Informationen zum Forschungsprojekt

Evaluation Familienzentren

Ziel

In Nordrhein-Westfalen werden seit 2006 Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren weiterentwickelt. Mit dem Ziel einer angemessenen Unterstützung von Kindern und deren Familien im Sozialraum kooperieren diese Zentren mit Partnern bspw. aus der Familienberatung und -bildung sowie dem Gesundheitsbereich und machen dazu eigene Angebote. Sie übernehmen häufig auch eine Lotsenfunktion, indem sie bei Bedarf Familien an eine für sie passende Stelle weiterleiten. Die einzelnen Familienzentren entwickeln auf der Grundlage eines vom Land Nordrhein-Westfalen vorgegebenen Gütesiegels ein ihrem Sozialraum angemessenes Angebot. Sie werden nach dem Gütesiegel zertifiziert, alle vier Jahre re-zertifiziert und erhalten eine jährliche Landesförderung.

Im Jahr 2018 wurde im Auftrag des Ministeriums für Kinder, Familie und Flüchtlinge des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI) eine Evaluation über die Entwicklung der Familienzentren durchgeführt. Ziel war dabei, die aktuelle qualitative Gestaltung und Wirkung der Familienzentren gerade auch vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen zu eruieren, die quantitative und qualitative Entwicklung der Familienzentren seit der Pilotphase 2006/2007 vor allem anhand vorliegender Berichte und Veröffentlichungen und der Ergebnisse der ersten wissenschaftlichen Begleitung nachzuvollziehen, zu analysieren und mit der aktuellen Situation zu vergleichen sowie Empfehlungen für die zukünftige Weiterentwicklung der Familienzentren zu geben. Den Kern der Evaluation bildeten qualitative Erhebungen in den Familienzentren sowie bei Eltern, Koordinierungsstellen, Kita-Trägern und Kooperationspartnern. Ergänzt wurden diese qualitativen Erhebungen durch quantitative Analysen der Entwicklung auf der Grundlage vorhandener Materialien sowie durch eine Online-Befragung der nordrhein-westfälischen Jugendämter.

Vorgehen

In Modul 1 wurden zunächst vorhandene Materialien ausgewertet, um vorliegende Informationen für die Evaluation nutzbar zu machen und Veränderungen und Entwicklungstrends der letzten zehn Jahre identifizieren zu können.

Modul 2 stellte die einzelnen Familienzentren in den Mittelpunkt und enthielt eine qualitative Untersuchung von Fallbeispielen. Für die Untersuchung wurde auf der Grundlage von eigenen Recherchen und von Vorschlägen der Träger eine Stichprobe von 36 Familienzentren gebildet, die unterschiedliche Regionen und Gebietstypen, Sozialräume und Träger einbezog. In jedem Familienzentrum wurde ein ausführliches Interview mit der Leitung durchgeführt; in knapp der Hälfte der ausgewählten Familienzentren gab es ergänzende telefonische Elternbefragungen in Form von jeweils ca. vier bis fünf leitfadengestützten Kurzinterviews. In acht Familienzentren unterschiedlichen Typs erfolgten vertiefende Fallanalysen, bei denen die Inhalte der Leitungsbefragungen durch die Auswertung von schriftlichen Dokumenten sowie durch je zwei Interviews mit Mitarbeiter/inne/n des Familienzentrums und mit je zwei Vertreter/inne/n von Kooperationspartnern ergänzt wurden.

In Modul 3 ging es vor allem darum, das Wissen von Expert/inn/en über die Entwicklung der Familienzentren, über ihre Rolle und ihre Beiträge in der örtlichen Familien- und Präventionspolitik, über ihre Wirkungen, über Stärken und Schwächen und über Zukunftsperspektiven nutzbar zu machen. Dies geschah zum einen über eine Online-Befragung aller nordrhein-westfälischen Jugendämter, zum anderen über Expertenrunden, in denen die Perspektiven von für Familienzentren und von für andere Programme zuständigen Koordinierungsstellen, von Trägervertreter/inne/n und von unterschiedlichen Kooperationspartner/inne/n in Form von Gruppendiskussionen erhoben wurden. In diesem Kontext fand auch eine Expertendiskussion im Beirat der Zertifizierungsstelle Familienzentren statt, der die Evaluation eng begleitet hat.

