Formen politischer Steuerung im Wandel Government und Governance

Im Fokus dieses Forschungsschwerpunktes stehen Prozesse des Wandels im Hinblick auf Modi politischer Steuerung, aber auch Einflussnahme im inner- wie zwischenstaatlichen Bereich. Verbindliches Entscheiden im formalen Rahmen hierarchischer „government"-Strukturen mit Regierungen und Verwaltungen als dominanten Akteuren verliert in fast allen Gesellschaften der Gegenwart an Bedeutung und wird - je nach Systemkontext, Handlungsebene und Politikfeld mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in verschiedenartigen Ausprägungen - ersetzt oder zumindest ergänzt durch „governance": komplexe Abstimmungs-, Koordinations- und Verhandlungsprozesse in plurizentrischen Netzwerkstrukturen, an denen neben staatlichen auch private Akteure partizipieren und die häufig mehrere politische Handlungsebenen umfassen - von lokal über national und regional bis global.

Erforscht wird, wie auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Politikfeldern die Herausforderungen bewältigt werden, die sich hieraus für die Problemlösungsfähigkeit und Effizienz, aber auch Handlungstransparenz und Verantwortlichkeit politischer Akteure und Institutionen ergeben. Dabei geht es auch um institutionalisierte Formen der Konfliktaustragung, als zentrale Mechanismen, um das (friedliche) Zusammenleben in Gesellschaften zu regeln. Ein besonderes Augenmerk gilt fragilen Staaten: Sie sind im Gegensatz zu konsolidierten Staaten dadurch gekennzeichnet, dass die Bearbeitung von Konflikten häufig gewaltsame Formen annimmt. Gewaltsam ausgetragene Konflikte können Entwicklungsprozesse zum Scheitern bringen, mit dem Wandel politischer Identitäten einhergehen und zur Fragmentierung von Staaten sowie zur Auflösung ganzer Gesellschaften führen.

Vor allem transnationale Gewaltkonflikte prägen in zunehmendem Maße die internationale Politik und stellen eine neue Herausforderung für Staaten, Regierungen und internationale Organisationen dar. Daher geht es in diesem Forschungsfeld auch darum zu fragen, wie man zu friedlichen Formen des Konfliktaustrags gelangen kann, und Akteure und Strategien zu identifizieren, die den Wandel von Gesellschaften und deren ökonomische und soziale Entwicklung positiv beeinflussen können. Insgesamt reichen die untersuchten Themen im Schwerpunkt „Government und Governance" von Phänomenen der „global governance" über Probleme der Verwaltungsmodernisierung und „local governance" einschließlich des Einsatzes neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) und Managementprobleme des Regierens bis zu Aspekten von „urban governance" in zentralen Problemfeldern der Stadtpolitik. Auch der Einsatz strategischer Kommunikation zur Erzeugung von Folgebereitschaft Entscheidungsbetroffener ist ein hier interessierendes Forschungsfeld.

Abgeschlossene Projekte

Normbildung und Interventionsverhalten-Erklärungsmodelle für den Wandel von Steuerungsformen im Umgang mit Krisenstaaten:Die geplante DFG-Forschergruppe will die Herausbildung neuer Interventionsnormen und –verhaltensweisen nationalstaatlicher Akteure und multilateraler Organisationen aus einer vergleichenden Perspektive untersuchen. Hierdurch soll ein Beitrag zu der lebhaften Debatte über Normentwicklung und –verbreitung geleisten werden, die die politikwissenschaftliche Disziplin der Internationalen Beziehungen seit dem Beginn der 1990er Jahre prägt. Projektleitung: Prof. Dr. Tobias Debiel Mehr...

Educational Governance - Qualitätsprogramme und Governance-Strukturen im Bildungs- und Erziehungssystem: Im Rahmen einer Vorstudie wird ein Projektdesign zur empirisch-analytischen und vergleichenden Untersuchung des Zusammenhang zwischen Qualitätsprogrammen und Strukturen („Educational Governance") in den Politikfeldern Jugendhilfe und Schule. Es geht die Bedeutung und Veränderung von Handlungspotenzialen im Mehrebenensystem, Akteurskonstellationen und Mechanismen der Handlungskoordination. Projektleitung: Dr. Sybille Stöbe-Blossey Mehr..,

Initiierung und Vorbereitung eines europäischen Forschungsnetzwerkes zum Thema "Aktives Altwerden in der Migration": Das Projekt thematisiert den Einfluss von Migration auf die europäischen Einwanderungsgesellschaften und die Gestaltung des aktiven Altwerdens von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Dies soll mit einem Forschungsnetzwerk, dass die betroffene Bevölkerungsgruppe mehr in den Fokus von Politik und Gesellschaft bringt und sie aktiv an ihrer eigenen Integration und Partizipation beteiligt, geschehen. Projektleitung: Dr. Ute Pascher, Dr. Hans Uske  Mehr...

