Informationen zum Forschungsprojekt

Arbeitsbeziehungen und Partizipationsrechte in supranationalen Organisationen

Ziel und Aufgabenstellung

Im Zentrum des Projekts stehen supranationale Organisationen, die im „europäischem Auftrag“ handeln, aber weder einzelstaatlicher Gesetzgebungskompetenz und Gerichtsbarkeit, noch vergleichbaren supranationalen Regelungen unterliegen. Dies betrifft nicht nur die durch das jeweilige Mandat definierten Aufgaben und Zuständigkeiten der Organisation, sondern auch den Bereich des internen Individual- und Kollektivarbeitsrechts sowie die Möglichkeit einer gerichtlichen Überprüfung von arbeits- und personalrechtlichen Entscheidungen. Dies schränkt die Rechte sowohl der Beschäftigten als auch ihrer Interessenvertretung erheblich ein und erschwert somit konsensfähige Verfahren des Interessenausgleichs und der Konfliktregulierung. Eine Korrektur dieser Situation würde ein einstimmiges Votum jeweils aller beteiligten Vertragsstaaten erfordern und ist somit auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Inmitten der EU besteht somit eine Zone, in der diese ihre eigenen Rechtsansprüche nicht umsetzt.

Das zusammen mit Hermann Kocyba (Institut für Sozialforschung (IfS), Frankfurt) konzipierte und geleitete Forschungsvorhaben fragt nach den Arbeitsregimes in den untersuchten Organisationen sowie danach, wie mit der in Hinblick auf fachliche Kompetenzen, Beschäftigtenstatus und nationale Herkunft relativ großen Heterogenität der Beschäftigten umgegangen wird. Untersucht wird wie sich diese Rahmenbedingungen aus der Sicht der Beschäftigten darstellen, welche Partizipationsansprüche diese artikulieren und welche Rolle dabei fachliche Kulturen und das professionelle Selbstverständnis spielen. Ein weiterer Gegenstand stellt der Zusammenhang von Arbeitsanforderungen, Arbeitsbeziehungen sowie dem jeweiligen Mandat der Organisationen im Spannungsfeld zwischen administrativen und wissenschaftlichen Aufgaben dar. 

Vorgehen

Im Rahmen eines mehrdimensionalen qualitativen Forschungsdesigns werden Strukturen und Rechtsgrundlagen der untersuchten Organisationen auf der Basis von Dokumentenanalysen erhoben. Im Rahmen von Expertengesprächen mit Interessenvertretung und Management werden die Arbeitsbeziehungen weiter exploriert. Anhand qualitativer Interviews werden die Erfahrungen und Partizipationsansprüche der Beschäftigten rekonstruiert. Erhebungsbegleitend werden Aktivitäten der Interessenvertretungen wie Veranstaltungen und Workshops in Form einer teilnehmenden Beobachtung besucht. Um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auszuloten, werden weitere Expertengespräche durchgeführt und ergänzend Unterlagen, Statistiken zur Beschäftigungssituation, Dokumente, Medienberichte zu Arbeitsbeziehungen und Beteiligungsrechten der Beschäftigten in anderen europäischen Institutionen, Einrichtungen und Agenturen vergleichend einbezogen. Die empirischen Befunde fließen nun in Publikationen und den Forschungstransfer ein.

Projektdaten

Laufzeit des Projektes
01.01.2026 - 31.12.2026

Forschungsabteilung
Prekarisierung, Regulierung, Arbeitsqualität

Leitung und Bearbeitung:
Dr. Christiane Schnell

Finanzierung:
Hans-Böckler-Stiftung