IAQ Pressemitteilung

Pressemitteilung vom 15.09.2026 | Redaktion: Katja Goepel

Arbeit schützt nicht vor Ausgrenzung

IAQ untersucht Arbeitsmarktlage von EU-Bürger*innen im Ruhrgebiet

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist in Deutschland zwischen 2014 und 2025 stark gewachsen. Ein großer Teil des Anstiegs geht auf Menschen ohne deutschen Pass zurück, darunter Zugewanderte aus Rumänien und Bulgarien. Doch trotz Job werden viele von ihnen an den Rand des Arbeitsmarktes gedrängt. Das zeigt ein neuer Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.

Für seinen Report wertete IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Thorsten Schlee Bevölkerungsdaten aus der Ausländerstatistik und Beschäftigtendaten der Bundesagentur für Arbeit (BA) aus. Sein Fokus lag auf Zugewanderten aus Rumänien und Bulgarien in Nordrhein-Westfalen, speziell dem Ruhrgebiet. Für diese Gruppe hat die Bundesagentur für Arbeit eine Sonderauswertung erstellt.

Demnach waren 2024 in Deutschland rund 2,6 Mio. EU-Bürger*innen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon 690.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien. Allein in den elf kreisfreien Städten des Ruhrgebiets leben etwa 22.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aus diesen beiden Ländern. Die Sonderauswertung der BA zeigt aber auch: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten aus Rumänien und Bulgarien arbeiten im Niedriglohnbereich. Sie sind weit überproportional häufig auf Helfer*innenniveau tätig, insbesondere in der Leiharbeit, der Logistik und dem Baugewerbe.

Trotz sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung bleiben viele Menschen abhängig von sozialen Leistungen, wie dem Wohngeld oder dem Kinderzuschlag. Einen Anspruch auf SGB-II-Leistungen, wie die neue Grundsicherung, haben europäische Bürger*innen erst nach fünfjährigem legalen Aufenthalt in Deutschland. Dies setzt Zugewanderte zusätzlich unter Druck, auch zu schlechten Bedingungen zu arbeiten.

Eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung allein bedeutet deshalb noch keine gesellschaftliche Teilhabe. „Die prekäre Lage zahlreicher Migrant*innen wird in der Bundesrepublik produziert. In einer Studie in Duisburg konnten wir bereits 2024 zeigen, dass prekäre Beschäftigung, die schwierigen Wohnsituationen und ein erschwerter Zugang zu sozialen Leistungen sich gegenseitig verstärken und gesellschaftliche Ausgrenzung begünstigen“, so Schlee.

Um dem entgegenzuwirken, brauche es Verbesserungen in der Bildungs-, Integrations- und vor allem in der Sozialpolitik. Entscheidend sei dabei die Qualität der Arbeit. Dass sich prekäre Beschäftigungsbedingungen politisch beeinflussen lassen, zeigt für Schlee die Fleischindustrie: „Dort wurde Leiharbeit gesetzlich eingeschränkt. Solche Ansatzpunkte gibt es auch in anderen Bereichen.“

Publikation:
Thorsten Schlee, 2026. Desintegration durch Arbeit? Die Arbeitsmarktlage von Menschen aus Rumänien und Bulgarien im Ruhrgebiet. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2026-09.

Weitere Informationen:
Dr. Thorsten Schlee, Inst. Arbeit und Qualifikation, Universität Duisburg-Essen, z.Z. Hochschule Niederrhein, thorsten.schlee@hs-niederrhein.de