Weihnachten im Wandel
UDE Adventskalender
Die Geschenke gibt es am 24. Dezember vom Weihnachtsmann - und sie liegen natürlich unter dem Tannenbaum. Doch war das schon immer so?
Weihnachten im Wandel
Die Antwort kennt Prof. Dr. Marcel Nieden, Professor für Historische Theologie
„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“ – doch kommt es offenbar jedes Jahr etwas anders. Zumindest in der zeitübergreifenden Perspektive der Historiker:innen ist der Wandel in der Art und Weise, wie wir Weihnachten feiern, nicht zu übersehen. Ab wann die Christ:innen anfingen, den Geburtstag Jesu festlich zu erinnern, ist nicht ganz klar. Auch wird in der Forschung darüber gestritten, ob die „Christianisierung“ des Geburtsfestes des römischen Sonnengottes oder eine Terminberechnung mit symbolischen Zahlen den Ausschlag dafür gab, den Geburtstag Jesu am 25. Dezember zu feiern.
Unzweifelhaft ist, dass sich das neue Fest ab dem vierten Jahrhundert rasch etablierte und vielfältig ausformte. Schon in der Antike drangen Vorstellungen und Praktiken aus vorchristlichen Sonnwendfeiern in die christliche Festpraxis ein, wie sich überhaupt die Metaphorik von Dunkelheit und stärker werdendem Licht unschwer mit Christus als der „neuen Sonne“ verbinden ließ. Der weit verbreitete Weihnachtsbaum dürfte indes nicht auf heidnische „Wintermaien“ zurückgehen, sondern sich eher dem Paradiesbaum mittelalterlicher Mysterienspiele verdanken. Aus dem Mittelalter stammen auch die frühesten Nachrichten von Krippenspielen und Krippendarstellungen in den Kirchen.
Ungeahnte Popularität
Im Haus Martin Luthers wurde es üblich, die Kinder nicht mehr am Nikolaustag, sondern an Heiligabend zu beschenken, so dass nun der „Heilige Christ“ die Geschenke brachte. Die älteren Gabenbringer Bischof Nikolaus und sein Knecht Ruprecht stiegen dann freilich im 19. Jahrhundert, miteinander und mit anderen Traditionen amalgamiert, als „Weihnachtsmann“ zu ungeahnter Popularität auf.
Inzwischen verlagert sich, rein statistisch betrachtet, der Schwerpunkt des Christentums nach Süden. In den kulturellen und klimatischen Kontexten Lateinamerikas, des südlichen Afrikas oder Ozeaniens sind die von den Kolonisatoren übernommenen Symbole „weißer Weihnacht“ durchaus noch präsent, werden aber vielfach neu gedeutet und auf Dauer wohl durch andere Symbole ersetzt. Religion ist eben nichts Statisches. Wie das Christentum insgesamt, so wird sich auch das Weihnachtsfest weiter wandeln.