Informationen zum Forschungsprojekt

Vergleiche in dezentralisierten Verhandlungen: Auf dem Weg zu neuen Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten?

Ziele

Das Projekt CODEBAR befasst sich aus einer multidisziplinären und Mehrebenen-Governance-Perspektive mit den Reaktionen der Sozialpartner auf die Dezentralisierung von Tarifverhandlungen und der zunehmenden Einbeziehung der betrieblichen Arbeitnehmervertretungsgremien in acht EU-Mitgliedstaaten: Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Niederlande, Irland, Polen und Schweden. Koordinierender Partner ist das AIAS aus den Niederlanden. CODEBAR untersucht dabei die Strategien von - und die neuen Beziehungen zwischen - Gewerkschaften und Betriebsräten (oder anderen betrieblichen Arbeitnehmervertretungsgremien) in Verhandlungen über Beschäftigungsbedingungen. Das Projekt wird die Ergebnisse dieser Analysen unter den Sozialpartnern und politischen Entscheidungsträgern auf EU-, nationaler, sektoraler und Unternehmensebene verbreiten, um den Informationsaustausch und den sozialen Dialog über Unternehmensverhandlungen und über (innovative) partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten oder anderen betrieblichen Arbeitnehmervertretungsgremien zu fördern.

Forschungsfragen

CODEBAR wird die folgenden drei Hauptfragen in den 8 Ländern und in länderübergreifender vergleichender Perspektive beantworten:

  1. Welche Möglichkeiten und Grenzen für Verhandlungen auf Unternehmensebene sehen die Rechtssysteme und in die Tarifverhandlungssysteme vor? Und welchen Einfluss haben damit verbundene (ein- und zweikanalige) Systeme der Arbeitnehmervertretung?
  2. Was sind die (neuen) Strategien von Arbeitgebern, Gewerkschaften und betrieblichen Gremien der Arbeitnehmervertretung in dezentralisierten Unternehmensverhandlungen über Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen? Und lassen sich neue Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten (oder anderen betrieblichen Gremien der Arbeitnehmervertretung) beobachten?
  3. Was sind die jüngsten Ergebnisse dieser (neuen) Unternehmensverhandlungspraktiken in Bezug auf:
    1. (Nicht-)Existenz einer Vereinbarung,
    2. Rechtsgrundlagen und rechtliche Ergebnisse von Betriebsvereinbarungen,
    3. Ausgewogenheit bei Verhandlungsprozessen und Streitigkeiten zwischen einzelnen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern,
    4. die relativen Niveaus/Standards in den vereinbarten Beschäftigungsbedingungen,
    5. Konsens oder Konflikte in den Interaktionen zwischen einzelnen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern sowie zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten oder anderen betrieblichen Gremien der Arbeitnehmervertretung.

Methoden

CODEBAR wendet einen Mixed-Methods Ansatz an:

  • Schreibtischrecherche der verfügbaren sozialrechtlichen Literatur und der einschlägigen Rechtsprechung zu Tarifverhandlungen und Arbeitnehmervertretung sowie zu Berichten nationaler und europäischer Institutionen/Agenturen und der Sozialpartner in den Ländern zu dezentralisierter Kollektivverhandlungen und Mitbestimmung/Arbeitnehmerbeteiligung (und deren Wechselbeziehungen);
  • Semi-strukturierte Interviews mit Interessenvertretern in betrieblichen Fallstudien über Strategien, Aktionen und Erfahrungen in der Praxis dezentralisierter Tarifverhandlungen, gegebenenfalls auch halbstrukturierte Interviews mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden auf nationaler und sektoraler Ebene.
  • Validierung der Ergebnisse mit Sozialpartnerorganisationen in den 8 Ländern in nationalen Workshops und mit Sozialpartnern aus einem breiteren Spektrum von Mitgliedstaaten auf der Abschlusskonferenz (zusätzliche Verpflichtungen von Industrie-All und ETUI auch auf der Halbzeittagung).
  • Erstellung von nationalen Berichten in den 8 Ländern.
  • Erstellung eines länderübergreifenden Vergleichsberichts und gemeinsame Diskussion innerhalb des Konsortiums aus allen an CODEBAR beteiligten Forschern und Sozialpartnerorganisationen.
  • Erstellung eines eBooks als Follow-up zu den 8 nationalen Berichten und dem vergleichenden Bericht, um die wichtigsten akademischen und praktischen Implikationen der Ergebnisse hervorzuheben und die wichtigsten Herausforderungen dezentralisierter Verhandlungen für die kommenden Jahre zu formulieren.

Vorträge zum Projekt

Prof. Dr. Thomas Haipeter, Dr. Sophie Rosenbohm: Comparatives in Decentralised Bargaining in Europe: Germany. ILERA World Congress, Lund, Sweden, 23.06.2021

Projektdaten

Laufzeit des Projektes
01.09.2020 - 31.08.2022

Forschungsabteilung
Arbeitszeit und Arbeitsorganisation

Leitung:
Prof. Dr. Thomas Haipeter

Bearbeitung:
Dr. Sophie Rosenbohm

Finanzierung:
EU