MA Sozioökonomie - Die Basismodule im Überblick

Der MA Sozioökonomie besteht aus sechs Basismodulen, zwei Vertiefungsmodulen sowie einem Praktikumsmodul und dem Abschlussmodul. Auf dieser Seite finden Sie die Kurzbeschreibungen und weiterführende Literaturhinweise zu den sechs Basismodulen.

Basismodul Gesamtwirtschaftliche Analyse

Theoretische und empirische Kenntnisse der gesamtwirtschaftlichen Analyse sind unabdingbar für das Verständnis zentraler wirtschaftspolitischer Herausforderungen wie Klimawandel, Finanzkrisen, sozioökonomische Ungleichheit, Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung usw.

Das Modul behandelt zentrale Themen der gesamtwirtschaftlichen Analyse aus multiparadigmatischer und interdisziplinärer Perspektive. Im Mittelpunkt stehen vier eng miteinander verknüpfte Themenkomplexe:

  1. Institutionen der makroökonomischen Politik
  2. Makroökonomische und politökonomische Modellierung
  3. Empirische makroökonomische und politökonomische Analysen
  4. Historische und aktuelle wirtschaftspolitische Kontroversen und Herausforderungen

Im Modul werden Kenntnisse zentraler Theorien der Makroökonomik und der Politischen Ökonomie vermittelt. Es wird die Fähigkeit erlangt, diese Theorien anzuwenden und kritisch zu diskutieren. Die Studierenden lernen die Erhebung und Auswertung empirischer Daten zu gesamtwirtschaftlichen Themen. Sie werden in die Lage versetzt, aktuelle Forschung zu gesamtwirtschaftlichen Themen zu verstehen. Das Seminar schult das analytische Denken, befähigt zur strukturierten Umsetzung einer Problemstellung in eine empirische Analyse und zum Verständnis theoretischer Paradigmen und wirtschaftspolitischer Kontroversen.

Vorlesung: Gesamtwirtschaftliche Analyse / Macroeconomics and Political Economy

Im Mittelpunkt der Lehrveranstaltung stehen institutionelle, methodische, empirische und wirtschaftspolitische Fragen der gesamtwirtschaftlichen Analyse. Die Studierenden können die nationalen und internationalen Institutionen der gesamtwirtschaftlich orientierten Wirtschaftspolitik verstehen und bewerten. Die Studierenden können Vor- und Nachteile unterschiedlicher theoretischer Paradigmen und Ansätze der gesamtwirtschaftlichen Modellierung erörtern und lernen verschiedene Akteursmodelle, makroökonomische und politökonomische Ansätze und Formen der Mikrofundierung gesamtwirtschaftlicher Modelle kennen. Die Studierenden sind in der Lage empirische Methoden der gesamtwirtschaftlichen Analyse zu verstehen, kritisch zu bewerten und auf konkrete Fragestellungen anzuwenden. Besonderes Augenmerk wird zudem auf die wirtschaftspolitischen Implikationen der gesamtwirtschaftlichen Analyse gelegt.

Inhalte der Vorlesung im Überblick:

  • Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
  • Gesellschaftliche und ökologische Einbettung und Geschichte der Makroökonomie
  • Institutionen der Geld-/Fiskal-/Lohnpolitik
  • Makroökonomische und politökonomische Modellierung
  • Internationale Makroökonomik
  • Spielarten des Kapitalismus & Wachstumsmodelle
  • Wirtschaftspolitische Kontroversen

Literatur

Benhabib, J., Bisin, A., Jackson, M. (2010): Handbook of Social Economics, Elsevier.

Bramucci, A., Hein, E., Prante, F., Truger, A. (2019): Interactive macroeconomics. A pluralist macroeconomic simulator.

Carlin, W., Soskice, D. (2014): Macroeconomics: Institutions, Instability, and the Financial System, Oxford University Press.

Frank, R. (1985): Choosing the Right Pond. Human Behavior and the Quest for Status, Oxford University Press.

Godley, W., Lavoie, M. (2007): Monetary Economics: An Integrated Approach to Credit, Money, Income, Production and Wealth, Palgrave MacMillan.

Goodstein, E., Polasky, S. (2017): Economics and the Environment, 8th Edition, Wiley.

Hall, P., Soskice, D. (Hrsg.) (2001): Varieties of Capitalism. The Institutional Foundations of Comparative Advantage. Oxford University Press.

King, J. (2012): The Microfoundations Delusion: Metaphor and Dogma in the History of Macroeconomics, Edward Elgar.

Lavoie, M. (2014): Post-Keynesian Economics, New Foundations, Edward Elgar.

Netzwerk Plurale Ökonomik: Exploring Economics, https://www.exploring-economics.org

Romer, D. (2018): Advanced Macroeconomics, McGraw-Hill.

Snowdon, B., Vane, H. (2005): Modern Macroeconomics: Its Origins, Development and Current State, Edward Elgar.

Wickens, M. (2012): Macroeconomic Theory A Dynamic General Equilibrium Approach, Princeton University Press.

Übung zur Vorlesung „Gesamtwirtschaftliche Analyse / Macroeconomics and Political Economy“

Die Lehrveranstaltung soll die Vorlesung ergänzen, indem die Studierenden die in der Vorlesung erlernten theoretischen und empirischen Kenntnisse praktisch auf wirtschaftspolitisch bzw. allgemein gesellschaftlich relevante Fragestellungen anwenden. Theoretische ökonomische Modelle und empirische Anwendungen werden Schritt für Schritt im Detail nachvollzogen. Aktuelle und ältere Artikel werden von den Studierenden auf ihre theoretische Verortung bzw. empirische Strategie hin kritisch gelesen und diskutiert. Das Nachvollziehen bereits publizierter Ergebnisse bietet nicht nur genaue Einblicke in die Arbeitsweise, sondern erlaubt den Studierenden, Vor- und Nachteile verschiedener Modelle, empirischer Methoden oder Datensätze kennenzulernen.

 

Modulverantwortlicher

Till Van Treeck Neu
Till van Treeck

Professor für Sozialökonomie und Geschäftsführender Direktor
am Institut für Sozioökonomie

Forschungsinteresse: Einkommensverteilung aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive, deutsche und europäische Wirtschaftspolitik, (Sozio-)Ökonomische Bildung

Telefon: (0203) 379 - 2668
E-Mail: till.vantreeck@uni-due.de

Kurzinterview lesen: Drei Fragen an Till van Treeck

Basismodul Wirtschaft – Geschichte – Philosophie

Das Modul ist interdisziplinär angelegt und versucht ein Verständnis für die wechselseitige Abhängigkeit von wirtschaftlicher Entwicklung, gesellschaftlicher Einbettung und theoretischer Reflexion zu entwickeln. Es bietet eine erste Einführung in die Grundlagen der politischen Geistesgeschichte Europas, die moderne Wirtschaftsgeschichte, die Geschichte des ökonomischen Denkens sowie die Vielfalt ökonomischer Paradigmen. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Antike, Renaissance und Aufklärung, in der klassischen und gegenwärtigen Politischen Ökonomie sowie in der Wirtschaftsgeschichte des 18.-20. Jahrhunderts. Wesentliche Themen des Moduls bilden die klassischen sozialphilosophischen Fragen nach der guten Gesellschaft, der legitimen Herrschaft, dem rechten Handeln, der Rolle von Vernunft und Fortschritt sowie Fragen von Wohlstand, Wachstum und Verteilung. Letztere werden dabei sowohl historisch als auch unter Bezugnahme auf unterschiedliche ökonomische Denkansätze und Paradigmen diskutiert und somit einer multi-perspektivischen Betrachtung unterzogen.

Ziel ist dabei ein Verständnis für historische, theoretische und thematische Zusammenhänge zwischen Ökonomie und Philosophie zu entwickeln. Dies soll die TeilnehmerInnen befähigen unterschiedliche ökonomische oder philosophische Sichtweisen auf allgemeine gesellschaftliche Herausforderungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu artikulieren und vergleichend zu diskutieren. Das in diesem Zuge vermittelte Wissen erlaubt es den TeilnehmerInnen spezifischere, disziplinäre Fragestellungen in einen breites sozio-ökonomisches Kontextwissen einzubetten und trägt zu einer Sensibilisierung für das komplexe Zusammenspiel von kulturellen Institutionen, politischen Machtverhältnissen und ökonomischer Entwicklung bei.

Die Integration unterschiedlicher ökonomischer Theorien als zentraler Gegenstand des Moduls befähigt die TeilnehmerInnen nicht nur geeignete theoretische Ansätze für konkrete Problemstellungen zu identifizieren, sondern erlaubt auch theoretische Konfliktlinien und Bezüge zu politischen Interessen mit großer Deutlichkeit zu identifizieren.

Inhalte des Moduls im Überblick:

  • Grundlagen der europäischen Geistesgeschichte
  • Geschichte des ökonomischen Denkens
  • Paradigmen der Ökonomie
  • Vergleichende Betrachtung ökonomischer und philosophischer Theorien und Ansätze
  • Multiperspektivische Betrachtung gesellschaftlicher Herausforderungen
  • Kenntnisse der modernen Wirtschaftsgeschichte

Vorlesung: Sozialphilosophie und Geschichte der Ökonomie

Fragen nach der guten Gesellschaft, dem rechten Handeln oder der gerechten Verteilung zählen nicht nur zu den ältesten Fragen der philosophischen Disziplin, sie stehen auch am Beginn des ökomischen Denkens. Diese Vorlesung nützt diesen Umstand und verknüpft eine Einführung in die Grundlagen der Politischen Geistesgeschichte Europas mit einer Diskussion der Anfänge der Politischen Ökonomie und zeigt dabei die enge Verwandtschaft dieser beiden Themenbereiche auf. Das Ziel der Vorlesung ist die Vermittlung grundlegender Elemente sozialphilosophischen und polit-ökonomischen Denkens, insbesondere Kenntnisse über die zentralen Fragestellungen, die historische Genese und die wesentlichen Verbindungslinien von Sozialphilosophie und Politischer Ökonomie.

Inhalte der Vorlesung im Überblick:

  • Sozialphilosophie in Antike, Mittelalter und Renaissance: Plato, Aristoteles, Augustinus, Thomas v. Aquin, Machiavelli, Morus
  • Sozialphilosophie in der Neuzeit: Vertragstheorie, Vernunftbegriff, Fortschrittsdenken
  • Klassische Ökonomie: Mandeville, Smith, Ricardo, Mill, Marx
  • Europäische Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts: Popper/Offene Gesellschaft, Rawls/Theorie der Gerechtigkeit, Demokratie- und Elitentheorie

Literatur

Aistleitner et al. (2015): Verteilung und Gerechtigkeit: Philosophische Perspektiven. Wirtschaft und Gesellschaft, 40(1): 71-106. (URL: http://wug.akwien.at/WUG_Archiv/2015_41_1/2015_41_1_0071.pdf)

Höffe, Otfried (2018): Ethik – Eine Einführung. CH Beck.

Kurz, Heinz (2008/9): Klassiker des ökonomischen Denkens, Band 1-2. CH Beck.

Kurz, Heinz (2017): Economic Thought: A brief history. Columbia University Press.

Myrdal, Gunnar (1963): Das politische Element in der nationalökonomischen Doktrinbildung. Verlag für Literatur und Zeitgeschehen.

Rothschild, Kurt W. (1992): Ethik und Wirtschaftstheorie. Mohr.

