Projekt - Kollektive dschihadistische Radikalisierung

Parteienwettbewerb und kollektive dschihadistische Radikalisierung in Subsahara-Afrika

Gefördert durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung

Seit den späten 1980er Jahren befinden sich militant-islamistische Strömungen im sub-saharischen Afrika im Aufwind. In mehreren afrikanischen Staaten haben kollektive Radikalisierungsprozesse dschihadistische Milieus hervorgebracht. Während die Entstehung dieser Milieus in Ländern wie Nigeria, Somalia, Uganda oder Mosambik der Gründung einheimischer Rebellenbewegungen den Weg geebnet hat, hat sie in anderen Staaten - so zum Beispiel in Kenia und Tansania - die regionale Expansion externer militant-islamistischer Gruppen befördert.

Die regionalspezifischen „Ermöglichungsbedingungen“ kollektiver Radikalisierung und der damit verbundenen Entstehung dschihadistischer Milieus sind bereits weitgehend erforscht. Zu ihnen zählen unter anderem der post-koloniale Aufstieg eines puritanischen, salafistisch orientierten Reformislams, die sozio-ökonomische und politische Marginalisierung muslimischer Bevölkerungsgruppen sowie vorbestehende säkulare Polarisierungsdynamiken. Dagegen sind Exploration und Erklärung potentieller „Nichtradikalisierungspfade“ bislang eher vernachlässigt worden. Das Projekt bearbeitet diese Forschungslücke, indem es das präventive Potential von Parteienwettbewerb untersucht. Im Zentrum steht dabei die folgende übergreifende Forschungsfrage: Was verhindert kollektive dschihadistische Radikalisierung?

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Konkret befasst sich das Projekt mit dem subnationalen (Nicht-)Auftreten dschihadistischer Radikalisierung in Kenia, Ghana, Mosambik und Tansania. Dabei soll geklärt werden, warum es subnationale Räume gibt, in denen militant-islamistische Milieus bislang nicht oder nur rudimentär entstanden sind, obwohl alle wesentlichen Ermöglichungsbedingungen kollektiver dschihadistischer Radikalisierung gegeben waren. Während sich in der kenianischen Küstenregion und in der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks in den späten 2000er und frühen 2010er Jahren dschihadistische Milieus herausgebildet haben, ist eine vergleichbare Entwicklung in Sansibar (Tansania) und dem ghanaischen Dagomba-Königtum bislang trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen ausgeblieben. Aufbauend auf bestehenden Erkenntnissen zu den Ursprüngen militant-islamistischer Mobilisierung im sub-saharischen Afrika geht das Projekt davon aus, dass die eingehende Untersuchung der Beziehungen zwischen salafistisch orientiertem islamischen Aktivismus und dem demokratischen Prozess einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieses „Forschungsrätsels“ leisten kann.

Eine zentrale Einsicht der neueren afrikabezogenen Forschung lautet, dass die Popularisierung militant-islamistischer Ideologien oftmals durch säkulare gesellschaftliche Antagonismen begünstigt wird. So haben gewaltbereiten Islamisten in mehreren afrikanischen Staaten inter- und intra-ethnische Trennlinien für ihre Zwecke instrumentalisiert. Das Projekt zielt darauf ab, diesen Befund zu ergänzen, indem es untersucht, inwieweit die „Elektoralisierung“ nicht-religiöser sozialer Konflikte die Öffnung politischer Spielräume für die Entfaltung dschihadistischer Rekrutierung zu blockieren vermag. Die Bearbeitung dieser Frage ist nicht nur für die allgemeine vergleichende Jihadismus-Forschung relevant, sondern verspricht auch wertvolle Erkenntnisse über die gesellschaftlichen Implikationen von Parteiensystemen im sub-saharischen Afrika zu liefern.

Methodisch fußt das Projekt auf der Durchführung kontrollierter qualitativer Vergleiche und der Rekonstruktion kausaler Mechanismen. Mithilfe dieser Werkzeuge soll unter anderem die Hypothese getestet werden, dass das Präventionspotential von Parteienwettbewerb entscheidend davon abhängig ist, ob salafistische Bewegungen historisch in vorbestehende soziopolitische Konflikte integriert worden sind.      

Die Umsetzung des Forschungsvorhabens erfolgt in enger Zusammenarbeit mit lokalen Wissenschaftler*innen. Darüber wird im Rahmen des Projektes in den untersuchten Ländern auf Grundlage der Forschungsergebnisse auch ein policy-orientierter Dialog mit verschiedenen nicht-wissenschaftlichen Akteuren organisiert. Im Fokus stehen dabei naturgemäß die Fälle, in denen ein Prozess kollektiver dschihadistischer Radikalisierung bislang nicht stattgefunden hat.

 

Projektleitung

Direktor

Prof. Dr. Christof Hartmann

Raum: LS 120
Telefon: +49 (0)203-379-4421
E-Mail: christof.hartmann@uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Projektmitarbeiter

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Jannis Saalfeld, M.A.

Raum: LS 034
Telefon: +49 (0)203-379-3847
E-Mail: jannis.saalfeld@uni-due.de
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Projekthilfskraft

Jan Bollmann, B.A.

Raum: LS 033
Telefon: +49 (0)203-379-1916
E-Mail: jan.bollmann@uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Publikationen

Saalfeld, Jannis / Hartmann, Christof 2020: Does Electoral Inclusion Constrain Jihadist Radicalisation in Africa? Development and Peace Blog, 08.12.2020.