Forschungsbereich I: Global Governance für nachhaltige Entwicklung
Forschungsschwerpunkte
► Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zum Abbau von Ungleichheiten
► Problematisierung des Entwicklungsbegriffs und Überwindung traditioneller Rollen in der Entwicklungszusammenarbeit
► Partizipation nicht-staatlicher Akteure und neue Formen von Rechenschaftspflichtigkeit (Accountability)
► Praktiken von transnationaler und globaler Governance in den Bereichen globale Gesundheit, Land, Ernährung und Armutsbekämpfung
Mit dem Katalog der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (sustainable development goals, SDGs) haben sich die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, zentrale Probleme wie Armut, Hunger, Umweltzerstörung, den mangelnden Zugang zu Bildung oder Gesundheitsversorgung bis 2030 konzertiert anzugehen. Im Mittelpunkt steht dabei der Abbau der immer noch existierenden Ungleichheiten zwischen Ländern, innerhalb von Gesellschaften oder zwischen den Geschlechtern. Mit der Verpflichtung auf „nachhaltige Entwicklung“ wird auch der traditionelle Entwicklungsbegriff auf den Prüfstand gestellt. Adressaten von Entwicklung sind nicht mehr ausschließlich Staaten des Globalen Südens, sondern Gesellschaften weltweit. Stärker als zuvor wird Entwicklungszusammenarbeit als ein Bestandteil eines vielschichtigen Gefüges von Global Governance-Praktiken verstanden.
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Mit der wachsenden Komplexität grenzüberschreitender Probleme und der Zunahme der Akteure, der eingesetzten Instrumente und vielfach parallellaufender Prozesse ist immer umstrittener, wer für wen und mit welcher Zielsetzung verbindliche Regeln setzt, wer also Autorität hat und worauf diese basiert. Die propagierten Werte und die damit einhergehenden Governance-Praktiken werden ebenso kritisch auf den Prüfstand gestellt. Deutlich wird dies an der Diskussion um Partnerschaften als Instrument der Problembearbeitung auf allen Handlungsebenen. Denn bei diesem als Allheilmittel gepriesenen Instrument stellen sich drängende, nicht nur theoretische, sondern auch sehr praktische Fragen nach dessen Ausdeutung, Legitimität, seiner Wirksamkeit und vor allem der Art und Weise der Umsetzung auf lokaler Ebene.
Auch in Netzwerken zwischen staatlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren entwickeln sich durch Machtkonzentrationen immanente Hierarchien. Daher stellt sich die Herausforderung, wie angesichts existierender Machtungleichheiten die Partizipation relevanter Stakeholder sichergestellt werden kann. Neben der Frage, wer an politischen Prozessen teilhaben darf und wer letztendlich für ein Kollektiv verbindliche Entscheidungen (basierend auf welchen „guten Gründen“) treffen darf, widmen wir uns daher darüber hinaus der Frage, wie und in welcher Form die regelsetzenden Akteure zur Rechenschaft gezogen werden können (Accountability). Konkret verbinden wir diese Fragen beispielsweise in Analysen zum „meaningful engagement“ von zivilgesellschaftlichen Akteuren.
In diesem Forschungsbereich setzen wir uns auch mit der Praxis von Entwicklungszusammenarbeit auseinander. Auf einer inhaltlich-strategischen Ebene liegt ein Schwerpunkt darauf, inwiefern Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und die damit einhergehenden Formen und Normen von Governance die angestrebte Kohärenz und Überwindung von Silos widerspiegeln. Auf der Akteursebene interessiert uns, ob traditionelle Rollen und Beziehungen zwischen staatlichen Gebern und Empfängern überwunden werden, der Kreis der beteiligten Akteure erweitert wird und Prozesse insgesamt partizipativer gestaltet werden.
Empirisch untersuchen wir die aufgeworfenen Fragestellungen im Kontext der Ausgestaltung und der Praktiken von Global Governance für nachhaltige Entwicklung vor allem in den Bereichen globale Gesundheit, Land, Ernährung(sunsicherheit), Armut(sbekämpfung) und Resilienz.
Forschungsprojekte
► Globale Trends. Perspektiven für Entwicklung und Frieden
Aktuelle Publikationen
► Ulbert, Cornelia / Kaplan, Marcus (Hrsg.) 2026: Globale Trends: Perspektiven für Entwicklung und Frieden, Band 1: Multilaterale Kooperation für Mensch und Planet, Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich. https://doi.org/10.3224/84743197
► Gaesing, Karin / Bliss, Frank / Rosenberg, Carolin 2025: Gender-Transformative Approaches in Development Cooperation: Analyses and Recommendations (AVE-Study 46b). Duisburg: Institute for Development and Peace.
► Gaesing, Karin / Bliss, Frank / Rosenberg, Carolin 2025: Gendertransformative Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit: Analysen und Empfehlungen (AVE-Studie 46). Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
► Rosenberg, Carolin 2025: Strengthening Women's Voice and Leadership : Gender Impacts of Agricultural Cooperatives in Zambia (AVE-Studie 45b). Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
► Rosenberg, Carolin 2025: Stärkung der gleichberechtigten Teilhabe und Führungsrolle von Frauen. Genderwirkungen landwirtschaftlicher Genossenschaften in Sambia (AVE-Studie 45). Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.
Forschungsbereichsleitung
Dr. Cornelia Ulbert
Raum: LS 119
Telefon: +49 (0)203-379-4422
E-Mail: cornelia.ulbert[at]uni-due.de
Mitarbeiterprofil
Mitglieder des Forschungsbereichs
Prof. Dr. Tobias Debiel
Raum: LF 324
Telefon: +49 (0203)-379-2021
E-Mail: tobias.debiel[at]uni-due.de
Mitarbeiterprofil
Carolin Rosenberg, M.A.
Raum: LS 031
Telefon: +49 (0)203-379-1436
E-Mail: carolin.rosenberg[at]uni-due.de
Mitarbeiterprofil