Informationen zum Forschungsprojekt
Haus der Bildung: Wissenschaftliche Begleitung und Unterstützung bei der Implementierung des Qualitätsrahmens
Ziele und Aufgabenstellung
Mit dem zum Schuljahr 2025/26 eröffneten Haus der Bildung, das frühkindliche Bildung und Grundschulbildung unter dem Dach eines gemeinsamen Familienzentrums verbindet, setzt die Stadt Krefeld ein innovatives Konzept um. Kita, Grundschule und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe werden nicht nur unter einem Dach zusammengefasst, sondern konzeptionell integriert. Als Grundlage für die Umsetzung hat die Stadt Krefeld einen Qualitätsrahmen entwickelt, der eine zielorientierte konzeptionelle Steuerung von Anfang an gewährleisten soll und den Fokus auf zwei zentrale Handlungsbereiche legt – „Übergangsorientierte Bildung und Erziehung von Kindern“ und „Begleitung und Unterstützung von Eltern (Bildungs- und Erziehungspartnerschaft)“. Die Forschungsabteilung BEST hat die wissenschaftliche Begleitung dieses Vorhabens übernommen.
Im Haus der Bildung werden die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe (Kita, Kindertagespflegestützpunkt, Schulsozialarbeit, systemische Inklusionsbegleitung, außerunterrichtliches Ganztagsangebot in der Grundschule, Familienzentrum) aus einer Hand, also in einheitlicher Trägerschaft, angeboten und durch eine Einrichtungsleitung koordiniert. Die Grundschule ist eine inklusive offene Ganztagsschule, die die schulbezogenen Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe nicht nur additiv anbietet, sondern in ihrer Gesamtkonzept einbindet. Die Angebote für Kinder und Familien werden vertikal (entlang der Bildungskette entsprechend der nordrhein-westfälischen Bildungsgrundsätze von 0 bis 10) und horizontal (Verknüpfung beiden Bildungseinrichtungen „Kita“ und „Grundschule“ mit bedarfsorientiert verfügbaren Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe) verknüpft. Die vertikale und horizontale Kooperation wird systematisch unterstützt durch eine Tandemstruktur in der Leitung (Schulleitung und Einrichtungsleitung), Kooperationsvereinbarungen und die Bildung einer operativen Steuergruppe, in der neben dem Leitungstandem die Kitaleitung und die Leitung des Familienzentrums sowie Lehrkräfte und pädagogisch tätige Mitarbeiter*innen mitwirken.
Das Konzept des Familienzentrums, das in Nordrhein-Westfalen seit ca. 20 Jahren in Kitas und seit ca. zehn Jahren in Grundschulen praktiziert wird, wird im Krefelder Haus der Bildung weiterentwickelt zu einem gemeinsamen Familienzentrum, das den Anker für eine familienorientierte Arbeit in Kita und Grundschule und für die Bereitstellung von niedrigschwelligen Angeboten und die bedarfsorientierte Unterstützung von Kindern und Familien bietet. Der Grundsatz sozialraumorientierten Arbeitens soll systematisch umgesetzt werden. Dabei geht es erstens um eine Analyse des Sozialraums als Grundlage für bedarfsorientierte Arbeit, zweitens um die Öffnung des Familienzentrums für den Sozialraum (also auch für Familien, die keine Kinder im Haus der Bildung haben), drittens um die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren im Sozialraum (bspw. Familienbildung und -beratung, Vereine) bei der (Weiter-)Entwicklung von Angeboten für Kinder und Familien.
Vorgehen
Das Haus der Bildung stellt eine innovative und systematische Form der Umsetzung des Konzepts integrierter Präventions- und Bildungsketten dar (vgl. Stöbe-Blossey 2024). In der wissenschaftlichen Begleitung geht es darum, die Umsetzung dieser Innovationen zu begleiten, den Aufbau der dafür erforderlichen Steuerungsstrukturen zu unterstützen, inhaltliche Impulse einzubringen, aufgebaute Strukturen, Prozesse und Inhalte begleitend zu evaluieren, Bedarfe der Nachsteuerung zu identifizieren und in den Prozess einzubringen sowie Gelingensbedingungen für den Transfer zu herauszuarbeiten.
