Nicht wirklich ein Hotel, aber "All in"Wildbienenhotels, Hummelhaus und Kräutergarten

Anders als wir Menschen übernachten Wildbienen nicht in einem Wildbienen-"Hotel". Sie nutzen diese künstliche Strukturen als Nistmöglichkeiten, um ihre Eier, in eine für die jeweilge Art passende, geschütze Nisthöhle zu platzieren und selbst mit Pollen, als Nahrung für die später schlüpfenden Larven, zu befüllen. Eine passendere Bezeichnung wäre daher Wildbienen-Nisthilfe. So vielfältig wie die Gruppe der Wildbienen selbst, sind auch ihre Ansprüche an Nistmöglichkeiten und Nahrungspflanzen: von hoch spezialisiert bis zu genügsame Arten. Warum diese Insektengruppe auch für uns Menschen so wichtig ist und warum strukturreiche, naturnahe Landschaften, Gärten und Parks so wichtig sind, wollen wir auf dieser Seite erklären.

Mauerbiene auf Hibiskusblüte, Foto: Ariane Schürmann, 2020

Wildbiene - Honigbiene: Eine kurze Einordnung Was sind eigentlich Wildbienen und warum sind sie so wichtig?

Der Begriff Wildbienen bezeichnet keine einzelne Art, sondern umfasst eine ganze Gruppe von Insekten, die zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera) gehören. Rund die Hälfte der über 600 heimischen Wildbienenarten gelten aktuell als gefährdet. Gründe dafür sind der Verlust von Lebensraum: im ländlichen Raum sorgen Monokulturen und Pestizideinsatz für einen dramatischen Rückgang der Arten- und Individuenzahlen. Der Siedlungsraum ist häufig geprägt von nicht heimischen Pflanzen, die meistens nicht genügend Pollen und Nektar anbieten. Zudem sind unsere Parks und Gärten „aufgeräumt“ und strukturarm: Totholz und die Halme von Hochstauden werden im Herbst oft geschnitten und entfernt, so dass diese Nistmöglichkeiten verloren gehen. Die Versiegelung von Flächen, der Wegfall von Trockenmauern und auch energetische Gebäudesanierungen (glatt verputztes Mauerwerk mit unterliegendem Dämmmaterial) führen zu einem zunehmenden Verlust an Nistmöglichkeiten. Abgesehen von den Hummeln sind Wildbienen solitär lebende Tiere, die daher auch keine Honigvorräte anlegen, die sie verteidigen müssen.

Warum sollte uns das interessieren?

Wildbienen, zu denen auch die Hummeln zählen sind enorm wichtige Bestäuber, die bei ihrer Suche nach Pollen und Nektar unzählige Blüten besuchen und diese bestäuben. Ohne Wildbienen würde es die meisten Früchte sowie auch andere pflanzliche Nahrung, die wir für unser Leben brauchen, nicht geben.

Und was ist mit den Honigbienen?

Auch die Honigbiene (Apis mellifera) ist eine wichtige Bestäuberin, die von den Imker:innen sogar gezielt auf Feldern und Obstgärten eingesetzt wird. Allerdings ist die alleinige Bestäubungsleistung der Honigbienen bei weitem nicht ausreichend. Honigbienen verlassen ihren Stock erst bei Temperaturen von 10 bis 12 Grad (die optimale Flugtemperatur liegt bei rund 20 Grad). Hummeln dagegen sind wahre Schlechtwetterspezialisten: Königinnen fliegen bereits ab 2 Grad und Arbeiterinnen sind auch schon ab 6 Grad aktiv.