Rothschild, Kurt W. (2004): Die politischen Visionen großer Ökonomen. Stämpfli

Zalta et al. (2018): Stanford Encyclopedia of Philosophy. (URL: plato.stanford.edu)

Seminar: Wirtschaftsgeschichte und ökonomische Theorie: Ökonomische Paradigmen im Vergleich

Das Seminar wirft einen historischen Blick auf Fragen ökonomischer Entwicklung und ökonomischer Theorie und verbindet eine Einführung in die Wirtschaftsgeschichte mit einer vergleichenden Diskussion unterschiedlicher ökonomischer Denkrichtungen und Theorien. Dabei wird, aufbauend auf einem systematischen Vergleich der konzeptionellen Grundlagen unterschiedlicher ökonomischer Paradigmen, die Genese dieser Theorieansätze vor dem Hintergrund ihres wirtschaftshistorischen Kontexts erläutert. Darüber hinaus werden die Implikationen unterschiedlicher Theorien am Beispiel konkreter Problemstellungen untersucht.

Die TeilnehmerInnen sollen in die Lage versetzt werden grundlegende Argumentationsstränge und theoretische Basisannahmen unterschiedlicher ökonomischer Theorien aus Vergangenheit und Gegenwart zu benennen und zu identifizieren. Darüber hinaus soll ein Überblick über die bevorzugten Themen, die methodischen Grundlagen und die möglichen Anwendungen alternativer ökonomischer Theorien gegeben werden. 

Inhalte des Seminars im Überblick:

Wirtschaftsgeschichte (18.-20. Jahrhundert)

Paradigmen der Politischen Ökonomie:

  • Evolutionär-Institutionelle Ökonomie
  • Feministische Ökonomie
  • Neoklassische Ökonomie
  • Marxistische Ökonomie
  • Ökologische Ökonomie
  • Keynesianische Ökonomie

Literatur

Allen (2011), Robert C.: Global Economic History: A Very Short Introduction. Oxford University Press.

Bowles, Carlin et al. (2018): CoreEcon – Economics for a Changing World. (URL: www.core-econ.org)

Chang, Ha-Joon (2002): Kicking Away The Ladder: Development Strategy In Historical Perspective: Anthem Press.

Hesse, Otmar (2013): Wirtschaftsgeschichte: Entstehung und Wandel der modernen Wirtschaft. Campus.

Köster, Roman (2019): Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Theorien, Methoden, Themen. UTB.

Kurz, Heinz (2008/9): Klassiker des ökonomischen Denkens, Band 1-2. CH Beck.

Lavoie, Marc (2009): Introduction to Post-Keynesian Economics. Palgrave.

Netzwerk Plurale Ökonomik (eds): Exploring Economics. (URL: www.exploring-economics.org)

Polanyi, Karl (1944): The Great Transformation: Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen. Suhrkamp.

Rothschild, Kurt W. (2004): Die politischen Visionen großer Ökonomen. Stämpfli

Spoerer, Marc, Streb, Jochen (2013): Neue deutsche Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. De Gruyter Oldenbourg.

Van Staveren, Irene (2014): Economics after the Crisis. Routledge.

 

Modulverantwortlicher

Jakob Kapeller
Jakob Kapeller

Professor für Sozioökonomie mit Schwerpunkt Plurale Ökonomik
am Institut für Sozioökonomie

Forschungsinteressen: Ökonomischer und sozialer Wandel, Geschichte des politischen und ökonomischen Denkens, Politische Ökonomie, Heterodoxe Ökonomie, Philosophie der Sozialwissenschaften

Telefon: (0203) 379 - 4325
E-Mail: jakob.kapeller@uni-due.de

Kurzinterview lesen: Drei Fragen an Jakob Kapeller

Basismodul Wirtschafts- und Sozialsysteme im Vergleich

Das Modul behandelt zentrale Themen der Vergleichenden Politischen Ökonomie und Wirtschaftssoziologie. Im Mittelpunkt steht die Vielfalt institutioneller Arrangements, in die wirtschaftliches Handeln in internationaler Perspektive eingebettet ist. Wie sich diese Institutionen und sozioökonomische Prozesse wechselseitig beeinflussen, stellt die leitende Frage des Moduls dar. Dabei werden sowohl klassische und gegenwärtige Theorien vermittelt, als auch Befunde aktueller empirischer Forschung.

Inhalte des Moduls im Überblick:

  • Vergleich verschiedener ‚Spielarten‘ des Kapitalismus (Varieties of Capitalism, Growth Models)
  • Vergleichende Analyse von Wohlfahrtsstaaten, Arbeitsmarktregimen, industriellen Beziehungen und Ausbildungssystemen
  • Sozioökonomische Wandlungsprozesse (Ungleichheit, technologischer Wandel, Deindustrialisierung, Finanzialisierung, Globalisierung) sowie Ihre politischen Ursachen und Konsequenzen
  • Sozioökonomische Dimension politischer Konflikte

Im Modul werden die Kenntnisse zentraler Theorien der Vergleichenden Politischen Ökonomie und Wirtschaftssoziologie vermittelt. Es wird die Fähigkeit erlangt, diese Theorien anzuwenden und kritisch zu diskutieren. Die Studierenden lernen die Erhebung und Auswertung empirischer Daten zu sozioökonomischen Themen. Sie werden in die Lage versetzt, wissenschaftliche Texte zu sozioökonomischen Themen zu verfassen. Das Seminar schult das analytische Denken und befähigt zur strukturierten Umsetzung einer Problemstellung in eine empirische Analyse.

Vorlesung: Vergleichende Politische Ökonomie und Wirtschaftssoziologie / Comparative Political Economy and Economic Sociology

Alle entwickelten Marktwirtschaften beruhen auf Institutionen, die wirtschaftliches Handeln regulieren. Gesellschaften unterscheiden sich allerding erheblich in der Ausgestaltung dieser Institutionen. Staatliche Eingriffe in die Lohnfindung, in die Vertragsfreiheit oder in die Versicherung von Lebensrisiken sind beispielsweise sehr unterschiedlich ausgeprägt - selbst wenn man die Perspektive auf Europa beschränkt. Vergleichende Ansätze innerhalb der Politischen Ökonomie und Wirtschaftssoziologie beschäftigen sich mit den Ursachen und Folgen dieser institutionellen Vielfalt. Die Vorlesung stellt zentrale Theorien und empirische Befunde aus diesen Bereichen vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich sozioökonomische Institutionen und Prozesse wechselseitig beeinflussen.

