Forschung in der Fakultät für Geisteswissenschaften

Die Geisteswissenschaften haben sich als eigenständige Disziplinen im Verlauf des 19. Jahrhunderts etabliert und gehören seitdem zum traditionellen Fächerkanon der Universitäten. Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften lassen sie sich insbesondere als kulturreflexive Wissenschaften verstehen. Als solche fördern und erforschen sie Kultur sowohl in ihrer gegenwärtigen Gestalt als auch in ihren vergangenen Manifestationen. Dabei geht es den Geisteswissenschaftlern erstens darum, die kulturelle Vergangenheit als solche zu erforschen und zu verstehen, zweitens unser Gewordensein und unsere Gegenwart durch den Bezug auf diese Vergangenheit verständlich zu machen, und hierdurch drittens auch eine kritische Auseinandersetzung mit kultureller Gegenwart auf wissenschaftlichem Niveau zu ermöglichen. In diesem letzten Punkt kommt den Geisteswissenschaften auch die Aufgabe zu, transdisziplinär am normativen Selbstverständigungsdiskurs der Öffentlichkeit zu den relevanten Fragen der jeweiligen Gegenwart zu partizipieren. Aus dieser Gesamtanlage der Geisteswissenschaften wird schließlich ihr spezifisches Forschungsprofil verständlich, welches sich nur unter Verkürzungen ihres Gehaltes und gesellschaftlichen Potentials der Forschungsmethodik anderer Wissenschaftsgruppen angleichen oder gar auf ökonomische Verwertungsinteressen hin zuschneiden lässt. Die Vielfalt der Interessen und Verständigungsversuche, in denen wir unsere Kultur(en) begreifen, spiegelt sich auch in der individualisierten Forschungspraxis der Geisteswissenschaften, mit welcher sie unsere Orientierung in der pluralen, modernen Lebenswirklichkeit kritisch unterstützen helfen.