Alle Jahre wieder…

Interview mit Konsumforscher Prof. Oliver BüttnerAlle Jahre wieder…

Warum wird an Weihnachten so viel und teuer geschenkt?

Wenn man in die Statistik schaut, dann planen die Deutschen im Schnitt 520 Euro pro Kopf für Geschenke auszugeben. Vor zehn Jahren waren es 340 Euro. Ob der Trend des Verzichts auch die Weihnachtsgeschenke erreicht, lässt sich nicht belegen. Aber Verzicht ist in der Konsumforschung auf jeden Fall ein Thema.

Hat sich der weihnachtliche Konsum geändert?

Eine Studie zeigte: Die Zufriedenheit an Weihnachten steigt mit familiären oder religiösen Aktivitäten und Erlebnissen, während sie sinkt, wenn es um den reinen Konsum geht, also z.B. um den Geschenkeeinkauf, der einen stressen kann. Auch umweltbezogene Konsumpraktiken, wie der Kauf nachhaltiger Geschenke, gingen mit erhöhtem Wohlbefinden einher. Ursache und Wirkung sind hier aber nicht geklärt. Vielleicht bin ich gelassener und zufriedener und nachhaltigere Geschenke passen besser zu meinem Lebenskonzept und es ist nicht der nachhaltige Konsum, der mein Leben gelassener und zufriedener macht.

Was kommt denn am besten als Geschenk an?

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Erlebnisse zufriedener machen als materielle Güter. An Produkte, die wir überreicht bekommen haben, gewöhnen wir uns sehr schnell. Erlebnisse lösen positive Emotionen aus, kreieren Erinnerungen, lassen sich schlecht vergleichen und sind näher an meiner Selbstwahrnehmung. Der positive Effekt von Erlebnissen zeigt sich sowohl bei Geschenken als auch bei Käufen für einen selbst.

Was sind die Klassiker zum Weihnachtsfest? 

In Umfragen liegen Bücher, Kosmetik, Spielwaren und Kleidung vorne. Schenken ist aber keine leichte Angelegenheit. Wir  können ja oft schlecht abschätzen, ob die Wahl gut ist. Schenkende und Beschenkte berücksichtigen teilweise auch andere Faktoren bei der Bewertung eines Geschenkes. Der Schenkende macht sich beispielweise auch immer mehr Gedanken um den Preis als der Beschenkte.

Außerdem ist es so: Verschenke ich Dinge, die meiner eigenen Identität nicht entsprechen, kann das regelrecht unangenehm werden, denn das Geschenk sagt auch immer etwas über mich selbst aus. Dann wird gerne kompensiert. Verschenkt ein BVB-Fan das Schalke-Trikot, bestellt er sich vielleicht die BVB-Tasse noch für sich dazu.

Was wäre ein Geschenk, das Ihnen weh tut?

Eine Helene Fischer-CD.

Die Fragen stellte Cathrin Becker