Honigbiene (Apis mellifera), Foto: Arian Schürmann, 2020

Die Honigbiene ist seit rund 9000 Jahren ein Nutztier, welches durch den Menschen gehalten und gezüchtet wird. Auch die Honigbiene ist Gefährdungen ausgesetzt, z.B. durch die aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe und ebenfalls dem Verlust von Nahrungspflanzen. Sie wird jedoch von vielen Imker:innen unterstützt, weshalb wir uns im folgenden mit der Unterstützung der Wildbienen beschäftigen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten Die Vielfalt der Wildbienen

Die Wildbienen bilden eine vielfältige Gruppe innerhalb der Hautflügler, deren kleinster Vertreter, die Dünen-Steppen-Biene (Seladonia confusa) in Reiskorngröße (3-5 mm) ist. Die Blaue Holzbiene (Xylocopa violaceae), als größte Art mißt beachtliche 2,5 cm. Genauso vielgestaltig wir ihr Aussehen sind ihre Ansprüche an den Lebensraum, insbesondere was ihre Vorlieben für Nistplätze und Nahrungspflanzen betrifft. Während die häufig anzutreffende Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) verschiedene Hohlräume in Schilf, Bambus oder Mauerritzen nutzt, legt die Zweifarbige Schneckenhausbiene (Osmia bicolor) ihre Eier ausschließlich in leeren Schneckenhäusern ab. Die Blaue Holzbiene ist kräftig genug, um ihre bis zu 30 cm langen Nistgänge selbst in morsches Holz zu nagen. Rotpelzige Sandbienen (Andrena fulva) bevorzugen nackte Böden und Pflasterritzen für den Bau ihrer Nistgänge. Sie sind wichtige Bestäuber von Beerensträuchern und Obstbäumen und haben eine Vorliebe für die Blüten von Stachelbeere und Johannisbeere. Andere Wildbienen sind auf wenige oder einzelne Nahrungspflanzen spezialisiert, wie z.B. die glänzende Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca), die nur Pfanzen der Gattung Echium (Natternkopf) zur Ernährung nutzt.

Gemeinsam ist den Wildbienen, dass sie ihren Nachwuchs mit Pollen und Nektar ernähren, die sie in den Nistgängen platzieren. Die Larven schlüpfen einige Tage nach der Eiablage und ernähren sich vom Nahrungsvorrat in der Nisthöhle: diese Wachstumsphase dauert je nach Art zwei bis vier Wochen und die Larven durchlaufen in der Regel vier Häutungsstadien bevor sie sich, in der Regel vor dem Winter in einen schützenden Kokon einspinnen. Diese "Ruhelarven" verpuppen sich bei den ansteigenden Temperaturen, durchlaufen eine vollständige Verwandlung (Metamorphose) und schlüpfen als adulte Insekten, die sich sich aus der Nisthöhle nagen. Mit der Nahrungs- und Partnersuche beginnt dann ein neuer Zyklus des Wildbienenlebens.

Die Flugzeiten der meisten Wildbienarten (und damit auch das Leben der adulten Tiere) ist nur sehr kurz und beträgt durchschnittlich 4-6 Wochen. Je nach Art werden von den weiblichen Tieren nur zwischen 10 und 30 Brutkammern angelegt, so dass Wildbienen nur eine geringe Fortpflanzungsrate haben - entsprechend wichtig ist ein gute Qualität der Nistquartiere: Wenn wir Wildbienen mit Nisthilfen unterstützen wollen, müssen wir also gute Holeliers sein.

 

Was kann ich tun? Wildbienen selbst unterstützen

Wildbienen sind, abgesehen von den Hummeln, wahre Schönwetter-Insekten, die in der Regel Warme und trockene Verhältnisse lieben. Ihre große Vielfalt in Bezug auf Aussehen und Ansprüche an den Lebensraum haben wir bereits angesprochen: Wollen wir diese wichtigen Bestäuber unterstützen, ist eine strukturreiche Kulturlandschaft sowie Gärten und Parks z.B. mit Trockenmauern, Totholz und einem reiches Angebot an Nahrungpflanzen von Anfang März bis Ende Oktober der richtige Weg. Im eigenen Garten oder auf dem eigenen Balkon, können wir auch einen Beitrag leisten und zu Wildbienen-Hoteliers werden, die folgende Punkte berücksichtigen:

