologie): Tumorgenese

* assoziierte Mitglieder

Ansprechpartner*innen

PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn
Institut für Pathologie, Arbeitsgruppe Molekulare Tumorprävention
 

Prof. Dr. Anke Hinney
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Im Interview

04.02.2021 | Stellvertretende EKfG-Direktorin im Interview Genforschung unterwegs zu geschlechtsabhängigen Krebstherapieoptionen

PD Dr. med. Andrea Kindler-Röhrborn, Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulargenetische Tumorpräventionsforschung (UK Essen) und Stellvertretende Direktorin des EKfG, spricht im Interview für den Newsletter "GendermedInfo" über Geschlechterunterschiede bei der Entstehung von Krebs.

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25.05.2020 | EKfG-Mitglied im Interview Wer und was diktiert den Schmerz? Die Gehirn-Darm-Achse ist eine Antwort

Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch, EKfG-Mitglied und Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, spricht im Interview für den aktuellen Newsletter "GendermedInfo" über Geschlechtsunterschiede in Bezug auf Schmerzen.

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©Essener Kolleg für Geschlechterforschung

23.03.2020 | Das EKfG präsentiert neue Projektreihe EKfG.PORTRAIT: Prof. Dr. Anke Hinney

Die neue EKfG-Projektreihe „EKfG.PORTRAIT“ präsentiert Forschungshighlights von Mitgliedern des Kollegs. Den Auftakt macht ein Interview mit Prof. Dr. Anke Hinney, Molekulargenetikerin am LVR-Klinikum Essen, Universität Duisburg-Essen und Mitglied im EKfG seit 2015.

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13.04.2013 | EKfG-Mitglied im Interview Frauen werden anders krank als Männer

EKfG-Mitglied PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn, Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulargenetische Tumorpräventionsforschung (UK Essen) und Stellvertretende Direktorin des EKfG spricht im Interview des Deutschlandfunks Kultur über das Querschnittsthema Gender-Medizin.

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22.02.2021 | Geschlechterforschung in der Medizin Wahlfach GenderMedizin am Universitätsklinikum Essen

Das durch EKfG-Mitglieder PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn und Prof. Dr. Anke Hinney initiierte Wahlfach GenderMedizin findet im Februar 2021 zum zweiten Mal statt. Neben 21 Lehrenden aus allen fünf Schwerpunkten der medizinischen Fakultät, die geschlechtspezifische Themen ihrer Forschung vorstellen, bietet EKfG-Mitglied Eva Wegrzyn, M. A.  eine Einführung zu "Gender als mehrdimensionales analytisches Konzept".

17.09.2020 | Beitrag zur Vortragsreihe Geschlechtermedizin Integration of gender in environment-related health research

Prof. Dr. Claudia Hornberg, Medizinische Fakultät OWL / Gründungsdekanin, Universität Bielefeld, ist der nächste Gast in der von PD Dr. Andrea Kindler Röhrborn, Prof. Dr. Anke Hinney und dem Essener Kolleg für Geschlechterforschung konzipierten Vortragsreihe Geschlechtermedizin.

02.03.2020 | EKfG-Mitglieder schaffen Raum für GenderMedizin Neues Wahlfach GenderMedizin - Ausschließlich positives Feedback

Das durch die EKfG-Mitglieder PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn und Prof. Dr. Anke Hinney initiierte Wahlfach GenderMedizin wurde vom 11. bis zum 21. Februar erstmals an der Medizinischen Fakultät angeboten - mit ausschließlich positivem Feedback. Insgesamt stellten 18 Lehrende aus allen fünf Schwerpunkten der Fakultät  geschlechtspezifische Themen ihrer Forschung vor. In Zukunft soll GenderMedizin fest im Curriculum verankert werden.

04.09.2019 | Forschung zu Körpergewicht wird weiter gefördert Verlängerung der Genderteildenomination für Prof. Dr. Anke Hinney

Die Medizinische Fakultät unterstützt die Forschungsarbeiten für weitere drei Jahre und freut sich gemeinsam mit dem Rektorat der Universität Duisburg-Essen über die Erfolge der ersten Förderperiode. Sie unterstützen die Genderdenomination nachhaltig. Die Medizinische Fakultät erzielt so ein bundesweit sichtbares Alleinstellungsmerkmal im Bereich der molekulargenetischen Forschung.

09.07.2019 | Beitrag zur Vortragsreihe Geschlechtermedizin GENOMICS OF PEDIATRIC ENDOCRINE TRAITS CONSIDERING SEX-SPECIFIC EFFECTS

Prof. Struan Grant und Dr. Diana Cousminer, Division of Human Genetics, Children’s Hospital of Philadelphia, Philadelphia, USA sind die nächsten Gäste in der von Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch, PD Dr. Andrea Kindler Röhrborn, Prof. Dr. Anke Hinney und dem Essener Kolleg für Geschlechterforschung konzipierten Vortragsreihe Geschlechtermedizin.

Vernetzungsprojekt (2011-2012) Interdisziplinäres ExpertInnen-Netzwerk zur Geschlechterforschung im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen

Die Bewältigung der medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen an unser Gesundheitssystem verlangt ein Gesundheitswesen, das den unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen und Bedürfnissen von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft gerecht wird. Die Forschung und Expertise derer, die mit ihrer Forschung zur Schärfung des geschlechtersensiblen Blicks sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Beschäftigte in Gesundheitsberufen beitragen, wird daher immer wichtiger.
Vor diesem Hintergrund hat das Essener Kolleg für Geschlechterforschung den Aufbau eines interdisziplinären ExpertInnen-Netzwerks zur Geschlechterforschung im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen vorgeschlagen. Ziel des Netzwerks war es, in Nordrhein-Westfalen beforschte Grundlagen systematisch zu erfassen und sichtbar zu machen und Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten, die in und außerhalb der Hochschulen zu Themen der Geschlechterforschung im Gesundheitswesen arbeiten, zu vernetzen.
In einem ersten Schritt wurde dazu gefördert durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen im Förderzeitraum eine ExpertInnen-Datei aufgebaut.