Inhalte der Vorlesung im Überblick:

  • Wohlfahrtsstaaten
  • Spielarten des Kapitalismus
  • Wachstumsmodelle
  • Industrielle Beziehungen
  • Arbeitsmarktregulierung
  • Umverteilung
  • Theorievergleich (Konflikttheorien, Funktionalismus, Institutionalismus)

Literatur

Hall, P.A. & Soskice, D.W. (Hg.) (2001). Varieties of capitalism: The institutional foundations of comparative advantage. Oxford University Press.

Menz, G. (2017). Comparative Political Economy: Contours of a subfield. Oxford University Press.

Kraemer, K. & Brugger, F. (Hg.) (2017). Schlüsselwerke der Wirtschaftssoziologie. Springer.

Trigilia, C. (2002). Economic Sociology: State, market, and society in modern capitalism. John Wiley & Sons.

Seminar: Vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung / Comparative Welfare State Research

Wohlfahrtsstaaten beanspruchen einen erheblichen Teil der öffentlichen Ausgaben in allen entwickelten Volkswirtschaften. Gleichzeitig weisen Sie Variation entlang verschiedener Dimensionen auf. Auf die Absicherung welcher Risiken konzentriert sich der Wohlfahrtsstaat? Wie großzügig sind Leistungen definiert und wie inklusiv sind die Bedingungen für ihre Inanspruchnahme? Welche gesellschaftlichen Gruppen werden privilegiert und welche ausgeschlossen? Die Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaats auf diesen und anderen Dimensionen hat wichtige Folgen für die Lebenschancen von Bürgerinnen und Bürgern. Sie beeinflusst unter anderem das Funktionieren des Arbeitsmarkts, Familienmuster und die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, den Umgang mit existentiellen Risiken und die Chancen für soziale Aufwärtsmobilität.

Das Seminar bietet einen vertiefenden Einblick in die Vielfalt von Wohlfahrtsstaaten im internationalen Vergleich - sowie in Theorien, die diese Unterschiede erklären. Dabei werden wir verschiedene sozialpolitische Bereich mit ihren Wirkungen, Entwicklungstendenzen und zentralen Herausforderungen betrachten.

Inhalte des Seminars im Überblick:

  • Typologien und Theorien der Vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung
  • Verschiedene Felder der Sozialpolitik (z. B. Arbeitslosenversicherung, Renten, Familienpolitik)
  • Soziale Ungleichheit und Exklusion
  • Wandlungsruck auf gegenwärtige Wohlfahrtssaaten (z. B. Globalisierung, Digitalisierung, De-industrialisierung)
  • Politische Konflikte und Reformen im Bereich der Sozialpolitik

Literatur

Castles, F.G., Leibfried, S., Lewis, J., Obinger, H. & Pierson, C. (Hg.) (2010). The Oxford handbook of the welfare state. Oxford University Press.

Esping-Andersen, G. (1990). The three worlds of welfare capitalism. Princeton University Press.

Pierson, C. & Castles, F.G. (2006). The welfare state reader. Polity Press.

Obinger, H. & Schmidt, M. G. (Hg.) (2019). Handbuch Sozialpolitik. Kompakter und aktueller Überblick im internationalen Vergleich. Springer.

Van Kersbergen, K. & Vis, B. (2014). Comparative welfare state politics. Cambridge University Press.

Wenzelburger, G. & Zohlnhöfer, R. (Hg.) (2015). Handbuch Policy-Forschung. Springer.

 

Modulverantwortlicher

Paul Marx
Paul Marx

Professor im Fach „Politikwissenschaft, insb. Sozioökonomie“
am Institut für Sozioökonomie

 

Telefon: (0203) 379 - 2667
E-Mail: paul.marx@uni-due.de

Kurzinterview lesen: Drei Fragen an Paul Marx

Basismodul Methoden sozioökonomischer Forschung

Das Modul kombiniert eine Einführung in die allgemeinen wissenschaftstheoretischen und methodischen Grundlagen der sozio-ökonomischen Forschung mit einem Schwerpunkt im Bereich ökonomischer Statistik/Ökonometrie um die wesentlichen konzeptionellen und technischen Grundlagen aktueller sozio-ökonomischer Forschungsdiskurse zu vermitteln.

Ziel des Moduls ist daher die TeilnehmerInnen zur eigenständigen und kritischen Auseinandersetzung mit der aktuellen Forschungsliteratur zu befähigen und ein Verständnis für die methodischen Grundannahmen, die vorgeschlagenen Forschungsdesigns und die verwendeten Methoden der aktuellen Forschungsliteratur zu entwickeln.

Die dem Modul zu Grunde liegende Kombination einer allgemeinen sozialwissenschaftlichen Methodenlehre mit einem ökonometrischen Schwerpunkt erlaubt es den TeilnehmerInnen, sich das volle Spektrum der sozialwissenschaftlichen Methoden zu erschließen und fördert so die interdisziplinäre Anschlussfähigkeit der TeilnehmerInnen.

Inhalte des Moduls im Überblick:

  • Wissenschaftstheorie
  • Sozialontologie
  • Methodische Grundlagen der Sozialwissenschaften
  • Grundlagen der Datenbearbeitung in den Sozialwissenschaften
  • Grundlagen der Ökonometrie
  • Angewandte Ökonometrie

Seminar: Wissenschaftstheorie und Einführung in Methoden der Sozioökonomie

Ziel dieses Seminars ist, eine Einführung in die wissenschaftstheoretischen und methodischen Grundlagen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu bieten. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der wissenschaftstheoretischen Fundierung der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, der Illustration ihrer methodischen Vielfalt sowie in der Anwendung methodologischer Überlegungen auf praktische Fragestellungen der sozioökonomischen Forschung.