  • Ein trocken-sonniger Platz, idealerweise nach Südosten ausgerichtet, mit gutem Wetterschutz, damit die Niströhren auch bei stärkerem Regen trocken bleiben.
  • Für die holznistenden Arten sollten gut abgelagerte Harthölzer (z.B. Eiche, Buche, Esche) verwendet werden. Nadelhölzer sind wegen ihrer Harzgänge ungeeignet. Die Bohrungen sollten eine Durchmesser zwischen 3 und 12 mm und eine Mindesttiefe von 10 cm aufweisen und möglichst senkrecht zu den Holzfasern ausgeführt werden (bei einem Aststück also durch die Jahresringe des Holzes hindurch). Unbedingt darauf achten, dass die Bohrungen sauber ausgeführt sind und keine Holzfasern oder Splitter in den Hohlraum ragen. Keine Nadelhölzer verwenden.
  • Gut geeignet sind auch getrocknete Stücke von Bambus, Schilf und aufgebohrte Stücke von Kiwi, Wasserdost, Goldrute.
  • Für Mauer- und Felsnistende Arten sind im Fachhandel vorgefertige Niststeine, wie z.B. Strangfalzziegel erhältlich.
  • Da Wildbienen sich bei der Suche nach Nisthöhlen optisch orientieren, sollten verschiedene Materialien mit unterschiedlichen Bohrungen verwendet werden.
  • Es ist ratsam, einen Schutz vor Vögeln (insbesondere Spechten), z.B. ein Drahtgeflecht einzubauen, welches eine Maschenweite von mindestens 2,5 cm hat.
  • Da aus hygienischen Gründen die Niströhren allle drei bis vier Jahre ausgetauscht werden sollten, ist ein modularer Aufbau sinnvoll.
  • Fertig gekaufte Wildbienenhotels sollten auf die oben genannten Kriterien überprüft werden: Nicht sauber ausgebohrte Löcher im Holz können z.B. die Flügel der Tiere beschädigen, zudem werden oft Nadelhölzer verwendet. Niströhren mit nicht ausreichender Tiefe machen die Gelege zu leichter Beute für parasitierende Schlupfwespen. Die häufig verwendeten Füllmaterialien locken außerdem Schädlinge an.

Blüten, Blüten, Blüten Ein ausreichendes Nahrungsangebot schaffen: Unser Kräutergarten

Die besten Wildbienenhotels, sorgfältig gebaut und an die richtige Stelle platziert, sind weitgehend nutzlos, wenn das Nahrungsangebot für die Tiere fehlt. Ziel ist also ein "Hotel All Inclusive" mit einem reichhaltigen Angebot an blühenden Pflanzen von Anfang März bis Ende Oktober. Hier sollten in erster Linie die Wildformen heimischer gewählt werden, bzw. explizit bienenfreundliche Pflanzen, die ausreichend Pollen und Nektar zur Verfügung stellen. Ein besondere Bedeutung haben Frühblüher: Pflanzen, die ihre Vegeationsperiode bereits abgeschlossen haben, wenn die Bäume ihre Blätter vollständig entwickelt haben und nur noch wenig Licht auf den Boden fällt. Am Lehrpfad haben wir hunderte Frühblüher-Zwiebeln gesetzt und dem Thema auch eine eigene Seite gewidmet: 

Die Bank "Zu den frühen Blühern": Frühblüherbeete

Gut geeignet als Bienenweide sind auch viele unserer Heil- und Küchenkräuter und deswegen liegt unser Kräutergarten auch direkt am großen Wildbienenhotel. Baldrian, Beinwell, Currykraut, Heilziest, Lavendel, Katzengamander und Katzenminze sowei Pfefferminze, Rosmarin, Schnittlauch und Salbei bieten ein vielfältiges Nahrungsangebot für unsere Wildbienen.

Parasitische Verwandschaft Kuckucksbienen

Bildgalerie Unsere Wildbienen und Wildbienhotels am Lehrpfad

Live aus dem großen WildbienhotelUnser Wildbienen-LIvestream

Dicke Brummer, bei fast jedem Wetter unterwegs: HummelnUnser Hummelhaus

Die Hummeln bilden eine eigene Gruppe innerhalb der Wildbienen, die 30 bis 45 Arten umfasst, abhängig davon, ob man die parasitisch lebenden Kuckuckshumeln hinzu zählt.