Diskussionsreihe IAQ debattiert

Diskussionsreihe IAQ debattiert

In regelmäßigen Abständen diskutieren wir ein besonderes Forschungsthema des IAQ mit Akteuren aus Praxis, Politik und Gesellschaft. Ziel ist es, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen und aktuelle Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.

Nach dem EuGH-Urteil zur EU-Mindestlohnrichtlinie: wie lässt sich eine höhere Tarifbindung erreichen?

Montag, 18.05.2026 von 14:30 - 16:00 Uhr via Zoom

Die Bundesrepublik Deutschland kann auf viele Jahre erfolgreicher Tarifpartnerschaft mit autonomen Lohnverhandlungen zurückblicken. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Hohe Tarifbindung, eine starke Mittelschicht und im internationalen Vergleich wenige Geringverdiener. Die international vergleichende Forschung hat belegt, dass eine hohe Tarifbindung das wirkungsvollste Instrument der Verringerung der Ungleichheit der Markteinkommen ist und gleichzeitig zur Stärkung der Demokratie beitragen kann. Seit Mitte der 1990er Jahre allerdings ist die Tarifbindung von rund 80% auf jetzt nur noch 49% gesunken. Besonders besorgniserregend ist, dass wir es hier mit einem 30 Jahre andauernden Trend zu tun haben, dessen Ende bislang nicht absehbar ist.

Die Europäische Union reagierte zuletzt auf die sinkende Tarifbindung innerhalb der EU mit der Verabschiedung der europäischen Mindestlohnrichtlinie im Jahr 2022. Demnach sind die Mitgliedsstaaten mit einer Tarifbindung von unter 80% verpflichtet, Maßnahmen zur Förderung von Tarifverhandlungen zu ergreifen und diese in konkreten Aktionsplänen mit klaren Zeitplänen vorzulegen. Der EuGH hat diese Vorgabe im November 2025 bestätigt.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt von IAQ und WSI entwickelte eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe (Volkswirtschaft, Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaften) Vorschläge zur Erhöhung der Tarifbindung. Sie reichen von der Stärkung der Gewerkschaften durch Organizing, , dem Ausbau der Mitbestimmung, über der Vereinbarung von  Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder, Tariftreuegesetzen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, der Erleichterung der Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen bis hin zu einer Solidarabgabe für tarifgebundene Beschäftigte, die nicht Mitglieder einer Gewerkschaften sind, sowie Branchenausschüssen (wage boards) für Branchen ohne funktionierende Tarifstrukturen

Unsere Vorschläge sollen in IAQ-Debattiert erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert werden.

Mit: Prof. Dr. Gerhard Bosch, Frederic Hüttenhoff, Forschungsabteilung Prekarisierung, Regulierung, Arbeitsqualität (PreRa) am IAQ und Prof. Dr. Thorsten Schulten, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung, Helena Bach, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Economist für Tarifpolitik und Arbeitsbeziehungen und Dr. Jörg Weingarten vom Deutschen Gewerkschaftsbund NRW, Abteilungsleiter Industrie- und Strukturpolitik, Mittelstand und Digitalisierung.

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