Die TeilnehmerInnen erwerben in diesem Seminar eine wissenschaftstheoretisch fundierte, grundlegende Methodenkompetenz und sammeln Erfahrung im Bereich der eigenständigen Erhebung und Bearbeitung von empirischen Daten. Einzelne für die sozioökonomische Forschung besonders relevante Aspekte (z.B. Datenvisualisierung, Regressionsverfahren, Triangiularisierung) erhalten im Rahmen der Vorlesung besondere Aufmerksamkeit.

Inhalte des Seminars im Überblick:

  • Wissenschaftstheorie: Fallibilismus, Prinzip der kritischen Prüfung, Wertneutralität, Paradigmen
  • Sozialontologie: Individualismus, Holismus, Systemismus
  • Methodische Grundlagen der Sozialwissenschaften: Qualitative und quantitative Erhebungsverfahren
  • Erste Erfahrungen im Umgang mit empirischen Daten

Literatur

Angrist, J. D., & Pischke, J.-S. (2010). The Credibility Revolution in Empirical Economics: How Better Research Design Is Taking the Con out of Econometrics. Journal of Economic Perspectives, 24(2), 3–30.

Bunge, Mario (1996). Finding Philosophy in Social Science. New Haven: Yale University Press.

Chiang, A.C. (1984): Fundamental Methods of Mathematical Economics. McGraw-Hill (Kapitel 2-3 und 6-7).

Diekmann, Andreas (2005[1995]): Empirische Sozialforschung: Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt

Gadenne, Volker und Kapeller, Jakob (2011): Vorlesungsskript zur Einführung in die Wissenschaftstheorie der Sozialwissenschaften.

Klees, S. J. (2016). Inferences from regression analysis: are they valid? Real-World Economics Review, (74), 85–97.

Musgrave, Alan (1993): Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus, Tübingen: Mohr.

Schwabish, J. A. (2014). An Economist's Guide to Visualizing Data. Journal of Economic Perspectives, 28(1), 209–234.

Wooldridge, J. M. (2016), Introductory Econometrics: A Modern Approach, Sixth Edition, Cengage Learning.

Ziliak, Stephen T. and McCloskey, Deirdre N. (2008): The Cult of Statistical Significance: How the Standard Error Costs Us Jobs, Justice, and Lives. University of Michigan Press

Seminar: Ökonometrie und sozioökonomische Forschungspraxis

Die Studierenden werden im Kurs „Ökonometrie und sozioökonomische Forschungspraxis“ mit den ökonometrischen Grundlagen und Problemen der Anwendung ökonometrischer Methoden in der empirischen sozioökonomischen Forschung vertraut gemacht.

Ziel der Veranstaltung ist die Vermittlung grundlegender Methoden und Techniken der Ökonometrie, sowie der Schwierigkeiten und Grenzen ihrer Anwendbarkeit. Darüber hinaus werden in der Veranstaltung ökonometrische Methoden auf verschiedenen Gebieten der sozioökonomischen Forschung anhand aktueller Publikationen diskutiert und praktisch nachvollzogen. Die Studierenden sollen dadurch die Fähigkeit erlangen, Ergebnisse ökonometrischer Untersuchungen zu verstehen und kritisch zu beurteilen.

Inhalte des Seminars im Überblick:

  • Ökonometrie, ökonomische Theorie und Daten
  • Methoden der Querschnittsdatenanalyse
  • Methoden der Zeitreihenanalyse
  • Fortgeschrittenere Themen der Ökonometrie
  • Aktuelle ökonometrische Anwendungen in der sozioökonomischen Forschung

Literatur

Wooldridge, J. M. (2016), Introductory Econometrics: A Modern Approach, Sixth Edition, Cengage Learning.

Wooldridge, J. M. (2010), Econometric Analysis of Cross Section and Panel Data, Second Edition, The MIT Press.

Angrist, J. D., Pischke, J.-S. (2009), Mostly Harmless Econometrics. An Empiricist’s Companion, Princeton University Press.  

 

Modulverantwortliche

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Miriam Rehm

Juniorprofessorin für Sozioökonomie mit Schwerpunkt Empirische Ungleichheitsforschung
am Institut für Sozioökonomie

Forschungsinteressen: Verteilung, Arbeitsökonomie, Wirtschaftspolitik, quantitative empirische Methoden, Agent-Based Modeling

 

Telefon: (0203) 379 - 4324
E-Mail: miriam.rehm@uni-due.de

Kurzinterview lesen: Drei Fragen an Miriam Rehm

 

und

Jakob Kapeller
Jakob Kapeller

Professor für Sozioökonomie mit Schwerpunkt Plurale Ökonomik
am Institut für Sozioökonomie

Forschungsinteressen: Ökonomischer und sozialer Wandel, Geschichte des politischen und ökonomischen Denkens, Politische Ökonomie, Heterodoxe Ökonomie, Philosophie der Sozialwissenschaften

Telefon: (0203) 379 - 4325
E-Mail: jakob.kapeller@uni-due.de

Kurzinterview lesen: Drei Fragen an Jakob Kapeller

Basismodul Verteilung, Wachstum, Ökologie

Das Modul befasst sich mit dem Spannungsverhältnis von empirischen und theoretischen Verteilungsfragen, Machtungleichgewichten, gesamtwirtschaftlicher Prosperität und ökologischen Grundlagen und Grenzen des Wirtschaftens. Im Speziellen werden die Auswirkungen der Verteilung ökonomischer Ressourcen auf die makroökonomische Entwicklung sowie auf ungleiche Möglichkeiten der Interessensdurchsetzung behandelt.

