Informationen zum Forschungsprojekt

Tarifverbände als migrationspolitische Akteure – Ein Mehrebenvergleich deutscher und französischer Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften

Globalisierung, demografischer Wandel, Arbeitskräftemangel, europäische Integration und die verstärkten Fluchtbewegungen der letzten Jahre haben zu einer Neubewertung des Verhältnisses von Migration und Arbeit geführt. Erwerbsarbeit gilt zunehmend als zentrale Voraussetzung für die Aufenthaltsgewährung und den Staatsbürgerschaftserwerb. Damit verbunden ist eine migrationspolitische Aufwertung der Tarifvertragsparteien, die über ihre vielfältigen Eingriffsmöglichkeiten auf politischer, tariflicher und betrieblicher Ebene auf die wirtschaftliche und sozialen In- bzw. Exklusion von Migrant*innen einwirken.

Vor diesem Hintergrund analysiert das Forschungsvorhaben in vergleichender Perspektive die Arbeitsmigrationspolitiken deutscher und französischer Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften mit Blick auf Zuwanderungsregulierung, arbeitspolitische Integration und verbandliche Repräsentation von Arbeitsmigrant*innen. Die Analyse differenziert dabei drei Dimensionen: die nationalen, branchenbezogenen und lokalen/betrieblichen Handlungsebenen der Verbände; den Fokus auf zwei Branchen der Metall- und Elektroindustrie sowie des Reinigungsgewerbes; und schließlich die Einbeziehung verschiedener Kategorien von Arbeitsmigrant*innen wie Staats-/Volks-, EU-, Drittstaatsangehörige, Geflüchtete und Irreguläre. Der Vergleich beider Länder als kontrastierende Fälle ermöglicht sowohl die Analyse der kausalen Mechanismen in den Strategien und Ergebnissen der verbandlichen Politiken als auch eine Unterscheidung zwischen länderspezifischen und länderübergreifenden Faktoren.

Fragestellung

Das Vorhaben untersucht wie, warum und mit welchen sozialen Folgen die Tarifverbände in diesem Politikfeld und in diesen Vergleichsdimensionen agieren. Die Frage des „Wie“ zielt sowohl auf die jeweiligen Handlungsebenen als auch auf die Handlungsrepertoires und -ressourcen der Verbände sowie ihre Interessen, Ziele und Strategien. Die Frage des „Warum“ richtet das Augenmerk auf die zentralen Faktoren, mit denen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten im verbandlichen Handeln erklären lassen. Die Frage der sozialen Folgen analysiert die Rolle der Tarifparteien im Politikfeld und ihren Beitrag zur Regulierung des Arbeitsmigrationsregimes.

Vorgehen

Im Zentrum des methodischen Vorgehens steht die Erschließung organisationalen Wissens der Verbände durch Expert*inneninterviews, die wegen der fragmentarischen Befundlage des Untersuchungsgegenstandes sowohl explorativ als auch systematisierend und theoriegenerierend angelegt sein sollen. Experteninterviews werden auf den verschiedenen Handlungseben der einbezogenen Tarifverbände in beiden Ländern durchgeführt. Die Forschungsergebnisse werden zunächst in Form von Verbandsfallstudien für die jeweiligen Länder zusammengefasst. Darauf aufbauend werden Branchen- und Länderfallstudien erstellt, die dann in einer vergleichenden Analyse zusammengeführt werden.

Projektdaten

Laufzeit des Projektes
01.07.2025 - 30.06.2028

Forschungsabteilung
Arbeitszeit und Arbeitsorganisation

Leitung:
Prof. Dr. Thomas Haipeter

Bearbeitung:
Kyriakos Melidis

Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)