Geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung - Geschlechtergerechtes Gesundheitswesen

Abstract

Sowohl das biologische Geschlecht als auch soziokulturelle Geschlechterrollen (Gender) spielen in der Medizin eine bedeutende Rolle. Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Inzidenz von Erkrankungen und dem Erkrankungsalter, sondern auch in Hinblick auf Erkrankungsverläufe und dem Ansprechen auf unterschiedliche Therapien. Die Geschlechterunterschieden zugrunde liegenden Ursachen und deren pathophysiologische Relevanz rücken zunehmend in den Fokus aktueller Forschungsaktivitäten. Trotzdem bleiben Geschlechteraspekte sowohl in der biomedizinischen Forschung als auch in der klinischen Medizin unzureichend berücksichtigt. Dementsprechend ist die Bedeutung des Geschlechts nicht konsequent in die universitäre Ausbildung von Medizinstudierenden sowie Fort- und Weiterbildungen von Ärztinnen und Ärzten integriert. Das Thema Geschlecht spielt jedoch nicht nur bei Erkrankten und deren Therapie eine maßgebliche Rolle, sondern ist auch für die Leistungsträger der medizinischen Versorgung in hohem Maße relevant und betrifft auch die an der Versorgung von Patientinnen und Patienten beteiligten Berufsgruppen. So ist der Großteil der Medizinstudierenden heute weiblich und auch der Pflegeberuf wird überwiegend von Frauen ausgeübt. Auch in vielen medizinnahen Berufen sind überwiegend Frauen tätig. Diesem Umstand wird in den nach wie vor überwiegend männlich geprägten Führungs- und Organisationsstrukturen nicht ausreichend Rechnung getragen. Die interdisziplinären Forschungsprojekte am EKfG leisten einen wichtigen Beitrag zu einer geschlechtergerechteren Gesundheitsversorgung in unserem Gesundheitssystem.

Mehr zum Thema Gender-Medizin erfahren Sie in dem folgenden Interview mit EKfG-Mitglied PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn: "Frauen werden anders krank als Männer" - 13. April 2013, Deutschlandradio Kultur

Aktuelle Themenfelder

  • Entwicklung geschlechtergerechter Therapieoptionen bei Tumoren der Schilddrüse im Tiermodell
  • Psychobiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der zentralnervösen Verarbeitung viszeraler Schmerzen
  • Geschlechterunterschiede in der Stressbelastung und Krankheitsverarbeitung bei MelanompatientInnen
  • Effekte des Geschlechts auf Lern- und Gedächtnisprozesse bei der Furchtkonditionierung

Ausgewählte Projekte von Mitgliedern

  • BMBF Verbund „Geschlechtersensible Forschung in Epidemiologie, Neurowissenschaften und Genetik Tumorforschung“ (Wissenschaftliche Koordination Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin der Universität Bremen (BIPS)), Teilprojekt „Geschlechtersensible Kon­zepte in der Genetik/Tumorforschung (Leitung PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn) (Start Jan. 2011) >> weitere Infos

Die Forschung in diesem Cluster wird flankiert und unterstützt von intensiven Vernetzungs­aktivitäten der EKfG-Geschäftsstelle im Rahmen der Initiative des Kollegs zum Aufbau eines interdisziplinären Expert(inn)en-Netzwerks zur Geschlechterforschung im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen.

Ausgewählte Schnittpunkte zu bestehenden Forschungsinteressen

von Mitgliedern und assoziierten Mitgliedern des EKfG

  • Benson, Sven, Prof. Dr. (Medizinische Psychologie & Verhaltensimmunbiologie): Schmerz, Stress, Krankheitsverarbeitung
     
  • Elsenbruch, Sigrid, Prof. Dr. (Medizinische Psychologie & Verhaltensimmunbiologie)
     
  • Hinney, Anke, Prof. Dr. (Molekulargenetik von Adipositas und Essstörungen): Einfluss genetischer Varianten auf das Körpergewichte, Epigenetik der Gewichtsregulation
     
  • Kindler-Röhrborn, Andrea, PD Dr. (Pathologie): Experimentelle Tumorforschung
     
  • Klammer, Ute, Prof. Dr. (Politikwissenschaften, insbes. Sozialpolitik): Begleitung von Promotionsvorhaben zu Pflegemigration, Frauen in der Medizin
     
  • Kölsch, Bernd, Dr. (Pathologie): Tumorgenese
     
  • Labrenz, Franziska, Dr. rer. nat. (Medizinische Psychologie & Verhaltensimmunbiologie): Lernen und Verlernen bei viszeralen Schmerzen, Effekte von Angst und Stress bei abdominellen Schmerzen
     
  • Krajewski, Christin, M.Sc. PH (Medizinische Psychologie & Verhaltensimmunbiologie): Psychosoziale Aspekte bei MelanompatientInnen
     
  • Kreddig*, Nina, Dipl.-Psych.: Angst und Furcht im Rückenschmerz
     
  • Motakef*, Mona, Dr. (Soziologie): Soziologie der Körper
     
  • Pascher-Kirsch*, Ute, Dr. (bis 2015) (Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung): Berufliche Selbstständigkeit von Frauen in der Pflegebranche, Interkulturelle Pflege
     
  • Schmid, Kurt Werner, Prof. Dr. (Pathologie): Tumorgenese
     
  • Sera, Stephanie, M.A. (Philologie, Gender Studies): Reisende Hermaphroditen und die Entstehung wissenschaftlicher Tatsachen im 19. Jahrhundert (Promotionsvorhaben)
     
  • Shire, Karen, Prof. Ph. D. (Soziologie): Steuerpolitik und haushaltsnahe Dienstleistungen
     
  • Vader, Sarah, M.A. (Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin, Kliniken Essen-Mitte, Medizinische Fakultät Universitätsklinikum Essen) How Women Change Medicine; A Case Study in a German Hospital (Promotionsprojekt)

* assoziierte Mitglieder

Vernetzungsprojekt

"Interdisziplinäres ExpertInnen-Netzwerk zur Geschlechterforschung im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen"

Die Bewältigung der medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen an unser Gesundheitssystem verlangt ein Gesundheitswesen, das den unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen und Bedürfnissen von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft gerecht wird. Die Forschung und Expertise derer, die mit ihrer Forschung zur Schärfung des geschlechtersensiblen Blicks sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Beschäftigte in Gesundheitsberufen beitragen, wird daher immer wichtiger.

Vor diesem Hintergrund hat das Essener Kolleg für Geschlechterforschung den Aufbau eines interdisziplinären ExpertInnen-Netzwerks zur Geschlechterforschung im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen vorgeschlagen. Ziel des Netzwerks ist es, in Nordrhein-Westfalen beforschte Grundlagen systematisch zu erfassen und sichtbar zu machen und Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten, die in und außerhalb der Hochschulen zu Themen der Geschlechterforschung im Gesundheitswesen arbeiten, zu vernetzen.

In einem ersten Schritt wurde dazu gefördert durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen im Förderzeitraum eine ExpertInnen-Datei aufgebaut.