Das Modul soll einen Überblick über den Stand der ökonomischen Diskussion zu Verteilung und Ungleichheit geben. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind in drei Blöcke geteilt, die das Feld der Verteilungsforschung abdecken sollen:

  1. Mikroökonomische Datenlage und Ergebnisse der empirischen Verteilungsforschung
  2. Makroökonomische Zusammenhänge zwischen Verteilung, Wachstum und nachhaltiger Entwicklung empirischer und theoretischer Natur
  3. Politökonomische Aspekte von Verteilung und Machtfragen aus einer multiparadigmatischen und interdisziplinären Perspektive

Das Modul thematisiert außerdem grundlegende Fragestellungen der ökologischen Ökonomik, insbesondere in Bezug auf die Verteilungsdimension der Zusammenhänge von ökologischen Grenzen und ökonomischer Aktivität. Die folgenden Themen können somit je nach Schwerpunktsetzung in den Lehrveranstaltungen behandelt werden:

  1. Ökologische Grundlagen, Rahmenbedingungen und Grenzen ökonomischer Aktivität
  2. Überblick über Debatten um Wirtschaftswachstum, Grenzen des Wachstums, Postwachstumsökonomik und ökologische Transformation
  3. Sozioökonomische und verteilungspolitische Dimensionen von Umweltpolitik
  4. (Sozio-)Ökonomische und wirtschaftspolitische Implikationen von Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung

Die Lehrveranstaltung zielt darauf ab, Studierenden ein solides theoretisches, empirisches, institutionelles und politökonomisches Grundverständnis für Fragen der Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie von ökologischen Dimensionen ökonomischer Zusammenhänge aus der Sicht unterschiedlicher wissenschaftlicher Paradigmen zu vermitteln. Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden wissenschaftlichen Ansätzen und empirischen Ergebnissen, um einen Überblick über das Thema zu erhalten und eine eigenständige Arbeit verfassen zu können. Die Studierenden sollen das Rüstzeug erhalten, um eigenständige wissenschaftliche Arbeiten zu den Modulthemen durchzuführen, von der Literaturrecherche über die Themendefinition bis zur empirischen Arbeit und dem Verfassen der Arbeit. Ein zentrales Ziel ist, dass die Studierenden nach Besuch der Lehrveranstaltung eine eigenständige, kritische Meinung zu den Modulthemen bilden können, und sie ein erweitertes Argumentarium für wirtschaftspolitische Debatten zu Verteilungsthemen und Ökologie – auch außerhalb des Schulungsraums – besitzen. Außerdem sollen sie Kenntnis relevanter Kennziffern und Größenordnungen behandelten Themenbereiche haben. 

Vorlesung: Verteilung, Wachstum, Ökologie

Verteilung und Ökologie sind zu zentralen Themen der empirischen Wirtschaftswissenschaft geworden. Methodische Fortschritte in der Verteilungsforschung erlauben es der neueren empirischen wie theoretischen Literatur, über (oft implizite) Annahmen des Durchschnitts als Standard-Herangehensweise sowie eines repräsentativen Agenten hinauszugehen. Durch diese Weiterentwicklung rückten Verteilungsfragen stärker in den Blick der Ökonomie. Zudem ist Ungleichheit eine zentrale wirtschaftspolitische Herausforderung. Steigende Ungleichheit hat schwerwiegende wirtschaftliche, aber auch soziale, umwelt- und demokratiepolitische Auswirkungen. Während die derzeitige Aufmerksamkeit das Feld rasch expandieren lässt, sind noch viele theoretische Fragen offen, sowie so grundlegende empirische Probleme wie jenes der Datenverfügbarkeit oft ungeklärt. Zugleich gewinnt die ökologische Dimension in ökonomischer Theorie und wirtschaftspolitischer Praxis angesichts der Herausforderung des Klimawandels und anderer planetarischer Grenzen ökonomischer Aktivität zunehmend an Bedeutung.

Diese Lehrveranstaltung soll einen Überblick über die Konzepte und Theorien, sowie den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Verteilungsforschung und wichtiger Fragestellungen ökologischer Ökonomik geben.

Nach dem Absolvieren der Lehrveranstaltung sollen die Studierenden

  • einen Überblick über die rezente empirische Literatur zur Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung haben
  • grundlegende Arbeiten zum Zusammenhang zwischen Verteilung und Makroökonomie kennen
  • ein Verständnis für die Komplexität von Machtfragen in den Wirtschaftswissenschaften haben und unterschiedliche theoretische Sichtweisen einordnen und bewerten können
  • ein Verständnis für die Einbettung (sozio-)ökonomischer Phänomene in ökologische Grundlagen und Grenzen haben
  • ein erweitertes Argumentarium für wirtschaftspolitische Debatten besitzen

Inhalte der Vorlesung im Überblick:

  • Empirische Mikroökonomie (Funktionale, personelle Einkommensverteilung, Vermögensverteilung)
  • Empirische Makroökonomie der Verteilung
  • Theoretische Makroökonomie der Verteilung (Theorienvergleich)
  • Verteilung und Wirtschaftspolitik (Fiskal-, Geld-, Lohnpolitik)
  • Verteilung und Macht
  • Ökologische Ökonomik

Literatur

Die Literatur besteht aus Journal-Artikeln und Buchkapiteln, ergänzt durch aktuelle Literatur wie Zeitungsberichte:

Bonica, Adam; McCarty, Nolan; Poole, Keith T.; Rosenthal, Howard (2013): Why hasn’t democracy slowed rising inequality? Journal of Economic Perspectives, 27 (3), 103-124. DOI: http://dx.doi.org/10.1257/jep.27.3.103

Chancel, L., Piketty, T. (2015): Carbon and inequality: from Kyoto to Paris - Trends in the global inequality of carbon emissions (1998-2013) & prospects for an equitable adaptation fund, Paris School of Economics Study.

Elsässer, L. (2018): Wessen Stimme zählt? Soziale und politische Ungleichheit in Deutschland, Schriften aus dem MPI für Gesellschaftsforschung, Campus.