- Startphase: 1. Schulhalbjahr 2025/26
- Implementationsphase: 2. Schulhalbjahr 2025/26 und 1. Schulhalbjahr 2026/27
- Bilanzphase: 2. Schulhalbjahr 2026/27
Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt nach einem ko-konstruktiven Ansatz, der auf dem Konzept der „aktiven Moderation“ und auf gemeinsamem Lernen in einem Dialog von Wissenschaft und Praxis basiert. Sie beinhaltet die regelmäßige Mitwirkung an Projektbesprechungen innerhalb des Hauses der Bildung (Leitungstandem und Multiprofessionelle Steuergruppe) sowie gemeinsam mit Verantwortlichen der Steuerungsebene der Stadt Krefeld (Programmgruppe Kommune). Die Arbeiten in der Startphase konzentrieren sich auf die Begleitung des Aufbaus von Kooperationsstrukturen, in der Bilanzphase auf die Zusammenführung von Ergebnissen und einer Auswertung mit Blick auf Gelingensbedingungen. In der Implementationsphase sind folgende, gemeinsam den mit dem Leitungsteam im Haus der Bildung abzustimmende und zu konkretisierende Arbeiten vorgesehen:
- Dokumentation des Entwicklungsprozesses sowie der aufgebauten Strukturen und Angebote
- Beobachtende, bei Bedarf auch moderierende oder mit wissenschaftsbasierten Inputs verbundene Teilnahme an Sitzungen
- Interviews und Gruppendiskussionen mit Leitungs-, Koordinations-, Lehr- und Fachkräften im Haus der Bildung sowie mit externen Kooperationspartnern im Sozialraum
- Elternbefragungen (digitale Kurzfragebögen über Handy und Teilnahme an Elterncafés u.ä.)
Publikationen zum Projekt
Stöbe-Blossey, Sybille / Glaser, Stella / Nieding, Iris / Wimmers, Corin, 2025: Ganztagsförderung an Grundschulen: Ein bildungs- und sozialpolitisches Konzept für mehr Chancengleichheit? Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2025-11 | DOI-Link| Info | Lesen
Hackstein, Philipp / Micheel, Brigitte / Stöbe-Blossey, Sybille, 2024: Familienzentren im Primarbereich: Vom Nebeneinander zum Miteinander in der Schulentwicklung. In: impaktmagazin „Familiengrundschulzentren – Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team“, S. 6–21 | Lesen
Stöbe-Blossey, Sybille / Cook, Jeremy (Mitarb.), 2024: Die Grundschule in der Präventionskette: Strukturen multiprofessioneller Kooperation. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2024-11 | DOI-Link| Info | Lesen
Hackstein, Philipp / Micheel, Brigitte / Stöbe-Blossey, Sybille, 2023: Familiengrundschulzentren im Sozialraum: Gelingensbedingungen für eine kontextsensible Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Familien. In: Matthias Forell, Gabriele Bellenberg, Lukas Gerhards und Lena Schleenbecker: Schule als Sozialraum im Sozialraum. Theoretische und empirische Erkundung sozialräumlicher Dimensionen von Schule. Münster [u.a.]: Waxmann, S. 97–107
Hackstein, Philipp / Micheel, Brigitte / Stöbe-Blossey, Sybille, 2022: Familienzentren im Primarbereich: Herausforderungen und Perspektiven für die kommunale Steuerung. In: impaktmagazin "Familiengrundschulzentren – Bitte Nachmachen!", S. 10–25 | Lesen
Hackstein, Philipp / Micheel, Brigitte / Stöbe-Blossey, Sybille, 2022: Familienorientierung von Bildungsinstitutionen: Potenziale von Familienzentren im Primarbereich. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2022-09 | DOI-Link| Info | Lesen
Stöbe-Blossey, Sybille / Hagemann, Linda / Klaudy, E. Katharina / Micheel, Brigitte / Nieding, Iris, 2020: Familienzentren in Nordrhein-Westfalen : Eine empirische Analyse. Wiesbaden: Springer VS, ISBN: 978-3-658-30599-4| Info