Determinanten der Stabilität und Instabilität autoritärer Regime: Im Gegensatz zur demokratischen Konsolidierung wird in Bezug auf autoritäre Systeme nur selten von einem Konsolidierungskonzept gesprochen. Entsprechend sind die Faktoren, die die Stabilität von autoritären Systemen beeinflussen, bislang nur wenig erforscht. Bisherige Ansätze ziehen die Institutionalisierung des Führungswechsels und den teilweise vorhandenen Wettbewerb innerhalb von Parlamenten als Erklärungen für stabile autoritäre Systeme heran. Darauf aufbauend wird in dem Forschungsprojekt "Autoritäre Konsolidierung" untersucht, welche Faktoren und Faktorenbündel auf welche Weise die Bestandsfähigkeit autoritärer Systeme beeinflussen. Dabei wird der Responsivität von autoritären Regierungen ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Projektleitung: Dr. Christian Göbel, Dr. Daniel Lambach Mehr...

Interventionen im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik: NATO-Partner als Bremser und neutrale EU-Staaten als Außenseiter? Mit der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) will die Europäische Union (EU)  als "globaler Akteur" agieren. Die ESVP kann nach der "Berlin Plus-Vereinbarung" auf Fähigkeiten der NATO zurückgreifen. Die Konflikte zwischen der Türkei und Zypern blockieren das allerdings. Wie sieht es also mit der Handlungsfähigkeit der ESVP aus? Und wie gestaltet sich die Normbildung bei zivilen und militärischen ESVP-Operationen: Konvergieren nationale Wahnehmungen, strategische Zielvorstellungen und Legitimationsmuster im Sinne von Europäisierungsprozessen?  Projektleitung: Prof. Dr. Hans-Jürgen Axt 

Das „Student Exchange Programme in Human Security (SEPHS)" dient dem Austausch von Studierenden und ermöglicht Kurzzeitaufenthalte von Lehrenden. Es basiert auf Vereinbarungen zwischen den europäischen Universitäten Graz (Prof. Wolfgang Benedek), Ljubljana (Prof. Bojko Bucar) und Duisburg-Essen (Prof. Tobias Debiel) mit den folgenden kanadischen Hochschulen: University of British Columbia (Prof. Brian Job), Université du Québec à Montréal (Prof. Peter Leuprecht) und University of Winnipeg (Ass. Prof. Samantha Arnold), EU Transatlantic Student Exchange Partnership, 2007-2010, Prof. Dr. Tobias Debiel. Das Projekt wird vom  Europäisch-Kanadischen Partnerschaftsprogramm finanziert. Mehr...

„Bürokratisierung durch Europäisierung", DFG, 1999-2003, Prof. Dr. Dieter Grunow Mehr...

„Politische Reform- und Demokratisierungsdiskurse im Lichte neuer Prozesse regionaler Gemeinschaftsabildung in Ost- und Südostasien", DFG, 2000-2003, Prof. Dr. Thomas Heberer Mehr...

„Dynastien und politische Führerinnen in Asien", DFG, 2003-2006, PD Dr. Claudia Derichs Mehr...

„Wirtschaftsinformation und Stabilität", DFG, 2002-2005, Dr. Doris Fischer Mehr...

„Japan: Raumwirksame Baulobbytätigkeit im Spannungsfeld zwischen systemischer Stabilität und nachhaltiger Regionalentwicklung", DFG, 2002-2004, Prof. Dr. Winfried Flüchter Mehr...

"Stabilität trotz unklarer Verfügungsrechtsstrukturen? Ländliche Unternehmen in der VR China als Herausforderung für die Property-Rights-Theorie", DFG, 2002-2006, Prof. Dr. Markus Taube Mehr...

„Staatsverfall als friedens- und entwicklungspolitische Herausforderung: Wie können Gewaltstrukturen transformiert und Governance-Ansätze gestärkt werden?", Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF), 2005-2006, Prof. Dr. Tobias Debiel 

„Konfliktbeilegung durch Europäisierung? Griechenland und seine Nachbarn Mazedonien und Türkei", Volkswagen Stiftung, 2005-2007, Prof. Dr. Heinz-Jürgen Axt 

„Dienstleistungen in der Sozialen Arbeit zwischen Verwaltungsreform und professionellem Handeln", DFG, 2005-2007, Dr. Sybille Stöbe-Blossey Mehr...

„Kampagnendynamik 2005. Eine Rolling Cross-Section/Panel-Studie zu den Wirkungen des Wahlkampfes bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005", DFG, 2005-2008, Prof. Dr. Rüdiger Schmitt-Beck Mehr...

„Herstellung und Sicherung kollektiv verbindlicher politisch-administrativer Entscheidungen im Rahmen eines Kommunalisierungsprozesses", DFG, 2005-2007, Prof. Dr. Dieter Grunow Mehr...

„Wahlen, Partizipation und soziale Stabilität in Chinas Dörfern und städtischen Wohnvierteln", DFG, 2002-2007,  Prof. Dr. Thomas Heberer Mehr...

 

Forschungsbericht

Der Forschungsbericht 2019 präsentiert die Highlights der Forschung der Profilschwerpunkte und ausgewählter Institute, eine Online-Version des Beitrags des PSP Wandel ist hier abrufbar. Dort befinden sich auch unsere Forschungsberichte seit 2007 im Archiv.

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