Modul 4 beinhaltete eine übergreifende Auswertung der Ergebnisse unter Einbeziehung einer Stärken-Schwächen-Analyse, einer (anonymisierten und idealtypischen) Darstellung von Beispielen guter Praxis, einer Kostenabschätzung für mögliche Maßnahmen und der Entwicklung von Empfehlungen. Modul 5 umfasste die Erstellung eines Zwischen- und eines Endberichts sowie die Diskussion von Ergebnissen.

Der Evaluationsbericht wurde im Sommer 2019 dem Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen zur Kenntnis gegeben. Auf der Grundlage der Evaluationsergebnisse wurde das Gütesiegel für Familienzentren überarbeitet, aktualisiert und um sozialraumorientierte Komponenten ergänzt.

Publikationen zum Projekt

Stöbe-Blossey, Sybille / Hagemann, Linda / Klaudy, Katharina / Micheel, Brigitte / Nieding, Iris, 2019: Evaluation Familienzentren NRW. Abschlussbericht sowie Kurzfassung vom 28.05.2019. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation | Lesen

Stöbe-Blossey, Sybille, 2018: Betreuungsmodelle in der frühkindlichen Bildung. Stellungnahme zur Anhörung des Ausschusses für Familie, Kinder und Jugend am 19. April 2018. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Standpunkt 2018-02 | DOI-Link| Info | Lesen

Stöbe-Blossey, Sybille, 2015: Familienzentren in Nordrhein-Westfalen. Aktuelle Entwicklungen. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2015-01 | DOI-Link| Info | Lesen

Stöbe-Blossey, Sybille, 2011: Familienzentren in Nordrhein-Westfalen: eine Zwischenbilanz. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2011-06 | DOI-Link| Info | Lesen

Stöbe-Blossey, Sybille , 2010: Familienzentren in Nordrhein-Westfalen: neue Wege in der Erbringung und Steuerung sozialer Dienstleistungen. In: Sozialer Fortschritt 59 (4), S. 113-118

Vorträge zum Projekt

Dr. Brigitte Micheel: Familienzentren und Prävention - Ergebnisse aus der Evaluation 2018 und die Umsetzung im Gütesiegel. Online-Fachtag "P wie Prävention: Familienzentren als Teil kommunaler Präventionsketten", Online, LVR, 10.11.2021  Vortragsfolien  Weitere Informationen

Prof. Dr. Sybille Stöbe-Blossey, E. Katharina Klaudy: Familienzentren im Kontext kommunaler Präventionsstrukturen. LWL-Vernetzungstagung „Von Anfang an – Frühe Hilfen und Familienzentren“, 29.10.2019  Vortragsfolien

Dr. Claudia Weinkopf, Christin Stiehm: Innovative Tarif- und Gewerkschaftspolitik im Wach- und Sicherheitsgewerbe. GIRA-Jahrestagung, Schwerpunktthema: Konflikte in den industriellen Beziehungen. Duisburg, German Industrial Relations Association (GIRA), 20.10.2017

Dr. Claudia Weinkopf: Variety of Industrial Relations and Collective Bargaining in German Low-Wage Industries. Interdisciplinary Meeting "Social Production of Job (In)security in the Post-industrial Society". Leuven, CIRTES and UCL, 25.09.2015

Dr. Claudia Weinkopf : Der Faktor Mensch - Höhere Performance bei Fluggastkontrollen durch neue Strategien und Verfahren für die Auswahl, Aus- und Fortbildung von Kontrollpersonal (DEFAKTOS), zusammen mit Prof. Dr. Boris Suchan (Ruhr-Universität Bochum). BMBF-Fachworkshop "Sicherheit im Luftverkehr". Düsseldorf, Maritim-Hotel, Bundesministerium für Bildung und Forschung, 08.07.2013

Projektdaten

Laufzeit des Projektes
05.12.2017 - 31.12.2018

Forschungsabteilung
Bildung, Entwicklung, Soziale Teilhabe

Leitung:
Prof. Dr. Sybille Stöbe-Blossey

Bearbeitung:
Dr. Antonio Brettschneider, Linda Hagemann,Dr. Brigitte Micheel, E. Katharina Klaudy, Iris Nieding

Finanzierung:
Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW