IAQ Pressemitteilung
Pressemitteilung vom 24.09.2026 | Redaktion: Katja Goepel
"Mehr sollte es nicht sein!"
Neuer Report zur Arbeitszeit älterer Beschäftigter
Bereits die letzte Bundesregierung setzte zur Bekämpfung des Fachkräftemangels auf ältere Arbeitnehmer*innen, insbesondere auf ältere Frauen: Sie sollen mehr und länger arbeiten. Der aktuelle Altersübergangs-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen beleuchtet, wie sich die Arbeitszeiten älterer Beschäftigter in den letzten 10 Jahren entwickelt haben.
Für ihre Untersuchung werteten die IAQ-Arbeitsforscherinnen Dr. Angelika Kümmerling und Dr. Susanne Drescher Daten der repräsentativen Arbeitskräfteerhebung von 2013 bis 2023 aus. Sie betrachteten dabei sowohl die Erwerbsbeteiligung – also wie viele Ältere (von 50 bis 64 Jahren) einer Beschäftigung nachgingen –, als auch die von ihnen geleistete Arbeitszeit. Zentrale Ergebnisse der Auswertung:
Der Anteil älterer Menschen, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, hat sich deutlich erhöht: 2023 lag er bei 78,1 %; dies entspricht einer Steigerung von 7,2 Prozentpunkten gegenüber 2013. Auch die Arbeitszeiten älterer Beschäftigter steigerten sich in diesem Zeitraum leicht (+ 0,2 Stunden), während die durchschnittlichen Arbeitszeiten aller abhängig Beschäftigten rückläufig waren. Ältere Menschen weiten demnach ihre Arbeitszeiten aus, während der Bevölkerungsdurchschnitt weniger arbeitet als zuvor: ältere Männer aus der Gruppe der 50-54-Jährigen 2023 etwas weniger als noch 2013 (- 0,5 Std./Woche); ältere Frauen derselben Gruppe dagegen deutlich mehr (+ 1,2 Std./Woche).
Es sind also tatsächlich die Frauen, die die Erhöhung der Arbeitszeiten vorantreiben. Trotzdem blieb ihr Stundenumfang deutlich geringer, als bei den Männern (Frauen: 30,0; Männer: 38,5 Std./Woche). „Der Grund für den niedrigeren Stundenumfang ist der höhere Teilzeitanteil auch unter den älteren Frauen“, erläutert Dr. Angelika Kümmerling. Dass die Arbeitszeiten bei den Männern im Beobachtungszeitraum zurückgingen, führen die Wissenschaftlerinnen vor allem auf den – auch konjunkturbedingten – Rückgang von Überstunden zurück. Ältere Frauen hätten dagegen ihre Teilzeit deutlich ausgeweitet.
Gleichzeitig zeigen die Daten, dass fast alle Teilzeitbeschäftigten (99 % der Männer; 97 % der Frauen) keine weitere Erhöhung ihrer Arbeitszeit wünschen. „Dieser Befund steht im Widerspruch zu den politischen Bestrebungen, die Erwerbsbeteiligung älterer Beschäftigter noch weiter zu steigern“, so die Autorinnen. Susanne Drescher schlägt daher vor, älteren Arbeitslosen den Weg zurück in die Beschäftigung zu erleichtern. Dies wäre z. B. durch eine arbeitsmarkt-politische Förderung möglich.
Publikation:
Angelika Kümmerling, Susanne Drescher, 2026: Arbeitszeiten von älteren Beschäftigten in Deutschland: Trends und Präferenzen. Altersübergangs-Report 2026-04. Düsseldorf/Duisburg: Hans-Böckler-Stiftung/Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Universität Duisburg-Essen. Altersübergangs-Report 2026-04 lesen
Weitere Informationen:
Dr. Angelika Kümmerling, Inst. Arbeit und Qualifikation, Abteilung Arbeitszeit und Arbeitsorganisation (AZAO), angelika.kuemmerling@uni-due.de
Dr. Susanne Drescher, Inst. Arbeit und Qulifikation, Abteilung Arbeitsmarkt - Integration - Mobilität (AIM), susanne.drescher@uni-due.de