Informationen zum Forschungsprojekt
Gesundheit und Mitbestimmung in Transformationsprozessen stärken
Ausgangssituation
Im Zuge von Dekarbonisierungsbestrebungen finden in energieintensiven Wirtschaftsbereichen wie dem Stahlsektor tiefgreifende Reorganisationen von Geschäfts- und Produktionsprozessen statt. Diese sind mit zum Teil erheblichen Veränderungen von Team- und Tätigkeitszuschnitten bzw. von Stellenabbau begleitet und können für Beschäftigte erhebliche psychische Belastungen und Verunsicherungen verursachen. Die arbeitswissenschaftliche Forschung hat wiederholt gezeigt, dass es begleitender Präventionsmaßnahmen bedarf, um dabei stressbedingte Erkrankungen, Arbeitsunfähigkeit, Demotivation und Fachkräfteabwanderung zu verhindern. Nur wenige Betriebe verfügen derzeit über präventive Vorgehensmodelle, die über psychosoziale Beratungsangebote hinausgehen, um die psychosoziale Gesundheit ihrer Beschäftigten in krisenhaften Arbeitssituationen effektiv und zeitnah zu schützen.
Fragestellung
Im Projekt wurde der Frage nachgegangen, wie Mitarbeitergesundheit und Mitbestimmung bei betrieblichen Transformationsprozessen proaktiv und beteiligungsorientiert gestärkt werden können. Es wurde untersucht, wie Vorgehensmodelle zur präventiven Gefährdungsbeurteilung aussehen müssen, damit die Gesundheit und Innovationsfähigkeit von Beschäftigten in Transformationsprozessen nachhaltig und gleichzeitig zeitnah gestärkt werden können. Die Projektdurchführung nach dem entwickelten Vorgehendmodell gliederte sich in fünf Phasen: 1. Problemanalyse (Entwicklung eines Prüfkatalogs für belastungskritische Veränderungsszenarien, Auswahl der Pilotbereiche), 2.Initialisierungsphase (Bereichsbegehung und Vorab-Interviews), 3. Interventionsphase (Dialogworkshops, Gestaltungsworkshops, Liste Gestaltungsmaßnahmen), 4. Evaluationsphase (Umsetzungskontrolle) und 5. Transferphase (externe Workshops und Konferenzbeiträge).
Untersuchungsmethoden
Im Rahmen des Projektes wurde prototypisch mit arbeitswissenschaftlicher Unterstützung durch die Universität Duisburg-Essen ein mitbestimmungsorientiertes Vorgehensmodell in einem Produktionsunternehmen entwickelt und erprobt. Dies geschah aufbauend auf Methoden der partizipativen Aktionsforschung. Dazu wurden die im Rahmen des Modellvorhabens generierten qualitativen Daten (Workshop-Ergebnisse, Interviews) zur Beantwortung der Fragestellung verwendet. Das erarbeitete Vorgehensmodell (HOT-Programm) wurde zusammen mit dem verantwortlichen Betriebsratsmitglied und der BEM-Beauftragten entwickelt und das Tandem inhaltlich qualifiziert. Die Durchführung der Workshops und die Kontrolle der Umsetzung erfolgte eigenständig durch das betriebsinterne Tandem.
Darstellung der Ergebnisse
Das HOT-Programm wurde im Modellunternehmen in zwei Pilotbereichen innerhalb von zwölf Monaten umgesetzt. Trotz anfänglicher Skepsis wurde eine hohe Beteiligung erreicht (77%-100%). Die Zufriedenheitsbefragung ergab positive Bewertungen für Beteiligung, Moderation und Ergebnisdarstellung, jedoch Unzufriedenheit mit der Zeitplanung der Maßnahmen. In beiden Bereichen wurden kollektive Aushandlungsprozesse genutzt, um von der Belastungsdiagnose zur Maßnahmenumsetzung zu gelangen. In einem Bereich wurden 12 Maßnahmen zur Minderung von 8 Belastungen entwickelt, im anderen 24 Maßnahmen für 12 Belastungen.
Publikationen zum Projekt
Gerlmaier, Anja, 2025: Gesundheit stärken in der Transformation – Entwicklung und Erprobung eines partizipativen Verfahrens zur anlassbezogenen Gefährdungsbeurteilung. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung. Forschungsförderung Working Paper 380 | Lesen
Vorträge zum Projekt
Dr. Anja Gerlmaier: Partizipative Präventionsstrategien in organisationalen Transformationsprozessen: Entwicklung und Evaluation des „Health Oriented Transformation Program“. 24. Workshop: Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit an der Johannes Gutenberg Universität Mainz, 14. – 16. September 2026, 16.09.2026 Weitere Informationen
Dr. Anja Gerlmaier: Psychische Gefährdungen in Veränderungsprozessen erkennen, bewerten, gestalten. Teil 3. . Tagesseminar der IG Metall zu „Arbeits- und Gesundheitsschutz“, Siegen, 18.06.2026
Dr. Anja Gerlmaier: Psychische Gefährdungen in Veränderungsprozessen erkennen, bewerten, gestalten. Teil 2. Tagesseminar der IG Metall zu „Arbeits- und Gesundheitsschutz“, Siegen, 03.03.2026
Dr. Anja Gerlmaier: Gesundheit stärken in Transformationsprozessen. Austausch IAQ mit der G.I.B, Duisburg, 10.02.2026
Dr. Anja Gerlmaier: Psychische Gefährdungen in Veränderungsprozessen erkennen, bewerten, gestalten. Tagesseminar der IG Metall zu „Arbeits- und Gesundheitsschutz“, Siegen, 02.10.2025
Dr. Anja Gerlmaier: Brandschutz für die Seele: Anlassbezogene Gefährdungsbeurteilung als Präventionsinstrument für Betriebsräte. Betriebsrätetag der IG Metall Siegen, 24.09.2025
Dr. Anja Gerlmaier: Prävention psychischer Belastung in Transformationsprozessen: Entwicklung und Erprobung des Health oriented transformation program (HOT). 71. Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e. V. 2025. „Arbeit 5.0: Menschzentrierte Innovationen für die Zukunft der Arbeit“, 25. März bis 27. März 2025 in Aachen, 26.03.2025 Weitere Informationen
Dr. Anja Gerlmaier, Maike Langenbach, Freddy Ulloa: Gesundheit und Mitbestimmung stärken in der Transformation – ein Praxisbericht aus dem Stahlsektor. 12. Konferenz der IG Metall NRW für Sicherheitsfachkräfte, Betriebsräte, Betriebs- und Werksärzte Sprockhövel, 19.03.2025 Weitere Informationen
Dr. Anja Gerlmaier: Projekt GeMiTrans: Gesundheit und Mitbestimmung stärken in der Transformation. Mannesmann Line Pipe, Betriebsrat, Hamm, 10.03.2025
Dr. Anja Gerlmaier, Heiko Aufermann, Maike Langenbach, Freddy Ulloa: Projekt GeMiTrans - Gesundheit und Mitbestimmung stärken in der Transformation. Workshopreihe Förderlinie Transformation. Was bedeutet Transformation konkret im Betrieb und in der Region? Online, Hans-Böckler-Stiftung, 07.02.2025
Dr. Anja Gerlmaier, Meike Langenbach, Freddy Ulloa: Projekt GeMiTrans - Gesundheit und Mitbestimmung stärken in der Transformation. Betriebsrätetag der IG Metall Siegen, 26.09.2024
Dr. Anja Gerlmaier: KI am Arbeitsplatz menschengerecht einführen . Deutsche Edelstahlwerke, online, 10.06.2024