Fessler, Pirmin; Lindner, Peter; Schürz, Martin (2016): Household Finance and Consumption Survey des Eurosystems 2014: Erste Ergebnisse für Österreich (zweite Welle). Monetary Policy & the Economy Q2/16, OeNB. https://www.hfcs.at/publikationen/dokumentation.html

Gilens, M. (2005): Inequality and Democratic Responsiveness, Public Opinion Quarterly, Volume 69, Issue 5, 1 January 2005, Pages 778–796.

Goodstein, E., Polasky, S. (2017): Economics and the Environment, 8th Edition, Wiley.

Jackson, Tim (2013): Wohlstand ohne Wachstum: Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt, oekom, München.

Jaumotte, F. and Osorio-Buitron, C. (2015), Inequality and labor market institutions, IMF Staff Discussion Note No. 15/14.

Kristal, T. (2010), ‘Good times, bad times’, American Sociological Review 75(5), 729–763.

Mohai, P., Pellow, D., & Roberts, J. T. (2009). Environmental justice. Annual Review of Environment and Resources, 34, 405-43.

Piketty, Thomas; Saez, Emmanuel (2003): Income Inequality in the United States, 1913-1998, Quarterly Journal of Economics, 118(1), 1-39. DOI: https://doi.org/10.1162/00335530360535135

Saez, E. and Zucman, G. (2014), Wealth inequality in the United States since 1913: Evidence from capitalized income tax data, Working Paper 20625, National Bureau of Economic Research.

Stockhammer, E. (2017), ‘Determinants of the wage share: A panel analysis of advanced and developing economies’, British Journal of Industrial Relations 55(1), 3–33.

Wallerstein, M. (1999), ‘Wage-setting institutions and pay inequality in advanced industrial societies’, American Journal of Political Science 43(3), 649–680.

Zwickl, K., Ash, M., & Boyce, J. K. (2014). Regional variation in environmental inequality: Industrial air toxics exposure in US cities. Ecological Economics, 107, 494-509.

Übung zur Vorlesung „Verteilung, Wachstum, Ökologie“

Die Lehrveranstaltung soll die Vorlesung ergänzen, indem die Studierenden praktisch an die Erstellung einer empirischen wissenschaftlichen Arbeit herangeführt werden. Die verfügbaren Daten werden vorgestellt, und aktuelle und ältere Artikel werden von den Studierenden auf ihre empirische Strategie kritisch gelesen und diskutiert. Ziel ist, dass die Studierenden sich einen mikro- oder makroökonomischen Datensatz (z.B. EU-SILC, SOeP, HFCS, AMECO) erarbeiten, und sich anhand bestehender Artikel statistische Methoden (deskriptive Datenauswertung, Regressionsanalysen für Querschnittsdaten, Zeitreihen und Paneldaten) aneignen. Das Nachschätzen bereits publizierter Ergebnisse bietet nicht nur genaue Einblicke in die Arbeitsweise, sondern erlaubt den Studierenden, Vor- und Nachteile des Datensatzes und die Komplexität quantitativen empirischen Arbeitens bei weitgehend sichergestelltem „Erfolg“ kennenzulernen.

Literatur

Beispielliteratur empirischer Artikel:

Alstadsæter, Annette; Johannesen, Niels; Zucman, Gabriel (2017): Tax Evasion and Inequality. NBER Working Paper 23772. http://gabriel-zucman.eu/files/AJZ2017.pdf

Chetty, Raj; Hendren, Nathaniel; Kline, Patrick; Saez, Emmanuel; Turner, Nicholas (2014): Is the United States Still a Land of Opportunity? Recent Trends in Intergenerational Mobility. American Economic Review, 104 (5), 141-147.

Ederer, Stefan; Rehm, Miriam (2017): Will Wealth Become More Concentrated in Europe? Evidence From a Calibrated Neo-Kaleckian Model, FMM Working Paper.

Piketty, Thomas; Zucman, Gabriel (2014): Capital is back. Wealth-income ratios in rich countries 1700-2010. Quarterly Journal of Economics, 129 (3), 1255-1310.

Woo, Jaejoon; Bova, Elva; Kinda, Tidiane; Yuanyan, Sophia Zhang (2016): Distributional Consequences of Fiscal Consolidation and the Role of Fiscal Policy: What Do the Data Say? IMF Working Paper, 13/195.

 

Modulverantwortliche

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Miriam Rehm

Juniorprofessorin für Sozioökonomie mit Schwerpunkt Empirische Ungleichheitsforschung
am Institut für Sozioökonomie

Forschungsinteressen: Verteilung, Arbeitsökonomie, Wirtschaftspolitik, quantitative empirische Methoden, Agent-Based Modeling

 

Telefon: (0203) 379 - 4324
E-Mail: miriam.rehm@uni-due.de

Kurzinterview lesen: Drei Fragen an Miriam Rehm

Basismodul Staat und Wirtschaft

Die wesentlichen Lehrinhalte dieses Moduls bestehen in der Analyse der Wirkungen staatlichen Handelns auf grundlegende Ziele aus multiparadigmatischer und interdisziplinärer Perspektive. Dabei wird ein strikt gegenstandsbezogener Ansatz, der methodisch offenen, plural und interdisziplinär ist und bestehende Kontroversen bezüglich der finanzpolitischen Schlussfolgerungen nachvollziehbar austrägt und politisch ergebnisoffen ist.

Im Mittelpunkt stehen vier miteinander verknüpfte Themenkomplexe

  1. Grundlegende Zielsetzungen und Fragestellungen von Staatstätigkeit und Staatsfinanzen
  2. Methoden finanz-/staatswissenschaftlicher Analyse.
  3. Institutionenkunde: Staatseinnahmen und –ausgaben im föderalen System der Bundesrepublik Deutschland und in Europa
  4. Multiparadigmatische Wirkungsanalyse von Staatstätigkeit und Staatsfinanzen inkl. Fallstudien.

Das Modul vermittelt grundlegende Kenntnisse der staatlichen Institutionen in Deutschland, auch im historischen und internationalen Vergleich inklusive der quantitativen Dimension mittels der relevanten Indikatoren und Indikatorsysteme. Die Studierenden erlangen die Fähigkeit zum kritischen Verständnis multiparadigmatischer und interdisziplinärer Wirkungsanalysen staatlicher Tätigkeit und können die kontroverse wirtschafts- und finanzpolitische Debatte verstehen sowie eine realistische Vorstellung der Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Problemlösungskapazitäten entwickeln. Sie werden in die Lage versetzt, selbständig Wirkungsanalysen (ausgewählter Aspekte) staatlicher Tätigkeit aus multiparadigmatischer und interdisziplinärer Sicht durchzuführen und selbständig Problemlösungskonzepte und Reformvorschläge für ausgewählte Handlungsfelder der Staatsfinanzen zu entwickeln und diese vor dem Hintergrund verschiedener paradigmatischer Perspektiven zu begründen.

Vorlesung: Staatstätigkeit und Staatsfinanzen

Die Studierenden lernen die wesentlichen Ziele und Begründungen für die Staatstätigkeit sowie Indikatoren für deren Entwicklung kennen. Sie können unterschiedliche Methoden der Analyse der Staatstätigkeit unterscheiden und kritisch reflektieren. Vor dem Hintergrund der historisch gewachsenen Institutionen lernen sie die Wirkungen der Staatstätigkeit auf allokative (inklusive ökologischer), distributive (inklusive Geschlechtergerechtigkeit) und stabilisierungspolitische Ziele multiparadigmatisch und interdisziplinär zu analysieren und Lösungskonzepte zu entwickeln. 

Inhalte der Vorlesung im Überblick:

  • Grundlegende Zielsetzungen, Fragestellungen und Begründung von Staatstätigkeit und Staatsfinanzen
  • Methoden und Paradigmen finanz-/staatswissenschaftlicher Analyse
  • Institutionenkunde der Staatseinnahmen und -ausgaben im föderalen System der Bundesrepublik sowie auf europäischer Ebene sowie Indikatoren der Staatstätigkeit
  • Geschichte der öffentlichen Finanzen
  • Allokative Wirkungsanalysen am Beispiel von Ökosteuern und Umweltausgaben
  • Verteilungswirkungen der Staatstätigkeit
  • Genderbudgeting
  • Wachstums- und Beschäftigungswirkungen / Stabilisierungsaspekte der Staatstätigkeit
  • Staatsverschuldung und Schuldenbremsen

Literatur

Atkinson, Anthony B.: Ungleichheit: Was wir dagegen tun können, Stuttgart 2016.

Blankart, C.: Öffentliche Finanzen in der Demokratie, 8. Aufl., München 2011

Bramucci, A., Hein, E., Prante, F., Truger, A. (2019): Interactive macroeconomics. A pluralist macroeconomic simulator.

Brennan, G.; Buchanan, J.: Die Begründung von Regeln, Tübingen 1993

Chang, H.: Economics: The User’s Guide. New York 2014.

Corneo, G.: Öffentliche Finanzen: Ausgabenpolitik, 4. Auflage, Tübingen 2012.

Fritsch, M.: Marktversagen und Wirtschaftspolitik, 9. Auflage, München 2014.

Gatzer, W; Schweisfurth, T. (Hrsg.): Öffentliche Finanzwirtschaft in der Staatspraxis, Berlin 2015.

Gechert S. (2015): What fiscal policy is most effective? A meta-regression analysis, Oxford Economic Papers 67 (3): 553-580.

Nowotny, E.; Zagler, M.: Der öffentliche Sektor: Einführung in die Finanzwissenschaft, 6. Auflage, Berlin Heidelberg 2009

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2019): Aufbruch zu einer neuen Klimapolitik. Sondergutachten.

Truger, A.: Die neue Finanzwissenschaft zwischen Realitätsferne und Irrelevanz der Annahmen, Frankfurt am Main 1998.

Voß, Wolfgang; Schweisfurth, Tilmann: Haushalts- und Finanzwirtschaft der Länder der Bundesrepublik Deutschland, Berlin 2017.

Wittman, D.: The Myth of Democratic Failure. Why Political Institutions are Efficient, Chicago 1995

Zimmermann, H.: Kommunalfinanzen: Eine Einführung in die finanzwissenschaftliche Analyse der kommunalen Finanzwirtschaft, 3. Auflage, Berlin 2016.

Übung: Analyse öffentlicher Finanzen

Die Lehrveranstaltung soll die Vorlesung ergänzen, indem die Studierenden die in der Vorlesung erlernten theoretischen, empirischen und institutionellen Kenntnisse praktisch auf finanzpolitisch bzw. allgemein gesellschaftlich relevante Fragestellungen anwenden und Lösungskonzepte erarbeiten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Methoden finanz-/staatswissenschaftlicher Analyse (Neoklassische Wohlfahrtsökonomik, multiparadigmatische Makroökonomik, Institutionenökonomik, Politische Ökonomie, Neue Politische Ökonomie und Konstitutionelle Ökonomik sowie ausgewählter sozial- und politikwissenschaftlicher Methoden) und ihrer Anwendung auf verschiedene Themenkomplexe. Fallstudien und Haushaltsanalysen aus der Literatur zu konkreten Fragestellungen auf europäischer Ebene, in ausgewählten Ländern und in Deutschland auf der Ebene des Bundes-, der Länder- und der Kommunalfinanzen üben die relevanten Konzepte ein.

 

Modulverantwortlicher

Truger
Achim Truger

Professor für Sozioökonomie mit Schwerpunkt Staatstätigkeit und Staatsfinanzen
am Institut für Sozioökonomie

 

Telefon: (0203) 379 - 3561
E-Mail: achim.truger@uni-due.de

Kurzinterview lesen: Drei Fragen an Achim Truger