Forschungsbereich: Kontextsensible Erforschung und Entwicklung des Schulsystems

In den letzten Jahren wächst national und international die Erkenntnis, dass Kontingenzfaktoren von Schule und Unterricht, wie der Sozialraum in dem eine Schule liegt, die Komposition der Schüler*innenschaft, die Struktur des Bildungs- und Administrationssystems und auch die Tradition und Kultur der Einzelschule großen Einfluss auf Praxen innerhalb von Schulen und auch auf Möglichkeiten der Veränderung dieser Praxen durch Schulentwicklung hat. Der Forschungsbereich widmet sich der national und international vergleichenden Analyse und adaptiven und kontextspezifischen Weiterentwicklung von Schulen.

Mikroprozesse der (Re-) Produktion sozialer Ungleichheit und designbasierte Schulentwicklung

Neben klassischen Merkmalen der Schul- und Unterrichtqualität konnte für leistungsförderliche Schulen in sozialräumlich benachteiligten Lagen positive und wertschätzende Beziehung und hohe Erwartungen an die Leistungsfähigkeit von Schülerinnen, die eine positive Orientierung zur Lebenswelt und ihren Familien beinhaltet herausgearbeitet werden. Jedoch skizzieren erste empirische Befunde gegenteilige Zusammenhänge: je benachteiligter das soziale Herkunftsmilieu, desto niedriger scheinen Erwartungen und Zutrauen von Lehrkräften in Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu sein. Zudem zeigen sich in ersten empirischen Arbeiten des Forschungsbereichs Abwertungsdynamiken und Defizitperspektiven bezogen auf den Sozialraum und die Lebenswelt, in der benachteiligte Kinder und Jugendliche aufwachsen. Die Arbeit des Forschungsbereichs widmet sich der Analyse und systematischen empirischen Erforschung dieser Zusammenhänge und arbeitet auch an praktischen Konzepten, diese aufzubrechen. Im Fokus stehen hier vor allem Potenzialen und Herausforderungen designbasierter Ansätze der Schul- und Bildungssystementwicklung in unterschiedlichen thematischen und räumlichen Settings und unter Einbezug vielfältiger Akteure.

Entwicklung in Netzwerken

Zwar ist die Gründung von Netzwerken im Bildungssystem mit zahlreichen Herausforderungen verbunden, jedoch gibt es eine Vielzahl an empirischen Hinweisen, dass im Rahmen solcher Netzwerke Wissen und soziales Kapital deutlich besser mobilisiert werden kann als bei einem Fokus auf die individuellen Akteure ohne Vernetzung und dass so auch Merkmale der Schul- und Unterrichtsqualität und des Lernens von Schülerinnen und Schülern positiv beeinflusst werden können. Jedoch scheint es eine zentrale Rolle zu spielen, mit welchen Methoden und forschungs- und entwicklungstheoretischen Ansätzen im Rahmen von Netzwerken und in der einzelschulischen Entwicklung gearbeitet wird.

Wissenstransfer und Systementwicklung

Vor dem Hintergrund des Nachhaltigkeitsdiskurses mit Blick auf Bildungsinnovationen stellen neben Schulen zunehmend auch Bildungspolitik und Bildungsadministration Adressaten von Transferwissen dar. Gestiegene öffentliche Investitionen und eine verstärkte Zusammenarbeit von Bildungspolitik, Stiftungen, Wissenschaft und Bildungseinrichtungen in sog. Forschungs- und Entwicklungsprojekten lassen – in Wissenschaftskreisen bei weitem nicht unumstrittene – Forderungen nach einem verbesserten Transfer von Erkenntniswissen in relevantes Handlungswissen lauter werden. Hier werden neben Qualitätsansprüchen des Wissenschaftssystems an Forschungsergebnisse auch Fragen der Transferierbarkeit des erzeugten Wissens relevant. Der Forschungsbereich widmet sich hier Startegien des Wissensmanagement und des Wissenstransfers aber auch Fragen gesellschaftlicher Machtdiskurse und Deutungshoheiten im Forschungstransfer.

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