Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Gutachten der deutschen Friedensforschungsinstitute (BICC / HSFK / IFSH / INEF) und erscheint seit 1987. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten untersuchen darin internationale Konflikte aus einer friedensstrategischen Perspektive und geben klare Empfehlungen für die Politik.

Friedensgutachten 2022: Friedensfähig in Kriegszeiten

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat die europäische Sicherheitsarchitektur zum Einsturz gebracht. Das Friedensgutachten 2022 analysiert die Eskalation, zeigt Folgen für die Ukraine und die Region auf und richtet den Blick auf die Neuausrichtung der deutschen und europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Neben den globalen Implikationen des Krieges werden auch die Erfolgsbedingungen und Grenzen von Sanktionen dargelegt und die Krise der globalen nuklearen Ordnung analysiert. Darüber hinaus zeigen die Untersuchungen zum globalen Konfliktgeschehen, dass internationalisierte Konflikte, dschihadistische Gewaltakteure sowie Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen und LGBTQI*-Minderheiten neue friedenspolitische Akzente erfordern. Und die wegen Terrorgefahr, Pandemie und Extremismus stetig ausgeweiteten Kompetenzen der Sicherheitsinstitutionen im Innern der Demokratien bedürfen ebenfalls stärkerer demokratischer Kontrolle.

Alle Beiträg des Friedensgutachtens stehen hier kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Allgemeine Pressemitteilung der Herausgeberinstitute

Stellungnahme der Herausgeber*innen

Aufzeichnung Bundespressekonferenz

Medienberichterstattung zum Friedensgutachten 2022

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/friedensgutachten-aufruestung-atomwaffen-100.html

https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-krieg-friedensgutachten-nukleare-eskalation-1.5606119

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Schroeder-Verhandlungen-muessen-erkaempft-werden,audio1151164.html

https://www.deutschlandfunk.de/friedensgutachten-konfliktforschungsinstitute-zum-krieg-dlf-fb02f31d-100.html

https://www.3sat.de/wissen/nano/220621-sendung-nano-102.html

www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/friedensforscher-begruessen-waffen-lieferungen-an-ukraine,T9O3ZAB

www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/friedensforscher-gutachten-ukraine-russland-atom-100.html 

 

Mehr zum Friedensgutachten 2022

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat weltweit politische, wirtschaftliche und soziale Folgen. Wegen der steigenden Rohstoffund Lebensmittelpreise drohen insbesondere afrikanischen Ländern Ernährungskrisen und politische Unruhen. Mögliche geostrategische Implikationen sind das Entstehen einer russisch-chinesischen Interessenkoalition, aber auch die Gefahr einer nuklearen Eskalation. Das Gutachten legt Empfehlungen an die Bundesregierung für die geplante Nationale Sicherheitsstrategie und eine neue europäische Friedensordnung vor. Die zentrale Botschaft des Gutachtens: Jetzt muss der Spagat zwischen Verteidigungsfähigkeit auf der einen und Friedensfähigkeit auf der anderen Seite gelingen.

Neue Strategien für die Außen- und Sicherheitspolitik

Die EU hat schnell, umfassend und mit großer Geschlossenheit auf den russischen Angriffskrieg reagiert. Allerdings lösen Sanktionen keine Krisen und können im schlechtesten Fall Notlagen verschärfen. Deshalb ist es wichtig, ihren (Miss-)Erfolg zu überwachen, so die Wissenschaftler:innen. Außerdem muss die EU jetzt Strategien für eine neue europäische Friedensordnung entwickeln. Sie muss in der Außen- und Sicherheitspolitik agiler und handlungsfähiger werden und Entscheidungsverfahren innerhalb der EU beschleunigen, fordern die Wissenschaftler:innen.

Es bedarf neuer diplomatischer Ansätze in der Bearbeitung von Konflikten. Weltweit ist eine Zunahme des Konfliktgeschehens zu verzeichnen, in der Mehrzahl fanden sie auf dem afrikanischen Kontinent statt. Einen großen Anteil hierbei haben internationalisierte und dschihadistische Konflikte. Regionale Akteure müssen bei ihren Bemühungen um eine friedliche Konfliktbearbeitung nachhaltig unterstützt werden, so die Friedensforscher:innen in einem Kapitel zu „Gewaltsamen Konflikten”. Eine restriktive Rüstungsexportpolitik, gezielte diplomatische Initiativen und eine Stärkung regionaler Organisationen kann dazu beitragen Konflikte einzudämmen. Das vom INEF koordinierte Kapitel „Nachhaltiger Frieden“ verdeutlicht, dass feministische Außenpolitik neue Perspektiven auf Konfliktursachen und -dynamiken wirft, indem sie Machtungleichheiten und imperiale Ansprüche, die aus einem gefährlichen Verständnis von Männlichkeit begründet werden, offenlegt. Mit ihrem operativen Fokus auf Gewaltprävention dringt sie auf das Gebot von „Friedensfähigkeit” und auf eine deutsche und europäische Außen- und Verteidigungspolitik, die über die Renaissance von Abschreckung, Aufrüstung und Sanktionierung hinausreicht.