Informationen zum Forschungsprojekt

Wirkung und Regulierung neuer Technologien in den Arbeitswelten im Kontext von ökonomischem und demographischem Wandel: Handlungsansätze von Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft im Bereich Arbeit, Beschäftigung und Qualifizierung

Ziel und Aufgabenstellung

Die Projektgruppe analysiert die Zusammenhänge zwischen Schlüsseltechnologien, ihren Folgewirkungen und Gestaltungsbedarfen in der Arbeitswelt – Beschäftigung, Qualifizierung, Arbeitsbedingungen – und den Aushandlungsprozessen in den Arbeitsbeziehungen, die sich darauf beziehen. Mit der Pflege (Teilprojekt A) und dem Verarbeitenden Gewerbe (Teilprojekt B) stehen dabei zwei beschäftigungsstarke Kernbranchen der deutschen Wirtschaft im Fokus. Damit deckt das Projekt unterschiedliche Konstellationen von Akteuren, Technologieeinsatz und ökonomischen Rahmenbedingungen ab. Im Teilprojekt A liegt der Fokus auf KI-Technologien in der Langzeitpflege, einer quasi-öffentlichen Dienstleistungsbranche mit starkem Beschäftigungsaufwuchs und Fachkräftemangel; im Teilprojekt B zusätzlich auf Energie- und Klimatechnologien in einem privatwirtschaftlichen Sektor, der durch ein Nebeneinander von Beschäftigungsaufbau und Arbeitsplatzabbau oder -verlagerung geprägt ist. Beide Branchen sind zudem durch sehr unterschiedliche Interessenvertretungsstrukturen gekennzeichnet. Das Projekt untersucht, mit welchen Strategien und arbeitsbezogenen Folgen Unternehmen und Sozialpartner in diesen unterschiedlichen Konstellationen über Einsatz und Ausgestaltung von Technologien entscheiden, welche Ziel- und Interessenkonflikte dabei auftreten, und wie diese bearbeitet werden.

Teilprojekt A

Das Teilprojekt fragt nach den Wechselwirkungen zwischen KI-Technologien, aktuellen Reformen zum Personaleinsatz in der Pflege, ökonomischem und demographischem Wandel (v.a. Fachkräftemangel und Zuwanderung). Im Zentrum steht die Frage, wie und mit welchen Folgen für Beschäftigung, Qualifizierung und Arbeitsbedingungen die ‚digitale Dividende‘ in den unterschiedlichen Organisationswelten der Träger der Langzeitpflege (privat, freigemeinnützig, öffentlich) gehoben und verteilt wird. Dazu werden folgende Teilfragen beantwortet:

  1. Welche Investitionsstrategien verfolgen Trägerverbände und Pflegekonzerne im Hinblick auf KI-basierte Technologien; welche unterschiedlichen Ziele und Muster lassen sich beim Einsatz KI-basierter Technologien ggf. beobachten?
  1. Welche Anforderungen stellen diese KI-basierten Wertschöpfungssysteme an Beschäftigungs- und Qualifizierungsstrukturen sowie an die Arbeitsorganisation?
  1. Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die Arbeitsbeziehungen, welche Themen werden zum Gegenstand arbeitspolitischer Aushandlungen und unter welchen Bedingungen gelingt ein Interessenausgleich?

Teilprojekt B

Im Verarbeitenden Gewerbe finden unter der Überschrift der Transformation vor allem digitale Technologien, Künstliche Intelligenz sowie Energie- und Klimatechnologien inzwischen breite und weiter zunehmende Anwendung. Vor diesem Hintergrund sollen im Forschungsvorhaben drei Forschungsfragen untersucht werden:

  1. Technologien: Welche Auswirkungen haben digitale und grüne Technologien mit Blick auf Beschäftigung und Qualifikationsbedarfe der Beschäftigten, und welche wirtschaftlichen Probleme erzeugen die Investitionsbedarfe in diese Technologien in den Unternehmen?
  1. Akteure und Strategien: Welche Strategien verfolgen die Unternehmen mit Blick auf Investitionen und Beschäftigung in den Transformations- und Krisenprozessen? Welche neuen Handlungsansätze und -ziele entwickeln sie dabei, und welche Ressourcen – Macht, Organisation, Personal, Zeit, Kompetenzen - können sie dafür in Anschlag bringen?
  1. Zu welchen Themen entwickeln sich Konflikte resp. werden Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern geführt? Welche neuen Regelungen werden dabei ausgehandelt mit Blick auf Beschäftigungssicherung, Standorterhalt, Investitionen und Qualifizierung? Und welche Rückwirkungen haben diese Regelungen auf die Investitionen in neue Technologien?

Vorgehen

Teilprojekt A:

  1. Mapping von KI-Technologien in der Langzeitpflege mittels eines Scoping Reviews unter Berücksichtigung pflegewissenschaftlicher Kategorisierungen und arbeitswissenschaftlicher Befunde.
  1. Branchenstudie zur Langzeitpflege. Das Forschungsteam wertet dazu Literatur, verfügbare Statistiken, Geschäftsberichte und weitere Dokumente aus und führt qualitative Expert*innen-Interviews mit Verbänden der Trägerseite, Gewerkschaften und Berufsverbänden, Digitalverbänden, Pflegekompetenzzentren und Investoren durch.
  1. Standardisierte Befragung (Online-Survey) von betrieblichen Interessenvertretungen in Einrichtungen der ambulanten und stationären Langzeitpflege zu Gestaltungsbedarfen und Kernthemen betrieblicher Interessenvertretungsarbeit im Zusammenhang mit KI-Technologien.
  1. Auswertung von Dienst- und Betriebsvereinbarungen zum Einsatz von KI-Technologien in der Langzeitpflege.
  1. Fallstudien in jeweils 6 Einrichtungen der ambulanten und stationären Langzeitpflege von unterschiedlichen Trägern (öffentlich/ kirchlich-freigemeinnützig/ privat).

Teilprojekt B

  1. Sekundärstatistische Auswertungen der Entwicklung ökonomischer Parameter für das Verarbeitende Gewerbe und für in die Studie einbezogene Unternehmen.
  1. Branchenstudien zu Entwicklungen der Einzelbranchen des Verarbeitenden Gewerbes – Automobil, Maschinenbau, Elektro, Stahl, Chemie – auf der Grundlage von Literaturrecherchen und Interviews mit Expert*innen von Gewerkschaften, Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden.
  1. Fallstudien in 13 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes unterschiedlicher Einzelbranchen mit Expert*inneninterviews mit Management, Betriebsräten und Gewerkschaften.
  1. Die ingenieurwissenschaftliche Analyse neuer Technologienentwicklungen und ihrer Auswirkungen auf die Produktionssysteme der Unternehmen sowie das Ausloten von Qualifizierungsbedarfen der Betriebsräte

Projektdaten

Laufzeit des Projektes
01.07.2026 - 30.06.2029

Forschungsabteilung
Arbeitszeit und Arbeitsorganisation, Prekarisierung, Regulierung, Arbeitsqualität

Leitung:
Prof. Dr. Thomas Haipeter, Dr. Karen Jaehrling

Bearbeitung:
Dr. Georg Barthel, Alexander Bendel, Dr. Christiane Schnell

Finanzierung:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)